Diesel: Pro und contra

Emissionsarm: Diese SUVs sind sauber

Diesel kaufen? Vor- und Nachteile

Soll ich beim Autokauf noch einen Diesel nehmen?

Die Beliebtheit des Diesels lässt nach, soll man wegen seiner Vorteile dennoch einen kaufen? Ein Experte geht von einem Preisverfall bei gebrauchten Diesel-Autos aus. Trotzdem noch einen Selbstzünder kaufen?
Viele Deutsche bewegt derzeit die Frage, ob sie als nächstes Auto einen Diesel kaufen sollen. Sein Anteil an den Neuzulassungen hierzulande ist durch verschiedene Faktoren in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft, nicht zuletzt zeigt sich ein Trend in Richtung elektrifizierter Mobilität. Die anhaltende Corona-Pandemie hat sich 2020 deutlich auf die Zulassungszahlen ausgewirkt. Ingesamt wurden im vergangenen Jahr in Deutschland rund 820.000 Diesel-Pkw zugelassen. Der Anteil am Gesamtverkauf lag damit in der Jahresbilanz bei rund 28 Prozent. 2019 waren es noch 32 Prozent und 2018 noch knapp 33. Zudem schrumpft die Auswahl an Modellen: Seit 2015 wurden herstellerübergreifend bei mehr als 20 Modellreihen die Diesel gestrichen. Dazu sagen Experten dem Selbstzünder in den kommenden Jahren einen massiven Wertverlust voraus.
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Immerhin sank die Gefahr neuer Dieselfahrverbote seit Juni 2020. Damals teilte das Umweltbundesamt (UBA) die offizielle Auswertung der Luftmessdaten in den Bundesländern mit. So wurde 2019 nur noch in 25 Städten im gesamten Bundesgebiet der neuralgische Wert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) überschritten. Im Jahr zuvor waren es noch 57. Wegen der vielen schlechten Werte hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) diverse Verfahren angestrengt, aufgrund derer in verschiedenen Metropolen mehrere Fahrverbote verhängt wurden.

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Der Grund für den positiven Trend: die beim vor Jahren auf dem Dieselgipfel beschlossenen Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität sowie die Luftreinhaltepläne der Kommunen. Zudem sank das Verkehrsaufkommen corona-bedingt 2020, damit ging auch die NO2-Belastung zurück. Die Aussagekraft der Verschmutzungszahlen aus dem Pandemie-Jahr wird von einigen Experten daher als nicht besonders hoch eingeschätzt.  

Entscheidungshilfe zum Dieselkauf

Was sind die Argumente für oder gegen einen Diesel? AUTO BILD gibt eine Entscheidungshilfe beim Autokauf!

Diesel: Pro und Kontra

Wie ist der Diesel in Verruf geraten?

Die Dieselkrise begann mit dem Aufdecken des VW-Skandals im September 2015. VW hatte millionenfach Abgasreinigungswerte in Sachen Stickoxide (NOx) manipuliert. Seitdem ruinierten News von Abschaltvorrichtungen, Betrugssoftware und zwielichtigen Tests das bis dahin positive Image des Dieselantriebs. Immer mehr gerieten die Abgaswerte, der NOx- und Feinstaubausstoß in den Fokus.

Wie steht es um Fahrverbote und die blaue Plakette?

Mehrere Städte hatten wegen der Auto-Dieselabgase mit zu hohen Stickoxidwerten zu kämpfen, weswegen Fahrverbote verhängt wurden. In Hamburg gilt seit Mai 2018 an zwei Straßen ein Diesel-Fahrverbot für Autos bis Euro 5 (inklusive). In Berlin gelten Fahrverbote für Euro 5 und schlechter auf Straßenzügen in Neukölln und Moabit. In Darmstadt gibt es ein Fahrverbot für Diesel bis Euro 5 und Benziner Euro 1-2.
Allerdings hat sich die Lage  entspannt. Die im Rahmen der Dieselgipfel beschlossenen und umgesetzten Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität und die Luftreinhaltepläne der Kommunen zeigen Wirkung. Anzeichen für die Einführung weiterreichender Diesel-Fahrverbote gibt es derzeit nicht.

Welche Förderung bietet der Staat an?

Die Bundesregierung einigte sich im Herbst 2018 auf einen Kompromiss im Dieselstreit. Der sah unter anderem eine Hardware-Nachrüstung für Euro-5-Diesel vor. Das Problem: Nicht alle Autobauer zogen bei der Finanzierung mit, der Bund wollte keine Zuschüsse, die Autobesitzer mussten einen Teil der Zeche zahlen. Zum anderen wurde beschlossen, dass die Autohersteller Umtauschprämien beim Wechsel von einem alten Diesel (Euro 1-5) zu einem Euro-6-Diesel anbieten. Mittlerweile gibt es im Rahmen des Corona-Konjunkturhilfepakets eine Kaufprämie in Höhe von teilweise mehr als 9000 Euro beim Kauf umweltfreundlicher Elektroautos.

Wie entgehen Euro-5-Diesel Fahrverboten?

