Ein Wertverlust, der A6-Gebrauchtkäufer grinsen lässt: Selbst Exemplare der neueren 4G-Baureihe ab 2011 sind heute oft nur noch ein Viertel ihres Neupreises wert. Der ältere 4F ist insgesamt solide, kommt nun aber in die Jahre. Die wichtigsten Infos für Gebrauchtwagenkäufer aus dem AUTO BILD TÜV-Report!

Audi A6 (Typ 4G)

Bauzeit: 2011 bis 2018
Motoren: 136 PS (2.0 TDI) bis 605 PS (RS 6 Performance)
Preis: ab 12.300 Euro
Insassensicherheit (Euro NCAP-Crashtest 2011): Fünf Sterne
Audi A6 Avant 40 TDI
Drei Viertel aller bei uns zugelassenen A6 sind Kombis.

Das ist der Audi A6

Ein echtes Chefauto, mit knapp fünf Meter Länge bürgerlichen Parkplatzmaßen bereits ent­wachsen. Vier Karosserieversio­nen: die Limousine, der A7 als viertüriges Coupé́, der Kombi na­mens Avant und der Allroad – ein Mix aus Kombi und SUV mit höheneinstellbarem Luftfederfahr­werk und brauchbaren 185 mm Bodenfreiheit. Die Domäne des Audi ist und bleibt aber die Straße – ein Reisewagen, so leise, dass der Fahrer das gefahrene Tempo oft unterschätzt. Die Wahl des Motors ist dabei zweitrangig, selbst mit dem nur 136 PS leistenden TDI ist der schwächste A6 kein Verkehrs­hindernis, da ausreichend dreh­momentstark. Das Maximum beim Diesel ist der Dreiliter­-V6 als Bitur­bo mit 326 PS, der stärkste Benzi­ner im RS 6 (nur als Avant) leistet gar 605 PS. Groß ist die Getrie­beauswahl: stufenlose Multitronic, Sechsgang manuell, Siebengang­ Doppelkupplungsautomatik (S­ tronic) und Achtstufen-Wandler­automatik. Von Anfang 2012 bis Ende 2014 gab es die Limousine auch als Hybrid: Zweiliter-­Turbo (211 PS) plus 54 PS starker Elektromotor, eine Achtstufenautoma­tik leitet die Kraft weiter.
Hinweis
Audi A6 im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt  

Das kann Audis Oberklasse

So agil fahren wie ein BMW, aber bequem wie ein Benz. Die Lenkung wirkt eine Spur zu nervös, das Doppelkupplungsge­triebe agiert vor allem bei forcier­tem Anfahren ruckelig. Bequeme Sessel und geringer Geräuschpegel sind in dieser Klasse selbstver­ständlich, allerdings treffen die im A6 verbreitet zu findenden Vier­zylinder nicht immer den richtigen Ton. Erst mit den V6-­Motoren und Allradantrieb kehrt echte Ober­klasse­-Fahrkultur in den A6 ein. Den Dauertest von AUTO BILD über 100.000 km absolvierte ein A6 Avant 2.0 TDI mit der Note 1. Ein undichter Abgaskrümmer und das entsprechend laute Verbrennungs­geräusch waren der einzige außer­ planmäßige Defekt. Der Karosserie und dem Innenraum war die Lauf­leistung nicht anzusehen, der A6 wirkte am Testende frisch wie am ersten Tag.

Das macht beim A6 Ärger

Traggelenke und Spurstangenköpfe schwächeln deutlich seltener als beim Vorgän­ger. Die Voll­-LED­-Scheinwerfer machen selten Ärger, aber wenn, dann stehen gern 2500 Euro auf der Rechnung. Ein Rückruf betraf den Bremskraftverstärker der 3.0 V6 TDI des Baujahrs 2012 zwischen März und Dezember: Öldämpfe konnten die Membran schädigen und zum Ausfall führen. Ein wei­terer Rückruf galt undichten Hochdruck-­Spritleitungen des Dreiliter­-Benziners. Noch unauffällig: die Stufenlosautomatik Multitronic, die in der Vergangenheit und in anderen Modellen für viel Verdruss sorgte. Aktuell sind noch immer Turboladerschäden an den V6­-TDI, weil das Gebläse im heißen Zylin­der-V überhitzt. Im AUTO BILD­-Dauertest des 2.0 TDI (177 PS) aus dem Jahr 2014 versagte lediglich die Krüm­merdichtung.

Audi A6 (Typ 4F)

Bauzeit: 2004 bis 2011
Motoren: 140 PS (2.0 TDI) bis 580 PS (RS 6)
Preis: ab 2800 Euro
Insassensicherheit (Euro NCAP-Crashtest 2004): Fünf Sterne
Audi A6
Die Vorderachse ist der zentrale Schwachpunkt des älteren Audi A6 vom Typ 4F.

