Mehr Fahrer im TV, internationalerer Charakter: Aufrecht hat einiges vor

DTM 2012

Aufrecht: Deutsch bleiben, asiatischer werden

Der ITR-Chef glaubt, dass es genügend Typen in der DTM gibt, die 'ARD' sie aber nicht präsentiert - Deutschland soll Stellenwert im Rennkalender behalten
Alles auf null hieß es vor der Saison 2012 in der DTM: Neue Autos, das BMW-Comeback und ein überarbeitetes Reglement sollten die sportliche Spannung zurückbringen und die sonntägliche Rennstrecken-Monotonie in den Parc fermé verbannen. Auch wenn mancher Kritiker noch nicht verstummt ist und nicht jeder Lauf Herzrasen verursachte: Viele Beobachter konnte die Serie von ihrem Konzept mit überwiegend abwechslungsreichen Rennen und einem ausgeglichenen Kräfteverhältnis überzeugen.
Das klingt danach, als gebe es für den Veranstalter und Rechteverwalter der DTM, die Internationale Tourenwagen-Rennen e.V. (ITR) Grund zum Feiern. Im Exklusiv-Interview mit 'Motorsport-Total.com' zieht deren Vorsitzender Hans Werner Aufrecht ein positives Fazit, sieht aber bei der TV-Berichterstattung der 'ARD' Verbesserungsbedarf. Der 74-Jährige betont die Chancen, die Serienkooperationen in Japan sowie in Nordamerika bieten - und will mit der DTM zurück nach China.
Frage: "Herr Aufrecht, die DTM wollte einen Neustart wagen. Welche Bilanz ziehen Sie nach der Saison 2012?"
Hans Werner Aufrecht: "Es war eine mit Spannung erwartete Saison. Erstens mussten wir abwarten, ob wir alles richtig umgesetzt und die richtige Philosophie zugrunde gelegt hatten. Zweitens war da der Einstieg von BMW - und die Frage, ob es ihnen gelingen würde, auf dem Niveau der anderen Hersteller zu fahren. Für mich war 2012 also mit einigen Fragezeichen behaftet, bevor es losging. Aber das alles ist schon mit dem ersten Rennen beantwortet worden."
Typendiskussion keine Überraschung
"Das neue Reglement hat funktioniert, wir hatten alle Autos in einem ähnlichen Leistungsbereich. Wir haben faszinierenden Sport gesehen - das macht uns froh und stolz. Mit der Resonanz der Zuschauer an der Strecke und mit den kumulierten Fernsehquoten waren wir zufrieden. Womit wir nicht glücklich sind, das ist die Live-Quote. Da müssen wir uns etwas einfallen lassen."
Frage: "Gibt es in diesem Punkt schon konkrete Ideen?"
Aufrecht: "Es gibt es die verschiedensten Überlegungen. Die einen denken an ehemalige Formel-1-Fahrer, die anderen an mehr deutsche Fahrer. Da wird derzeit alles Mögliche diskutiert."
Frage: "Harald Dietz, Sportchef des 'SWR', hat angekreidet, dass der DTM die Typen fehlen würden. Was entgegnen Sie dieser Kritik?"
Aufrecht: "Das ist heutzutage so im Sport, das fängt schon im Fußball an: Überall wird sofort bemängelt, es würden die Typen fehlen. Wir sind froh, wie spannend die Rennen sind. Ich bin zufrieden mit den Typen, die wir haben. Was Harald Dietz gesagt hat, wird sehr hochgespielt. Wir müssen uns fragen, was die 'ARD' hier unternommen hat. Typen muss man im Fernsehen aufbauen und zeigen. Zum Beispiel mit einer Berichterstattung, die viel mehr auf die Fahrer eingeht. Dann glaube ich, dass sich auch die Typen herauskristallisieren."
Sport im TV teilweise stiefmütterlich behandelt
Frage: "Sie sehen in diesem Punkt also Verbesserungsbedarf bei der 'ARD'?
Aufrecht: "Ich würde mir einfach wünschen, dass die Fahrer mehr im Mittelpunkt stehen. Was sehr oft passiert ist, war, dass die Motorsportchefs im Fokus standen. Das ist schön und gut, aber in diesem Zusammenhang sind die Piloten und der Sport vernachlässigt worden."
Frage: "Stimmt es, dass es seitens der ITR und der 'ARD' den Wunsch gibt, dass die Hersteller mehr deutsche Piloten engagieren?"
Aufrecht: "Diesen Wunsch gibt es seitens der 'ARD'. Alle drei Hersteller allerdings sind Global Player und mit den Deutschen, die aktuell da sind, sehr zufrieden. Es liegt an den Fahrern selbst. Sie müssen zeigen, dass sie vorne mitfahren können."
Frage: "Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Name Nick Heidfeld?"
Aufrecht: "Das müssen Sie die Hersteller fragen."
Frage: "Die Japan-Kooperation ist unterzeichnet. Wann werden welche Ergebnisse sichtbar?"
Aufrecht: "Dass wir andere Serien einbeziehen können, war eine der Auflagen, die wir für das Reglement gemacht haben. Da ist der asiatische Raum ein wichtiges Thema, andererseits Nordamerika. Mit einem Vertrag, der besagt, dass die japanische GT500-Klasse ab 2014 nach dem identischen Reglement wie die DTM fährt, haben wir ein Ziel erreicht."
GrandAm-Kooperation vor Abschluss
Frage: "Was heißt das für eine mögliches Engagement von Marken aus Fernost in der DTM?"
Aufrecht: "Es war die Zielvorgabe, dass die Japaner hierher kommen, nach Nordamerika gehen und deutsche Hersteller sich in beiden Regionen engagieren. Diese ist erfüllt, und ich gehe davon aus, dass wir das Thema Anfang kommenden Jahres auch in Nordamerika unter Dach und Fach bringen werden."
Frage: "Sie sprechen von der GrandAm-Serie. Erwarten Sie eine ähnliche Entwicklung wie in Japan?"
Aufrecht: "Ich erwarte eine analoge Entwicklung und gehe davon aus, dass amerikanische Hersteller interessiert sein werden."
Frage: "Auch der Rennkalender bekommt mit dem Rennen in Moskau einen internationaleren Anstrich."
Aufrecht: "Es ist ein wichtiger Schritt, um in vielen interessanten Märkten unterwegs zu sein - eine entscheidende Aufgabe für die DTM. Deshalb wollen wir Deutschland nicht vernachlässigen, deshalb bleibt es sicher bei diesen Rennen. Trotzdem ist es der Wunsch der Hersteller und Sponsoren, in anderen Märkten aktiv zu sein. Ich hoffe, dass wir Nordamerika dadurch abdecken, dass wir ab 2015 eine Serie dort haben. Ich gehe also davon aus, dass es kein DTM-Rennen in Kanada oder den USA geben wird."
Frage: "Dafür aber wieder in China?"
Aufrecht: "Da sind wir tatsächlich dran. Wir arbeiten daran, dass wir bald wieder einen Lauf in China austragen."
Fotoquelle: xpbimages.com

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