Diesel kaufen: Pro und Kontra

Diesel-Abgasskandal – Fragen zum Rückruf

Behörden legen weitere Diesel still

In Sachsen-Anhalt legten die Behörden mehr als 50 Diesel still, weil die Halter das zwingende Diesel-Update nicht aufspielen ließen. Infos für Besitzer von betroffenen Autos!
(dpa/mas/brü/lhp/cj) Mehr als 50 Diesel-Autos mit manipulierter Abgas-Software wurden in Sachsen-Anhalt von den Behörden stillgelegt. Die Besitzer hatten auch nach einer letzten Frist ihr Fahrzeug nicht mit aktueller Software nachgerüstet. Betroffen sind VW- und Audi-Modelle der Baujahre 2009 bis 2014 mit dem Dieselmotor EA 189 mit illegaler Abschaltvorrichtung für die Abgasreinigung. Die Zwangsmaßnahmen treffen Autobesitzer, die 18 Monate nach der Freigabe der Nachrüstung durch das (KBA) trotz mehrfacher Erinnerung nicht an der Rückrufaktion teilgenommen haben.

37 Verfahren gegen Diesel-Besitzer in Halle (Saale)

Beispiel Halle: Nach Angaben der Stadt wurden bislang 37 Verfahren gegen betroffene Fahrzeugbesitzer eingeleitet. Zwei meldeten ihr Fahrzeug daraufhin ab. In 21 Fällen führten die Fahrer nach der letzten Aufforderung doch noch ein Software-Update durch und kamen einer Stilllegung durch die Behörden zuvor. Die übrigen 14 Verfahren laufen den Angaben zufolge noch, weil Widerspruch eingelegt wurde. Eine definitive Stilllegung wurde bislang in keinem Fall angeordnet. In der Börde und im Salzlandkreis wurden bislang zehn Betriebsuntersagungen verfügt, im Burgenlandkreis sogar 16. Weitere Stilllegungen gab es unter anderem im Landkreis Harz, im Saalekreis und im Altmarkkreis Salzwedel.

In Hamburg und München auch Autos stillgelegt

Die meisten Motoren bekommen bei der Nachrüstung lediglich ein Software-Update fürs Steuergerät.

In München und Hamburg legten die Behörden im Juni 2018 bereits Diesel mit manipulierter Abgassoftware zwangsweise still. Auch hier hatten die Besitzer auf die mehrfache Aufforderung zum Update der Motorsteuerung nicht reagiert. In Hamburg wurden zwei Wagen aus dem Verkehr gezogen, in München einer. In Nürnberg kamen weitere Autos hinzu. Schon Ende 2017 begannen die Zulassungsstellen mit der Stilllegung von Fahrzeugen, wie beispielsweise eines VW Amarok in Bochum.  Die Gegner des Rückrufs führen ins Feld, dass VW keine Garantie gibt, dass sich das Update nicht negativ auf Haltbarkeit oder etwa Verbrauch auswirkt. 

Wichtige Fragen und Antworten

Was bedeutet der größte Skandal in der deutschen Automobilgeschichte für die Fahrer manipulierter Autos? Wie wird umgerüstet, und was für Auswirkungen hat das für Verbrauch oder Leistung? Werden Autobesitzer entschädigt? AUTO BILD beantwortet die wichtigsten Fragen. Dazu: Pro und Kontra für den Diesel-Kauf!

Fragen und Antworten zu Diesel-Stilllegungen

Wie lange habe ich Zeit für die Nachrüstung?

Nach dem vom Kraftfahrt-Bundesamt angeordneten Rückruf werden die Halter angeschrieben. Sie haben 18 Monate Zeit, ihren Wagen in die Werkstatt zu bringen. Die Frist begann jeweils an dem Tag, an dem das Update für das Fahrzeugmodell zur Verfügung stand. Die ersten Benachrichtigungen waren für den VW Amarok rausgegangen.

Wie läuft das Verfahren?

"Nimmt ein Halter nicht an der Rückrufaktion teil, wird er durch das KBA direkt angeschrieben und zur umgehenden Nachrüstung aufgefordert", erklärt ADAC-Jurist Markus Schäpe. Weigert er sich immer noch, werden diese Fälle an die örtlichen Zulassungsstellen weitergeleitet, die den Fahrzeughalter mit einer sehr knappen Frist schriftlich anhören. Lässt der Halter dann immer noch nicht umrüsten, erlässt die Behörde eine sogenannte Betriebsuntersagung. Gegen die Stilllegung kann der Betroffene mit einem Widerspruchsverfahren bzw. einer Anfechtungsklage vorgehen. Das Verwaltungsgericht klärt dann, ob die Maßnahmen rechtmäßig sind.

