Drei, zwei, eins – meins: Für 3000 Euro kaufte Dirk Lievrée aus Köln den 54er Ovali im Internet. Nur ein Vorbesitzer, und fast original belassen, da schlug der Kölner direkt zu. Erst mal haben. Dabei blieb es dann. Bis heute. In Zukunft auch.
Winke, Winke(r): So wurde früher der Richtungswechsel angezeigt.
Der Ovali hat ein Dreispeichenlenkrad. Der Tacho zeigt 77.632 Kilometer an, ist aber mindestens schon einmal rum.
Auf den Sitzen mit Fischgrätenmuster kommt man sich in Kurven näher.
Wichtige Gedächtnisstütze: Der rote Kilometerzähler gibt Auskunft, wann das letzte Mal getankt wurde.
Im Heck des Ovali schnattert ein Boxer, der seine 30 PS Leistung bei 3400 Umdrehungen bringt.
Szene-Fans nennen rostige Autos: "Ratte". Ein schäbiges Tierchen, aber Kult. Hier sieht man die 1200er "Ratte" (30 PS) mit Sperrwolf als Wegfahrsperre.
Und immer wieder ist es wie ein kleines Wunder, wenn der 30-PS-Boxer losprasselt. Als würden die Menschen im Stummfilm plötzlich das Reden anfangen. Kaum zu glauben, dass diese Rostlaube fährt. Und wie sie fährt. 1954 betrug der Neupreis 3950 DM.
Die Schuhe zum Auto: Sebastian Müller (26) trägt Chucks in Leuchtorange aus dem Secondhandladen. Sein Käfer ist von 1974. Vor drei Jahren entdeckte der Webdesigner seinen Käfer am Straßenrand, als der Käfer noch namenlos und der Zustand ein Häufchen Elend war.
Ein richtiges Mädchen: Sebastian Müller taufte seinen 1303 "Josephine", schmückte den Käfer mit Hawaii-Dame und schenkte ihm eine eigene Internetseite (www.josephine1303.de).
Der Bruder half beim Restaurieren. Im November 2004 startete Sebastian das Projekt 1303, baute Armaturenbrett und Motor aus, schliff dem Wagen den Rost vom Leib, erneuerte alle Gummidichtungen. Die schwarzen Kunstledersitze kommen vom Sattler.
Auch den Boxer zerlegte er. "Mein Bruder und ich haben alles selbst gemacht. Bis auf den Lack und die Sitzpolster", sagt Sebastian Müller." Und nebenbei schweißte der Käfer auch die Brüder zusammen. "Wir haben Bier getrunken, gegrillt und Rockmusik gehört."
Manchmal ist Josy auch eine eifersüchtige Zicke. Nebenbuhlerinnen auf dem Beifahrersitz bestraft sie mit Liegenbleiben oder täuscht Pannen mit Motorstottern an. Dabei ist Josy topfit. Obwohl ausgerechnet ...
... an Sebastians Geburtstag ein BMW am Bahnhof Hamburg-Altona in sie reinrauschte. "Das war der 31. Mai", erinnert sich Sebastian. Und er sagt es, als wäre es der 11. September gewesen.
Lieder sind Luxus – zumindest aus dem Radio. Sebastian fuhr anfangs mit Ohrstöpsel Käfer.
Kreativ und peppig: Den Schaltstock befreite Sebastian von Farbe und setzte einen Würfel drauf.
Original mit Szene-Schick: lackierte Räder und US-Bordsteinwarner. So schick fährt Josy durch Hamburg. 1974 betrug der Neupreis 7480 DM.
Ein Auto wie ein Vulkan: Wenn die 160 PS erst mal loslegen, lodert das Käfer-Herz. "Ich wollte einen Wolf im Schafspelz." Peter Thielen, 40 Jahre alt, Angestellter bei der DHL am Köln-Bonner-Flughafen. Kein Wunder, dass bei dem Mann die Post abgeht ...
Dieser Käfer lebt auf großem Fuß: Den 1200er schmücken Porsche Hackmesser-Räder. Hinzu kommt ein 44er-IDF-Weber-Doppelvergaser. Zusammen mit den offenen Luftfiltern sorgen die für Höllensound.
Im Handschuhfach ist Platz für Öldruck- und -temperaturanzeige. 1968 betrug der Neupreis 5435 DM.
Tempo 130? Nur zum Aufwärmen. Der Tacho zeigt maximal 220 km/h. Das Rezept für seine Käfer-Restaurierung kommt aus Amerika. Da heißt es: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Hubraum. Also ...
... ließ Peter Thielen den 1,5-Liter-Boxer auf zwei Liter hochzüchten und einen Weber-Doppelvergaser einbauen. Der Drehzahlmesser ist im Stil der 68er und die Sitze aus gelochtem Leder.
Kennzeichen D: Peter Thielen tunte seinen Käfer nur zeitgemäß. Die schwächelnden Trommelbremsen tauschte er gegen gelochte Scheiben aus der Tuningszene aus. Deshalb verwehrte ihm der TÜV auch ein historisches Kennzeichen.
