Die Reichweite von Elektroautos kommt nicht an die vollgetankter Diesel und Benziner heran. Die Stromer sind noch immer teurer als Verbrenner, und das Aufladen der Akkus ist auch nicht immer leicht. Fakten, die den Verkauf von E-Autos und Plug-in-Hybriden in Deutschland noch immer hemmen.
Doch die Entwicklung von E-Autos macht immer mehr Fortschritte. Ihre Vorteile sprechen sich zunehmend herum, immer mehr Kunden können sich für ein E-Mobil begeistern (zur E-Auto-Kaufberatung und zum Kostenvergleich). Die Gründe: Fahrspaß durch kräftige Beschleunigung aus dem Stand heraus, Prämien, Steuervorteile und weitere Privilegien sowie ein grünes Gewissen – obgleich die Umweltbilanz von E-Autos differenziert betrachtet werden sollte. Anlass genug, einen Blick auf die Plus-Minus-Bilanz von Elektroautos zu werfen und die vielen Argumente sorgsam abzuwägen.
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(+) Umweltfreundlichkeit
(+) Keine Fahrverbote
(+) Privilegien
(+) Steuervorteile
(+) Laufende Kosten
(+) Modernität
(+) Gutes Gewissen
(-) Hoher Anschaffungspreis
(-) Mangelhafte Ladeinfrastruktur
(-) Geringe Reichweite
(-) Schwächelnde Akkus
(-) Gefahr durch fehlende Geräusche

Vorteile eines Elektroautos

Vorteile Elektromobilität

Sind E-Autos umweltfreundlicher?

Pfeil

Tatsächlich sind Elektroautos nicht komplett "grün", nur weil sie auf fossilen Treibstoff verzichten. Das liegt am Energieaufwand bei der Produktion, vor allem für die Batterie. Und an der Herkunft des Stroms, den sie im Betrieb verbrauchen. Dennoch können E-Auto-Fahrer für sich beanspruchen, die CO2-Bilanz des Straßenverkehrs zu verbessern – in Zeiten des Klimawandels ein gutes Gefühl. Der aktuelle Strommix in Deutschland, der noch immer zu knapp 30 Prozent aus Kohleverstromung besteht, ist ihnen nicht anzulasten. Wenn mehr Strom aus regenerierbaren Quellen zur Verfügung steht, verbessert das die Umweltbilanz von E-Autos dramatisch. Doch schon jetzt attestieren viele Studien wie zuletzt die von der amerikanischen ICCT den E-Autos über ihre gesamte Lebensdauer einen CO2-Vorteil von bis zu 70 Prozent gegenüber einem Benziner.

Neben der Emissionsfreiheit im Betrieb sind Elektroautos zudem durch ihre Geräuscharmut umweltfreundlicher als lärmende Verbrenner – Anwohner von Hauptverkehrsstraßen können das bestätigen.

Freie Fahrt und freies Parken?

Pfeil

Elektroautos und Plug-in-Hybride (weniger als 50 g/km CO2 oder mindestens 40 km Reichweite; ab 2022 mindestens 60 km) mit E-Kennzeichen genießen dank des Elektromobilitätsgesetzes (EmoG) aus dem Jahr 2015 in einigen Städten Privilegien. So dürfen sie in öffentlichen Zonen gratis parken, teilweise gibt's auch Strom gratis. Allerdings kann es angesichts des wachsenden Bestands an E-Autos und rechtlicher Unklarheiten zu Konfliktsituationen an öffentlichen Ladesäulen kommen. Zudem hapert es noch vielerorts mit der Umsetzung des EmoG, die erlaubte Nutzung von Sonderspuren ist quasi noch nicht existent. Da ist das Ausland schon weiter. Würden Bus- und Taxispuren für Elektroautos freigegeben, könnte dies Pendlern mit E-Autos den täglichen Stau ersparen – vorausgesetzt, es werden nicht zu viele.

Mehrfache Steuervorteile?

Pfeil

Elektroautos (keine Plug-in-Hybride), die bis Jahresende 2025 erworben werden, sind zehn Jahre lang von der Kfz-Steuer befreit – auch nach einem Halterwechsel. Zudem wurde die Steuer für die private Nutzung von Elektromobilen als Dienstwagen erneut halbiert, auf 0,25 Prozent. Das heißt: Bei geschäftlich genutzten Elektroautos bis 60.000 Euro (seit dem 1. Januar 2020) müssen nur noch 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises als geldwerter Vorteil versteuert werden, bei Plug-in-Hybriden (mind. 40 km Reichweite, max. 50 g CO2/km) sind es 0,5 Prozent. Auch die Besteuerung von Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz wurde günstiger.

