Die Europäische Union läutet das Ende aller Autos mit Verbrenner ein, ob Diesel oder Benziner. In der EU soll der Ausstoß an Klimagasen um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 sinken, und ab 2050 netto keine klimaschädlichen Gase mehr produzieren. Das sieht der EU-Plan "Fit für 55" vor, den die EU-Kommission am 14. Juli 2021 vorstellte, um den menschengemachten Klimawandel aufzuhalten. Der Plan wird das Autofahren massiv verändern, den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren quasi beenden. Diese Folgen dürften die Pläne für Autofahrer haben.
Das sind die zurzeit besten E-Autos:
Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
BMW iX
UVP ab 77.300 EUR, Ersparnis: bis zu 13.386  EUR
Kia EV6
UVP ab 44.990 EUR, Ersparnis: bis zu 14.069 EUR / im Leasing schon ab 274  EUR
Mercedes EQS
UVP ab 97.807 EUR, Ersparnis: bis zu 6152  EUR
Hyundai Ioniq 5
UVP ab 41.900 EUR, Ersparnis: bis zu 12.280 EUR / im Leasing schon ab 234  EUR
Audi Q4 e-tron
UVP ab 41.900 EUR, Ersparnis: bis zu 12.420 EUR / Leasing-Bestpreis: 89  EUR
Skoda Enyaq iV
UVP ab 34.600 EUR, Ersparnis: bis zu 11.584 EUR / Leasing-Bestpreis 124  EUR
Mazda MX-30
UVP ab 34.490 EUR, Ersparnis: bis zu 13.035 EUR / im Leasing schon ab 90  EUR
Smart EQ fortwo
UVP ab 21.940 EUR, Ersparnis: bis zu 8240 EUR / im Leasing schon ab 77  EUR
Tesla Model 3
UVP ab 46.560 EUR; Ersparnis: bis zu 7975 EUR / Leasing-Bestpreis 289 ,00 EUR
Opel Corsa-e
UVP ab 30.400 EUR; Ersparnis: bis zu 11.920 ,00 EUR
Volvo XC40 Recharge
UVP ab 48.650 EUR; Ersparnis: bis zu 9570 ,00 EUR

Wann kommt das Aus für Diesel und Benziner?

Schon bis 2030 müssen die Treibhausgas-Emissionen von Neuwagen in der EU um 55 Prozent im Vergleich mit heute sinken. Einen jüngsten Vorschlag aus dem Umweltausschuss des Europaparlaments zufolge sollen ab 2035 überhaupt keine neuen Autos mit Diesel- oder Benzinmotor mehr zugelassen werden, berichten die "Süddeutsche Zeitung" und das "Handelsblatt" übereinstimmend. Vorschläge, das Verbrenner-Aus abzumildern, beispielsweise durch den Einsatz von eFuels, fanden danach keine Mehrheit. Sollten die Pläne so umgesetzt werden, bedeutet das de facto das Aus für herkömmliche Benzin- und Dieselautos. Schon jetzt darf der Flottenverbrauch im Schnitt nur 95 Gramm CO2 pro Kilometer betragen. Wenn sich Hersteller künftig nicht an die Vorgaben halten, müssen sie Strafe zahlen. Das dürfte für die Autohersteller ein starker Anreiz sein, die Verbrenner auslaufen zu lassen und Entwicklung und Produktion neuer E-Autos noch schneller voranzutreiben.
Montage: CO2 in der Luft
Ab 2035 dürfen neue Autos in der EU kein CO2 mehr ausstoßen, eine Reduzierung um 100 Prozent wird angepeilt.

Welche Autos betrifft das Aus?

Es geht um alle neuen Pkw, also vom Kleinstwagen bis zum größten SUV, sowie um leichte Nutzfahrzeuge. Damit sind in der Regel kleine Transporter bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht gemeint und bis zu 1,5 Tonnen Nutzlast. Deren Auslaufen dürfte vor allem Lieferdienste und Handwerker betreffen.

Null Emissionen ab 2035, was bedeutet das?

Die Pläne sehen vor, dass der CO2-Rückgang 2035 gegenüber heute 100 Prozent beträgt. Das bedeutet null Emissionen für alle neu zugelassenen Wagen, würde auf den Straßen zwingend Elektroautos oder Fahrzeuge mit Brennstoffzelle bedeuten. Das wäre zwar kein explizites Verbot von Verbrennern. Aber wenn man ein neues Auto nicht mehr zulassen kann, kommt es einem Verbot der Benutzung auf öffentlichen Straßen gleich. Einem Betrieb auf Privatgelände wie auf Rennstrecken sollte das nicht widersprechen.

