Grau, schwarz, weiß. Gedeckte Töne beherrschen seit Jahren das Bild bei den Autolackierungen und sind aus verschiedenen Gründen sehr erfolgreich. Zum einen, weil viele dieser Lacke aufpreisfrei sind, zum anderen empfehlen Händler ihren Kunden meist unbunte Farben, da Rückläufer in diesem Farbspektrum angeblich schneller wiederverkauft werden können. Die Tristesse könnte aber bald ein Ende haben, glaubt Farbpsychologe Klausbernd Vollmar, Autor des Standardwerks "Farben" (Knaur Verlag). "Man sehnt sich in solchen Krisenzeiten nach bunten Farben." Besonders Gelb wird laut Vollmar wieder beliebt werden, da es nicht nur positiv wirkt, sondern auch die Farbe der Verständigung ist. "Nach der Erfahrung der Isolation sehnen sich die Menschen wieder nach Kommunikation." Zudem lässt Gelb das Auto im Vergleich zu anderen Farben schneller erscheinen. Auch Rot "als lebensbejahende Farbe des Blutes" wird kommen. Eine Ausnahme wird wahrscheinlich Orange sein, da "orangefarbene Gegenstände in unserem Kulturkreis billig wirken."

Das Auto soll wieder mehr der Persönlichkeit entsprechen

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Buntes Treiben: Wer eine auffällige Farbe haben möchte, muss meist extra dafür zahlen.
Mark Gutjahr, Head of Design beim Chemiekonzern BASF, sieht Beige stark im Trend, "eine Farbe, die lange Zeit unbeachtet war". Es handele sich "dabei nicht um ein langweiliges Cordjacken-­Beige, sondern um besonders elegante und warme Farbtöne". Die Farbe drücke ein Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit aus. Allgemein steigt der Wunsch nach individuellen Farbtönen, so Gutjahr. "Das Produkt Auto soll wieder mehr der individuellen Persönlichkeit entsprechen." Die Auswahl ist jedenfalls vorhanden – BASF spricht von insgesamt 700 Farbtönen, die derzeit verwendet werden. Allein 160 Blau­- und über 120 Grautöne kommen in der Automobilproduktion zum Einsatz. Allerdings: Die Hersteller lassen sich solche Farbexperimente einiges kosten, wie ein Blick auf die Farbpalette des aktuellen Golf 8 beweist. Einzig das triste Uranograu kostet nichts extra. 1974 war das noch anders, der Golf 1 war in fünf Basisfarben ohne Aufpreis lieferbar. Heute kostet Limonengelb, das der Golf 8 zu seiner Weltpremiere 2019 trug, stolze 760 Euro Aufpreis. Für den Farbton Oryxweiß Perlmutteffekt verlangen die Wolfsburger sogar 1025 Euro Aufpreis.
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Effektlacke sind schwierig herzustellen und somit teuer

VW erklärt die Kosten mit aufwendigen Lackierprozessen. Die Farbe Limonengelb bedingt ein zweischichtiges Lackierverfahren. Die Pigmenteigenschaften der Farbe sind laut VW sehr aufwendig. Generell sei es "schwierig, klare Effektlacke herzustellen". Den vierstelligen Aufpreis für Oryxweiß begründet VW mit einem dreischichtigen Lackaufbau, damit der Perlmutteffekt entsteht. Das Fahrzeug muss hier zweimal durch die Lackierung laufen. Doch bei allem technischen Aufwand – sind diese Aufschläge wirklich durch die aufwendige Produktion zu erklären? Gutjahr kann zu den Kosten keine pauschale Aussage treffen. Es komme "immer auf die spezifische Zusammensetzung des Lacks und der verwendeten Inhaltsstoffe an, Effektstoffe sind meistens teuer".

Naturtöne sind auf dem Vormarsch

BMW-Lackieranlage
Die 200 Millionen Euro teure Lackieranlage des BMW-Werks in München wurde 2017 in Betrieb genommen. Täglich werden bis zu 1000 Karosserien lackiert.
Dass mehr Mut zur Farbe sich für den Hersteller auszahlen kann, hat Mazda mit seinem Magmarot bewiesen, das beim Mazda3 auch stolze 950 Euro extra kostet. "Der Mazda-Kunde identifiziert sich heute gern mit diesem lebendigen Rotton, der auch einen hohen Wiedererkennungswert hat", sagt Paolo Tumminelli. Der Kölner Professor für Design sieht in Zukunft Naturtöne auf dem Vormarsch. "Blau wie Himmel und Wasser, Grün wie Gras und Blätter und Braun wie Erde und Sand.“ Metallic-­Blautöne seien für die Elektromobilität geradezu prädestiniert. Auch Gutjahr erwartet mehr Blau. Die Farbe ziele auf den "technischen und zukunftsgerichteten Charakter eines Autos und changiert dabei zwischen sehr frischen skyblauen Farbtönen über Türkis und Petrol bis hin zu violetten Schattierungen". Der BMW 3er strahlt zum Beispiel im aufregenden Metallic-Tansanitblau – allerdings zum deftigen Aufpreis von 1950 Euro. Wer neben Freude am Fahren auch noch Freude an Farbe haben will, muss halt zahlen.
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Kommentar

Traut euch was! Die Männer in Michael Endes Roman "Momo" tragen Grau als Zeichen der Angepasstheit. Wie spröde. Ich persönlich fahre einen VW New Beetle in Salsa-Rot. Wenn ich den Knubbel sehe, bekomme ich gute Laune. Mehr kann man von seinem Auto nicht erwarten!