Sieben Austausch-Scheinwerfer im Vergleich

Austausch-Scheinwerfer: Test

Viel Bling-Bling, wenig Licht

Austausch-Scheinwerfer aus dem Zubehör sind gefragt wie nie, vor allem die mit schrillem LED-Tagfahrlicht. AUTO BILD hat zusammen mit Philips getestet, was sie können.
Gründe für neue Scheinwerfer gibt es viele: Reflektor erblindet, Auffahrunfall gehabt. Oder eben das Aussehen. Serienmäßig ist der VW Golf 6 da ziemlich konservativ, fünf der sieben getesteten Austausch-Scheinwerfer hingegen trumpfen im Test richtig auf. In der Tuning-Szene besonders beliebt: Tagfahrlicht im Audi-Weihnachtslichterketten-Design oder Standlicht im Stil der BMW-Leuchten, Angel Eyes genannt. Aber auch Projektionsscheinwerfer sind sehr gefragt, weil hinter deren Linse teures Xenon-Licht erwartet wird und keine schnöde Glühfadenlampe. Tatsächlich jedoch ist nur ein Satz Xenon-Scheinwerfer dabei, Osram LEDriving Xenarc. Tagfahr- und Positionslicht sowie Blinker arbeiten mit LEDs; für Fern- und Abblendlicht ist ein 25-Watt-Xenon zuständig. Bedeutet: Im Gegensatz zu den verbreiteten 35-Watt-Brennern ist weder eine automatische Leuchtweitenregulierung noch eine Scheinwerfer-Reinigungsanlage vorgeschrieben. Plug & play also, wobei das Licht wirklich in der obersten Liga spielt. Der Preis ist allerdings deftig, jedoch deutlich günstiger als eine Umrüstung auf Xenon mit VW-Teilen. Die kommt auf ungefähr 1800 Euro, plus Einbau.

Test: Nur ein Scheinwerfer schafft "sehr gut"

Testsieger: Der Osram LEDriving Xenarc holte als einziger Scheinwerfer ein "sehr gut".

Übrigens ist das Osram-Pärchen das einzige, das die lichttechnischen Tests im Philips-Labor ohne Beanstandung absolviert. Echt wahr, denn von den ansonsten ebenfalls vorbildlichen, von Hella produzierten Original-Scheinwerfern lässt der linke zu wenig Streulicht nach oben durch, das beim Lesen von Schilderbrücken helfen soll. Ein kleines Manko, das der rechte aber aufwiegt. Unterm Strich stehen die Hellas den Osrams nur wenig nach, holen das Beste aus der H7-Halogenlampe. Bei den anderen Scheinwerfern werden diverse Anforderungen nicht erfüllt. Beispiel TYC: Die klatschen alles Licht auf einen Haufen zehn Meter vor das Auto; was sich dahinter befindet, merkt der Fahrer erst, wenn er es überfahren hat. Die Messtechnik registriert zwar 95 Meter Reichweite, doch die kann der Fahrer nicht nutzen, weil seine Pupillen an dem hellen Fleck kleben. Damit kann man fahren, aber nicht gut. Skurril auch die Depos: Sie senden Lichtkeulen aus, welche nur die eigene Fahrbahn erhellen, links und rechts davon sowie nach oben gähnende Dunkelheit. Immerhin: Trotz lächerlichen Lichtstroms führt dieses konzentrierte Licht zur höchsten Reichweite im Test. Damit wären die gebrauchsfähigen Scheinwerfer abgehakt, nun beginnt dunkelstes Elend. Egal ob CCFL Angel Eyes, FK oder Diederichs – fahren kann man mit solchen Funzeln höchstens bei Sonnenschein. Das einzig Positive, das sich sagen lässt: Sie blenden niemanden, dafür kommt viel zu wenig Licht raus.

Drei Austausch-Scheinwerfer fallen durch

Für den Test wurden sieben Austausch-Scheinwerfer für den Golf VI unter die Lupe genommen.