Wie steht es um das Dieselprivileg?

Auch das hat die EU ins Visier genommen. So will Brüssel "schädliche Folgen des Wettbewerbs" unter verschiedenen Energiesteuern mindern. Damit ist beispielsweise der in Deutschland geltende günstige Preis für Dieselkraftstoff gemeint, der um 18,4 Cent pro Liter geringer besteuert wird als Benzin. Um das seit den 90er-Jahren geltende Dieselprivileg gibt es schon lange Diskussionen hierzulande. Die neue Ampelregierung hat bereits signalisiert, dass sie an das Privileg ran will, indem sie eine EU-Energiesteuerrichtlinie umsetzt, "die u. a. die steuerliche Angleichung von Dieselkraftstoff und Benzin vorsieht".

Wie sich der steigende CO2-Preis auf den Spritpreis auswirkt

Jahr
CO2-Preis/Tonne
Preisaufschlag/Liter Benzin
Preisaufschlag/Liter Diesel
Abzweigung
2021
Abzweigung
Abzweigung
2022
Abzweigung
Abzweigung
2023
Abzweigung
Abzweigung
2024
Abzweigung
Abzweigung
2025
Abzweigung
25 Euro
30 Euro
35 Euro
45 Euro
55 Euro
ca. 7 Cent
ca. 8,4 Cent
ca. 9,8 Cent
ca. 12,6 Cent
ca. 15 Cent
ca. 8 Cent
ca. 9,5 Cent
ca. 11 Cent
ca. 15 Cent
ca. 17 Cent

Was ist mit E-Fuels?

Die jüngsten Vorschläge sehen keine Ausnahme für Verbrenner vor, die mit synthetisch erzeugtem Sprit betrieben werden. Denn streng genommen erzeugen auch mit Ökostrom erzeugte eFuels Emissionen aus einem Verbrennungsprozess, auch wenn das CO2 zuvor der Atmosphäre entzogen wurde. Zwar sind die synthetischen Kraftstoffe, deren Kohlenwasserstoff mittels Energieeinsatz der Luft entzogen werden, per Saldo klimaneutral. Doch beim Verbrennen entstehen wieder Treibhausgase. Dennoch wird Synthetik-Sprit immer wieder als Alternative zur kompletten Elektrifizierung genannt. Allerdings setzen sie einen Energieüberfluss voraus. Noch dazu sind E-Fuels sehr teuer. Experten gehen von Herstellungspreisen eines Liters synthetischen Kraftstoffs von fünf Euro aus. 

Hat die Brennstoffzelle eine Zukunft?

In Brennstoffzellen kann Wasserstoff gespeichert werden, der emissionsfrei Fahrzeuge antreiben kann, vom U-Boot bis zum Triebwagen bei der Eisenbahn. Sie könnte auch im Autobau eine größere Rolle als bisher spielen, derzeit ist sie ein Nischenantrieb beim Toyota Mirai oder beim Hyundai Nexo. Brüssel schließt den Ausbau der Wasserstoff-Tankstellen explizit in seine Klimaziele ein, auch Wasserstoff-Autos gelten als emissionsfrei. Die Frage ist also: Hat Wasserstoff als Antrieb für Pkw eine Zukunft? Viele Experten sind eher skeptisch, denn um eine Energie-Einheit Wasserstoff zu produzieren, sind acht Energie-Einheiten Strom nötig. Den kann man bei batterieelektrischen Auto aber ohne Umweg direkt nutzen.

Was gilt für Hybride und Plug-in-Hybride?

Sie werden ebenfalls zum Auslaufmodell. Die beiden Antriebsarten werden in den Plänen zwar nicht ausdrücklich genannt. Jedoch: "Da Hybride sowie Plug-in-Hybride auch mit Verbrennungsmotoren, die CO2 ausstoßen, fahren, dürften diese Fahrzeuge 2035 auch nicht zugelassen werden", so die Einschätzung von Verkehrsrechtsanwalt Uwe Lenhart.

Gibt es nach 2035 Bestandsschutz für meinen Verbrenner?

