Formel 1: Bilder vom Japan GP

Formel 1: Hamilton fast schon Weltmeister

Dummer Vettel-Crash mit Verstappen

Lewis Hamilton mit dominanter Vorstellung in Suzuka. Der Brite gewinnt vor Valtteri Bottas und Max Verstappen. Sebastian Vettel wird nach Crash Sechster.
Das war einer der leichteren Siege für Lewis Hamilton. Der Brite gewinnt im überlegenen Mercedes den Japan GP, hat nach hinten das ganze Rennen über Geleitschutz von Teamkollege Valtteri Bottas. Der Finne wird Zweiter vor Red-Bull-Pilot Max Verstappen.
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"Ich liebe es! Diese Strecke ist einfach toll, es hat viel Spaß gemacht heute. Ich konnte nach den Reifen schauen und das Rennen managen", sagt Hamilton. "Ich bin sehr happy, das ganze Wochenende waren wir extrem stark. Mein Auto war heute wieder ein Biest. Als nächstes kommt Austin und da waren wir traditionell immer gut unterwegs. Ich kann es kaum erwarten, das Biest da wieder loszulassen."

Hamilton ist seinem fünften WM-Titel jetzt ganz nah

Die WM kann Hamilton dann bereits entscheiden. Sebastian Vettel kommt am Sonntag in Suzuka nicht über Rang sechs aus. Der Ferrari-Star legt nach dem verpatzten Qualifying zwar eine starke Startphase hin und ist schon Vierter, kollidiert dann aber bei einer Attacke in der Löffel-Kurve mit Verstappen und fällt ans Ende des Feldes zurück. Mehr als Schadensbegrenzung ist deshalb nicht drin.
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Hamilton, der vier der letzten fünf Japan GP gewonnen hat, baut mit seinem 50. Sieg als Mercedes-Werksfahrer den Vorsprung auf Vettel in der WM auf 67 Punkte aus. Gewinnt Hamilton in zwei Wochen beim USA GP erneut, muss Vettel Zweiter werden - sonst ist der Titelkampf schon vorbei.
So lief das Rennen: Die Top-4 halten am Start ihre Positionen, dahinter holt Vettel auf, schiebt sich von Platz acht auf fünf nach vorne - und hat dann einen Logenplatz: Verstappen verbremst sich in der Schikane und drängt dabei Kimi Räikkönen von der Strecke. Dadurch schlüpft Vettel vorbei an seinem Teamkollegen. Verstappen bekommt für die Aktion fünf Strafsekunden aufgebrummt. "Eindeutig eine Strafe", erklärt Rennleiter Charlie Whiting später: "Max war neben der Strecke und fuhr auf unsichere Art und Weise auf diese zurück. Kimi war dort und wurde von Max abgedrängt."
Anschließend kommt das Safety-Car auf die Strecke, weil nach einer Kollision zwischen Kevin Magnussen und Charles Leclerc Trümmerteile auf der Piste verstreut sind. Nach dem Re-Start attackiert Vettel Verstappen in der Spoon-Kurve, doch es kommt zum Kontakt. Verstappen kann seine Position trotz der Kollision halten, Vettel dreht sich und fällt auf den vorletzten Platz zurück.

Verstappen legt sich auch mit Räikkönen an

In Runde 18 eröffnet Räikkönen als erster Pilot der Spitzengruppe den Reigen der Boxenstopps. Weil der Finne danach aber Zeit im Verkehr verliert, bleibt Verstappen trotz seiner fünf Strafsekunden für den Crash der beiden vor Räikkönen. In Runde 24 und 25 stoppen schließlich auch die Silberpfeile, halten aber souverän die Führung.
Wie entspannt das Rennen für Hamilton wirklich ist, zeigt ein Funkspruch 25 Runden vor Schluss. "Bist du etwa in die Pause gegangen, Bono? Ich habe schon lange nichts mehr von dir gehört", scherzt Hamilton in Richtung seines Renningenieurs.
Tatsächlich vorzeitig Feierabend hat Nico Hülkenberg: Der Deutsche muss seinen Renault in Runde 39 mit einem technischen Defekt in der Box abstellen. Eine Runde später wird das virtuelle Safety-Car ausgerufen, nachdem auch Leclerc mit seinem Sauber an ungünstiger Stelle ausrollt. In der Schlussphase schläft das bis dahin spannende Rennen dann etwas ein und Hamilton bringt nach 53 Runden einen stets ungefährdeten Sieg über die Ziellinie.