Mit einer Umrüstung. Neben einem Software-Update ist darunter vor allem die Hardware-Nachrüstung älterer Diesel mit einer SCR-Anlage mit Harnstofflösung zu verstehen. Die Kosten dafür liegen bei etwa 3000 bis 3500 Euro. Dr. Pley und Twintec Baumot (wegen Corona in Insolvenz in Eigenregie) bieten Nachrüstsysteme für rund 60 Fahrzeugmodelle des VW-Konzerns sowie für einige BMW-, Mercedes- und Volvo-Modelle an. Auch die Filterspezialisten HJS und Oberland Mangold dürfen SCR-Katalysatoren verkaufen. Weitere Unternehmen erhielten 2020 ihre Zulassung.

Welche Vor- und Nachteile haben Dieselbesitzer bei der Steuer?

Vorteile: Dieselfahrer zahlen beim Tanken weniger Energiesteuer. Insgesamt ist Diesel mehr als 15 Cent pro Liter günstiger. Allerdings werden immer wieder Stimmen laut, die die Abschaffung des sogenannten Dieselprivilegs fordern.
Nachteile: Als Gegengewicht zum günstigeren Treibstoff an der Tankstelle werden Dieselautos mit einer höheren Kfz-Steuer belegt, sodass sie sich meist nur für Vielfahrer lohnen. Die Steuer hängt vom Hubraum und vom CO2-Ausstoß ab. Wie hoch ist die Steuer bei Ihrem Fahrzeug? Das können Sie hier in drei Schritten errechnen!

Euro 6, 6d-TEMP, 6d ISC-FCM: Wo ist der Unterschied?

Euro 6 heißt: Auf dem Prüfstand darf das Auto maximal 80 Milligramm NOx pro Kilometer ausstoßen. Zum Vergleich: Bei Euro-5-Dieseln waren bis zu 180 mg/km erlaubt. Die Unterschiede zwischen 6b, 6c, 6d-TEMP und 6d sind gewaltig: Es wird mit völlig unterschiedlichen Prüfverfahren (NEFZ, WLTP, RDE) gemessen, und es gelten andere Grenzwerte. Das bezieht sich nicht nur auf den Prüfstand, sondern auch auf den Straßenbetrieb. Hier ein Überblick:
➤ Euro 6b: Am 1. September 2015 mussten alle Neuwagen 6b erfüllen. Erlaubter Grenzwert NOx: 80 mg/km (Diesel), 60 mg/km (Benziner). Gemessen wurde ausschließlich auf dem Prüfstand, und zwar nach dem realitätsfernen NEFZ-Zyklus. Diese modernen Euro-6b-Diesel pusten im realen Fahrbetrieb im Schnitt auf jedem Kilometer 507 Milligramm NOx in die Luft. 
➤ Euro 6c/6d-TEMP: Die Euronormen 6c und 6d-TEMP traten 2017 in Kraft, neue Modelle (Typzulassung) müssen beide Normen erfüllen. Wie bei 6b gilt der Grenzwert von 80 mg/km, gemessen wird aber nach dem WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonized Testing Procedure).
Zusätzlich zu den Prüfstandsmessungen wurde bei Euro 6d-TEMP der Realausstoß auf der Straße gemessen (RDE, Real Driving Emissions). Die Autos dürfen mit dem sogenannten Konformitäts- oder Umrechnungsfaktor von 2,1 nicht mehr als 168 mg/km NOx (Benziner: 126 mg/km) in die Luft blasen. Für alle Neuwagen war Euro 6d-TEMP ab dem 1. September 2019 verpflichtend. Überblick: Diese SUVs und diese Kompaktwagen erfüllen Euro 6d-TEMP!
Euro 6d-ISC-FCM: Für alle Neuwagen seit Januar 2021 verpflichtend. Dazu wurden die Grenzwerte bei der RDE-Messung (also im Straßenbetrieb) noch mal verschärft: Statt 168 dürfen Diesel nur noch 114 mg/km (Benziner: knapp 86 mg/km; Konformitätsfaktor 1,43) Stickoxide ausstoßen.
Überblick: Welche Abgasnorm hat mein Auto?

Wie viel verbraucht ein Diesel weniger als ein Benziner?

Diesel verbrauchen etwa 15 bis 20 Prozent weniger Kraftstoff als vergleichbare Benziner. Das liegt neben der höheren Effizienz des Motors an der größeren Energiedichte des Kraftstoffs. Es wird jedoch kritisiert, dass der Verbrauchsvorteil beim Diesel durch das hohe Gewicht der sehr gefragten SUVs kompensiert wird. Die Herstellung von Dieselmotoren ist aufwendiger. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) argumentiert, hier entstünden CO2-Nachteile. Dazu seien moderne Benziner mit Vollhybridtechnik effizienter als früher.

Wie beeinträchtigt der Diesel die Umwelt?

