Der W100 war in den 60er- und 70er-Jahren nicht nur Technologieträger und Statussymbol, er war auch eine bequeme Reiselimousine. Grund genug für Elvis, sich gleich zwei
Mercedes-Benz 600 zuzulegen.
Den einen nahm er mit auf Tour, mit diesem 600er mit kurzem Radstand war der King of Rock 'n' Roll privat unterwegs, besuchte zum Beispiel zusammen mit Ehefrau Priscilla und Tochter Lisa Marie Freunde in Kalifornien.
1970 kaufte der King den himmelblauen
Mercedes 600 und fuhr ihn knapp zwei Jahre lang. Und nicht nur das. Die originale Registration Card beweist, dass das Auto sogar auf Elvis' Namen zugelassen war.
Am 6. Dezember 2010 wird der
Mercedes vom Auktionshaus Bonham's versteigert. Wenigstens 100.000 britische Pfund Erlös (ca. 120.000 Euro) werden erwartet. Denn Elvis Presley hat nicht nur diesen Daimler bewegt, ...
... sondern vor allem viele, viele Menschen. Zum Beispiel im hessischen Bad Nauheim: Hier leistete er von 1958 bis 1960 seinen Wehrdienst ab. Rund 50 Jahre später schaute sich AUTO BILD KLASSIK mal vor Ort um, am "Elvis-Presley-Platz" in der "Elvis-Stadt", mit seinem damaligen fahrbaren Untersatz, ...
... einem weißen
BMW 507.
Bad Nauheim ist eine Elvis-Pilgerstätte: Blumen von einer Uschi stehen zwischen denen des Elvis-Stammtisches Ludwigshafen, einem mit Tesa-Film aufgeklebten Gruß "with all my love forever" und einer halben Marlboro, die jemand hier für den King deponierte. Für alle Fälle.
Wer auch immer diese Uschi sein mag, Elvis lebt in Uschis Herzen weiter. Und er lebt in den Erinnerungen von Rita Issberner-Haldane (85). Zögernd öffnet sie die schwere Holztür jener Villa, die bis 2007 noch das Hotel Grunewald war, ...
... und die am Elvis-Presley-Platz steht, der doch eigentlich nur eine Kurve ist.
Die alte Dame lässt keine Fremden mehr ins Haus, aber der weiße alte
BMW da draußen, der weckt Erinnerungen. Und da macht Rita mal eine Ausnahme. "Zimmer 10, zweiter Stock", sagt sie. Dort hat Elvis gewohnt, nachdem er aus dem Park Hotel ausgezogen war.
Kein halbes Jahr zwar, aber lang genug, um Eindruck zu hinterlassen. "Der Elvis, der war doch eigentlich so schüchtern. Bei uns aber ist er richtig aufgeblüht." Rita gehört damals das Hotel zwar nicht, aber sie ist da, wenn er abends kommt, seinen
BMW auf der Kies-Einfahrt parkt.
"Dann setzte er sich auf das Sofa und redete mit uns über Gott und die Welt." Er zieht aus, als seine Bodyguards, die in den Zimmern 14, 15 und 17 wohnen, mal wieder über die Stränge schlagen. "Elvis war das peinlich." Sein Zimmer ist seitdem fast unverändert.
Elvis und sein Gefolge mieten ein Stück weiter für 3000 Mark im Monat das Haus in der Goethestraße 14. Täglich um 19.30 Uhr schreibt Elvis nun Autogramme. Die 14-jährige Angelika Springauf ist schon weit vor halb acht in der Goethestraße. Angelika liebt Elvis und seine Musik.
"Wir warteten auf der Straße vor dem Haus, dann kam er im weißen Sportwagen, ein tolles Auto." Angelika Springauf wohnt auch heute noch in Bad Nauheim, und wenn sie sich mit Freundinnen in der Goethestraße trifft, dann verabreden sie sich auch jetzt noch "beim Elvis".
Die junge Angelika besitzt einen Plattenspieler mit Batterie, den bringt sie mit zum Haus. Und Schallplatten. Dann kommt Elvis, kramt in den Scheiben und legt auf. "Manchmal kam er abends um halb zehn nochmal raus – nur zum Reden."
Der
BMW gehört zu Elvis, ist Elvis. Die Mädchen schreiben so lange mit Lippenstift ihre Telefonnummern und Liebesgrüße auf den Wagen, bis Elvis ihn umlackieren lässt – in Lippenstiftrot.