Das ist der Audi A6

Ein solider Langstrecken­gleiter mit Komfort und Platz, zu dem am besten die drehmoment­starken, laufruhigen und sparsa­men V6­-Diesel passen. Neben der Limousine gibt es den 4F als Kom­bi namens Avant und als Allrad­-Robustkombi allroad. Sechs Air­bags und ESP sind Standard, eine Topverarbeitung sowieso.
Hinweis
Audi A6 im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt  

Das kann der große Audi

Langstrecke, vor allem wenn im Bug ein TDI vor sich hin grummelt. Das gilt vor allem für den 2,7­-Liter-­V6. Partikelfilter hiel­ten erst ab 2005 allmählich Einzug in die Serie. Benziner sind eher selten unter einer A6-­Motorhaube anzutreffen. Abgesehen vom phlegmatischen 2.4 sind sie eine Kauf­empfehlung für Wenigfahrer.

Das macht beim A6 Ärger

Klar, die stufen­lose Multitronic: Mal ruckelt sie, mal stellt sie keinen Kraftschluss her, mal verursacht sie Bocksprün­ge beim Anfahren. Ein Ölwechsel hilft nur kurzfristig. Klare Empfeh­lung: die Wandlerautomatik (Tip­tronic) – in vielen Dauerläufern arbeitet noch die erste (von ZF). Auch der Schalter hält lange. Trotz Vollverzinkung findet sich gele­gentlich kleinflächiger Rost an Schwellern, Türkanten und Heckdeckeln. Bei den V6­-Dieseln werden ab 250.000 km Einspritz­pumpen, Injektoren, Turbolader und Rußfilter verdächtig, bei frühen 2.0 TDI kommen gerissene Zy­linderköpfe vor, bei den Benzinern defekte Zündspulen. Weitere Risi­ken: sensible Xenon­-Scheinwerfer, nicht immer dichte Schiebedächer, streikende Keyless­go­-Türöffner, beim allroad Luftfederungs­-Kompressor und Höhensensoren.

TÜV-Urteil

Fahrwerk

Die Vorderachse ist der zentrale Schwachpunkt des älteren A6 vom Typ 4F. Ihre zahlreichen Gelenke verschleißen vorzeitig, gelegentlich finden sich auch Federbrüche. Was das Modell aber nicht davon abhält, die HU überdurchschnittlich oft ohne Mängel zu passieren. Durchschnittlich: die Rostquote von 0,3 Prozent bei den Elfjährigen, der Nachfolger kennt Rost praktisch nicht. Und auch sonst schneidet der 4G im Fahrwerkskapitel gut ab.

Licht

Auch bei der Beleuchtung liegt zwischen den beiden A6-Generationen eine Stufe in den Mängelraten: An elfjährigen 4F beanstandet der TÜV überdurchschnittlich oft die (Xenon-)Scheinwerfer und die Rückleuchten. Der jüngere 4G leuchtet mit erheblich niedrigerem Mängelpotenzial. Das ist darauf zurückzuführen, dass dessen hoher Anteil an LED-Ausrüstung hier die oft propagierte längere Lebensdauer unter Beweis stellt. (Mehr zum Audi A6: alle Generationen, News und Videos)

Bremsen

Egal, ob es um Wirksamkeit und Gleichmäßigkeit der Fuß- oder der Feststellbremse geht – die beiden A6 unterbieten die durchschnittlichen Mängelquoten deutlich. Korrodierte Bremsleitungen kennt er praktisch nicht. Anders sieht es mit den Bremsschläuchen aus, hier tragen beide A6 noch Altlasten aus dem VW-Konzern mit sich, wenn auch nicht mehr in der Größenordnung früherer Jahre. Sehr haltbar, auch beim älteren 4F: die Bremsscheiben.

Umwelt

Großes Lob für die qualitativ hochwertigen Abgasanlagen, die nur in seltenen Einzelfällen einen Prüfer nötigen, sein Kreuzchen zu machen. Auch Ölverlust ist bei diesen A6-Baureihen nur selten anzutreffen. Bei der Abgasuntersuchung hingegen rutschen elfjährige 4F in die roten Zahlen, die Beanstandungen liegen hier leicht über dem Durchschnitt aller geprüften Fahrzeuge. Da kann es also vor einem Gebrauchtkauf nicht schaden, den Fehlerspeicher auszulesen.

Fazit

Zwischen den beiden Generationen des A6 liegen Welten – nicht optisch, aber bei der Hauptuntersuchung. Der ältere 4F fährt mittlerweile mit meist hohen Laufleistungen zur Prüfung vor – erst hier stellt sich oft heraus, dass die Gelenke der Vorderachsaufhängung ausgeschlagen sind. Der 4G ab 2011 leistet sich selten mehr als vereinzelt poröse Bremsschläuche und macht bei der HU eine sehr gute Figur.