Motor mit 160 PS: Im März 2003 kaufte Thielen den 1500er, in erster Linie wegen des Motors. "Davon hab ich mich blenden lassen." Der Wagen sah optisch ganz gut aus, aber hinter der Fassade tat sich ein Fass ohne Boden auf.
Zwar scharfgemacht und ziemlich schnell, aber immer noch mit freundlichem Augenaufschlag und flaniertauglichem Faltdach. Die liegenden Leuchten stammen vom Käfer bis 1967.
Familienbild mit Spar-Käfer: Heinz und Betty Jumpertz mit dem australischen Terrier Schnuppi. Vor 35 Jahren kaufte das Ehepaar den Wagen bei einem alten Traditionshändler in Jülich.
"Etwas mehr als 5000 Mark hat der Käfer damals gekostet", sagt Heinz Jumpertz. Dafür gab's aber nur die nackte Sparversion. Mit alter Pendel-Hinterachse, härterer Federung, bescheidener Innenausstattung und schwachem 34-PS-Motor.
"Der Käfer war unser Stadtwagen", erzählt Heinz. Und vergisst, dass der Käfer noch immer ihr Stadtwagen ist. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – der Käfer begleitet Heinz und Betty bald ein halbes Leben lang. Da geraten die Zeiten schon mal durcheinander.
Nackte Tatsachen: Wie der Name schon sagt – ein Standard-Käfer bietet alles andere als ein Leben im Luxus. Radio und Digitaluhr rüstete Heinz Jumpertz nach.
1972 kostete der 1200er-Käfer nicht mehr als 5390 Mark. In den 70er- und 80er-Jahren wuchsen die beiden Töchter auf der Rückbank auf. Die gehört heute ausschließlich dem Terrier Schnuppi. Der macht es sich auf einem braunen Teppich bequem.
Der Käfer sah Jahre lang nur Jülicher Rübenäcker, das kleine Zentrum, die umliegenden Dörfer, bis Tochter Angela den Wagen nach Köln entführte. Sie studierte an der Euro-Akademie, während der Wagen in der Großstadt litt.
Das Auto funktionierte einfach nach dem Motto: Und läuft und läuft und läuft. Das soll auch so bleiben. Tochter Angela meldete Interesse an, auf dem Nummernschild stehen bereits ihre Initialen "AJ". Weil sie zu viele Geschichten mit dem Käfer verbindet, will sie sich nicht trennen.
Sparte nicht an Farbe, sonst aber an allem: Der 1200er von 1972. Alles, was den 1200er bequemer, sicherer, hübscher macht, kaufte das Ehepaar im Italienurlaub am Gardasee. Die Kopfstützen, Sicherheitsgurte, Thermometer.
Die Firma Memminger verkauft "Feine Cabrios für feine Menschen". Der Preis für so einen First-Class-Käfer mit beheizten Recaro-Sportsitzen und Wurzelholz stößt gern an die 40.000-Euro-Marke. Boris Schnitger gehört zu den Kunden von Memminger. Ja, er ist ...
... ein feiner Mensch. Aber anders, als Sie denken. Er suchte keine VIP-Betreuung, sondern die perfekte Restaurierung, weil an dem Käfer Kindheitserinnerungen hängen. Was macht es da, dass sein sein 1303 Cabrio mit 50 PS in den Bergen mehr Schub gebrauchen könnze.
Kurz vor Schluss: Die Käfer-Cabrio-Produktion endete am 10. Januar 1980. Boris Schnitgers' Modell ist Baujahr 1979, eines der letzten.
Eine Augenweide: Marsroter Lack und neu gepolsterte Kunstledersitze.
"Ich hab' den Käfer schon geputzt, bevor ich ihn fahren durfte", sagt Schnitgers. Da war der heute 36-Jährige gerade mal 15 Jahre alt. Sein Vater hatte den 1303 (Baujahr 1979) von einem Bekannten gekauft, als Spaß-Auto fürs Wochenende.
2001, der Käfer war längst seiner, stand Schnitger dann vor der Entscheidung: investieren oder trennen? Rost nagte an den Schwellern, zwei Jahre zuvor hatte er den Wagen noch durch den TÜV gebracht. Er entschied sich, Geld in die Hand zu nehmen, der Liebe wegen.
Der Tacho stammt von Spezialist Memminger in Reichertshofen. Der Ort liegt 50 Kilometer von München entfernt, eine szenebekannte Werkstatt mit Top-Mechanikern.
Die Heckleuchten ("Elefantenfüße") sind ein unverwechselbares Käfer-Merkmal.
Luftgekühlt und stets zu Diensten: original 50-PS-Boxermotor.
Da fährt er hin: Das VW Käfer Cabriolet 1303 LS, Baujahr 1979, hatte einen Neupreis von 7079 DM.
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