Mädchen, die in Friedberg wohnen, die nimmt Elvis auch mal mit in seinem Sportwagen. "Als er mir einmal über die Wange streichelte", erinnert sich Springauf und lächelt, "da habe ich mich eine Woche lang nicht gewaschen."
"Dieser Entenschwanz und die berühmtesten Koteletten der Welt müssen ab. Der Bursche braucht endlich einen vernünftigen Haarschnitt!" Das schreibt 1958 die "Deutsche Soldatenzeitung". Und Karl-Heinz Stein macht sich an die Arbeit.
Auch Stein, der Einzige, den der Soldat Presley an seinen Kopf lässt, hat sich ein kleines privates Elvis-Museum eingerichtet. Nur Elvis' abgeschnittene Haare hat er irgendwann mal verschenkt. Dafür besitzt er die Nachbildung von Elvis' Uniform, ...
... die er auch auf einem Plattencover trug.
Mit einem Klassiker in der Kaserne: die Tankstelle der heute stillgelegten Militäranlage "Ray Barracks". Elvis musste es hier nicht lange aushalten.
Nach fünf Tagen in der Barracke 3707 zog der King wieder aus und quartierte sich im Hotel ein. Auch in Sachen Haarschnitt wurde für den berühmten Soldaten eine Ausnahme gemacht: "Der durfte die Haare drei, vier Zentimeter länger tragen.", erzählt Stein.
"Der Elvis war ein unglaublicher Mann, mit ihm kam eine andere Welt in die Frisierstube. Diese ruhige Ausstrahlung ..." Auch der
BMW 507 habe viel besser zu ihm gepasst als der
Cadillac, den er anfangs fuhr. Der sei viel zu groß für ihn gewesen. "Aber der BMW – wie maßgeschneidert."
Und der ehemalige Zeitungsfotograf Mickey Bohnacker erzählt: "Wir waren oft gemeinsam im Jazzkeller in Frankfurt.
Er im BMW vorweg, ich in meinem
Porsche 356 hinterher, den mit 1100 Kubik." Sie sehen Dizzy Gillespie, Chet Baker. Eine tolle Zeit. Wie er Elvis in Erinnerung hat? "Nett. Und dufte ausgesehen."
Und so hört sich das immer an, wenn man Menschen fragt, die Elvis in seiner Zeit in Deutschland kennenlernen durften. Es scheint, als schwirre der junge Mann aus den Südstaaten noch immer in den Köpfen der Menschen.
Der "King" ist Geschichte, der
BMW 507 aber steht leibhaftig vor uns. Logisch, dass man da noch mal genauer hinschaut: "Traum von der Isar" und "BMW-Sensation" – das waren die Reaktionen, als auf der IAA 1955 der BMW 507 präsentiert wurde.
Seitdem gilt der Roadster, von dem zwischen 1956 und 1959 nur 251 Stück hergestellt wurden, als Design-Ikone. Der 507 entstand nach Entwürfen des Designers Albrecht Graf Goertz (1914–2006).
Technische Grundlage bildete der BMW 502, eine 3,2-Liter-Limousine. Das Chassis wurde verkürzt, die Leistung auf 150 PS gesteigert. Je nach Hinterachsübersetzung schaffte der 507 bis zu 220 km/h.
Der als einer der schönsten Sportwagen aller Zeiten geltende 507 war zudem wichtig für das internationale Ansehen von BMW. Neben Elvis Presley orderten auch Show-Stars wie Alain Delon, Marylin Monroe oder Maria Callas den Roadster.
Der für damalige Verhältnisse mit 26.500 DM sehr teure BMW stand wie kaum ein anderes Auto für Luxus. Doch Elvis zum Trotz: In Amerika verkaufte BMW nur wenige Dutzend 507. Nach drei Jahren wurde die Produktion eingestellt.
Doch der Mythos dieses Sportwagens lebt weiter. Das Design des im Jahre 2000 präsentierten BMW Z8 lehnte sich stark an den 507 an (lang gezogene Niere, Seitenkiemen).
Und die PS-Werte der Modelle M5 und M6 wurden von BMW auf 507 festgelegt, angeblich eine Reminiszenz an den 507.
Inzwischen sind die BMW 507, von denen fast alle bis heute überlebt haben (davon zwei mit Sonderkarosserien), begehrte, kaum zu erstehende Sammlerstücke. Das von Elvis Presley gefahrene Auto befindet sich heute in privater Hand, sein Besitzer meidet die Öffentlichkeit.
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