Fiat 500, Citroën 2CV, Renault 4, drei Kleinwagen der 60er-Jahre im knallharten Vergleichstest: Wer hat das stabilste Blech, wer den besten Antrieb, wer das straffste Fahrwerk? Und beim wem sind die Kosten am geringsten?
Wer Luxus sucht, sitzt in diesen Autos garantiert falsch. Hier geht es nur um Grundbedürfnisse, Verarbeitung der Karosserie und des Innenraums eingeschlossen.
Außen einfach, innen spartanisch. Alles, was man nicht braucht, ist im 2CV auch nicht dran und drin.
Einfach, einfacher, Ente: Ein Lenkrad wie aus Eisenrohren zurechtgebogen, ein Winz-Tacho wie am Rennrad. Das riecht nach automobiler Steinzeit, funktioniert aber tadellos.
Die typischen Entenaugen beziehen ihren Strom aus einem schwachen Sechs-Volt-Bordnetz.
Ein kleiner Holzklotz hält das Klappfenster einen Spalt breit offen.
Die Ente ist ein Fall für sich. Die flatterige Qualität und den extrem spartanischen Innenraum kann man nur lieben oder hassen. In der Karosserie-Wertung landet der schrullige Franzose daher nur auf Rang drei.
Doch Wunder gibt es immer wieder. Und im Fiat 500 finden wir es auf kurzen 2,97 Metern: Zwischen 1,55-Meter-Frau und 1,89-Meter-Mann lässt sich nahezu jede Statur in den Cinquecento falten. Richtig eng wird es jedoch im Fond. Erwachsene müssen die Beine um die Ohren wickeln.
Willkommen im Lande Lilliput: Im Fiat ist fast alles wie in einem normalen Auto, nur viel kleiner.
Es gibt richtige Schalter, eine sportliche Mittelschaltung und sogar eine funktionierende Fensterkurbel.
Auch die putzige Instrumententafel lässt wenig Wünsche übrig: Tacho, Kilometerzähler, Licht-, Benzin- und Öl-Anzeige, alles da!
Der winzige Fiat wirkt am meisten wie ein richtiges Auto und ist sogar recht ordentlich zusammengebaut. Doch außen ist er klein und innen eng. Deshalb reicht es in Sachen Komfort nur zum zweiten Platz.
Der Renault 4 ist auf den ersten Blick ähnlich einfach gestrickt wie die Ente. Auf den zweiten entpuppt er sich aber als deutlich luxuriöser.
Das transparente Bernsteinlenkrad ...
... und der Schaltknauf sind eine echte Augenweide. Sie gehörten bis 1967 zur Serienausstattung.
Einfach aber praktikabel: Ein Lederband verhindert das Umschlagen der Tür. Für die Fond-Passagiere und im Kofferraum, der über eine ganz moderne Heckklappe zugänglich ist, gibt es überraschend viel Raum.
Somit hat der R4 im Dreikampf um die komfortabelste Ausstattung die Nase vorn. Durchdacht, variabel dank umlegbarer Rückbank und geräumig. Die auf Schienen verstellbaren Sitze sind dick und weich gepolstert.
Die Entdeckung der Langsamkeit: Mit etwas mehr Zeit im Gepäck geht vieles einfacher, unser Trio ist der beste Beweis. Kommen wir zu den Antrieben.
Typisch: Ratlose Blicke auf den 2CV-Boxermotor (23 PS), der im AUTO BILD KLASSIK-Test wieder einmal schlapp gemacht hat.
Diagnose: keine Zündung. Endstation Abschleppwagen, danach eine Nacht in der Werkstatt. Daher: Klarer letzter Platz für den Antrieb der Ente.
Der Fiat 500 hat seinen 22-PS-Motor im Heck, das war damals billiger. Konstruktive Besonderheit: Die Kolben bewegen sich parallel auf und ab. Der Klang: kernig, laut, metallisch schnarrend. Die Passagiere werden ordentlich durchgeschüttelt, deshalb: Rang zwei für den Fiat.
Der kräftigste Motor wohnt unter der Haube des R4: Vier Zylinder und 32 Pferde sorgen hier für beherztes Zubeißen und eine erträgliche Laufkultur. Klangbild: typisches Renault-Näseln. Der R4 liegt mit seinem zuverlässigen Triebwerk klar auf Rang eins.
