Die Mutter aller Mittelklassen, der Liebling aller Taxifahrer und als Kombi sogar ein Trendsetter: die legendäre Baureihe 123 von Mercedes. Die T-Modelle begründeten ab 1978 die Klasse der Luxuskombis, die sich sowohl technisch als auch qualitativ deutlich von der Konkurrenz distanzierten.
Der Daimler-Vorstand wollte die Bezeichnung "Kombi" unbedingt vermeiden. Man befürchtete einen Imageschaden. Auch wollte man sich von den schlichteren Fahrzeugen der Konkurrenz absetzen. Im April 1977 fiel die Entscheidung: Die neuen Typen bekommen die Bezeichnung T-Modell, wobei das T für "Tourismus und Transport" steht.
Da die T-Modelle ein neues Segment erschlossen, hielt sich Daimler bei der Planung der Produktion etwas zurück – und lag voll daneben: Im ersten vollen Produktionsjahr 1979 plante man 18.000 Fahrzeuge, doch es wurden 28.405. Die Kunden griffen begeistert zu.
Der T-Laderaum setzte 1978 neue Standards: versenktes Heckklappen-Schloss aus massivem Guss, im Dachrahmen versteckt angeordnete Scharniere und Gasdruckstoßdämpfer, im Schlossmechanismus integrierter Schalter für die Beleuchtung, zwei Staufächer unter dem Ladeboden.
Nobel-Laster: Das Reserverad verschwindet links unter einer Abdeckung, hinter einem Klappfach rechts sind Verbandskasten und Warndreieck untergebracht. Der Teppich hat die gleiche Farbe wie die Innenausstattung. Wurden Velourspolster geordert, ist auch der Laderaum mit Feinvelours ausgestattet – viel zu schade, um ihn zu beladen.
Serienmäßig konnte die T-Limousinen 560 kg zuladen, auf Sonderwunsch sogar 700 kg. Um dieses Gewicht sicher auf die Straße zu bringen, hatten alle T von Beginn an serienmäßig eine hydropneumatische Niveauregulierung an der Hinterachse.
T wie Turbo: 1980 bot Daimler den ersten schnellen Luxuskombi mit aufgeladenem Dieselmotor an. Der Top-Diesel wurde ausschließlich im T-Modell angeboten. Der 300 TD Turbodiesel leistete 125 PS und kostete 1980 37.143,10 D-Mark – und war somit teurer als der 185 PS starke 280 TE!
Bis zur zweiten Modellpflege im September 1982 grenzten sich die Typen 280 TE und 300 TD Turbodiesel durch Breitbandscheinwerfer und verchromten Lüftungsgittern an der Windschutzscheibe von den übrigen Typen ab. Nach der Modellpflege erhielten alle 123er Breitbandscheinwerfer, ...
... die T-Modelle ließen sich fortan nur noch am Heckschriftzug identifizieren. So wie der Türgriff fühlt sich das ganze Auto an: massiv, solide, sicher. Türen mit Bügel-Türgriffen lassen sich bei einem Unfall leichter öffnen, weil höhere Zugkräfte angesetzt werden können.
Die 14-Zoll-Radzierblenden waren immer in Wagenfarbe lackiert. Die T-Modelle hatten grundsätzlich Stoßstangenecken aus schwarzem Kunststoff, während die 123er-Coupés und die Sechszylinder 280 und 280 E Stoßstangenecken aus verchromten Stahlblech hatten.
Aerodynamische Anfänge: Seit der Modellpflege 1982 befindet sich an der A-Säule eine verbreiterte Blende, die die Verschmutzung der Seitenscheiben vermindert. Der Beifahrer-Außenspiegel war beim 123er T serienmäßig.
Viele sehen im 123er den letzten echten Mercedes. Er trug noch üppigen Chromschmuck, seine Karosserie glich einem Panzerschrank. Weder die Konstruktion noch die Fertigung folgte dem Diktat des Rotstifts, die Qualität war die beste, die es zu kaufen gab. Zahllose 123er im harten Alltagseinsatz in Nordafrika beweisen das noch heute.
Deutsches Wohnzimmer: Federkern-Sitze, Zebrano-Holzleiste und das klassische Vierspeichen-Lenkrad machen den 123er zur gutbürgerlichen Stube. Die Verarbeitung war erstklassig, die Materialien überstanden sechsstellige Laufleistungen ohne Verschleißspuren.
Kombi-Instrument: Noch übersichtlicher lassen sich Anzeigen nicht gestalten. Nur noch wenige 123er wurden mit Lenkradautomatik geordert. Ein Automatikgetriebe mit vier Gängen war für alle Motorisierungen lieferbar.
Der 123er war ein großartiger Erfolg: Insgesamt entstanden von 1975 bis 1986 2,69 Millionen Fahrzeuge, davon 199.517 T-Modelle und 99.884 Coupés. In Deutschland existieren heute noch rund 50.000 123er (Stand 2008).
Der Vorgänger des W 123, der von 1968 bis 1976 gebaute Mercedes-Strichacht, war der erste Millionenseller der Stuttgarter. Kompaktes Format, viel Platz, solide Technik, neue Schräglenker-Hinterachse und eine riesige Modellauswahl machen den /8er erfolgreicher als alle seine Vorgänger zusammen: 1,9 Millionen Mal wurde er gebaut.
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