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Ford Granada 3.0: Der Dicke mit V6-Appeal

Ford Granada 3.0
Bürger-King: Als der Ford Granada 1972 die 20M-Ära beendete, galt er als Traumwagen des gediegenen Bürgertums – oder schlicht als Spießerkarre. Seine Zweit-Karriere als Endverbrauch-Bomber für Familien mit Migrations-Hintergrund hat der Granada spätestens in den 90er-Jahren beendet. Seitdem gilt er als hippes Szene-Mobil.
Ford Granada 3.0
Woher kommt der Image-Wandel? Sind es die V6-Aggregate, die ähnlich sexy blubbern wie ein Ami-V8? Ist es die barocke und chromgeschwängerte Form im Zeitgeist der bunten 70er? Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends jedenfalls kommt der Granada Mk I ungeheuer trendy daher.
Ford Granada 3.0
Geboren im Frühjahr 1972, endete der Produktzyklus des ersten Ford Granada 1977 – nach 865.509 gebauten Exemplaren. Davon hat bis heute nur ein Bruchteil überlebt. Erst kam der Rost, dann der Export, dann Desinteresse – und die Verschrottungs-Prämien von Ford, die manches gut erhaltene Rentner-Auto kosteten.
Ford Granada 3.0
Für Fortgeschrittene: Die Top-Limousine von Ford zählte in den 70er-Jahren zu den Schnellen im Lande. 138 PS machten Tempo 182 möglich, da mussten schon BMW 2800 (E3) oder Mercedes 280 SE (W116) her, um auf der Autobahn vorbeizuziehen.
Ford Granada 3.0
Das Etikett des Topmodells macht den Dreiliter-Granada begehrt – finden lässt sich ein gut erhaltener Barock-Ford mit Essex-Maschine nur schwer. Eine echte Alternative (weil leichter verfügbar) sind GXL- oder Ghia-Typen mit einem der kleineren V6, wobei der 2,8i auch sehr selten ist. In England ist der 3.0 verbreiteter, dort ist die Ersatzteil-Suche auch einfacher.
Ford Granada 3.0
Es muss immer wieder erwähnt werden: Im Oktober 1977 brannte das Ford-Ersatzteillager ab, seitdem herrscht bei Alt-Ford-Freunden Krisenstimmung. Der Marken-Baukasten hält Technik-Ersatz bereit, Karosserie- und Zierteile sind nur in der Szene oder im Internet zu finden.
Ford Granada 3.0
Nicht original? Von wegen: Das obercoole Sportlenkrad lieferte Ford offiziell mit dem S-Paket.
Ford Granada 3.0
Kommt in die Gänge: Mit dem Viergang-Schaltgetriebe braucht der Essex-V6 rund zehn Sekunden, um 100 km/h zu erreichen. Mitte der 70er sind das Sportwagen-Werte. Die optionale Dreigang-Automatik empfahl sich eher für gemütlichere Typen.
Ford Granada 3.0
Den Dreiliter steuerte Ford UK zum Projekt bei. Und nach dem Standort Dagenham erhielt der Motor den Namen "Essex". Der Stirnrad-Antrieb der zentralen Nockenwelle stand nicht für Drehfreude, aber mit in den Kolbenböden eingelassenen "Heron"-Brennräumen punktete der V6 auch bei Testern mit Ingenieur-Ausbildung.
http://i.auto-bild.de/ir_img/6/3/6/4/2/8/Ford-Granada-Fastback-729x486-e11752bfeb67170b.jpg
Sowohl Granada als auch den einfacher ausgestatteten Consul gab es als zwei- und viertürige Limousine, als Coupé (im Bild die bis 1974 angebotene Version mit ansteigender Gürtellinie) und als Kombi (Turnier). Coupé und Kombi sind heute sehr gesucht und extrem selten. Liebhaber zahlen für Top-Exemplare schon fünfstellige Euro-Beträge.
http://i.auto-bild.de/ir_img/6/3/6/4/2/8/Ford-Granada-II-729x486-0f45a6cd5ef4a36f.jpg
Während der Granada I in den 90er-Jahren schon in Sammler-Garagen parkte, fuhr der sachlich gestaltete Granada II (1977-1985) noch zum Autoverwerter. Dabei bot der klare Kölner mit Kanten Herausragendes: Geräumig, robust, zuverlässig und komfortabel war er, der letzte klassische Ford aus Deutschland.