Formel 1: Bilder vom Brasilien GP

Formel 1: Mercedes holt Konstrukteurstitel

Ocon versaut Verstappen den Sieg

Lewis Hamilton gewinnt in Brasilien. Eigentlich hatte Max Verstappen das Rennen in der Tasche, wird aber vom überrundeten Esteban Ocon abgeräumt.
Er kann also doch als frisch gebackener Weltmeister triumphieren... Lewis Hamilton gewinnt den Großen Preis von Brasilien, holt seinen 72. Sieg und bringt auch die Konstrukteurs-WM für Mercedes in trockene Tücher. Denn beide Ferrari lassen Punkte liegen. Sebastian Vettel wird nur Sechster, Kimi Räikkönen landet auf Rang drei.
Mercedes feiert also die fünfte Team-WM in Folge, Hamilton holt seinen 50. Sieg im 99. Rennen der Hybrid-Ära. „Diese Jungs haben in den letzten sechs Jahren so hart gearbeitet, das war so eine Wahnsinns-Reise", lobt der Brite seine Silberpfeile.
Allein: Hamilton hat Glück. Mercedes kämpft mit Motorproblemen, Hamilton profitiert von einem Patzer von Force-India-Pilot und Mercedes-Junior Esteban Ocon, der Max Verstappen in Führung liegend abschießt. Der Holländer schafft es deshalb nur auf Rang zwei.
Verstappen schubst Ocon: Reaktionen zum Aufreger des Rennens

Lewis Hamilton zieht am Start zunächst vorne weg

Das Rennen von Sebastian Vettel ist es dagegen überhaupt nicht: Am Start verliert er zunächst einen Platz, lässt Bottas durchschlüpfen und ist Dritter. In Runde fünf rutscht auch Verstappen durch, der sich mit seinen superweichen Reifen zuvor schon an Kimi Räikkönen vorbei gepresst hat. Und es geht noch weiter zurück: Nach einem Verbremser des Deutschen zieht auch Räikkönen vorbei auf Rang vier. Heißt auch: Nach fünf Runden ist Vettel bis auf Rang fünf durchgereicht worden.
Hamilton setzt sich an der Spitze ab, wird von Max Verstappen gejagt, der zuvor schon Bottas geschnappt hat. Der Mercedes-Finne hält in der Folge beide Ferrari und Ricciardo auf Abstand. In Runde 20 kommt er als Erster der Top-Piloten zum Reifenwechsel und zieht den harten Medium-Reifen auf. Eine Runde später steuert auch Hamilton zum Service.
Verstappen bleibt draußen und zieht an der Spitze einsam seine Kreise. Vettel kommt in Runde 29 an die Box, wird danach von den Haas-Ferrari-Piloten Magnussen und Grosjean vorbei gewunken. Jetzt jagt er Bottas.
Sensor-Problem und Stallregie: Vettel wird nur Sechster
Verstappen fällt durch seinen Reifenwechsel wieder hinter Hamilton zurück. Aber: Der Holländer hat weiche statt Medium-Reifen aufgeschnallt bekommen. In Runde 40 knackt er den amtierenden Weltmeister auf Start-Ziel, liegt nun wieder in Führung.
Dahinter entdeckt Ferrari die Stallorder. Nachdem auch Räikkönen neue Pneus abholt, wird er von Vettel im Rahmen des Team-Fairplay wieder vorbeigelassen. Er soll den Drittplatzierten Bottas jagen, schafft das auch und zieht vorbei auf Rang drei. Vettel jetzt wieder Fünfter.

