Vergessen Sie den Feinstaub, die Chemie im Essen, das Ozonloch. Wenn uns etwas krank macht, dann ist es Krach. Und an ihm sind leider auch unsere Autos beteiligt. Lärm ist das Umweltproblem Nummer eins, da sind sich die Experten einig. Zu viel davon macht nicht nur schwerhörig, sondern schadet dem gesamten Organismus. Die Folgen reichen von Schlafstörungen über Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum Herzinfarkt. Da genügt schon die Dauerberieselung in Form einer viel befahrenen Straße. In Zahlen ausgedrückt entspricht das etwa 65 Dezibel. Zwölf Millionen Deutsche leben an solchen Straßen. "Lärmschwerhörigkeit führt pro Jahr zu einem Drittel aller anerkannten Berufskrankheiten", sagt Umweltmediziner Dr. Karl Bartels. Noch alamierender: Jeder vierte Jugendliche leidet heute unter zeitweiligem Hörverlust. Doch was kann man schon tun? Ohrstöpsel tragen, na klar. Aber das macht einsam. Wie wär's mit: ins Auto setzen und die Tür schließen? Schöner Gedanke.

Im Auto ist es so laut wie im laufenden Geschirrspüler

Dem Lärm auf der Spur: AUTO BILD testete im Opel-Akustiklabor in Rüsselsheim.
Nur genauso gut könnte man seinen Kopf in einen laufenden Geschirrspüler stecken. In puncto Lärm zumindest kommt das aufs Gleiche raus. Nicht immer, aber leider sehr oft. AUTO BILD hat es mal nachgemessen. Streng wissenschaftlich. Im Akustik-Labor von Opel in Rüsselsheim und auf der Versuchsstrecke. Und – im Gegensatz zu den üblichen Normmessungen – nicht nur bei konstanter Fahrt, sondern auch beim Beschleunigen. Mit Vollgas. Bei 15 verschiedenen Autos, wie sie ihre Insassen beschallen. Ergebnis: Selbst die vermeintlichen Leisetreter der Luxusklasse malträtieren uns mit Lautstärken, die auf Dauer zermürben. Im Cabrio reicht die Dröhnung in gravierenden Fällen sogar, um schwerhörig zu machen. Wichtig aber auch: Lärmpegel ist nicht gleich Lärmpegel. Hohe Töne zum Beispiel stören mehr als tiefe. Mal ganz abgesehen von der Soundqualität: Wenn Opa vor sich hin summt, weinen vor Schreck die Kinder. Aber wenn Pavarotti das gleiche tut, bezahlen viele 400 Euro, um dabei sein zu können. Beim Auto ist das ähnlich. Wie sie klingen, wie laut sie sind, und warum das so ist, zeigt die große Bildergalerie.

Fazit von AUTO BILD-Redateur Wolfgang König

Stressfrei fahren, ausgeruht ankommen – jeder kennt die Sprüche. Sie gehören zum Lieblingsrepertoire der Autowerber. Schade nur, dass sie aus dem Reich der Fantasie stammen. Die Realität sieht anders aus. Der Geräuschtest von AUTO BILD beweist es: Im Auto geht es lauter zu, als in vielen Fabrikhallen. Wenn uns Lärmpegel über 65 Dezibel auf Dauer krank machen, dann sollten wir unterwegs eigentlich Ohrenschützer tragen. Selbst in der Luxusklasse ist es bisweilen doppelt so laut. Sicher, man gewöhnt sich an alles. Aber das macht die Sache nicht gesünder. Und natürlich stimmt es, dass die Autos in den letzten Jahren das Flüstern gelernt haben. Nehmen wir eine S-Klasse vom Typ W 126 aus den 80er Jahren: Damals zischten einem bei Tempo 180 noch 85 Dezibel und mehr in die Ohren. Ihr Nachfahre von heute ist nur noch halb so laut. Es ist eben alles relativ. Absolut ist nur die Wahrheit. Und die sagt uns, dass wir mehr Ruhe brauchen. Auch im Auto.