Zur Homepage

Tipps zum Oldtimer-Kauf: Augen auf beim Oldie-Kauf

Austin A 30 Morris Minor
Beim Oldtimerkauf geht vielen Menschen das Herz auf. Erinnerungen werden wach,  die Hand gleitet über aufregende Karosserie-Rundungen. Nicht selten werden Fans vom glänzenden Chrom geblendet. Erst später entpuppt sich das scheinbar gepflegte Schätzchen als Bastelbude auf vier Rädern. AUTO BILD KLASSIK gibt Oldtimer-Kauftipps.
Bild: Charlie Magee
Ersatzteile
Vor dem Kauf: Steht der Traum-Oldtimer fest, sollten Sie sich vorab über Preisniveau und Ersatzteilsituation informieren. Gibt es den Kotflügel vorn links wirklich noch an jeder Ecke? Bekommt man den Satz Türdichtungen noch beim Händler für 200 Euro, wie der Verkäufer behauptet? Wer sich vorher informiert, kann später besser verhandeln.
Bild: autobild.de / Thomas Neunaber
Mercedes 230.6
Vor Ort gilt: Lassen Sie das Objekt der Begierde zunächst in Ruhe auf sich wirken. Nehmen Sie jemanden mit, der sich mit alten Autos auskennt. Der erste Eindruck ist wichtig: Frischer Ölzettel im Motorraum? Verschrammte Schraubenköpfe deuten auf unfachmännische Reparaturaktionen hin. Und: Was für ein Typ ist der Verkäufer?
Bild: Frank Stange
Mercedes S-Klasse W 108
Es lohnt sich in jedem Fall, dem Wunschauto einmal unters Blech-Kleid zu schauen. Nicht immer ist der Rost auf den ersten Blick zu sehen wie bei diesem präparierten Mercedes W 108, der als Schnittmodell die Schwachstellen der Baureihe anschaulich dokumentiert.
Bild: M. Brass
Mercedes W 110
Hohlräume sind ein Paradies für Rostkulturen, bei fast allen Oldies zählen A-, B-, C-Säule, Türunterkanten, Schweller, Radläufe, Längs- und Querträger (Bild) zu den möglichen Schwachstellen. Der Stochertest mit einem Schraubendreher am Unterboden hilft, um Rostnester zu enttarnen, ein Magnet entlarvt Spachtel-Orgien.
Bild: M. Brass
Matra 530 LX
Kein Kauf, ohne dem Objekt der Begierde prüfend unters Kleid zu gucken: Wenn keine Begutachtung auf der Hebebühne möglich ist (unbedingt zu empfehlen!), wird der Wagenheber angesetzt. Knirscht und krümelt es bereits dann, hat sich die weitere Besichtigung schon erledigt, es sei denn, Sie suchen einen Teileträger.
Bild: Frank Stange
Lada 1500
Rostherde: In den Ecken der Karosserie nistet sich bei ungepflegten Fahrzeugen viel Schmutz an, ganze Schmutzklumpen können sich bilden. Der Schmutz speichert Feuchtigkeit und fördert die Bildung von Rost. Sie sollten die Radlaufkanten, den Bereich der Lampentöpfe in den Kotflügeln vorn und in den Endspitzen in den hinteren Kotflügeln auf Rost kontrollieren.
Bild: Frank Stange
Mercedes S-Klasse W 108
Blätterteig: Dieser Schweller ist im Endstadium. Frischer Unterbodenschutz und Lack können mit Spachtel verpfuschte Reparaturstellen verdecken. Viele Autos haben Stopfen, mit denen die Hohlräume verschlossen sind. Ziehen Sie große Stopfen heraus und leuchten Sie mit einer hellem Lampe hinein, vielleicht haben Sie gar ein Endoskop zur Hand? Entdecken Sie Wachs oder eher Rost?
Bild: M. Brass
Mercedes S-Klasse W 108
Immer verdächtig: Türen und Hauben sind Rostklassiker. An Schnittkanten, unter Gummidichtungen und in den Hohlräumen brütet nicht selten die braune Pest. Inspizieren Sie verdächtige Stellen genau mit einer hellen Taschenlampe, schauen Sie unter Gummidichtungen.
Bild: M. Brass
Mercedes W 116
Auch im Innenraum heißt es gründlich nach Rost suchen. Unter den Teppichen nistet sich gern Feuchtigkeit ein, die durch undichte Schiebedach- und Fensterdichtungen in den Innenraum gelangt. Den Innenschweller gründlich inspizieren und gegebenenfalls abklopfen, um Rostherde aufzuspüren.
