Diesel: Neue Abgastechnik von Bosch

So funktioniert Boschs Sauber-Diesel

Bosch hat eine neue Diesel-Abgastechnik zur Serienreife entwickelt. Damit soll der NOx-Ausstoß radikal sinken. So funktioniert das System!

Am Stuttgarter Neckartor ist die NOx-Belastung besonders hoch. Die Bosch-Technik könnte das ändern. Fahrverbote ade?

(dpa/mas/cj) Autozulieferer Bosch will den Diesel noch nicht aufgeben. Eine neu entwickelte Abgastechnik soll den durch den VW-Abgasskandal und Fahrverbots-Debatte in Verruf geratenen Antrieb vor dem Niedergang bewahren und dem Konzern zugleich einen wichtigen Geschäftsbereich für die Zukunft sichern. "Das Stickoxid-Problem im Straßenverkehr ist technisch lösbar", sagte der Vorsitzende der Bosch-Geschäftsführung, Volkmar Denner. Der Konzern verspricht, mit seinem neuen System den Stickoxid-Ausstoß des Antriebs auch im Realbetrieb auf der Straße weit unter den aktuellen und auch den künftigen Grenzwerten halten zu können: auf durchschnittlich 13 Milligramm pro Kilometer! Die Preise für gebrauchte Diesel waren zuletzt genauso eingebrochen wie die Neuzulassungszahlen (mehr dazu: Diesel kaufen – Pro und Kontra).

AUTO BILD-Testergebnis: Es funktioniert

"Nach unserem Durchbruch sind wir sicher: Dem Selbstzünder wird in Zukunft niemand die Einfahrt in die Städte pauschal verbieten können", betonte Denner. Die Technik sei so weit ausgereift, dass sie sofort in die Serienentwicklung der Hersteller einfließen könne. Teurer als ein normaler Diesel soll sie nicht sein, Verbrauch und Leistung nur minimal beeinflussen und zudem unabhängig von äußeren Umständen wie Fahrstil, Streckenprofil und Temperatur funktionieren. AUTO BILD hat einen Prototyp mit der neuen Technik bereits getestet – und ist überzeugt: Es funktioniert! Nach einer gut 85 Kilometer langen Testrunde in Stuttgart im neuen RDE-Zyklus meldeten die Sensoren des umgebauten VW Golf TDI 14 mg/km NOx. "So hätte der Diesel eine Zukunft. Wenn die Autohersteller die Bosch-Entwicklungen umsetzen würden, könnte der Kunde wieder beruhigt zum Selbstzünder greifen", urteilte AUTO BILD-Redakteur Frank Rosin.

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So funktioniert das Bosch-Antriebssystem

Das System basiert auf einer Kombination aus neu entwickelter Einspritztechnik, Temperaturmanagement im Motor, Luftsystem und dem Einsatz künstlicher Intelligenz. Hirn ist das Motorsteuergerät, das alle Komponenten optimal steuert. Abgasturbolader: Mit einem reaktionsschnellen Luftsystem des Motors bewältigt Bosch die Fahrereinflüsse. Je dynamischer die Fahrweise, desto dynamischer muss auch die Abgasrückführung sein – unter anderem durch Turbolader, die schneller ansprechen als bisher. Mit der Kombination von Hoch- und Niederdruck-Abgasrückführung wird das Luftsystem nochmals flexibler. Somit kann der Fahrer zügig anfahren, ohne dass die Emissionen stark steigen. Abgasanlage: Für eine optimale Stickoxid-Konvertierung müssen die Abgase mehr als 200 Grad heiß sein – eine Temperatur, die gerade bei Stadtfahrten oft nicht erreicht wird. Hier setzt Bosch auf ein ausgeklügeltes Thermomanagement des Dieselmotors. Die Abgasanlage bleibt damit so warm, dass sie in einem stabilen Temperaturbereich arbeitet und die Emissionen auf niedrigem Niveau bleiben.
Doppel-Kat: Im Abgasstrang findet direkt am Motor eine Kombination aus SCR-Kat und Partikelfilter Platz, ergänzt um einen zweiten, kleinen SCR-Kat unter dem Auto. Sensorik: Auf dem Weg der Abgase von der Brennkammer zum Auspuff stellen modernste Sensoren sicher, dass die Motorsteuerung mit korrekten Daten in punkto Temperatur, Stickoxidgehalt oder Feinstaubpartikel gefüttert wird. Fördermodul AdBlue: Die bereits bewährte Harnstofflösung AdBlue reduziert den Stickoxidgehalt in Abgasen. Ein Modul optimiert die Dosierung und Zerstäubung, der AdBlue-Verbrauch bleibt mit 0,61 Liter auf 1000 km relativ niedrig.

NOx-Ausstoß sinkt auf sensationelle 13 mg/km

Sensationelle Messwerte: Im Schnitt pustet der Bosch-Diesel 13 Gramm NOx in die Luft. Bei normalen Euro-6-Dieseln sind es 507.

Diesel-Fahrzeuge dürfen derzeit im Realbetrieb noch 168 Milligramm Stickoxid pro Kilometer ausstoßen, 2020 soll der Grenzwert auf 120 Milligramm sinken. Bosch schaffe nun im Schnitt 13, sagte Denner. Damit plant der Hersteller, die Debatte über das Aus für den Diesel damit beenden zu können. Zudem plädierte Denner dafür, die Umweltbilanz auch von Elektroautos kritischer und realistischer zu sehen. "In solcher Gesamtbetrachtung kann herauskommen: Es ist besser, den richtigen Diesel zu fahren als das falsche Elektroauto", sagte er. Dennoch setze Bosch konsequent und mit Milliardeninvestitionen auch auf die Elektromobilität. Aber: "Wir brauchen den hocheffizienten Verbrenner mit niedrigsten Emissionen, bis die Elektromobilität im Massenmarkt einsetzbar ist."

Integration könnte Jahre dauern

Der Haken: Bosch verkauft keine kompletten Motoren, die sich mal eben einbauen ließen. Und eine Möglichkeit zur Nachrüstung älterer Diesel ist die neue Technik auch nicht. Selbst wenn sie also sofort verfügbar ist, müssten die Hersteller sie erst in ihre eigene Motorenentwicklung integrieren – was Jahre dauern könnte. Auch die Autohersteller verweisen stets darauf, dass der technische Fortschritt mit den aktuellen, saubereren Motoren, die die Grenzwerte einhalten, das Stickoxid-Problem des Diesels letztlich lösen wird. Besitzern älterer Diesel, die sich von Fahrverboten bedroht sehen, hilft das nicht. Sie bräuchten ein neues Auto.

Neuer Bosch-Kodex verbietet Einbau von Manipulations-Software

Als Zulieferer steht auch Bosch im Visier der Ermittler im VW-Abgasskandal. 

Aus dem Diesel-Skandal um manipulierte Abgasreinigungssysteme, in dem auch Bosch als Zulieferer im Visier der Ermittler steht, zieht Denner Konsequenzen. Ein neuer Kodex verbietet den Entwicklern künftig den Einbau von Funktionen, die Testzyklen erkennen und die Technik für Tests anders einstellen als im Normalbetrieb – egal, was die Kunden verlangen. "Im Zweifel haben die Bosch-Werte Vorrang vor Kundenwünschen", sagte Denner.

Stichworte:

Diesel Abgasskandal

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