Als Kraftstoff ist Diesel energiereicher als Benzin. Zudem liegt der Wirkungsgrad des Dieselmotors um etwa 15 Prozent über dem von Benzinern. Weil weniger Kraftstoff bei gleicher Leistung verbrannt wird, verbrauchen Dieselmodelle weniger und stoßen daher auch weniger CO2 aus. Allerdings ist der CO2-Gehalt pro verbranntem Liter Diesel höher als bei Benzin (2,6 kg zu 2,3 kg). Für manchen Experten ist der klimafreundliche Diesel daher ein Mythos.
Im Fokus stehen aber die übrigen Schadstoffe, die bei der Verbrennung von Diesel entstehen, etwa die gesundheitsschädlichen Stickoxide (NOx). Sie können die Schleimhäute angreifen und zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen sowie Herz, Kreislauf und die Lungenfunktion beeinträchtigen.

Absatzzahlen: So verkaufen sich Neuwagen

Noch 2016 war Deutschland Diesel-Land, fast jedes zweite neu zugelassene Kfz war ein Selbstzünder. Mittlerweile pendelten sich die Absatzzahlen des Diesels bei knapp einem Drittel aller neu zugelassenen Autos ein. Laut KBA hatten 2018 noch 32,8 Prozent aller neu zugelassenen Pkw einen Dieselantrieb, 2019 waren es genau 32 Prozent. 2020 lag die Zahl bei rund 28 Prozent. Allerdings muss dabei der allgemeine Rückgang an Neuwagen-Verkäufen aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie eingerechnet werden.

Preise: So steht es um Rabatte beim Diesel

Nach Auslaufen der Umtauschprämien sind spezielle Rabatte für Diesel vorbei. Allerdings bieten viele Händler wegen der Corona-Krise teils hohe Nachlässe auf Bestandsfahrzeuge, um den Absatz wieder in Schwung zu bringen. Vor allem gebrauchte Diesel sind zu teils attraktiven Preisen zu haben, weil sie relativ lange beim Händler auf dem Hof stehen.

Wie reagieren die Hersteller?

Sie bieten immer weniger Modelle mit Dieselmotor an. Als erster großer Autobauer wandte sich Volvo vom Diesel ab. Porsche zog nach. Seit 2015 strichen die Hersteller bei mehr als 20 Modellreihen die Dieselvariante. Bei weiteren 40 sank der Dieselanteil so sehr, dass mit einem Streichen zu rechnen sei. Das sagte das Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen in einer Studie voraus, hier zitiert von der WELT am SONNTAG.
Ein weiterer Faktor: Über allen Herstellern schwebt die EU-Vorgabe, nach der 2021 der Flottenausstoß nur noch 95 g CO2/km pro verkauftem Fahrzeug betragen darf. Andernfalls drohen Strafzahlungen. Also steigt der Druck, Autos mit geringem CO2-Ausstoß anzubieten.

Wie entwickelt sich der Wert von Diesel-Fahrzeugen?

Experten rechnen mit einem massiven Preisverfall in den kommenden Jahren. Das Duisburger Center of Automotive Research (CAR) unter der Leitung von Ferdinand Dudenhöffer prognostiziert, dass 2030 europaweit nur noch 390.000 Neuwagen mit Diesel verkauft werden. Das wären deutlich weniger neue Selbstzünder, als 2020 Elektroautos verkauft wurden. So ein radikaler Rückgang hätte demnach großen Einfluss auf den Werterhalt der Fahrzeuge. Folgt man nach der Vorhersage, sinken die Preise für Autos mit Diesel zunächst langsam. Doch wenn in drei bis vier Jahren die nächste Anschaffungsrunde für die großen Flottenbetreiber ansteht und diese auf elektrifizierte Fahrzeuge umstellen, beginnt der Preisverfall, so Eurotax. Dazu kommt, dass der Preis pro Liter Diesel stetig steigen wird und die komplexen Euro-7-Diesel teurer werden.  

Diesel oder Benziner – was lohnt sich mehr?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Generell wirkt sich der Preisvorteil vom Diesel eher bei großvolumigen Fahrzeugen. Ähnliches gilt für Vielfahrer, ab zirka 20.000 Kilometern pro Jahr. Der ADAC nahm 2017 einen groß angelegten Kostenvergleich mit mehr als 1600 Fahrzeugen vor. AUTO BILD testete Anfang 2019 in einem großen Vergleich zwölf Benzin-Diesel-Paare und klärte, womit Sie besser fahren. Wer seine Kaufentscheidung vor allem unter ökologischen Gesichtspunkten trifft, der sollte auf Erdgas- oder E-Antriebe setzen.

Welche Diesel kann ich bedenkenlos kaufen?

Vor allem moderne: Der ADAC wies in seinem Ecotest nach, dass Euro-6d-TEMP-Diesel durchschnittlich 76 Prozent weniger NOx ausstoßen als Euro-6b-Diesel – und 85 Prozent weniger NOx als Euro-5-Diesel. Stichproben bei Messungen auf der Straße hätten gezeigt, dass die Schadstoffreduzierung bei guten Euro-6d-TEMP-Dieseln im Vergleich zu durchschnittlichen Euro-5-Dieseln sogar bei 95 bis 99 Prozent liege. Der Automobilklub bietet hier eine Liste mit Fahrzeugen der neueste Euro-Norm 6d-ISC-FSM-Norm an.

Emissionsarm: Diese SUVs sind sauber

Mit Material von dpa und Reuters.

*Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist (www.dat.de).
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