Unglaublich: Esteban Ocon haut den Führenden raus

Dann der große Aufreger in Runde 44: Verstappen wird beim Überrunden von Mercedes-Junior Ocon abgeschossen (der später 10 Strafsekunden bekommt), dreht sich, kann aber weiterfahren. Allerdings nur als Zweiter. Hamilton liegt jetzt wieder vorn. Weiter hinten verliert Vettel noch eine Position. Ricciardo bremst ihn mit frischen weichen Reifen im Senna-S aus. Die Red Bull sind bärenstark!
Überraschung: In Runde 54 biegt Vettel noch mal an die Box und lässt superweiche Reifen aufziehen. Er rutscht hinter Leclerc auf Platz sieben zurück, macht zwei Runden später aber wieder kurzen Prozess mit seinem zukünftigen Teamkollegen.
In Runde 59 geht Ricciardo an Bottas vorbei, der daraufhin ebenfalls zum zweiten Mal frische Reifen holt und keinen Platz verliert. Doch an Räikkönen kommt er nicht mehr vorbei. Auch Verstappen muss sich bei der Zieldurchfahrt mit Platz zwei zufriedengeben. Hamilton gewinnt erstmals ein Rennen als neuer Weltmeister. Das hatte er weder 2015 noch 2017 geschafft, als er vorzeitig den Titel holte.

So lief das Qualifying:

Die WM ist zwar entschieden, trotzdem sorgen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton weiter für Schlagzeilen in der Königsklasse. Beim Qualifying in Brasilien haben sich die zwei Kontrahenten noch einmal bis ans Limit gejagt - in ihren schnellsten Runden und auch davor. 
Hamilton hat am Ende das bessere Ende für sich, stellt seinen Silberpfeil zum 82. Mal auf die Pole-Position. Zum dritten Mal startet der Mercedes-Star in Sao Paulo von ganz vorn. Vettel kann nicht ganz mithalten, wird mit einer Zehntelsekunde Rückstand Zweiter vor Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen.
"Es war ein hartes Qualifying, vor allem mit dem Wetter", erklärt Hamilton, der bei immer wieder leichtem Nieselregen die 100. Pole für Mercedes in der Formel 1 erzielt. "Ferrari war sehr schnell heute. Ich hatte auf meinem letzten Run etwas Untersteuern, war nicht sicher, ob es reicht."

Auch in Brasilien top: Die nächste Pole für Hamilton

Keine Chance auf eine Spitzenposition haben die Red Bull mit ihrem schwächeren Renault-Antrieb. Sie kommen mit einer halben Sekunde Rückstand nur auf die Ränge fünf (Max Verstappen) und sechs (Daniel Ricciardo).
Entscheidend könnte aber ohnehin die zweite Qualifyingrunde gewesen sein. Dort haben die beiden Ferrari als einzige ihre schnellsten Umläufe auf den härteren, gelben Reifenmischungen absolviert. Ein strategischer Vorteil, weil sie dadurch im Rennen länger fahren können als die Silberpfeile, bis sie zum ersten Reifenwechsel abbiegen müssen. Auch Pole-Mann Hamilton räumt nach dem Qualifying ein: "Wir wollten auch mit dem Soft starten, dann hat sich das in die andere Richtung entwickelt."
Fehlerfrei bleiben beide WM-Rivalen in jenem zweiten Segment allerdings nicht. Vettel steht am Pranger, weil er beim Wiegen trotz entsprechender Aufforderung den Motor nicht abgestellt und beim Runterfahren dann auch noch die Waage zerstört haben soll. 
Grund für die Hektik: Beide Ferrari werden zunächst mit der roten (superweichen) Reifenmischung rausgeschickt und gleich wieder reingeholt, um auf weich zu wechseln. Bei drohendem Regen will der Heppenheimer auf der Waage keine Zeit verlieren, fuchtelt entsprechend wild mit den Händen und schreit am Funk: "Komm, mach weg! Hopp!"
Später erklärt er: "Sie hätten uns da nicht zum Wiegen holen sollen. Es ist unfair, wenn die Bedingungen sich so schnell ändern und ich wollte, dass sie sich beeilen."
Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve hat Verständnis für Vettel, sagt zu ABMS: "Das war natürlich alles andere als clever von ihm, aber als Fahrer kann ich Vettel verstehen. So langsam, wie der Kommissar da agiert hat, da kann man sich mitten im Qualifying voller Adrenalin schon mal provoziert fühlen."
Ferrari rechtfertigt sich auf ABMS-Nachfrage: Die Telemetriedaten beweisen, dass Vettel den Motor gestoppt hat. Die FIA habe den Wiegeprozess lediglich zu früh gestartet. Zudem gebe es keine Regel, wonach ein Fahrer nicht selbstständig von der Waage fahren darf.
Die Rennkommissare folgen dieser Argumentation und bestrafen Vettel lediglich für sein Rotzlöffel-Verhalten. Der Hesse muss 25.000 Euro blechen und bekommt eine Verwarnung, die erste des Jahres. Begründung: Er habe zwar keine Regel gebrochen, aber die Anweisungen der Offiziellen missachtet, sie unter Druck gesetzt und so die Waage beschädigt. Immerhin: Die Regelhüter gaben zu, dass es wohl zu einem Missverständnis zwischen Fahrer und Offiziellen gekommen sei. Vettel habe die Waage jedenfalls nicht mutwillig demoliert.
Andere Probleme hat  Hamilton. Er blockiert auf der Strecke gleich zwei Fahrer. Erst steht er Kimi Räikkönen im Weg, dann Sergey Sirotkin. Brisant: Der Brite wechselt beide Male kurzfristig die Spur, macht die Ideallinie aber im Bummeltempo viel zu spät frei. Dabei kommt es mit Sirotkin fast zum Crash. Sein Glück: Beide Autos sind wie er selbst jeweils ihrer Aufwärmrunde. Damit hat keine Behinderung stattgefunden. Die FIA leitet gegen Hamilton noch nicht mal eine Untersuchung ein. Das wiederum wird im Fahrerlager zumindest kontrovers diskutiert.
Positiv aufhorchen lässt dagegen der zukünftige Ferrari-Fahrer Charles Leclerc. Im zweiten Abschnitt will die Sauber-Boxencrew den Monegassen schon reinholen, als er von einsetzendem Regen berichtet. Doch Leclerc bleibt draußen und schafft es mit Rang acht tatsächlich ins dritte Trainingssegment, wird auch am Ende Achter.
Der deutsche Renault-Pilot Nico Hülkenberg wird 14.

