Noch gibt es Mercedes-
W 124-Limousinen für kleines Geld – auch mit sechs Zylindern und üppiger Ausstattung. Einem Erstbesitzer nur 5000 Euro für seinen gepflegten Mercedes 300 E zu geben ist zwar korrekt und marktgerecht – fühlt sich aber unwürdig an.
Die Presse empfahl 1985, statt zum Vierzylinder-Bestseller 230 E doch gleich zum Sechszylinder 300 E zu greifen – wenn man es sich denn leisten könne. Der hohe Aufpreis von 8600 Mark sei durch Mehrleistung und -ausstattung durchaus gerechtfertigt.
Das Fahren im Sechszylinder wirkt wie eine therapeutische Sitzung: Der 300er nervt nicht mit Eigensinn, er versteht seinen Benutzer, passt sich an. Der muss ihn nur noch laufen lassen und schwimmt gelassen im Verkehr mit.
Normal ist das nicht: Viele Extras trieben den Neupreis dieses 300 E von 1992 auf etwas über 100.000 Mark. Weder Wurzelnuss-Holz noch Becker-Kassettenradio oder Klimaautomatik gehörten vor 20 Jahren zur Serienausstattung.
Mit 223 km/h war der aerodynamisch ausgefeilte 300 E bemerkenswert schnell – schneller sogar als ein 300 SE vom Typ
W 126, mit dem er sich ab 1985 den Motor teilte. Auch in puncto Komfort hatte der kompaktere Sechszylinder die Nase vorn, wie damals Vergleichstests ergaben.
Gut ausgestattete Exemplare sind begehrt und teuer, aber nicht immer gut – bei der Suche nach einem Mercedes W 124 zählen also Geduld, genaues Hinsehen und Kompromissbereitschaft, was die Ausstattung angeht – ein guter Zustand ist deutlich wichtiger.
Sein Vorgänger: der erfolgreiche Mercedes W 123, hier in seiner Paraderolle als Taxi. In zahlreichen Versionen vom 200 Diesel bis zum 280 E, als Coupé und, erstmals bei Mercedes, als Kombi fand er zwischen 1976 und 1985 weit über zwei Millionen Käufer und noch mehr Freunde.
Der W 124 nach der Modellpflege (1993-1995): Der 300 E erhielt zum letzten Mal ein Facelift, das ihm unter anderem weiße Blinker und einen Mercedes-Stern hinter dem Grillrahmen ("Plaketten-Grill") bescherte. Kurz nach der Modellpflege änderte sich die Typenbezeichnung, die E-KLasse erhielt ihr "E", zum Beispiel als E 220, E 250 D.
1995 löste eine völlig neue Mittelklasse-Generation namens W 210 die 124er-Reihe ab. Das neue Soft-Design polarisierte das Publikum, insbesondere das Vier-Augen-Gesicht missfiel der Klientel. Heute stehen gebrauchte W 210 niedriger im Kurs als die älteren W 124. Das liegt an den erheblichen Qualitätsproblemen, mit denen der W 124 den Daimler-Ruf kräftig lädierte.
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