So lief der Samstag:

Dieses Bild spricht Bände: Während Sebastian Vettel im Regen von Suzuka bedröppelt aus seinem Ferrari steigt, klatscht unweit des Parc fermé Mercedes-Sportchef Toto Wolff persönlich den kompletten Kommandostand der Silberpfeile ab, sagt immer wieder "Meisterstreich".
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Silber-Jubel: Wolff klatscht den Kommandostand ab

Auch Lewis Hamilton weiß direkt nach dem Qualifying zum Japan GP, bei wem er sich für seine 80. Karriere-Pole bedanken muss. "Das Team hat einen super Job gemacht mit der richtigen Entscheidung zu Beginn von Q3", lobt der Brite. Und lässt dann eine schallende Ohrfeige für Ferrari folgen: "Alle Teams haben clevere Leute. Aber wenn es hart auf hart kommt, haben wir die besten der Welt. Das hat man heute gesehen. Es war der schwierigste Call, aber sie haben es perfekt hingekriegt."
Ganz anders Ferrari: Die Scuderia startet am Samstag mit einer Fehlentscheidung ins entscheidende Quali-Segment, schickt beide Fahrer mit Intermediates in die Session. Schon in der Boxengasse stellt Vettel aber schnell fest: "Es ist zu trocken dafür, ich komme sofort wieder rein." Auf seiner verspäteten schnellen Runde macht der Heppenheimer dann einen Fehler in der Spoon-Kurve, ist nach dem ersten Schuss nur Neunter.
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Anschließend setzt der Regen ein, den Ferrari früher erwartet hatte, lässt keine Zeitenverbesserungen mehr zu. Vettels zweiter Run fällt buchstäblich ins Wasser. Der Deutsche versucht es zwar noch, rutscht aber erneut von der Strecke und startet am Sonntag nach einer Strafe für Esteban Ocon (zu schnell während einer Rotphase nach Unfall von Marcus Ericsson, s. unten) nur als Achter. Sein WM-Traum rückt in immer weitere Ferne.

Vettel kommt in der Spoon-Kurve von der Strecke ab

Schlimm: Von der Konkurrenz gibt es kein Mitleid sondern nur noch Spott für Ferrari. Mercedes-Sportchef Toto Wolff: "Ich bin kein Freund von Häme. Auch wir haben zwischen Supersoft- und Intermediates geschwankt. Aber unser Wetter-Mann hat das Eintreffen des Regens souverän herunter gezählt."
Für den Österreicher bleibt eine Stallorder wie in Sotschi "eine Option". "2007 hatte Lewis auf das heutige Punkteschema hochgerechnet 45 Punkte Vorsprung, und er hat trotzdem den Titel noch verloren", führt er ins Feld. "Man darf sich nie zu sicher sein."
Max Verstappen wird im Qualifying noch hinter Valtteri Bottas im zweiten Silberpfeil Dritter. Auf die Frage, ob er sich am Sonntag in den WM-Kampf einmischen will, kontert auch der Holländer trocken: "Ist es noch ein Kampf? Ich bin mir da nicht so sicher..."
Auch die Experten gehen nach Ferraris neuerlichem Patzer hart mit der Scuderia ins Gericht. "Ferrari hat das Wetter falsch gelesen. Dann hatten sie aber eigentlich Glück", erklärt Ex-F1-Pilot Paul di Resta. "Sie waren 90 Sekunden hinter allen anderen, hatten freie Fahrt und die besten Bedingungen bevor der Regen kam. Aber beide Fahrer machen unter dem Extra-Druck den gleichen Fehler in der Spoon-Kurve."
Denn nicht nur Vettel patzt eingangs des letzten Sektors, kurz vor ihm rutscht auch Teamkollege Kimi Räikkönen an gleicher Stelle von der Piste. Eine Warnung an Vettel via Funk vergisst die Scuderia in der Hektik. Immerhin rettet sich Räikkönen noch auf Rang vier.
Frust auch beim anderen Deutschen: Renault-Pilot Nico Hülkenberg kann nach einem Crash im Abschlusstraining zwar am Qualifying teilnehmen, scheidet als 16. aber bereits in Abschnitt eins aus - genauso wie Marcus Ericsson, der seinen Sauber in den Reifenstapeln versenkt und damit früh im Qualifying für eine rote Flagge sorgt.

