Formel 1: 1000 WM-Rennen

Der erste GP: So fing alles an

Am 14. April feiert die Formel 1 das 1000. WM-Rennen – rund 70 Jahre nach dem ersten Rennen in Silverstone. In einer großen Serie blicken wir zurück.
Als 1950 die Fußball-Weltmeisterschaft angepfiffen wurde, unterschied sich diese nur unwesentlich von der im Jahr 2018. Aber wer sich Bilder vom ersten Formel-1-WM-Rennen 1950 anschaut, der wird darin kaum die Formel 1 wiedererkennen, die am 14. April in China das 1000. Rennen feiert.
Die Unterschiede sind riesig. Das fängt schon mit der Frage an, was wir eigentlich in China feiern. Es ist nämlich gar nicht das 1000. Formel-1-Rennen. Grund: 1950 standen zwar nur sieben GP auf dem WM-Kalender, aber allein in Großbritannien fanden neben dem britischen Grand Prix noch acht weitere F1-Läufe statt, in Italien und Frankreich neben dem Haupt-GP je drei weitere. Heute gibt es für alle Formel-1-Rennen Punkte, anfangs aber nur für die wenigsten. Erst 1983 wurde mit dem Race of Champions das letzte Rennen abgewunken, das keinen WM-Status hatte.
Es ist aber auch nicht der 1000. Grand Prix, der in China begangen wird. Denn zur WM zählte von 1950 bis 1960 auch das Indy 500, ein IndyCar-Lauf, der kein Grand Prix war. Aber heute taucht Bill Vukovich, Sieger des Indy 500 1952 und 1953, als zweifacher Gewinner in den F1-Statistiken auf. Als erster Grand Prix ging außerdem das Rennen 1906 in Frankreich in die Geschichtebücher ein – damals hießen die großen Rennfahrzeuge nur noch nicht Formel 1.
Formel-1-Weltmeister beim Indy 500: Hier klicken
Aber genau auf diese GP-Rennen geht die Formel 1 zurück. Schon zwei Mal kam die Idee auf, die wichtigsten Rennen zu einer Meisterschaft zusammenzufassen. Von 1925 bis 1927 zählten die wichtigsten Grand Prix (und das Indy 500!) zur Marken-Weltmeisterschaft. 1925 setzte sich Alfa Romeo durch, 1926 Bugatti, 1927 Delage. Von 1931 bis 1932 und von 1934 bis 1939 gab es die so genannte Fahrer-Europameisterschaft, die ebenfalls die wichtigsten GP-Rennen umfasste und von den deutschen Herstellern Mercedes und Auto Union sowie deutschen Vorkriegsstars wie Rudolf Caracciola, Bernd Rosemeyer und Hans Stuck dominiert wurde.

König George begrüßte alle Teilnehmer zum 1. WM-Lauf persönlich

1947 hatte Ex-Rennfahrer Antonio Brivio (3. beim Monaco-GP 1935) die Idee, eine Fahrer-Weltmeisterschaft ins Leben zu rufen. Die FIM (Motorrad-WM) machte es vor, die Formel 1 nach.
Alles beginnt am 13. Mai 1950. Ein sonniger Frühlingstag. 150 000 Fans machen sich auf den Weg zum Flugplatz in Silverstone. Auf dem Programm steht der Große Preis von Europa. Die Teilnehmer wurden von König George V und der späteren Queen Elizabeth per Handschlag begrüßt.
Ferrari beherrscht die Schlagzeilen. Ausgerechnet beim ersten WM-Rennen glänzt das italienische Team nämlich durch Abwesenheit. Schlimmer als die Schmach nicht zu starten, scheint dem Commendatore Enzo Ferrari die drohende Niederlage gegen Alfa Romeo. Bei der WM-Generalprobe vier Wochen zuvor in San Remo hatten seine modernen, nur zwei Jahren alten Ferrari 125 nicht den Hauch einer Chance gegen die über zehn Jahre alten Alfa 158. Die hatten die Kriegswirren teilweise unter Strohballen italienischer Bauern überstanden.

16-Zylinder hat keine Chance

Aber ihre aufgeladenen Acht-Zylinder-Reihenmotoren liefern bei rund 9300 Touren 350 PS an die Hinterräder. Die V12-Kompressoren in den Ferrari-Rennern bringen es nur auf 300 PS. Auf der Strecke macht das einen Top-Speed-Nachteil von 20 km/h gegenüber den 290 km/h schnellen Alfas aus. Dennoch stellen sich immerhin 17 Autos den vier Werks-Alfas entgegen.
Eine Chance haben sie nicht. Giuseppe Farina, ein promovierter Volkswirt aus Turin, dominiert schon das Training. Die Bestzeit des „il Dottore“ ist mal eben 18 Sekunden besser, als die des Letzten im Feld, Johnny Claes im Talbot. Auch die von der englischen Presse hochgejubelten BRM (British Racing Motors) spielen keine Rolle.
Ihr V16-Motor, mit 500 PS stärkstes Triebwerk im Feld, ist technisch kompliziert und anfällig. Es reicht nur zu einigen Demo-Runden auf dem Flugplatz der Royal Air Force.
An der Spitze liefern sich Giuseppe Farina und Juan Manuel Fangio ein heißes Duell. Zehn Runden vor Schluss der 70 Umläufe übernimmt Farina mal wieder die Führung. Fangio startet einen verwegenen Konter. Doch diesmal übertreibt es der geniale Argentinier. Sein Alfa dreht sich, prallt in einen Strohballen und beschädigt sich dabei eine Ölleitung. Die Folge: nach zwei weiteren Runden geht der Alfa-Motor hoch. Farina gewinnt vor Landsmann Luigi Fagioli und dem Briten Reg Parnell. Der hatte mit seinem Alfa zuvor einen Hasen erlegt, der sich auf die Rennstrecke verirrt hatte.
Nach dem Rennen in Silverstone stehen noch der Große Preise in Monaco, der Schweiz, Belgien, Frankreich, Italien sowie die 500 Meilen von Indianapolis im Kalender. Der GP von Deutschland taucht erst ein Jahr später erstmals im WM-Kalender auf. In Monte Carlo (21. 5. 1950) gibt dann Ferrari sein WM-Debüt. Den überlegenen Sieg von Alfa-Fahrer Fangio kann das Team nicht verhindern. Ihr Top-Pilot Alberto Ascari bringt sein Auto als Zweiter ins Ziel – wenn auch einmal überrundet.
Wie schon das Debütrennen wird das ganze Auftaktjahr der Formel 1 zu einem Duell zwischen den Alfisti Farina und Fangio. Beide haben am Saisonende je drei Siege zu Buche stehen. Der Titel geht aber an den Italiener. Seine drei Punkte für Rang vier im GP von Belgien in Spa machen den Unterschied.

Autoren: Michael Zeitler, Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-alliance

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