Ein Geniestreich feiert 25. Jubiläum: das
Saab 900 Cabrio. Kurz nach Modellstart im Jahr 1986 war die Lieferzeit schon auf drei Jahre angewachsen, das Cabrio war in den USA und in Europa gleichermaßen beliebt. Wegen bester Alltagstauglichkeit und der unverwechselbaren Optik ist das erste 900 Cabrio noch heute absolut angesagt.
Ein Auto für Besserverdienende war das Saab 900 Cabrio von Anfang an. Einstiegspreis 1987: 67.100 D-Mark. Ein Schnäppchen ist es bis heute nicht. Gut erhaltene Exemplare mit Saugmotor kosten um 12.000 Euro. Die begehrten Turbos sind noch teurer.
Für soviel Geld gibt es neben offen zu Schau getragener Extravaganz auch Alltagstauglichkeit, dank Panorama-Scheibe, Ledersitzen, elektrohydraulischem Verdeck mit heizbarer Heckscheibe und echtem Kofferraum.
Das dicke Verdeck gehört mit zum Besten, was seinerzeit Cabrios wetterfest machte. Das mehrschichtige Verdeck mit heizbarer Heckscheibe macht das 900 Cabrio voll wintertauglich. Seine Mechanik arbeitet bei entsprechender Pflege weitgehend problemlos.
Offen oder geschlossen – der edle Schwede wirkt immer souverän. Und zwar bei jedem Wetter. Dem Cabrio eilt seit Marktstart der Ruf voraus, ein echter Klassiker für Sommer und Winter zu sein.
Bullig: Die großen Stoßfänger gehen auf die US-Profis der American Sunroof Corporation zurück. Die nämlich hatte
Saab – im Bauen von Cabriolets unerfahren – mit der Entwicklung des Autos betraut.
Saab-Puristen verzehren sich nach den Turbos. 175 PS leistete der Top-Turbo 16 S mit elektronischer Ladedruckregelung APC, die eine höhere Verdichtung ermöglicht. Mit G-Kat sind es noch 160 PS.
Hier geht es rund - klassische Instrumente. Und im Cockpit waren alle Knöpfe und Regler in Fahrergriffweite, so der Ergonomie-Grundsatz ab 1978 bei Saab.
War der Saab 900 bislang ein Auto für intellektuelle Individualisten und Künstler, so eroberte Saab mit dem 900 Cabrio eine weitere Klientel: die der erfolgreichen Yuppies, die sich mit ihrem Auto von Porsche- und BMW-Fahrern absetzen wollten. 1993 wurde die Cabrio-Produktion eingestellt.
Macht Druck: der Motor des 900 Turbo 16 S entwickelt 175 PS und 273 Nm. Der Sauger 900i mit 126 PS (zwei Liter) oder 136 PS (2,1 Liter) gibt sich eher zäh, beansprucht Getriebe und Antriebswellen aber auch nicht so stark wie die hart rangenommenen Turbo-Modelle.
Noch markanter als der Saab 900 ist sein Vorläufer. Der
Saab 99 hat einen hohen Wiedererkennungswert, obwohl es fast vollständig von den Straßen verschwunden ist.
1978 kam der
Saab 900 zunächst nur als Combi-Coupé auf den Markt. Eine technische Besonderheit war der längs eingebaute Motor und Frontantrieb. Der Saab 900 war eines der sichersten Autos seiner Zeit und übertraf die strengsten US-Sicherheitsvorschriften spielend.
Die Erfahrungen im Flugzeugbau spiegeln sich in zahlreichen Details des Saab 900 wieder: Die konkave Windschutzscheibe, die runden, gut ablesbaren Instrumente und das neue Heizungs- und Belüftungssystem mit vakuumgesteuerten Klappen sorgten für einfache Bedienung, hohen Fahrkomfort und überdurchschnittliche Sicherheit.
Ab 1978 blässt dem Saab 900 ein Turbo mächtig Dampf ein, 145 PS sind das Resultat. Nach dem Saab 99 ist der Saab 900 damit die zweite Serienlimousine der Welt mit Benzinmotor und Turboaufladung.
1980 erweiterte Saab sein Modellprogramm um eine klassische Stufenheck-Limousine. Der Saab 900 Sedan wurde bis 1991 gefertigt. Auf ihm basierte das ungleich geschmeidiger wirkende Cabrio.
Das Topmodell 1984: Mit dem Saab 900 Turbo 16S festigt Saab endgültig seinen Ruf als Turbo-Spezialist. Aus dem Zweiliter-Vierzylinder mit Vierventilkopf, Turbolader und Ladeluftkühlung kitzelt Saab 175 PS. Die Konkurrenz benötigte für derartige Leistungen zwei Zylinder und einen Liter Hubraum mehr.
Der Anfang vom Untergang: Der neue Saab 900 war 1993 das erste Auto, bei dessen Entwicklung zahlreiche Teile aus dem GM-Regal Verwendung fanden. So kam zum ersten Mal ein V6-Motor aus dem Opel Vectra zum Einsatz, der sich aber sehr schlecht verkaufte, da Saab-Kunden traditionell aufgeladene Vierzylinder bevorzugten.
Auch die
zweite Generation des Saab 900 war wieder als dreitüriges Coupé lieferbar. Wie die gesamte Baureihe, hatte es mit erheblichen Qualitätsmängeln zu kämpfen. Dazu gehörten Defekte an Kupplung und Getriebe, fadingempfindliche Bremsen und eine schwache Heizung. Das Vertrauen der anspruchsvollen Kunden begann zu schwinden.
Ab 1994 wurde die zweite Generation des Saab 900 auch wieder als Cabrio angeboten.
Aus dem Saab 900 wurde 1998 der
Saab 9-3. Die Modellpflege war sehr umfangreich, zahlreiche Schwachstellen wurden ausgemerzt. Der erste Saab 9-3 wurde bis 2002 produziert.
So sehen Saabs Freiluft-Autos heute aus. Der Saab 9-3 ist zweifellos schick und elegant, Puristen stört jedoch der hohe Anteil von Teilen aus dem GM-Regal, die den eigenwilligen Charme der Marke verwässern.
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