Schlank und hübsch, leider extrem selten: der DKW GT Malzoni. Einen davon bringt Audi demnächst nach Deutschland.
Noch heute wirkt der GT Malzoni wie von einem anderen Stern. Wie mag das wohl 1965 gewesen sein?
Es ist zum Niederknien schön, dieses Coupé. Als hätte Enzo Ferrari in den 60ern nicht nur den Jet-Set bedient, sondern auch ans Volk gedacht.
Was da über die brasilianische Landstraße flitzt, sieht aus wie ein geschrumpfter Ferrari 250 GTO. Hört sich aber ganz anders an: räng-täng-täng.
Unter der Kunststoffhaube sitzt kein filigranes V12-Wunderwerk, sondern ein etwas heiserer Dreizylinder-Zweitakter. So, wie wir ihn aus unseren DKW 3=6 kennen.
Fast niemand in Europa weiß von diesem kleinen Coupé, das in Brasilien GT Malzoni heißt. Das wird sich ändern: Die Audi-Traditionspfleger aus Ingolstadt sind ihren südamerikanischen Töchtern auf der Spur.
Bei der "Mil Milhas", der brasilianischen Mille-Miglia-Version, hätte dieser kleine Sportler beinahe den Sieg herausgefahren. Beinahe.
1966 wechselte sich Jan Balder (Foto) mit Emerson Fittipaldi am Steuer des Rennsport- Malzoni ab. Beim 1000-Meilen-Rennen von Interlagos fuhren sie haarscharf am Sieg vorbei. Warum? Das sollte sich erst im Herbst 2008 klären.
Warum fiel der Renn-Malzoni 1966 aus? Rennmechaniker Miguel Crispim und Ex-Pilot Jan Balder diskutieren.
Warum der DKW damals zickte, kurz vor dem Ziel? "Die Zündung war's", sagt Jan Balder." Miguel Crispim hält dagegen: "Nein, ihr habt ihn sauer gefahren! Ich hab' den Motor aufgemacht." Nach über 40 Jahren ist das Rätsel also gelöst.
Der rare Malzoni: ein Star in Brasilien. DKW-Fans aus Rio und São Paulo lieben ihn abgöttisch. Wegen seiner Historie fraglos, aufgrund des spartanischen Cockpits wohl nur bedingt.
Drei Pedale, zwei Sitze, ein Lenkrad, reicht: Über 40 Jahre nach der "Mil Milhas" ist der penibel restaurierte GT Malzoni auf Brasiliens Straßen wieder unterwegs.
Chromringe um jeder Runding: Der GT Malzoni ist nationales Auto-Heiligtum, befeuert von tiefer Leidenschaft.
Genaro "Rino" Malzoni, ein brasilianischer Zuckerrohrfarmer, Bankier und Amateur-Rennfahrer mit italienischen Vorfahren, hatte sich 1962 ans Werk gemacht. Malzoni liebte schnelle Autos, er liebte das gute Leben. Beides sollte irgendwie zusammen kommen. Wie, wenn nicht mit einem rassigen Coupé?
Die Karosserie hatte er selbst entworfen. Mit seinem dritten Versuch war er 1964 zufrieden. Kein Wunder: Hätte jemand ein Pininfarina-Logo angeschraubt, wir würden es glauben. Zumindest solange wir nicht an die Karosserie fassen. Denn die ist nicht von virtuosen Blechkünstlern geklopft worden, sondern aus Glasfaser laminiert.
VEMAG, der brasilianische DKW-Lizenznehmer, steuerte Chassis und Technik bei, spendierte das Markenzeichen und übernahm sogar gar den Vertrieb.
Verkaufserfolg? Der kleine Renner blieb glücklos. Vermutlich rollten nur 35 Stück der extrem teuren Coupés aus der Werkshalle in Mãtao.
Unterwegs auf brasilianischen Landstraßen: Der GT Malzoni singt laut das alte Räng-täng-täng.
Irre, was damals alles möglich war: In den 50er-Jahren eilten Modelle wie Meisterklasse, Sonderklasse oder der große 3=6 durchs Wirtschaftswunder- Deutschland. Doch wer weiß, dass DKW eine Tochter in Brasilien hatte?
Der GT Malzoni zählt in Brasilien so viel wie ein Ferrari 250 GTO in Italien.
Komposition von Farben und Formen: Auf Basis des DKW 3=6 enstand ein kompakter und erfolgreicher Rennsportwagen.
Mit 35 Exemplaren gilt der DKW GT Malzoni als gesuchte Rarität.
Lange schlummerte Brasiliens automobiles Erbe. Inzwischen formiert sich eine Oldtimer-Szene.
Für ein gefundenes Wrack, ausgerottet am Flussufer, wurden spontan 150.000 Real geboten – deutlich über 50.000 Euro geboten.
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