Genau 100 Jahre alt wurde die Modellauto-Schmiede Schuco 2012. Grund genug für die Franken, einige Jubiläums-Modelle wieder aufzulegen, die an die ruhmreiche Vergangenheit anknüpfen. So wie dieser Schuco "Kommando", die Replik eines Vorkriegs-Modells, damals wie heute mit Federwerkantrieb ausgestattet.
Der kluge Kopf hinter den cleveren Mini-Autos: Kaufmann Heinrich Müller, geboren 1886, war der Erfinder der Schuco-Modellautos. 1921 ließ er für seine Firma Schreyer & Co. den Namen "Schuco" ins Handelsregister eintragen. Unter dieser Bezeichnung stellte die Firma zunächst Spielzeug her, darunter auch ...
... das Plüschtier "Pick-Pick-Vogel" von 1928, das sich sensationelle 20 Millionen Mal verkaufte.
Der Autofreund Müller träumte vom perfekten Federwerk-Modellauto, das die Richtung änderte konnte, wenn es ein Hindernis oder die Tischkante erreichte. 1933 war es soweit, er erfand das Schuco-Wendeauto! Sein Geheimnis: ein fünftes Rad, mit dessen Hilfe das Auto einfach die Fahrtrichtung wechseln konnte. Im Bild das aktuelle Jubiläumsmodell 1010.
Das Wendeauto ist eines von knapp 200 Patenten, die Müller eintragen ließ. Doch Schuco produziert im Laufe der folgenden Jahrzehnte nicht nur Automodelle. Das hier zum Beispiel ist der "Motodrill": Mit diesem Blechmodell samt sympathischem Fahrer eroberte Schuco 1952 die Herzen der Kinder und Biker.
Die
Mercedes Silberpfeil-Rennwagen waren schon zu ihrer Zeit in den 1930er Jahren lebende Legenden. Klar, dass Modellauto-Hersteller die im Programm hatten. Hier handelt es sich um einen Baukasten namens Schuco Studio I, der jetzt wieder erhältlich ist.
Besonders hübsch ist der blaugelbe Grand-Prix-Racer, zu dem es etliche passende Figuren (Fahrer, Service-Techniker) gibt. Alle Jubiläums-Modelle werden übrigens nur in limitierten Stückzahlen aufgelegt.
Auch der rassige Mercedes Stromlinien-Rennwagen W196 aus dem Jahr 1954 war und ist ein Bausatz besonders für große Kinder.
Rollyvox 1080 nannte sich 1957 dieses Cabrio, ein Blech-Modell mit Motor- und Schwungradantrieb, das dazu noch ein Uhrwerk für Hupe und Lenkradsteuerung besaß. Fast alle Schucos basieren auf realen Modellen, dieses nicht: Der Rollyvox ist ein Phantasie-Auto, in unseren Augen ein Mix aus
Mercedes 190 SL und Goliath 1100. Jetzt ist er noch einmal zu haben.
Noch ein wieder aufgelegter Modellklassiker: der Rollfix 1085, unverkennbar ein Mercedes Ponton-Cabrio 220S. Er fährt mit der Energie einer Schwungscheibe, die mit einem halbmeterlangen Zugseil auf Touren gebracht wird. Vom Original-Modell verkaufte Schuco in den frühen 1960ern rund 20.000 Stück.
Die 1957 ins Programm genommenen Piccolo-Modelle waren und sind Schucos massive Minis im Maßstab von ungefähr 1:90. Die Piccolos haben seit jeher massive Zinkdruckguss-Körper, sind also nicht hohl und haben demzufolge kein Interieur, sondern blinde Fenster, ...
.. was hier gut zu erkennen ist. Die Piccolo-Serie läuft bis heute. Zum Beispiel als Citroën HY, wahrlich ein Guss-Klotz.
Ebenfalls erstaunlich schwer für seine Größe: der Barkas "Minol" ...
... und, vom anderen Ende der Fahrzeug-Skala, der Porsche 911 RS "Gulf Racing".
Ähnlich klein wie die Piccolo- ist die normale 1:87-Serie. Auch diese Modelle sind in Druckgusstechnik gefertigt, allerdings nicht als massiver Block, sondern hohl, so dass man durch die Kunststoff-Scheiben hineinsehen kann. Hier einige Vertreter: Beginnen wir mit dem kleinsten der Kleinen, dem Fiat 500, sogar mit Faltdach.
Schon etwas härter im Nehmen und Geben: der
Mercedes W 109 als Wettberwerbsfahrzeug mit dem großen Achtzylinder. Nein, das ist nicht der 6,3-, sondern die AMG-Version 6,8-Liter.
Nochmal Mercedes, aber deutlich zahmer: der
Strich-Acht, typischerweise in Taxibeige. In Anbetracht der winzigen Abmessungen weisen die 1:87er erstaunlich viele Details auf. Das reicht bis zum korrekten Kennzeichen: Schuco sitzt schließlich in Fürth.
Den
Jaguar XK 120 gibt's im Mini-Format 1:87 ...
... wie auch
Walter Röhrls Ur-Quattro, der Sportler unter den Audi.
Wo wir gerade bei Rennfahrer-Legenden sind: Hier ist der
BMW 3,5 CSL E9, den Hans-Joachim Stuck 1975 steuerte.
Selbiger Herr Stuck trat später im
BMW M1 an, dem schnellsten BASF-Tonband aller Zeiten, und das im Maßstab 1:87.
Der
VW 181, von den Amis liebevoll "The Thing" genannt – das Ding, oder bei dieser Größe besser: das Dingelchen.