Weniger laufende Kosten?

Pfeil

Keine Kupplung, keine Einspritzpumpe, keine Abgasanlage: Auf diese und andere Verschleißteile kann das Elektroauto verzichten – damit wird es im Unterhalt günstiger. Auch andere Betriebskosten und vor allem die Energiekosten sind bei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen teils so niedrig, dass der Gesamtvergleich sogar für das E-Auto und gegen den Verbrenner sprechen kann. Bei den Kosten für die Versicherung unterscheiden sich Elektroautos und Benziner/Diesel nicht grundlegend, allerdings belohnen immer mehr Versicherer emissionsarme Fahrzeuge mit speziellen Tarifen. Wegen der höheren Anschaffungskosten ist bei E-Autos ein Vollkasko-Vertrag empfehlenswert, der mit dem Akku auch die teuerste Komponente des Wagens einschließt. Einen ausführlichen Kostenvergleich pflegt der ADAC.

Mit Fahrspaß in die Zukunft?

Pfeil

Zwar müssen E-Autofahrer auf einen satten oder samtweichen Motorsound verzichten. Aber wer einmal in einem E-Auto kräftig aufs Strompedal gedrückt hat, der kennt das Gefühl unbegrenzter Freiheit beim geräuschlosen Davonsegeln. Auch in puncto Ausstattung bleiben bei modernen Elektrofahrzeugen meist keine Wünsche offen, der Weg zum autonomen Fahren ist spürbar kürzer als bei einem alten Diesel. Und während noch vor fünf Jahren das Angebot an Stromern recht übersichtlich war, werden die großen Autohersteller in den kommenden Jahren Hunderte Milliarden in alternative Antriebe und damit ihre Modellpalette investieren. Man ist als E-Autofahrer also auch ein bisschen Trendsetter – laut einer neuen Studie soll Elektro bis 2030 den Verbrennungsmotor überholen.

Gibt es geringere Gefahr von Fahrverboten?

Pfeil

Fahrverbote aus Umweltschutzgründen sind in Deutschland relativ rar, sie betreffen vorrangig ältere Diesel – und die Gefahr weiterer Einschränkungen ist zuletzt eher gesunken. Doch das kann sich auch wieder ändern. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Klagen in mehr als 30 Städten und Kommunen eingereicht, damit der Immissionsgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2, 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel) eingehalten wird. Wie auch immer es weitergeht: Besitzer von Elektroautos sind hier fein raus. Etwas anders sieht es bei Einfahrtsbeschränkungen in Umweltzonen aus. Eine OECD-Studie ergab, dass Feinstaub stärker als gedacht durch Reifen-, Bremsen- und Fahrbahnabrieb entsteht. Und zumindest bei Reifen und Fahrbahn sind E-Autos wegen ihres höheren Gewichts aufgrund der schweren Batterie im Nachteil, sie könnten also theoretisch auch betroffen sein.

Gutes Gefühl beim Fahren?

Pfeil

Auch die emotionale Komponente spielt eine Rolle beim Autokauf. Während sich viele andere Kunden an Optik, Sound oder Image ihres neuen Lieblings erfreuen, können E-Autofahrer quasi guten Gewissens ein gutes Gewissen haben. Denn auch wenn immer wieder Wasserstoff oder E-Fuels als alternative Antriebe gewünscht werden: Nach Ansicht der meisten Experten sind nur E-Autos geeignet, um den Weg in die Dekarbonisierung und damit zum Stoppen oder Verlangsamen des Klimawandels zu finden. Außerdem geben einem moderne Systeme wie die Rekuperation nicht nur das Gefühl, sondern die Gewissheit, weniger Energie zu verschwenden.


Nachteile eines Elektroautos

Nachteile Elektromobilität

Höherer Anschaffungspreis trotz Kaufprämie?