Die CO2-Regeln gelten nur für Neuwagen, zugelassene Autos haben Bestandsschutz. Denn sie werden weder in den Klimaplänen genannt, noch gab es bislang Pläne dazu. Aktuell sind die Autos in Deutschland 2022 im Schnitt 10,1 Jahre alt. Ein guter Teil des Bestandes, rund 20 Millionen Pkw, wurde 2010 oder früher zugelassen. Auch 2030 und danach wird es also noch viele Verbrenner geben.

Was ist mit Oldtimern und Youngtimern?

Auch Young- und Oldtimer sollten unter den Bestandschutz fallen. Derzeit sind vor allem Verbrenner auf deutschen Straßen unterwegs. Stand 1. April waren rund 31 Millionen Benzin-Pkw und 15 Millionen Diesel-Pkw zugelassen, dazu eine Million gasbetriebene Autos und klassische Hybride ohne Lademöglichkeit. Reine E-Autos (BEV) und Plug-in-Hybride zusammen zählen gut eine Million.

Wie geht es mit E-Autos weiter?

Auf ihnen ruht die Hoffnung der EU und auch vieler Autohersteller. So sieht VW den "größten Übergang seit dem Wandel vom Pferd zum Auto" gekommen. Die Hersteller bringen ein neues E-Auto nach dem anderen heraus. Aus der EU-Kommission hieß es, selbst wenn man derzeit einen schlechten Energiemix zugrunde lege, sei ein Elektroauto emissionsärmer als ein klassischer Verbrenner. (Hier ein Kommentar dazu!)

Wie soll die E-Mobilität gefördert werden?

Die EU-Staaten sollen verpflichtet werden, das Netz der Ladesäulen und Wasserstoff-Tankstellen an den Fernstraßen, also Autobahnen, Bundesstraßen, Land- und Kreisstraßen, auszubauen. So sollen E-Autos mindestens alle 60 Kilometer laden können. Brennstoffzellen-Fahrzeuge sollen alle 150 Kilometer Wasserstoff auffüllen können. Die Investitionskosten für die Ladeinfrastruktur schätzt die Kommission auf insgesamt 15 Milliarden Euro.
Schnellladestation von Fastned
An Fernstraßen soll künftig alle 60 Kilometer eine Ladestation auf E-Autos warten.

Worauf müssen sich Pendler einstellen?

Vor allem auf weiter steigende Spritpreise, allein schon durch die steigende CO2-Abgabe. Schon zum Jahresbeginn 2022 machte sie Diesel um 8 Cent, Benzin um 7 Cent teurer. Die Kosten für das Abgeben von CO2 in die Luft, sprich Autofahren mit einem Verbrenner, dürften nun von Jahr zu Jahr weiter steigen. Das dürfte vor allem Menschen auf dem Land und mit geringem Einkommen treffen. Überhaupt hinkt Deutschland mit der aktuellen CO2-Abgabe auf Treibstoffe den Vorgaben hinterher. Nun soll der Mineralölhandel CO2-Rechte kaufen, jedes Jahr weniger. E-Auto-Fahrer wiederum profitieren davon, sie können über die THG-Prämie Geld im Quotenhandel verdienen. Wie stark die Spritpreise weiter steigen, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass die deutsche CO2-Abgabe in einem neuen EU-System aufgehen soll.

Kann sich jeder das Autofahren noch leisten?

Um Bedenken von Staaten und Bürgern zu besänftigen, plant die EU einen Sozialfonds. In den soll ein Teil der Einnahmen aus dem Verkauf der CO2-Rechte fließen. Er soll vor allem weniger finanzstarken Pendlern helfen, die zusätzlichen Lasten zu schultern. Auch hier gilt: Die Details sind noch offen.

Sind die Pläne zum Verbrenner-Aus ohne Ausnahme schon final?

Noch nicht. Den jüngsten Plänen zufolge soll das Europaparlament im Juni über den Vorschlag aus dem Umweltausschuss abstimmen. Ebenfalls dann könnte der Ministerrat der 27 EU-Mitgliedsstaaten seine Position zum Verbrenner-Aus festlegen. Im Anschluss stehen Verhandlungen  zwischen dem Ministerrat und dem Europaparlament an. Davon hängt ab, ob die Pläne für ein hartes Verbrenner-Aus noch abgemildert werden, und ob es Ausnahmen gibt. Experten rechnen mit harten Verhandlungen und gehen von mindestens anderthalb Jahren aus, bevor die Pläne verabschiedet sind.
Mit Material von dpa und Reuters