So lief das Abschlusstraining:

Der Titelkampf ist beendet, das Duell Vettel gegen Hamilton geht offensichtlich aber auch in Brasilien weiter. Im Abschlusstraining zum Brasilien GP am Samstagmittag (Ortszeit) sind die beiden Rivalen einmal mehr ganz vorne zu finden - mit dem besseren Ende für Ferrari-Mann Vettel. Der Deutsche hat mit seiner Bestzeit von 1:07.948 Minuten 0,217 Sekunden Vorsprung auf Hamilton. Dessen Teamkollege Valtteri Bottas wird mit drei weiteren Zehnteln Rückstand Dritter.
Noch hinter Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen müssen die Red Bulls im Vergleich zur Spitze abreißen lassen. Max Verstappen, im ersten Freitagstraining immerhin noch Schnellster, fehlen auf Rang fünf schon fast acht Zehntel zur Spitze. Teamkollege Daniel Ricciardo hat mit der Entscheidung um die Pole sowieso nichts zu tun. Weil bei ihm der Turbolader gewechselt werden musste, startet er zehn Startplätze weiter hinten.
Renault-Pilot Nico Hülkenberg, der am Freitag bei einem Einschlag in der Zielkurve seinen Renault zerstört hatte, kommt am Samstag besser zurecht, wird immerhin Elfter. Das Qualifying in Interlagos steigt ab 18.00 Uhr (live auf RTL und F1 TV).

So lief der Freitag:

Na, immerhin kann Sebastian Vettel trotz der WM-Niederlage gegen Lewis Hamilton schon wiederscherzen. Im zweiten Freien Training lieferte er den Funkspruch des Jahres. „Zwischen meinen Beinen ist etwas lose. Abgesehen vom Naheliegenden. Ich wiederhole: Zwischen meinen Füßen baumelt etwas, abgesehen vom Naheliegenden," funkte er an seinen Renningenieur Riccardo Adami. Selbst als der die Message mit "Okay, verstanden" zur Kenntnis nahm, legte Vettel nochmal nach: "Ich wäre stolz, wenn es das wäre, was ihr denkt. Aber das ist es nicht.“
Später muss er selbst über seinen Witz lachen: "Als ich es gefunkt habe, habe ich mir schon gedacht, dass es falsch verstanden werden könnte. Ich fand es dann aber selber lustig." Die Auflösung übrigens: Es war eine kleine Schraube, die sich bei den Fliehkräften im Cockpit offenbar zum Monster-Geschoss entwickelte.
Die Ergebnisse: Hier klicken
Vettel kann sich berechtigte Hoffnungen auf einen Sieg in Brasilien machen. Zwar landete er am Ende nur auf Rang drei hinter den beiden Mercedes-Piloten Valtteri Bottas und Lewis Hamilton, aber der Rückstand beträgt weniger als eine Zehntelsekunde! Und: Mercedes zeigte auf Longruns Verschleißerscheinungen an den Reifen. Zwar sahen auch Vettels Gummis nicht mehr gesund aus, aber Ferrari war schneller als Mercedes.

