Eine der schönsten Straßen der Republik: die Burgenstraße. An der Route, die heute rund 1000 Kilometer lang ist und bis nach Prag führt, liegen 70 Burgen, Schlösser und Burgruinen aus den unterschiedlichsten Epochen. Unser Begleiter: der Mercedes 450 SEL 6.9.
1954 schlossen sich die Städte Mannheim, Heidelberg, Heilbronn, Rothenburg o.d.T., Ansbach und Nürnberg zur Arbeitsgemeinschaft Burgenstraße zusammen. Ziel war es, die Gebiete links und rechts dieser Verbindung touristisch zu erschließen.
Gleich zu Beginn der Burgenstrecke ein Highlight. Der wunderschöne, 72 Hektar große Schlossgarten von Schwetzingen lockt jährlich eine halbe Million Besucher an. Spitzname: "Kurpfälzisches Versailles".
Alter Auto-Adel auf Stippvisite im Schlosspark. Die Blütenpracht ist einfach überwältigend.
Neckargemünd: Die kleine Fähre verbindet die Länder Hessen und Baden-Württemberg. In Eintracht mit der idyllischen Ruhe setzt man hier über.
Der Mercedes 450 SEL 6.9 spielte Mitte der 70er in einer eigenen Liga. Ein Benz wie eine Burg, respekteinflößend, unnahbar.
Die 1972 vorgestellte S-Klasse W116 (280 S bis 450 SEL) markierte seinerzeit die Spitze des Automobilbaus.
Wer hier Platz nahm, signalisierte qua dem Obhutsrecht des Sitzes: Hier kommt automobile Aristokratie.
Die Tankanzeige geht so schnell runter wie das Tacho hoch geht: Der Sechspunktneun ist bis heute der unbestritten fetteste, verschwenderischste deutsche Nachkriegs Pkw.
Das Bedienelement entsprach dem Standard. Dahinter verbarg sich allerdings die Messlatte, was technisch machbar war. Der Sechspunktneun war eines der ersten Autos in Serie, das optional ein ABS-System anbot.
Das wohl beste Auto der Welt bot Fahrleistungen wie ein Sportwagen bei exzellentem Komfort dank Hydropneumatik.
Die Linienführung signalisierte aristokratische Abstammung, die doppelten Chromstoßstangen hielten das gemeine Volk auf Distanz.
Obwohl er bis zu 30.000 Mark (!) teurer war als ein 450 SEL, wurden in fünf Jahren 7380 Sechspunktneun verkauft, unter anderem an Prominente wie Mireille Mathieu und Reinhard Mey.
Haßmersheim-Neckarmühlbach: Begegnung mit Ritter Uwe, der Burg Guttenberg bewacht. Und die Burgschänke betreibt.
Langenburg: Kleiner Plausch am Wegesrand mit Fritz Schnepf, der auf seinem 1964er Trecker unterwegs ist zur Pferdekoppel.
Auf dem Schloss Langenburg residiert noch heute deutscher Hochadel und betreibt ein sehenswertes Automuseum. Für Autofans gehört die fürstliche Fahrzeugsammlung mit rund 60 Exponaten zum Pflichtprogramm.
Eine schöne Übernachtungsmöglichkeit kurz hinter Langenburg: das Hotel Markusturm in Rothenburg.
Auf der Burgenstraße über traumhaft schöne Straßen durchs Neckartal, entlang an Jagst und Tauber, durch die Fränkische Schweiz, den Frankenwald und das Fichtelgebirge.
Langsam und behäbig, so rollt die Kutsche mit voller Pferdestärkenkraft über die Nebenstraßen. Die Bäume stehen dem Fürsten Spalier.
Otto Unbehauen, der Besitzer von Burg Colmberg, hat 1964 die baufällige Anlage übernommen und jahrelang renoviert.
Heute betreibt er in dem alten Gemäuer ein Hotel. Die Übernachtung in einem echten Burghotel könnte romantischer nicht sein.
Zum Spaß fährt Unbehauen einen Ford A aus dem Jahr 1927. "Mit meinen 38 PS bin ich schon diverse Alpenpässe hoch", sagt er, startet den Motor und knattert den Burghügel hinab in den Ort.
Gößweinstein: Die Burg aus dem 11. Jahrhundert ist schon aus der Ferne zu sehen.
Pottenstein: Ortseinfahrt vor malerischer Kulisse. Über den Häusern thront auf einem Berg die mehr als 1000 Jahre alte Burg.
Felsenbad Pottenstein: Das in den 20er-Jahren erbaute Felsenbad gilt als eine der schönsten Freibadanlagen Deutschlands.
Auf dem Weg zur Heldburg: Niedrigtourig über Nebenstrecken bummeln, da ist der Sechspunktneun in seinem Element.
Vom Turm der Veste Heldburg wurden bei drohender Gefahr Feuerzeichen gegeben. Daher der Name "Fränkische Leuchte".
Bad Colberg-Heldburg: Hinter den märchenhaften Fassaden soll hier 2011 das Deutsche Burgenmuseum eröffnen.
Routenplanung auf der Veste Heldburg. Wo liegt die nächste Burg? Die Bauten haben Jahrhunderte wechselvoller Geschichte überdauert.
Einige bilden heute die Kulisse für Freilichtspiele, Konzerte, Rittermahle und historische Märkte.
Wer hier Platz nimmt, aufrecht sitzend und den Stern im Blick, schaut mitleidig herab auf die neuzeitliche Massenbewegung mit ihren armseligen Plastikstoßfängern und den ängstlich aufgerissenen Mäulern in fratzenhaft verzogenen Frontpartien.
Eine kleine Stärkung und weiter geht's.
Himmelbetten, Ritterrüstungen und herrliche Aussichtsterrassen lassen Besucher in den Burghotels und -restaurants die Atmosphäre vergangener Tage erleben.
Wie aus dem Bilderbuch säumen jahrhundertealte Gemäuer die Strecke und erzählen Geschichten aus vergangenen Epochen. Wir lassen folgend einfach die Bilder für sich sprechen.
Weitere Bildergalerien und Videos zum Thema finden Sie in den Empfehlungen auf der linken Seite.