Müssen Umrüst-Muffel mit Stilllegung rechnen?

Ja. Denn die örtlich zuständigen Zulassungsstellen können den Betrieb eines nicht nachgerüsteten Autos untersagen und es stilllegen. Das kostet den Halter zudem rund 50 Euro Gebühren. 

Warum wollen sich einige Halter nicht am Rückruf beteiligen?

Grund ist die Angst vor technischen Problemen, einem erheblichen Mehrverbrauch oder dem Verlust von Schadenersatzansprüchen. Nach Ansicht des ADAC-Anwalts Schäpe ist letztere Angst unbegründet. Beim Anspruch gegen den Hersteller zähle der Neukaufzeitpunkt, gerade wenn argumentiert werde, damals zu viel für ein manipuliertes Auto gezahlt zu haben. Schäpe: "Wenn auf Rückgabe des Kfz an den Hersteller geklagt wird, ist eine nun erfolgende Nachrüstung unbeachtlich."

Welche Autos werden umgerüstet?

Nach Auskunft von VW können alle manipulierten Dieselmotoren vom Typ EA 189 in der EU umgerüstet werden. In Deutschland liegen alle Freigaben des KBA seit Ende 2016 vor, betroffen sind vor allem die Verkaufsschlager VW Golf und Passat. Es handelt sich insgesamt um 32.000 Wagen mit 1,2 Litern Hubraum, 700.000 mit 1,6 Litern Hubraum und 1,88 Millionen mit 2,0 Litern Hubraum. Hinzugekommen sind Audi mit V6 TDI als Dreiliter und Porsche Cayenne 3.0 V6 TDI sowie Porsche Macan und VW Touareg.

Wie lange wird der Rückruf andauern?

Updates bekommen haben bisher rund 2,5 Millionen Fahrzeuge, wie das Bundesverkehrsministerium Anfang Juni 2018 auf eine FDP-Anfrage mitteilte. Laut ADAC sind etwa 2,6 Millionen Fahrzeuge betroffen, das deutet auf einige hin, die noch nachgerüstet werden müssen. Für den Rückruf autorisiert sind bundesweit 2173 Volkswagen-Partner, dazu eine kleinere Zahl von autorisierten Servicebetrieben. Die sind für die vom Rückruf betroffenen VW-Schwesternmarken Audi, Seat, Skoda und VW-Nutzfahrzeuge zuständig.

Was genau wird bei der Umrüstung gemacht?

Die meisten Motoren werden lediglich an einen Computer angeschlossen. Sie bekommen dann eine Software, die die Abläufe im Motor besser steuern und für eine effizientere Verbrennung des Diesels sorgen soll. Ein kurzes Video hat VW hier veröffentlicht, auch eine Service-App gibt es. Bei Autos mit 1,6-Liter-Motoren wird zusätzlich noch ein sogenannter Strömungsgleichrichter eingebaut. Das kleine Gitterrohr aus Kunststoff soll verwirbelte Luft ordnen, die durch den Luftfilter Richtung Motor strömt. Über genauere Messungen könne die Motorsteuerung das laufende Aggregat dann besser abstimmen und damit auch den Stickoxidausstoß senken.

Was tun bei Problemen nach der Umrüstung?

"Grundsätzlich ist einem Betroffenen zu empfehlen, sich bei Problemen mit dem Hersteller beziehungsweise einer Vertragswerkstatt in Verbindung zu setzen", sagt ADAC-Anwalt Schäpe. VW habe seine Händler verpflichtet, solchen Beschwerden nachzugehen und diese über ein Meldesystem dem Hersteller mitzuteilen. "Teilweise kann softwareseitig nachjustiert werden", so der Experte weiter. Bei technischen Defekten zeige sich VW in den meisten Fällen kulant.

Stoßen umgerüstete Autos weniger Schadstoffe aus?

Die Umbaumaßnahmen von VW sind vor allem darauf ausgerichtet, dass die Autos den Test auf dem relevanten Prüfstand schaffen – und zwar ohne Betrugssoftware. Der ADAC hat zwar bei Messungen von einigen wenigen Fahrzeugen einen Rückgang von Emissionen schädlicher Stickoxide in realitätsnäheren Testzyklen gemessen. Einen Rückschluss auf alle umgerüsteten Fahrzeuge lässt das aber nicht zu.

Bringt die Umrüstung Nachteile für Kunden?