Formel 1: Bilder vom Brasilien GP

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Nico Hülkenberg mit Crash im zweiten Training

Red Bull hat die Topform des Vormittags nicht ins zweite Training retten können. Daniel Ricciardo hatte als Vierter fast drei Zehntelsekunden Rückstand – für Brasilien-Verhältnisse, wo ob der kurzen Strecke die Abstände generell klein sind, ist das sehr viel. Beim Topspeed fehlen fast zehn km/h auf Ferrari.
Für eine Schrecksekunde sorgte Nico Hülkenberg, der seinen Renault am Beginn der Schlusspassage in die mit einer Verzögerung von 32 g Mauer stopfte, weil er über einen Randstein polterte. Die Session musste kurz unterbrochen werden. Hülkenberg blieb unversehrt, konnte das Training aber nicht mehr aufnehmen.
Spitzenreiter im Mittelfeld war wieder Haas: Romain Grosjean wurde vor Sauber-Pilot Charles Leclerc Siebter.

So lief das Auftakttraining:

Wer denkt, dass die Luft nach dem Titelgewinn von Lewis Hamilton raus ist, der irrt sich. Ferrari hat noch die Chance auf den Konstrukteurstitel. Dafür müsste die Scuderia in Brasilien aber mindestens 13 Punkte gutmachen auf Mercedes. 
Nach dem erstem freien Training steht fest: Die drei Topteams kämpfen auf Augenhöhe. Max Verstappen, Sebastian Vettel und Lewis Hamilton trennen auf den ersten drei Plätzen weniger als 0,1 Sekunden!
Ferrari testete zu Beginn den neuen Unterboden. In Mexiko und Austin hatten die Italiener das Update noch verschmäht – die alte Version war deutlich schneller. Nun glauben die Ferrari-Ingenieure erneut, dass das Streckenprofil von Interlagos dem neuen Unterboden entgegenkommen könnte. Doch zur Trainingshalbzeit rüstete Ferrari abermals zurück.
So will Vettel Mercedes noch ärgern: Hier nachlesen
Vorteil für die Scuderia: Mercedes scheint wieder Reifenprobleme zu haben. Am Ende des Trainings warfen die hinteren Pneusvon Hamilton Blasen. Immer wieder streute der Brite zwischen den schnellen Runden extrem langsame Umläufe zur Abkühlung ein. Im Rennen könnte das Reifenmanagement wie schon in Mexiko ein Nachteil werden für Mercedes.

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Red Bull ist dagegen stärker als erwartet. Eigentlich dachten die Bullen, dass sie wegen den vielen Geraden in Brasilien keine Chance gegen Ferrari und Mercedeshaben würden. Tatsächlich verlieren sie in den Sektoren mit den Geraden auch Zeit. Doch Verstappen war im kurvigen Mittelteil der schnellste Fahrer.
Das Mittelfeld auf den Plätzen sieben und acht führt das Haas-Team an (Romain Grosjean vor Kevin Magnussen). Renault-Pilot Nico Hülkenberg landete auf Rang zwölf.
Auch drei Testfahrer waren im Einsatz. Antonio Giovinazzi ersetzte Marcus Ericsson bei Sauber (Rang 13), Lando Norris durfte in Fernando Alonsos McLaren-Renault Platz einnehmen (Platz 16) und Nicholas Latifi fuhr statt Sergio Pérez für Force India (Platz 20).

Autoren: Ralf Bach, Frederik Hackbarth, Bianca Garloff, Michael Zeitler

Fotos: Picture-Alliance

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