Als Mercedes die kleinen Modelle der Heckflossen-Baureihe (W 110) 1961 präsentierte, gab es für die Diesel-Version 200 D keine Konkurrenz. Kein anderes Fahrzeug vergleichbarer Größe war derartig günstig in den Unterhaltungskosten: Der 55 PS starke Diesel ist problemlos mit acht bis neun Litern zu bewegen.
"In Rufweite hinter der Mode" (Daimler-Werbespruch) blieb die Baureihe 110 nicht. Die Heckflossen folgten dem Modetrend der 50er Jahre aus den USA. Daimler erklärte den Kunden, dass die "Peilstege" die Übersichtlichkeit der Karosserie beim Einparken verbessern würden. Das stimmt sogar!
Gemütlicher Gleiter: Der Fahrkomfort einer Mercedes-Heckflosse ist auch heute noch herausragend. Platz ohne Ende, bequeme, gut gepolsterte Federkern-Sessel. Der dezent nagelnde Vorkammer-Diesel unterstreicht den komfortablen Charakter des 200 D: Das monotone Laufgeräusch des Diesels wirkt ebenso beruhigend wie das ganze Auto.
Diesel-Gedenkminute: Der Zugstartschalter muss so lange gezogen werden, bis die Glühwendel hinter dem "Salzstreuer" rot glimmt. Dann den Starter weiterziehen, und der OM 621 beginnt die Karosserie bis ins Mark zu erschüttern. Einmal warm gefahren, nagelt und vibriert er nur noch dezent.
Marathon-Läufer: Der OM 621 ist einer der anspruchslosesten und langlebigsten Motoren, die jemals ein Auto antrieben. Wartungsaufwand: gelegentliche Ölwechsel, Reinigung des Ölbad-Luftfilters, Kontrolle des Ventilspiels und Austausch der Diesel-Filter. Der Motor dankt es mit ewigem Leben.
Bis zur Modellpflege 1965 trug die kleine Heckflosse Warzenblinker auf den vorderen Kotflügeln. Danach waren die Blinker unter den Scheinwerfern angeordnet. Mit der Modellpflege einher ging auch ein Namenswechsel: Aus dem 190 D wurde ein 200 D.
Bevor sich Mercedes 1978 mit dem 123er T endgültig in den noch nicht existierenden Markt der Luxus-Kombis traute, exerimentierte Mercedes mit Kombi-Umbauten der Heckflosse. Die "Universal" genannten Kombi-Typen wurden beim Karosseriebauer IMA in Belgien gefertigt und waren 1966 und 1967 offiziell bei Mercedes bestellbar.
Moderne Zeiten: Der Ponton-Mercedes (Baureihe W 120 und W 121) kam 1953 als erster Mercedes mit selbsttragender Karosserie, die Kotflügel waren in die Karosserieform integriert. Der Vorgänger der Heckflosse wurde bis 1962 gefertigt.
68er-Revolution: Als die neue Mercedes-Mittelklasse 1968 erschien, protestierten einige Kunden. Im Vergleich zur barocken Heckflosse mit üppigem Chromschmuck geriet der Strichachter sachlich und funktionell. Der Erfolg gab ihm jedoch Recht: Mit 1,9 Millionen produzierten Fahrzeugen war er erfolgreicher als alle seine Vorgänger zusammen.
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