Ein Auto mit Heiligenschein? Nein, es ist der gute alte Golf I, der sich in Südafrika immer noch großer Beliebtheit erfreut. Doch jetzt hat VW die Produktion endgültig eingestellt.
Ausgerechnet zum 35. Geburtstag ist Schluss: VW wird den Golf I in Südafrika nicht länger bauen. Am 2. November 2009 ist die Fertigung des Klassikers im Werk Uitenhagen auslaufen.
Der Standort wird für 275 Millionen Euro modernisiert, die Produktion komplett umgestellt, da bleibt kein Platz für den Golf I, der am Kap noch fast in Originalversion und weitgehend in Handarbeit entstand.
Künftig sollen Polo und Jetta die große Lücke schließen, die der Ur-Golf hinterlässt. In Südafrika ist der "Citi-Golf" vor allem bei jungen Leuten beliebt, besonders wegen seines günstigen Preises.
Für umgerechnet knapp 2000 Euro Anzahlung und 100 Euro Monatsrate über sechs Jahre macht er noch immer Menschen mit schmalem Budget mobil. Ein Golf VI kostet mehr als das Dreifache.
So sieht es drinnen aus: Immerhin hat es mittlerweile ein Fahrer-Airbag ins Cockpit geschafft.
Die Ankündigung für das Aus des Golf I kam schon häufiger, dieses Mal meinte es VW jedoch ernst. Südafrikas VW-Chef David Powels wusste, dass es nicht einfach wird, die Entscheidung zu vertreten: "Wir werden zweifellos einige negative Reaktionen erhalten, weil der Wagen noch viele Fans hat."
Doch der von Giugiaro gezeichnete Käfer-Erbe ist vor allem in Sachen Sicherheit nicht mehr zeitgemäß: Zwar gehört ein Fahrerairbag inzwischen genau wie ein Radio zur Grundausstattung, viel mehr Modernes hat der Einser-Golf jedoch nicht zu bieten.
Seit 1978 wurde er in Südafrika nahezu unverändert gebaut und seitdem rund 500.000 Mal verkauft. Aus, vorbei.
Nicht nur die Südafrikaner werden den Golf vermissen: Auch zahlreiche Touristen schätzten den Klassiker, der von Autovermietungen als billiges Einstiegsmodell angeboten wird.
Der Golf bedeutete 1974 einen radikalen Neuanfang für VW. Das kantige Design von Giugiaro kam sehr gut an, bereits 1976 fertigte VW den einmillionsten Golf. Der dreitürige Basis-Golf hatte 50 PS, wog 790 kg, erreichte 145 km/h, verbrauchte neun Liter Normalbenzin und kostete 1974 8000 D-Mark.
Das praktische Karosseriekonzept mit vorn eingebautem Quermotor, Frontantrieb und großer Heckklappe machte den Golf I familientauglich. Im täglichen Umgang war er viel praktischer als der antiquierte Käfer. Bis 1983 produzierte VW sechs Millionen Golf I.
Aus der Seitenperspektive tritt die kantige Karosserie des Golf I mit der wuchtigen C-Säule deutlich zum Vorschein. Das neue Kompaktwagen-Konzept kam so gut an, dass der Golf 1976 den Käfer vom Thron der deutschen Zulassungsstatistik stieß.
Die edlen Leichtmetallfelgen kosteten selbstverständlich extra. Serienmäßig stand der Golf L auf 4,5 x 13-Stahlfelgen, Reifengröße 145 R 13.
Als Armaturenträger noch "Bretter" waren: viel Hartplastik, Rundinstrumente in tiefen Höhlen, wenige Schalter. Jeder E-Herd ist heute schwerer zu bedienen als ein Golf I.
Ein Drehzahlmesser im 50-PS-Golf war in den 70ern ein echtes Highlight. Passend zu Aufbruchstimmung, die ein Golf 1974 vermittelte: die Tachoskala bis 180 km/h. Beim 1100er war jedoch Schluss bei 142 km/h...
Die Motoren im Golf I sind robust, aber nach über 30 Jahren nicht ganz ohne Schwachstellen. Neben dem üblichen Ölverlust neigen die Motoren zu verschlissenen Ventilschaftdichtungen (hoher Ölverbtrauch) und durchgebrannten Zylinderkopfdichtungen (meist Folge eines defekten Thermostats).
1975 erschien der Golf GTI, der auf den Autobahnen der 70er Jahre mächtig Eindruck machte. VW rechnete mit maximal 5000 Golf GTI, doch schon im ersten vollen Verkaufsjahr wurden es zehn Mal so viele. Insgesamt fertigte VW über 350.000 Golf I GTI.
Ab 1980 sorgt das Golf Cabrio für Frischluftspaß in der Kompaktklasse. Aufgrund seines charakteristischen Überrollbügels und der kantigen Karosserie wird es häufig "Erdbeerkörbchen" genannt. Bauzeit von 1979 bis 1993, insgesamt werden bei Karman in Osnabrück rund 80.000 Cabrios gebaut.
