Wahrzeichen der Neunziger: Mercedes machte sich mit dem Peilstab 1992 unglaublich lächerlich. Heute sind sie ein gefragtes Ausstattungsdetail und fahren - wenn auch alles funktioniert - beim Einlegen der Stufe R leicht surrend aus.
Länge läuft, die leicht überdimensionierte Mercedes S-Klasse vom Typ W140 beweist diese Binsenweisheit sehr eindrucksvoll. Der "kurze" S misst 5113 mm, der SEL ist weitere zehn cm länger. Am Gebrauchtmarkt spielt die Länge allerdings keine Rolle, denn für den langen Radstand bezahlen Käufer keinen Aufpreis.
Übersichtlichkeit und Funktionsvielfalt vereint das W140-Cockpit nahezu vorbildlich. Wichtig für Gebrauchtwagenkäufer: Sämtliche Bestandteile der Sonderausstattung (Klima, Tempomat, Sitzheizung) sollten funktionieren.
Bei der Beurteilung der Sitzheizung ist allerdings Gnade angebracht: Die Po-Röster grillt nicht so brutal wie bei aktuellen Oberklasse-Fahrzeugen. Nach fünf Minuten schaltet die Mercedes-Sitzheizung automatisch eine Stufe runter - auch wenn der Sitz noch kühl ist.
Radio in der S-Klasse? Kenner achten auf Becker, mittlerweile auch bei eBay ein stark nachgefragter Artikel. Das Modell Becker Audio 10 wird ab 110 Euro gehandelt
Leder? Ja, aber dann bitte schwarz. Die Farbe bleicht kaum aus, abgewetzte Stellen sind selbst an der linken Fahrersitzwange selten. Türverkleidungen wie hier im Bild zeugen von der bis ins Detail reichenden liebevollen Verarbeitung.
Das sitzt! Den W140 gibt es als Vier- oder Fünfsitzer. Beliebt sind die elektrisch verstellbaren Einzelsitze mit der pneumatischen Lordosenstütze. Leider ist auch die elektrische Sitzverstellung eine typische Schwachstelle, und zwar auf allen Plätzen.
Welchen wählen? Keinesfalls den Diesel, egal ob mit 150 oder 177 PS. Beide neigen zur Überhitzung und gelten als lahm. Besser: Der laufruhige 400 oder 420 mit 286 oder 279 PS. Der 500 ist mit 320 oder 326 PS die beste Wahl, allerdings liegen die laufenden Kosten weit über S 400 oder S 420. Und der 600: Abartig teuer an der Tanke, Steuer und Versicherung geben dem Konto den Rest.
Ölverlust am Antriebsstrang ist ein Zeichen mangelnder Pflege, denn bei einem Wartungsintervall von 10.000 Kilometer würde der Mechaniker leckende Stellen rasch entdecken. Reparaturen kommen teuer, eine neue Ölwannendichtung kostet für einen Mercedes 400 SEL knapp 500 Euro
Ein Blick auf die Fahrwerkgummilager lohnt. Sind sie spröde wird es teuer und ungemütlich. Achten Sie bei der Probefahrt auf Knarrgeräusche bei Bodenunebenheiten, ein sicheres Zeichen für spröde Lagerbuchsen.
Manche meinen, dass das Differential länger hält als der Rest des Autos. Die Hardyscheibe lebt zwar nicht ewig, doch 400.000 Kilometer sollten es schon sein.
Urteilen Sie bitte nicht zu hart über diesen Schuh. Was wir sagen wollen: Das hohe Gewicht des W140 bewirkt ebenso hohen Verschleiß der Bremsklötze und -scheiben.
Felgen und Blinkerleuchten zeigen eindeutig: Diese Mercedes S-Klasse stammt schon aus der Periode nach dem Facelift. Leider begann Mercedes damals auch mit Korrosionsschutz zu sparen, achten Sie bei solchen Fahrzeugen auf die Radläufe.
Nicht, dass der Mercedes W140 ein Designerstück wäre. Doch gegen das Coupé C140 wirkt er nahezu wohl proportioniert. Die Gebrauchtwagenpreise gleichen jenen der Limousine, ebenso die Liste aller typischen Mängel.