Es lebe der Kontrast: Der Größte der Kleinen ist wohl der wunderschöne Mercedes-Omnibus O 321. Der erreicht schon die Maße eines Kleinwagens im Maßstab 1:43. Und zu dieser verbreiteten Größenklasse kommen wir jetzt.
1:43 ist der weltweit populärste Maßstab für Modellautos: groß genug, um liebevolle Details zu realisieren, klein genug, um auch umfangreiche Sammlungen in Vitrinen unterzubringen.
Beginnen wir die Einszudreiundvierziger wieder mit dem Kleinsten: Das dürfte der Mini sein. Und nein, wir denken jetzt nicht an den roten Mini aus der 70er-Fernsehserie "PS – Geschichten ums Auto".
Halt, diese beiden snd noch kleiner, wenigstens jeder für sich: Der BMW 600 (wer jetzt spontan Isetta gesagt, schaut besser mal
hier nach!) zieht den zeitgenössischen Hymer Eriba Puck. Niedlich, oder?
Nur wenig größer und ebenso reizvoll: Der
VW 1200 als
Polizei-Käfer, bereits in der ab 1976 amtlichen Farbkombination.
Wo ein Käfer ist, lauert auch sein ärgster Konkurrent, der
Opel Kadett. Hier als
Kadett B Rallye-Coupé und damit doch schon weit oberhalb der Käfer-Klasse angesiedelt. Das war der sportlichste Kompakt-Opel, bevor 1968 der GT und zwei Jahre später ...
... der Manta ins Rennen ging. Hier die erste Ausführung des Rochens, der Manta A, in rot-schwarzer Kriegsbemalung. Der ging schon gut, war aber doch ein kleiner Gernegroß im Vergleich ...
... zum zeitgleichen
Porsche 911 S. Dieser hier stellt jenen 911 dar, mit dem Björn Waldegaard die Rallye Monte Carlo 1970 gewann. Das Original existiert übrigens auch noch.
Solche Fahrzeuge sieht man auch auf Rallyes, in der Hoffnung, dass sie nicht gebraucht werden: Der Rettungswagen (RTW) Mercedes L 408.
Neben dem 911er der berühmteste deutsche Sportwagen: der
Mercedes 300 SL "Flügeltürer". Zu dem ist wirklich alles gesagt. Wir bemerken dazu noch, dass es auch ihn als 1:43-Schuco-Modell gibt.
Im witzigen Outfit erscheint hier der
VW-Porsche 914 als "Bumble Bee" (Hummel).
Klasse war der Panorama-Reisebus Setra S6. Wenigstens solange die Sonne nicht schien, sonst saßen die erwartungsvollen Italien-Reisenden ganz schnell im Treibhaus. Den S6 gibt's bei Schuco im Maßstab 1:43, doch selbst das Original, erschienen 1955, war der kleinste jemals bei Setra gebaute Bus.
Hier noch ein Automobil, das in der Klasse 1:43 zentrale Bedeutung für Schuco hat: Der Mittelklasse-Bestseller
VW Passat zieht sich wie ein roter Faden durch die jüngere Firmengeschichte.
Für die erste wie die siebte Generation des
VW Passat zeichnete Schuco als Modellhersteller im Auftrag von Volkswagen verantwortlich. Bereits 1973 bestellten die Wolfsburger 40.000 Miniaturen des Passat I für ihre Vertragshändler.
Noch attraktiver, allerdings auch deutlich teurer, sind die Schuco-Modelle im Maßstab 1:18. Sie sind besonders aufwendig und detailverliebt konstruiert, daher gibt es viel zu entdecken, wie an diesem Porsche 550 Spyder.
Unser Liebling: der herrliche
Lufthansa-VW T1. Ein absoluter Klassiker.
Noch ein Porsche 550 Spyder – und zwar der von James Dean, von diesem respektvoll "Little Bastard" genannt. Und der Held selbst sitzt tatsächlich am Steuer. Noch jubelt er, nicht ahnend, dass er in seinem zukünftigen Sarg sitzt. Okay, ein wenig makaber, aber so war's ja schließlich.
Völlig unschuldig dagegen das rote
Porsche 356 Carrera A Cabrio.
Werfen wir noch einen Blick auf die Lkw im Maßstab 1:18. Hier fällt der imposante Mercedes-Benz 322 Löschzug ins Auge.
Zugegeben, noch ein
VW Bus T1, hier als Samba, aber wir konnten uns nicht für einen der beiden entscheiden. Die echten T1 sind 30-PS-Wanderdünen, die jeden Verkehr aufhalten, aber sie sehen sooo schön aus.
Das mit der Wanderdüne vergessen wir jetzt ganz schnell: Hier ist die legendäre AC Cobra. Schuco hat Caroll Shelbys Meisterwerk als Jubiläumsmodell im großen Maßstab 1:12 in kleiner Serie neu aufgelegt. Und zwar in Rot ...
... und in mattschwarz. Leider sind beide ab Werk bereits ausverkauft.
Soweit unsere kleine Reise durch die faszinierende Welt der Modellautos. Wenn Sie noch viel mehr lesen und sehen möchten, ...
... haben wir noch einen Buchtipp für Sie: "Die Schuco-Saga ist der erste Versuch, der einhundertjährigen Geschichte der Marke zu dokumentieren. Autor Andreas A. Berse, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Modell Fahrzeug", sprach mit Zeitzeugen und sichtete das Schuco-Archiv. Dazu zeigen Fotostrecken von Markus Bolsinger Meilensteine der Schuco-Historie. Verlag Delius Klasing, Preis 29,90 Euro.
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