Der Golf II nahm das Design- und Technikkonzept seines Vorgängers auf, er bot jedoch mehr Platz und eine hervorragende Qualität. Der Golf II war ab 1986 auch mit Allradantrieb lieferbar. Der dreitürige Golf C mit 55 PS wog bereits 890 kg, war maximal 155 km/h schnell und konsumierte neun Liter Normalbenzin. 1983 kostete er 13.490 D-Mark.
1991 präsentierte VW die dritte Generation Golf, erstmals ohne Rundscheinwerfer. Die Karosserie ist runder, die Scheiben sind bündig eingepasst. Für das Basismodell 1.4 CL mit 60 PS zahlte man 1991 19.975 D-Mark. 960 kg Leergewicht, Verbrauch 6,6 Liter Super, 157 km/h Spitze.
Der Golf IV kam 1997 mit schnörkellosem und glattflächigem Design. Die Karosserie war erstmals bei einem Golf vollverzinkt und beeindruckte mit geringen Spaltmaßen. Der dreitürige Golf 1.4 Trendline hatte 75 PS, wog 1085 kg, errreichte 171 km/h, konsumierte 6,5 Liter Super und kostete 1997 25.700 D-Mark.
2003 kam die fünfte Auflage des Bestsellers. Anfangs erfüllte er nicht die Verkaufserwartungen von VW, durch aufgewertete Serienausstattung kurbelte VW den Verkauf an. Der dreitürige 1.4 Trendline leistete 75 PS, wog 1153 kg, verbrauchte 6,9 Liter Superbenzin, erreichte 164 km/h und kostete 2003 15.220 Euro.
Die neueste Interpretation des Golf kam im Oktober 2008 in den Handel. Das Design wurde gegenüber dem Vorgänger nur behutsam geändert. Eckdaten des dreitürigen 1.4 Trendline: Grundpreis 16.650 Euro, 80 PS, 172 km/h und 6,4 Liter Verbrauch (Super).
Das praktische Karosseriekonzept mit vorn eingebautem Quermotor, Frontantrieb und großer Heckklappe machte den Golf I familientauglich. Im täglichen Umgang war er viel praktischer als der antiquierte Käfer. Bis 1983 wurden sechs Millionen Golf I produziert.
Größer, komfortabler und viel bessere Langzeitqualität als der Vorgänger: Der Golf II ist auch im Jahr 2008 noch täglich im Straßenbild anzutreffen. Mehr als eine Million Golf II sind noch auf deutschen Straßen unterwegs. Insgesamt fertigte VW 6,3 Millionen Fahrzeuge.
Auto des Jahres 1992: Den Golf II gab es erstmals auch als praktischen Variant. Der Golf VR6 war ab 1991 der erste Sechszylinder in der Kompaktklasse, der TDI revolutionierte ab 1993 den Dieselmarkt. Keiner sonst bot derartige Fahrleistungen bei so geringem Verbrauch. 4,8 Millionen Golf III liefen von Band.
Der Golf IV war ab 1999 mit Pumpe-Düse-TDI lieferbar, die zwar wenig verbrauchten und leistungsfähig waren, aber sehr brummig liefen und teuer in der Fertigung waren. Leistungsträger der Baureihe: der Golf R32 mit 241 PS. 4,1 Millionen Exemplare fertigte VW.
Ab 2005 gab es den VW Golf mit dem per Kompressor und Turbo aufgeladenen 1.4 TSI-Vierzylinder. Die Grundidee des Konzeptes: Kleiner Hubraum und Aufladung, das steigert die Leistung und minimiert den Verbrauch. In Kombination mit dem Doppelkupplungsgetriebe ein beeindruckendes Konzept.
Der Golf VI basiert auf der Plattform des Golf V. Optisch nähert er sich VW Passat CC, Touareg und Scirocco an. Der geizigste BlueMotion-Diesel begnügt sich laut VW mit 3,8 Litern auf 100 Kilometer.
Aus der Seitenperspektive tritt die kantige Karosserie des Golf I mit der wuchtigen C-Säule deutlich zum Vorschein.
Der Golf II wirkt gestreckter, runder und bauchiger als der erste Golf.
Auch der Golf III bleibt der VW-Designlinie treu. Die Karosserie präsentiert sich nochmals gerundet und aerodynamisch optimiert.
Evolutionsstufe Nummer vier: Das Design des Golf IV ist von Sachlichkeit und Funktionalität geprägt. Er diente VW-Designchef de'Silva als Vorbild für den neuen Golf VI.
Im Vergleich zu seinen Vorgängern fällt besonders die nach hinten ansteigende Gürtellinie des Golf V auf. Sie lässt den Golf dynamischer wirken.
An der Seitenansicht des Golf VI hat sich gegenüber dem Golf V nicht viel geändert. Am auffälligsten sind die geänderten Scheinwerfer und Rücklichter sowie umgestaltete Türgriffe.
1974 begann die Erfolgsgeschichte des VW Golf. Seitdem liegt der Golf nahezu ununterbrochen auf Platz eins der deutschen Zulassungsstatistik. Bis 2008 fertigte Volkswagen mehr als 26 Millionen Golf.
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