Ab Werk gab es für den W140 noch kein Tuning, auch wurde keine offizielle AMG-Version angeboten. Dieser verlängerte Mercedes kam Brabus in die Hände und ist mit Leder bis in die letzte Ritze ausgestattet.
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Drehen wir das Rad der Zeit zurück: Als Urvater der S-Klasse sehen Historiker den W111/W112 an, der zwischen 1959 und 1968 neue Maßstäbe in Sachen Sicherheit setzte
Barock wie ein Sakralbau, verarbeitet wie ein Wagon der Bahn: Der W116 gilt für viele als die erste "echte" S-Klasse, leider forderte der Rost schon viele Opfer aus dem Bestand von 473.035 gebauten Fahrzeugen.
1870 Millimeter Breite waren in den Siebzigern echt ein Wort, wobei die dicken Chromstoßstangen optisch die Abmessungen stark unterstreichen.
Willkommen in den Siebzigern! So schön sind nur wenige Mercedes der Baureihe W116, die leider bildet die Cockpitoberfläche unter UV-Strahlung mitunter tiefe Risse. Elektriksorgen kannte Mercedes damals noch nicht.
Den W126 sehen viele als die eleganteste S-Klasse aller Zeiten, hier stimmten Linien und Proportionen wie noch nie in der Firmengeschichte von Mercedes. Das Design kam offensichtlich gut an, 818.036 Limousinen fuhren aus der Produktionshalle.
Im Vergleich zum Vorgänger W116 wirkt die Mercedes S-Klasse vom Typ W126 nahezu futuristisch. Leider gibt es heute kaum noch Gebrauchtwagen mit intakten Holzeinlagen, Risse an der Oberfläche sind fast schon Standard.
Der W126 hatte auch einen Coupé-Ableger, den C126, offiziell SEC genannt. Rahmenlose Türen, sportlichere Sitze mit mehr Seitenhalt und eine fehlende B-Säule
1998 löste der W220 das Dickschiff W140 ab, optisch bemühte sich dieses S-Klasse um Zierlichkeit und Wiedergewinnung. Der W220 ist schmäler als sein Vorgänger W140 (nur 1855 statt1886 mm) und kürzer (nur 5038 statt 5113 mm, im Vergleich jeweils das Modell mit kurzem Radstand.
Das Comand in der S-Klasse W220 gilt als eines der gefragtesten Extras, wird aber leider auch oft geklaut. Ersatz kostet rasch mal 3000 Euro. Verarbeitung und Materialen sind auch bei diesem S frei von Tadel.
Auch Brabus tobte sich am Mercedes W220 aus und baute so ziemlich alles ein, was die Unterhaltungselektronikindustrie auf Lager hatte. Gebrauchte Brabus-Limousinen sind selten, ihr Preis liegt je nach Ausstattung weit über den üblichen Marktpreisen.
C215 lautet die interne Bezeichung für dieses Coupé, gebaut zwischen 1999 und 2006. Bevor Sie der ästhetischen Dachform erliegen, holen Sie ein Angebot Ihrer Haftpflichtversicherung ein. Teurer kann man nämlich kaum in Deutschland unterwegs sein. Der Mercedes CL war der erste Pkw mit aktivem Fahrwerk (Active Body Control), basierend auf einer Stahlfederung.
Die Luftfederung des W220 ist sagenhaft komfortabel, ein Ausfall führt zu einem Werkbesuch der je nach Defekt bis zu 3000 Euro kosten kann
W221 nannte 2005 Mercedes die neue S-Klasse, die durchaus als Notebook auf Rädern bezeichnet werden darf. Infrarot-Nachtsichtassistent, adaptives Bremslicht und Distronic brachten frischen Wind in das Stuttgarter Oberhaus.
Schneekönig S-Klasse? Eigentlich nicht, doch nach dem W220 brachte Mercedes auch den Nachfolger W221 mit Allrad (4matic) auf die Winterfahrbahnen. Unproblematisch im Alltag, spielt auf dem Gebrauchtwagenmarkt aber keine relevante Rolle.
Hund tot, Kinder aus dem Haus? Dann spricht nichts gegen den Coupé-Ableger C216. Erstaunlich, doch auch dieses auf den ersten Blick riesige Coupé ist in seinen Abmessungen kleiner als das Dickschiff Mercedes W140.
Stand der Dinge im Jahr 2009. Die viereckige Uhr erinnert an eine edle Reverso.
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