So lief der Freitag:

Wenn Weltmeister Lewis Hamilton sich schon im Freitagstraining freut wie ein kleines Kind unterm Weihnachtsbaum, muss dieser Mercedes wirklich laufen wie die Feuerwehr. "Es ist der beste Tag! Diese Strecke ist einfach Wahnsinn", funkt Hamilton in Richtung seiner Box - und in Richtung Sebastian Vettel. Der Brite und sein Silberpfeil sind in Hochform, enteilen dem Deutschen immer weiter. Kein Wunder also, dass Hamilton - sonst bekanntermaßen kein Freund der oft langweiligen Trainingsläufe am Freitag - da schon mal euphorisch wird...
Alle Zeiten und Zahlen: Ergebnisse im Überblick
"Ich bin in Suzuka leider nie selbst Rennen gefahren, kann mir aber vorstellen, dass es eine super Erfahrung ist, hier mit so einem guten Auto durch die Esses und 130R zu pfeifen", kommentiert Mercedes-Sportchef Toto Wolff Hamiltons Freude, die beim Blick auf die Zeiten noch größer werden dürfte.
Eine halbe Sekunde Vorsprung hat Hamilton an der Spitze in beiden Trainings auf Teamkollege Valtteri Bottas. WM-Rivale Sebastian Vettel wird am Vormittag (Ortszeit) Fünfter mit einer Sekunde Rückstand - wohlgemerkt auf den schnelleren weil weicheren Reifen. Am Nachmittag verkürzt Vettel den Abstand als Dritter auf 0,833 Sekunden. In der Formel 1 immer noch Welten.
"Wir sind heute noch ein bisschen zu viel gerutscht, haben die Reifen deshalb stärker beansprucht als Andere", sagt Vettel nach dem Training. Gut zu sehen gegen Trainingsende, als die Kameras eine starke Blasenbildung an den Pneus von Vettel-Teamkollege Kimi Räikkönen einfangen (s. rechts).
Vettel bleibt gelassen: "Morgen ist ein neuer Tag"
Toto Wolff traut der augenscheinlichen Mercedes-Überlegenheit, die am Freitag fast schon an die Dominanz der Jahre 2014 bis 2016 erinnert, trotzdem noch nicht: „Ferrari hat den Motor heute etwas runtergedreht. Wir verlieren bisschen in den Esses, gewinnen dafür mit gleichen Reifen aber auf den Geraden. Ich habe Zweifel, dass wir heute schon ihre ganze Performance gesehen haben. Morgen ist es sicher wieder enger“, glaubt der Österreicher.
Allein: Auch Mercedes hat die Katze sicherlich noch nicht aus dem Sack gelassen. Auf den Longruns sehen die Silberpfeile aber schon am Freitag bärenstark aus. Mit im Schnitt 1:35,0-er Rundenzeiten über 13 Runden kann Vettel auf den superweichen Reifen nicht mit Mercedes mithalten. Zum Vergleich: Hamilton spult über zehn Runden 1:34,3-er Zeiten ab.
Technik unter der Lupe: So meistert Mercedes die Reifen
Immerhin das Wetter könnte Ferrari am Wochenende noch retten und die Eindrücke vom Freitag über den Haufen werfen. Dann ist in Suzuka Regen angesagt. Vielleicht spült der Ferrari wieder in Mercedes' Nähe.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance / F1 TV

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