Komm auf die Schaukel: Wie sieht es mit den Fahrwerken aus? Ob Softie oder ganz Harter, die drei Oldies haben für jeden Geschmack etwas zu bieten.
Schwanken, bis der Arzt kommt: In der Ente und auf hoher See braucht es im Grenzbereich Passagiere mit robustem Magen. Eine Ente schaukelt noch softer als ein Wackelpudding über alle möglichen Fahrbahn-Zustände. Auf und nieder, immer wieder.
Die Ente ist einfach nur weich. Einziger Lichtblick: Bevor es den Passagieren zu schwummrig wird, lässt sich das Rolldach bis zur Heckscheibe öffnen und man kann Frischluft gegen die drohende Übelkeit tanken.
Insgesamt reicht es für den französischen Fahr-Vogel in punkto Fahrverhalten aber immerhin zu Rang zwei. Denn es geht noch schwammiger.
Der Fiat 500 leidet einfach unter seiner Größe. Es gelingt der Federung nicht, Bodenwellen wegzubügeln. Mögen sie noch so klein sein.
Zudem ist sein hecklastiges Fahrverhalten schwer in den Griff zu bekommen.
Wenn es in all zu enge Kurven geht, muss sich der Fahrer an der Tür abstützen. Der kleine Italiener stolpert und holpert, fällt in Schlaglöcher und krabbelt tapfer wieder heraus. Nützt alles nichts – beim Fahrkomfort muss er seinen französischen Kollegen den Vortritt lassen.
Denn auch in diesem Kapitel kann es der R4 allen zeigen: Er ist ein harmonisch abgestimmtes Auto, war seiner Zeit voraus.
Es sieht nämlich schlimmer aus, als es ist: Der R4 untersteuert zwar kräftig, aber harmlos. Auch die Insassen werden schonend behandelt. Der Bursche ist zwar auch weichgespült, aber komfortabel wie ein Luxusschlitten.
Das Fahrverhalten des Renault in drei Worten: bedächtig, untersteuernd, sicher. Darum ist er auch in dieser Disziplin ganz oben auf dem Treppchen.
Kommen wir zu den Kosten: Einmal billig, immer billig? Von wegen! Ein Kleiner muss nur alt werden.
Unsere drei Minimalistinnen sind beim Kauf zwar teuer, aber dafür im Unterhalt preiswert. Die Ente kostet in Zustandsnote zwei rund 8000 Euro. Beim Verbrauch gönnt sich der 2CV schmale 4,4 Liter und landet bei der Kosten-Frage auf Rang zwei.
Für einen gut erhaltenen Fiat 500 in Zustandsnote zwei sind gar bis zu 10.000 Euro fällig. Dafür ist der kleine Italiener aber bei Steuer, Versicherung, Verbrauch, Wartungskosten und Wertentwicklung unschlagbar. Daher ist der Unterhalts-Meister.
Drei Kategorien hat der R4 locker gewonnen, bei den Kosten ist er jedoch das Schlusslicht. Das liegt vor allem an seinem verhältnismäßig hohen Verbrauch von 5,9 Litern. Trotzdem sind alle drei Winzlinge rollende Spardosen. Viel billiger kann man kaum Autofahren.
Das Fazit: Es kann nur einen geben! Charaktertypen sind sie alle. Doch im Rennen um aller Auto Anfang liegt der Renault 4 ganz klar an der Spitze.
Er ist viel mehr Auto als die anderen. Komfortabel, bequeme Sitze, variabler Innenraum. Abgesehen von der fehlenden Sicherheit, wirkt er noch heute zeitgemäß.
Der Citroën 2CV watschelt knapp auf den zweiten Platz. Zwar schaukelt das urige Federvieh gemütlich, die labile Bauweise lässt jedoch Schlimmes befürchten. Aber wer die Ente liebt, verzeiht ihr alles.
Ganz knapp dahinter landet der kleine Fiat 500 auf dem dritten Rang. Cinquino nennen die Italiener ihn. Was so viel wie mein süßer, kleiner 500er heißt. Süß ist er. Am liebsten will man ihn immer nur anschauen. Fahren? Muss ja nicht unbedingt eine Langstreckentour sein.
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