Bild: Frank Stange
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Lada-1500-729x486-21f05a06c955f872.jpg
Passt der Zustand zur Beschreibung des Autos? Bei einem Note-3-Oldie sollte der Unterboden nicht so aussehen wie auf dem Bild. Schweller und Querträger sind bereits massiv angegriffen, nur bei raren und wertvollen Autos lohnt eine professionelle Sanierung.
Bild: Frank Stange
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Mercedes-450-SEL-6-9-729x486-348461077afb5be9.jpg
Farbnebel am Unterboden und an Anbauteilen lässt auf eine nachlässige Lackierung schließen, an Fahrwerk und Unterboden finden sich etliche Korrosionsspuren. So wie hier sieht eine gute Ausgangsbasis für ein Restaurationsprojekt aus.
Bild: Frank Stange
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Tuerunterkante-729x486-58c1ead475be4e62.jpg
Der Rost-Klassiker: Rost an der Türunterkante. Straßenschmutz und Feuchtigkeit nisten sich ein, der Rost beginnt sein zerstörerisches Werk. Darauf achten, dass Wasserabläufe nicht mit Unterbodenschutz zugeschmiert sind: Dann kann Wasser nicht mehr aus Hohlräumen abfließen, in den Türen nisten sich dauerhafte Feuchtbiotope ein.
Bild: Ronald Sassen
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Schiebedach-Rost-729x486-98ee8d59c229bf18.jpg
Schwachstelle Schiebedach: Die Wasserabläufe im Schiebedachrahmen werden meist nicht gereinigt, Verstopfungen sind die Folge, das Wasser kann nicht mehr richtig ablaufen, der Schiebedachrahmen rostet. Sind die Wasserabläufe im Schweller mit Unterbodenschutz zugeschmiert, steht das Wasser bis zum Dach.
Bild: AUTO BILD / H.J. Mau
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Spaltmass-729x486-da9dd676e13e8390.jpg
Augenmaß: Die Spaltmaße zwischen Türen und Hauben sollten gleichmäßig und nicht zu groß sein. Dabei nicht vergessen, dass 50er-Jahre-Autos fertigungstechnisch bedingt größere Spaltmaße haben als aktuellere Fahrzeuge. Verlaufen die Spaltmaße auffallend ungleichmäßig, könnte ein schlecht reparierter Unfallschaden vorliegen.
Bild: Ralf Timm
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Mercedes-280-SE-W-126-729x486-9e67bb0bd76d625d.jpg
Ist die Karosserie okay, sehen Sie sich den Motor genauer an. Verliert er Öl? Ein frisch gereinigter oder bereits warm gefahrener Motor ist verdächtig: Möchte der Verkäufer Ölverlust oder Kaltstart-Probleme vertuschen? Bräunlich-weißer Schaum am Ölpeilstab weist auf eine defekte Zylinderkopfdichtung hin.

Bild: Frank Stange
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/oelschlamm-729x486-17ef74068f04667d.jpg
Spurenlesen: Schlamm am Öldeckel lässt auf vernachlässigte Ölwechsel und viel Kurzstreckenbetrieb schließen. Ein seifig-schaumiger Belag hingegen auf Kühlwasser im Motoröl. Ein Alarmsignal! Häufig ist dann die Zylinderkopfdichtung defekt.
Bild: AUTO BILD / H.J. Mau, H. Schuldt
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Kuehlwasser-Ausgleichsbehaelter-729x486-348c4aca57adbb03.jpg
Schauen Sie sich das Kühlwasser im Ausgleichsbehälter bzw. im Kühler an. Ausreichender Pegel? Wasser rostbraun oder mit frischem Kühlmittel befüllt? Ölspuren oder aufsteigende Gasbläschen bei laufendem Motor deuten auf eine defekte Zylinderkopfdichtung oder einen Riss im Zylinderkopf hin.
Bild: AUTO BILD / Holger Schaper
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/VW-Golf-II-Diesel-Kaltstart-729x486-768e3469ba9110aa.jpg
Start zur Probefahrt: Achten Sie im Rückspiegel darauf, was hinter Ihnen passiert. Zieht das Auto beim Gaswegnehmen oder beim Kaltstart eine blaue Fahne nach, sind Kolbenringe oder Ventilschaftdichtungen reif für den Austausch. Schwarzes Abgas beim Benziner deuten auf eine zu fette Gemischeinstellung hin.
Bild: AUTO BILD / Frank Stange
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Zusatzinstrumente-729x486-d915e03dfd0ddda3.jpg
Stimmt der Öldruck? Bei kaltem Motor sollte der Öldruck sofort aufgebaut werden, bei warmem Motor und Leerlaufdrehzahl sollte er nicht unter ein Bar sinken. Wer beim Motorzustand auf Nummer sicher gehen möchte, lässt einen Kompressionstest bzw. Druckverlusttest machen.