Pfeil

Auch wenn sich die Preise für Elektroautos und Plug-in-Hybride denen für vergleichbare Diesel oder Benziner immer mehr annähern: Noch ist der Unterschied spürbar. Das liegt vor allem an der teureren Antriebstechnik, speziell der Batterie. Daher arbeitet die Industrie daran, die Akkus günstiger herzustellen. Als Meilenstein gilt ein Wert von 100 Euro pro gespeicherter Kilowattstunde, den VW mit einer Einheitsbatterie noch unterbieten will.
Eine deutliche Preisermäßigung gibt es von staatlicher Seite durch die erhöhte Elektro-Kaufprämie. Seit dem 3. Juni 2020 aber gibt es bis zu 9000 Euro Zuschuss beim Kauf eines E-Fahrzeugs, und zwar bis mindestens Ende 2025. Gleichzeitig sinkt allerdings der Restwert bei einem möglichen Weiterverkauf als Gebrauchtwagen, da das Preisniveau für E-Autos insgesamt vom Umweltbonus gedrückt wird.

Probleme beim Laden und Bezahlen?

Pfeil

Mehr als 70 Prozent aller Ladevorgänge finden zu Hause oder am Arbeitsplatz statt. Doch nicht alle Autobesitzer finden dort die nötige Infrastruktur wie beispielsweise eine Wallbox vor. Immerhin gibt es für die privaten Ladesäulen vom Staat 900 Euro Förderung. Das Laden im öffentlichen Raum ist inzwischen an rund 50.000 Ladepunkten möglich (Tendenz stark steigend). Doch trotz Verbesserungen (z. B. Roaming-Angebote von Ladesäulenbetreibern) bleibt das Bezahlen oft problematischPreise können stark variieren und teils erheblich über den am privaten Stromanschluss zu entrichtenden Preis von 0,30 Euro/kWh liegen.

Wie sind die Grenzen bei der Reichweite?

Pfeil

Die sogenannte Reichweitenangst lässt zwar immer mehr nach, aber für eine längere Urlaubsfahrt in einem Rutsch reicht es bei Elektrofahrzeugen meist noch nicht. Immerhin: Mit einigen Fahrzeugen kommt man inzwischen rund 500 bis 600 Kilometer weit, dank der Supercharger oder Stationen zum Schnellladen geht auch das Aufladen recht zügig. Letztendlich hängt die Strecke auch vom individuellen Verhalten wie dem Fahrstil oder der Nutzung von Stromfressern an Bord ab. Plug-in-Hybride mit einem zusätzlichen Verbrennungsmotor können Abhilfe schaffen. Sie beruhigen aber auch nur meist 50 Kilometer weit das grüne Gewissen, der Trend könnte bald kippen.

Haben Batterien noch Schwächen?

Pfeil

Essenziell wichtig für E-Auto-Akkus ist Lithium. Der Rohstoff birgt jedoch Probleme beim Abbau (aufgewirbelter Staub als Gefahr für Tiere, kontaminiertes Wasser, Landraub), vor allem in Südamerika, beim Preis (noch zu hoch) und bei der Entsorgung (Brandgefahr, giftige Gase). Auch bei Kobalt ist der Nachweis sauberer Lieferketten schwierig. Immerhin wird an kobaltfreien Akkus gearbeitet, manche sollen gar nahezu ganz auf seltene und teure Rohstoffe verzichten. Die Lebensdauer einer Lithium-Ionen-Batterie wird allgemein auf acht bis zehn Jahre taxiert, im Alter sinkt die Speicherkapazität auf 70 bis 80 Prozent. Es gibt aber auch Ausnahmen, etwa den 1-Million-Kilometer-Tesla (fuhr bis zu 476.000 Kilometer mit einem Akku). Viele Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten an lange haltbaren Super-Akkus für 1000 und mehr Kilometer. Experten erwarten für spätestens 2025 den Durchbruch beim Preisniveau, auch am Recycling von E-Auto-Batterien wird fleißig geforscht und entwickelt.

Gefahr durch Geräuschlosigkeit?

Pfeil

Bei einem Elektroauto sind die Geräusche bei geringem Tempo massiv reduziert, zu hören ist nur das Abrollen der Reifen auf dem Asphalt. Das birgt Gefahren für Fußgänger, speziell für Blinde und Sehbehinderte. Daher müssen E- und Hybridautos, die zertifiziert werden, seit Juli 2019 mit dem sogenannten Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) ausgestattet sein (hier ein Beispiel). Heißt: Es müssen bis 20 km/h "motorenähnliche Geräusche" und beim Einlegen des Rückwärtsgangs ein akustisches Signal zu hören sein. Erst ab Juli 2021 gilt dies für alle neu zugelassenen E-Fahrzeuge. Bereits zugelassene E-Autos müssen nicht umgerüstet werden. Abgesehen davon gibt es natürlich Puristen, die bei einem leisen Stromer den satten Motorsound vermissen. Andere wiederum freuen sich über den reduzierten Lärm.