Den absoluten Tiefpunkt markieren die Diederichs-Scheinwerfer. Sowohl in der Verarbeitung als auch in der Lichtverteilung. Es gibt Standlicht, das ist heller. Aber auch für die anderen beiden findet Philips-Ingenieur Dr. Lukas Küpper keine netten Worte: "So ein Niveau hatten die Scheinwerfer der 50er-Jahre. Lange bevor das Halogenlicht eingeführt wurde." Deshalb ist auch besorgniserregend, dass vor allem junge Leute auf solche Kirmesbeleuchtung stehen. Autofahrer also, die oft nachts unterwegs sind zur Disco usw. und gerade deshalb gutes Licht benötigen. Diese Menschen sollte der Gesetzgeber besser schützen, beginnend bei der Typprüfung. Denn offensichtlich ist es in der EU viel zu einfach, für solche Plastikkisten mit ein paar Lampen drin eine Zulassung zu bekommen.
# Austauschscheinwerfer im Test  
1.

Osram LEDriving Xenarc

Preis: 747 Euro*
Gesamturteil: sehr gut

 
2.

Volkswagen Original von Hella

Preis: 366 Euro*
Gesamturteil: gut

 
3.

TYC Scheinwerfer H15 + H7

Preis: 170 Euro
Gesamturteil: befriedigend

 
4.

Depo Bi-Xenon-Optik

Preis: 299 Euro
Gesamturteil: befriedigend

 
5.

CCFL Angel Eyes Klarglas

Preis: 389 Euro
Gesamturteil: mangelhaft

 
6.

FK Frontscheinwerfer

Preis: 355 Euro
Gesamturteil: ungenügend

 
7.

Diederichs HD-Tuning

Preis: 301 Euro
Gesamturteil: ungenügend

 
*Preise sind Einkaufspreise der Test-Produkte

Woran erkennt man gutes Licht?

Es nervt nicht beim Fahren. Es ist hell genug, um Hindernisse rechtzeitig zu erkennen, wirft aber keinen Haufen Helligkeit unmittelbar vor das Auto, der alles dahinter vom Dunkel verschlucken lässt. Wichtig für Überlandfahrten ist die Reichweite am rechten Straßenrand, daran orientiert sich das Auge für eine sichere Führung. Trotzdem darf links vom Mittelstreifen niemand geblendet werden, deshalb sollte der Lichtkegel dort in einer Entfernung vor dem Auto enden, die in Metern gemessen der Anbauhöhe des Scheinwerfers in Zentimetern entspricht. Bedeutet umgekehrt, dass ein Scheinwerfer umso weiter leuchtet, je höher er angebracht ist – vielleicht eine Erklärung für die Beliebtheit von SUV. Und eine Aufforderung zur Kontrolle der Scheinwerfereinstellung. Nach einem Tausch der Scheinwerfer sowieso, aber auch nach jedem Wechsel der Lampen. Und bitte vergessen Sie Anleitungen zum Selbereinstellen, die in etwa so beginnen: „Fahren sie vor ein hell gestrichenes Garagentor...“ Denn schon geringste Bewegungen der Einstellschrauben entscheiden über ein Zuwenig an Reichweite oder ein Zuviel an Blendung – und das nervt dann wirklich.

So haben wir getestet

Die lichttechnischen Prüfungen lagen in den Händen des Applikationslabors der Lumileds Germany GmbH, zu der die Philips Automotive Lichtsparte gehört. Die Scheinwerfer wurden im Juli 2018 zu den angegebenen Preisen ausschließlich in Webshops bestellt, der Test erfolgte mit den mitgelieferten Leuchtmitteln. Waren keine vorhanden, kamen entsprechende Standard-Testlampen von Philips zum Einsatz. Geprüft wurde gemäß ISO FDIS 17731 CIE S 021/E, welche die Richtlinien für Scheinwerfer in der EU festschreibt. Die Benotung erfolgt angelehnt an den H4-Lampentest, volle Punktzahl für die Reichweite beispielsweise gibt es folglich nur bei Übertreffen der 100-Meter-Marke.
Hendrik Dieckmann

Hendrik Dieckmann

Fazit

Es ist ähnlich wie im H4-Lampentest: Unglaublich, was für ein Schrott angeboten wird! Dazu noch mit E-Prüfzeichen, obwohl diese Funzeln die Typprüfung niemals bestehen! So gilt die gleiche Erkenntnis wie bei den H4-Lampen – wenn es kein europäisches Markenfabrikat ist, lieber Finger weg.

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