Formel 1: Testfahrten in Barcelona 2018

Formel 1: Alle Zahlen vom Test

Die große Test-Statistik

Zwei Wochen lang testeten die Formel-1-Teams ihre neuen Autos auf Herz und Nieren. Allein aus den Zahlen lässt sich einiges herauslesen.
Zwei Wochen Wintertestfahrten in der Formel 1: zehn Teams, 22 Fahrer, 37.127 Kilometer – also quasi drei Mal um die Welt. Am schnellsten war Sebastian Vettel, am fleißigsten war Sebastian Vettel, am meisten Tagesbestzeiten hatte Sebastian Vettel. Schlecht lief es für den Deutschen also nicht. Aber Favorit ist er auch nicht. Weil Mercedes gar nicht auf Zeitenjagd ging.
Mercedes konzentrierte sich auf Rennsimulationen. 4841 Kilometer spulten die Weltmeister ab, das sind fast 16 Renndistanzen. Nur fünf fehlen zu einer kompletten Saison. Und das in zwei Wochen, wovon die erste wegen des schlechten Wetters mit tiefen Temperaturen sowie Regen- und Schneefällen gar nicht ausgereizt wurde. Zum Vergleich: Das zweitfleißigste Team war Ferrari, kam aber nur auf 4324 Kilometer, also rund 14 Renndistanzen.
Red Bull hat sogar nur auf 3217 Testkilometer oder zehneinhalb Renndistanzen abgespult. Trotzdem sind die Bullen einer der Gewinner des Winters. Letztes Jahr lief das Jahr noch schleppend an, mit zahlreichen Motordefekten und falschen Windkanal-Werten. Dieses Jahr beeindruckte Red Bull sogar Mercedes.

Sebastian Vettel führt viele Teststatistiken an

McLaren führt nur die Defektliste an: sechs an der Zahl. Mit 2788 Testkilometern ist das britische Traditionsteam klar Letzter in der Distanzwertung. Dagegen Ex-Partner-Honda: 3826 problemlose Kilometer. Dass das Klein-Bullen-Team drei Motoren auswechselte lag daran, dass die Japaner aus drei verschiedenen Spezifikationen die beste auswählen wollten. Von Problemen ist bisher nicht die Spur zu sehen.
Die hat noch immer Renault: Turboladerschaden bei McLaren, Batteriewechsel bei allen drei Teams, Getriebedefekt beim Werksteam am letzten Tag. Dabei will Renault in Melbourne sogar noch mehr Leistung freigeben. Die Franzosen schließen es nicht aus, einen Kompromiss einzugehen: Lieber bei Kontingentüberschreitung (also mehr als die drei pro Auto erlaubten Triebwerken einzusetzen) ein oder zwei Rennen mit einer Strafversetzung angehen, aber dafür mehr Leistung haben und konkurrenzfähiger sein. Zwei Rennen mit schlechter Startposition sind bei einer 21 Läufe umfassender Saison verkraftbar. Wer die Motorwechsel gut plant, verliert in den Rennen nur wenige Punkte. Das hat sich schon 2017 gezeigt.
Eine bemerkenswerte Auffälligkeit gibt es auch beim Blick auf die Kilometerleistung der Fahrer. Bei Ferrari drehte Sebastian Vettel 2993 Kilometer, Kimi Räikkönen aber nur 1331 Kilometer. Schneefall in der ersten Testwoche und eine Magenverstimmung in Woche zwei haben Räikkönen ausgebremst. Dazu der ehrgeizige Vettel, der die gewonnenen Stunden nicht gegen seine eigene geplante Testzeit austauschen wollte. Das könnte für den Finnen vor dem Saisonstart ein erster Nachteil sein. Vettel ist mit dem neuen Ferrari viel vertrauter.
Und die Rundenzeiten? Die Bestzeit von Sebastian Vettel war zwei Sekunden schneller als die Pole-Zeit von Lewis Hamilton im Spanien-GP im Mai 2017. Das liegt aber nicht nur an den neuen Autos und weicheren Reifenmischungen, sondern auch am neuen, glatten Asphalt in Barcelona. Aber: Mercedes hat sich noch gar nicht auf Zeitenjagd begeben und auch Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen gibt zu: „Wir hätten noch schneller fahren können.“
Wintertests 2018: Kilometer
1. Mercedes 4841
2. Ferrari 4324
3. Renault 4115
4. Toro-Rosso-Honda 3826
5. Williams-Mercedes 3812
6. Sauber-Ferrari 3659
7. Force-India-Mercedes 3310
8. Haas-Ferrari 3235
9. Red-Bull-Renault 3217
10. McLaren-Renault 2788
Wintertests 2018: Zeiten
1. Sebastian Vettel (Ferrari) 1:17,182 (Hypersoft)
2. Kimi Räikkönen (Ferrari) 1:17,221 (Hypersoft)
3. Fernando Alonso (McLaren-Renault) 1:17,784 (Hypersoft)
4. Daniel Ricciardo (Red-Bull-Renault) 1:18,047 (Hypersoft)
5. Carlos Sainz (Renault) 1:18,092 (Hypersoft)
6. Kevin Magnussen (Haas-Ferrari) 1:18,360 (Supersoft)
7. Pierre Gasly (Toro-Rosso-Honda) 1:18,363 (Hypersoft)
8. Lewis Hamilton (Mercedes) 1:18,400 (Ultrasoft)
9. Romain Grosjean (Haas-Ferrari) 1:18,412 (Ultrasoft)
10. Valtteri Bottas (Mercedes) 1:18,560 (Ultrasoft)
11. Nico Hülkenberg (Renault) 1:18,675 (Hypersoft)
12. Stoffel Vandoorne (McLaren-Renault) 1:18,855 (Hypersoft)
13. Brendon Hartley (Toro-Rosso-Honda) 1:18,949 (Hypersoft)
14. Esteban Ocon (Force-India-Mercedes) 1:18,967 (Hypersoft)
15. Charles Leclerc (Sauber-Ferrari) 1:19,118 (Hypersoft)
16. Sergey Sirotkin (Williams-Mercedes) 1:19,189 (Soft)
17. Marcus Ericsson (Sauber-Ferrari) 1:19,244 (Hypersoft)
18. Robert Kubica (Williams-Mercedes) 1:19,629 (Supersoft)
19. Sergio Pérez (Force-India-Mercedes) 1:19,634 (Hypersoft)
20. Max Verstappen (Red-Bull-Renault) 1:19,842 (Soft)
21. Lance Stroll (Williams-Mercedes) 1:19,956 (Soft)
22. Nikita Mazepin (Force-India-Mercedes) 1:25,628 (Supersoft)

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-Alliance

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