Bild: AUTO BILD / Sven Krieger
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Pedale-729x486-1517d24b82e87b59.jpg
Simpel ist der Kupplungstest: Dritten Gang einlegen, Feststellbremse anziehen, Gas geben und Kupplung langsam kommen lassen. Ist alles okay, dann stirbt der Motor schlagartig ab. Rutscht die Kupplung durch, ist die Mitnehmerscheibe verschlissen. Bewegt sich das Auto, funktioniert die Feststellbremse nicht, wie sie soll.
Bild: Hajo Mau
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Hardyscheibe-729x486-4c7ebdc125e0e373.jpg
Achten Sie bei der Probefahrt auf Geräusche aus dem Antriebsstrang, vor allem beim Lastwechsel: Schlag- oder Klappergeräusche könnten auf verschlissene Hardyscheiben (Bild) oder Kreuzgelenke hindeuten. Singende Geräusche lassen auf verschlissene Lager in Getriebe oder Differential schließen.
Bild: H. Schaper
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Bremsscheibe-729x486-cd5772665cf2a3f2.jpg
Bei der Probefahrt prüfen: Ziehen die Bremsen gleichmäßig, funktioniert das evtentuell vorhandene ABS? Sichtkontrolle: Sind die Bremsscheiben riefig oder haben sie am Rand eine deutlich sichtbare Kante, dann sind sie austauschreif. Die Bremsflüssigkeit sollte klar und honigfarben sein, die Bremsleitungen rostfrei, die Bremsschläuche nicht porös.
Bild: Holger Schaper
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Mercedes-W-124-Traggelenk-729x486-c9bd21136fac0932.jpg
Poltert die Vorderachse beim Überfahren von Kopfsteinpflaster, haben die Lagerbuchsen zuviel Spiel. Je nach Konstruktion der Achse kommen Achsschenkelbolzen, Traggelenk (Bild) oder Spurstangenköpfe in Betracht. Hat das gewünschte Auto Schmiernippel, sollte an allen Nippeln frisches Fett zu sehen sein.
Bild: H. Schaper
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Lenkgetriebe-729x486-fc09374f36bc3e3e.jpg
Das Lenkgetriebe verliert Öl, und das in diesem Fall nicht zu knapp. Stellt man zudem noch Spiel bei der Probefahrt fest, ist eine Überholung bzw. ein Austausch fällig.
Bild: Frank Stange
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Mercedes-450-SEL-6-9-729x486-9c72f637dc4cdc03.jpg
Zu beachten: Bei einem 60 Jahre alten Auto ist eine Handbreit Leerweg am Lenkrad Stand der Technik, bei jüngeren Fahrzeugen sollte das Spiel nicht mehr als zwei Fingerbreit sein.
Bild: Frank Stange
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Mercedes-450-SEL-6-9-729x486-c0b318843aba4bcd.jpg
Wichtiges Kapitel bei Oldies: eine originale, vollständige und gut erhaltene Innenausstattung. Müffelt es innen, ist garantiert Feuchtigkeit eingetreten. Fehlen Teile, lassen sie sich oft nur schwer ersetzen, denn vieles ist nicht mehr lieferbar und muss langwierig auf Teilemärkten gesucht werden. Youngtimer-Problem: nachgerüstete Soundanlagen.
Bild: Frank Stange
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Volvo-Amazon-729x486-ac529ef43739f527.jpg
Grundregel: Das bessere Auto ist der bessere Kauf. Jeder Euro, den Sie beim Kauf für ein wirklich gutes Auto mehr ausgeben, zahlt sich Jahre später aus. Die Kosten für eine Restaurierung können den Marktwert schnell überschreiten. Lassen Sie sich bei der Suche Zeit!
https://i.auto-bild.de/ir_img/6/8/3/6/7/2/Kaufvertrag-729x486-566ac921834fcbcf.jpg
Der Abschluss: Sagt Ihnen der Oldie in allen Punkten zu, stimmt der Preis? Wenn Sie ein rundherum gutes Gefühl haben, schlagen Sie zu. Aber niemals ohne Kaufvertrag! Laden Sie sich den Kaufvertrag für Klassiker (siehe im Artikel) herunter. Wenn Sie alle Punkte sorgfältig ausfüllen, und alle hier genannten Punkte beherzigen sind Sie beim Oldie-Kauf der sicheren Seite.
Bild: Ralf Timm