VW beteuert, dass die Autos nach dem Rückruf nicht mehr verbrauchen, die Leistung nicht sinkt und sie auch nicht lauter sind. Nach VW-Angaben bestätigt das auch das KBA. Es gibt jedoch vereinzelte Kundenklagen sowie Hinweise, dass die Haltbarkeit einzelner Bauteile leiden könnte. Der größte Nachteil ist ein juristischer: So sinkt die Chance auf einen Gewährleistungsanspruch. VW-Kunden berichteten AUTO BILD, in puncto Software-Update von VW unter Druck gesetzt worden zu sein.

Werden Kunden in Deutschland entschädigt?

Während Kunden in den USA und Kanada eine "erhebliche" Entschädigung bekommen, gingen Kunden in Deutschland und Europa bislang leer aus. Der Konzern begründete das unter anderem mit einer anderen Rechtslage. Inzwischen gibt es drei wichtige Gerichtsurteile zugunsten von Klägern, bei denen VW auf eine Berufung verzichtete. Darin werden nicht nur VW-Händler zur Rücknahme der manipulierten Fahrzeuge verpflichtet. Das Landgericht Arnsberg stellte beispielsweise fest (Az. I-2 O 264/16), dass Volks­wagen wegen vorsätzlicher sittenwid­riger Schädigung verpflichtet ist, dem Besitzer des betroffenen Fahrzeugs etwaige weitere Schäden zu ersetzen. Während VW laut "ZDF Heute Journal" ankündigte, sich auch "in Zukunft gegen Klagen verteidigen" zu wollen, sehen die Anwälte des Klägers eine "Signalwirkung" in dem Urteil. Kunden dürften sich "berechtigte Hoffnungen" machen, ihre Ansprüche in erster Instanz durchsetzen zu können.

Kann ich die Werkstatt frei wählen?

Für die Nachbesserungen sind nur Vertragswerkstätten autorisiert. Unter denen kann der Betroffene laut VW aber frei wählen.

Muss ich für den Rückruf zahlen?

VW hat zugesichert, dass den Haltern keine Kosten entstehen.

Welche Modelle haben den Motor EA 189 an Bord?

Bei VW in den USA sind es: Golf, Jetta, Beetle, Passat. In Deutschland sind unter anderem Golf VI, Passat VII und Tiguan I betroffen, Halter können sich auf den Serviceseiten im Internet informieren. Bei Audi: A1, A3, A4, A6, TT, Q3, Q5, jeweils 1.6 und 2.0 TDI mit Euro-5-Norm. Bei Skoda: Fabia II (Baujahre 2009 bis 2014), Roomster (Baujahre 2009 bis 2015), Rapid (Baujahre 2011 bis 2015), Yeti (Baujahre 2009 bis 2015), Octavia II (Baujahre 2009 bis 2013) und Superb II (Baujahre 2009 bis 2015). Bei Seat: Halter können sich auf einer Service-Seite informieren, ob ihr Fahrzeug betroffen ist.

Kann ich bis zur Umrüstung unbesorgt weiterfahren?

VW, Audi, Seat und Skoda teilen unisono mit: "Alle betroffenen Fahrzeuge sind technisch sicher und fahrbereit." Die manipulierten Autos dürften aber mehr NOx ausstoßen als angenommen.

Könnte bei betroffenen Autos die Kfz-Steuer steigen?

Nein, nach AUTO BILD-Einschätzung nicht. Die Kfz-Steuer hängt vom Hubraum und dem CO2-Ausstoß ab, Stickoxide sind hier unerheblich. Ob sich die Abgasaffäre auf die Feinstaubplaketten auswirkt, ist noch nicht klar. Laut NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) könnte es hier durchaus ein Problem geben, weil den Umweltplaketten nicht nur der Feinstaub-Ausstoß zugrunde läge, sondern auch die Einhaltung bestimmter Stickstoff-Dioxid-Emissionen. Möglicherweise müssten deswegen Haftungsansprüche geltend gemacht werden – gegenüber VW, nicht gegenüber den Haltern.

Wie erkennen Gebrauchtwagenkäufer die Nachbesserung?

An drei Punkten. Erstens bekommen die nachgebesserten Autos im Bereich der Reserveradmulde einen Aufkleber, der auf die Durchführung der Aktion hinweist. Zweitens werden die Änderungen in der elektronischen Historie des Autos gespeichert. Und die können VW-Werkstätten auslesen. Drittens wird die Aktion im Serviceplan des Fahrzeugs eingetragen.

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Diesel Abgasskandal

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