Rentner-Kiste, Frauenauto, Elchtest-Opfer – in den vergangenen 15 Jahren hat die Mercedes A-Klasse fast kein Negativ-Klischee ausgelassen. Der kleine Sternwagen musste viel einstecken und verkaufte sich trotzdem tapfer. Nach 2,1 Millionen Exemplaren schließt Daimler die ersten beiden Kapitel und blättert weiter zur A-Klasse Nummer drei – eine ganz neue Story. Überschrift: Baby-Benz reloaded. Das Urheberrecht liegt bei Jungdynamikern mit dem "Pulsschlag einer neuen Generation" (Mercedes-Werbung), die das Lastenheft komplett umgeschrieben haben. Aber taugt der neue Typ auch zum Bestseller? Überzeugt die A-Klasse als jugendlicher Held?

Überblick: Alle News und Tests zum BMW 1er

BMW 1er
Sieger im ersten Vergleich: Mit Benziner lag der 1er vor der A-Klasse. Jetzt treten die Dieselmotoren an.
Diesen spielte bislang der 1er-BMW am überzeugendsten. Und im ersten Vergleich der Basis-Benziner landete der A 180 dann auch ganz knapp hinter dem 116i. Nun also die Revanche in der wichtigen Diesel-Klasse, in der sich der Mercedes A 200 CDI jetzt gegen gleich zwei Gaudi-Burschen aus Bayern behaupten muss. Neben dem flammneuen 118d als Dreitürer schickt Audi den ebenso brandaktuellen A3 2.0 TDI ins Rennen. Als fünftüriger Sportback ist er momentan noch nicht zu haben. Damit hat AUTO BILD die wichtigsten Neuerscheinungen 2012 zum Vergleich versammelt. Nur der VW Golf fehlt. Er folgt im November. Als edler Vorbote zeigt der A3 schon in diesem Test, was vom Golf zu erwarten ist. Der Audi ist das erste Modell aus dem VW-Konzern, das auf dem modularen Querbaukasten (MQB) basiert – einem Konstruktionsprinzip, das für VW eminent wichtig ist. Zeigt der MQB signifikante Schwächen, würde das den Konzern um Jahre zurückwerfen.

Überblick: Alle News und Tests zur Mercedes A-Klasse

Mercedes A-Klasse
Verbrauchsangabe verfehlt: Mit 5,5 l/100 km liegt die A-Klasse deutlich über dem Mercedes-Versprechen.
Gleiches gilt für Mercedes. Auch die A-Klasse ist ein Baukastenauto, von dem bis zu zehn Schwestermodelle geplant sind. Wie der Audi ist der A 200 CDI ein Fronttriebler mit Quermotor und Doppelkupplungsgetriebe. Allerdings hat die Mercedes-Eigenentwicklung mit der Bezeichnung 7-G-DCT einen Gang mehr als das Sechsgang-DSG im A3. Die automatisierten Schaltboxen sollen nicht nur schnelle und komfortable Fahrstufenwechsel ermöglichen, sondern auch den Spritkonsum senken. Der Aufpreis liegt jeweils etwas über 2000 Euro und damit auf dem gleichen Niveau wie der vorzügliche Achtstufen-Wandlerautomat des BMW. Das größere Sparpotenzial zeigt der A3. Sein DSG verfügt serienmäßig über einen Freilauf, der bei vorausschauender Fahrweise den Verbrauch drückt. Geübte Fahrer kommen so auf unter fünf Liter pro 100 Kilometer, ohne dabei langsam unterwegs zu sein – ein echter Vorsprung durch Technik. Selbst bei deaktiviertem Effizienzprogramm erzielt der A3 mit 5,2 Litern den besten Wert.Der Zusatzgang im Mercedes nützt also weniger als erhofft: Mit 5,5 Litern verfehlt der A 200 CDI seine Werksangabe (4,1 Liter) am deutlichsten und hat trotz geringerer Leistung den gleichen Testverbrauch wie der BMW. Beim Getriebe hat der Mercedes also noch Luft nach oben. Denn auch bei der Art und Weise der Gangwechsel sind Audi und BMW besser: Der A3 schaltet schneller und definierter, im BMW sind die Schaltvorgänge genauso fix, aber kultivierter. Sein dynamisches Karosserieversprechen löst der A 200 CDI dagegen ein. Gegenüber seinem Hochbau-Vorgänger fährt sich die A-Klasse um Welten stabiler. Sie zeigt einen guten Geradeauslauf und reagiert unempfindlich auf Seitenwind. Das präzise und spontane Lenkgefühl hat durch die nun elektromechanische Unterstützung eine neue Dimension.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi A3

Audi A3
Dynamiker: In Sachen Fahrleistungen liegt der Audi knapp vor seinen beiden Konkurrenten.
Auch wenn Audi und BMW noch eine Spur mehr Fahrspaß liefern, macht Mercedes hier einen großen Schritt in Richtung Agilität. Opfert dafür aber leider eine jahrzehntealte Mercedes-Tugend: den Komfort. Obwohl unser Testwagen mit sogenanntem Komfortfahrwerk und Serienbereifung antrat, machten sich beispielsweise Kanaldeckel, Fugen oder Schlaglöcher im Innenraum als polterige Erschütterungen bemerkbar. Auf grobem Kopfsteinpflaster bringt die straffe Abstimmung sogar den leeren Beifahrersitz zum Vibrieren. Geräuschvoll präsentiert sich auch der Antrieb. Das Aggregat hinter der imposanten Kühlermaske mit dem großen Stern hört sich im Vergleich zum Audi eher rau und rustikal an. Dass der BMW-Diesel ähnlich lautstark zur Sache geht, tröstet da wenig. Am elegantesten macht es erneut der A3. Seine Geräuschdämmung ist spürbar sorgfältiger. Nur bei starker Beschleunigung dringt hörbarer Selbstzünder-Sound ins Cockpit. Außerdem hat er nochmals 7 PS mehr als der BMW, wiegt aber über 100 Kilo weniger als die A-Klasse. Schade, dass Audi den A3 nicht wie den A8 mit einer Alu-Karosserie baut. Dann wäre sein Vorsprung noch größer.
So liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Duell mit dem BMW, das er bei Beschleunigung und Zwischenspurt knapp für sich entscheiden kann. Bei der Agilität liegt der A3 mit dem 1er gleichauf – zumindest solange die Straße trocken ist. Nur bei nasser Fahrbahn neigen die 320 Nm maximales Drehmoment dazu, die Vorderachse zu überfordern. Dann kontrolliert das ESP den Traktionsverlust gekonnt und hält den Audi sicher in der Spur. Schlechte Straßenoberflächen filtert sein Fahrwerk sauberer als der Mercedes, dennoch nicht so überragend wie der mit Aktiv-Dämpfern (1100 Euro) ausgerüstete BMW. Der 118d beherrscht darum den Spagat zwischen fast perfekter Entkoppelung von der Straße und sportlicher Härte mit Abstand am besten.
Weitere Details zu den drei edlen Kompakten gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleich mit allen technischen Tabellen finden Sie als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

Kein Traumstart für Mercedes: In unserem Vergleich verliert der A 200 CDI mit deutlichem Abstand zu Audi und BMW. Dabei ist die neue A-Klasse keineswegs ein schlechtes Auto, aber sie hat eben ihre Problemzonen: zu straff, etwas zu laut und unübersichtlich. Vielleicht haben die Entwickler die A-Klasse ja zu sehr auf jugendlich getrimmt. Etwas mehr Mercedes-Tugenden würden dem Kleinen gut tun.