Formel 1: Bilder vom Brasilien GP

Formel 1: Nach Schubserei gegen Ocon

Verstappen zu Sozialarbeit verdonnert

Rauferei beim Wiegen nach dem Brasilien GP: Max Verstappen schubst Esteban Ocon nach ihrem Crash im Rennen. Die Stimmen zum Aufreger:
Verlieren ist nicht Max Verstappens Ding. Vor allem so... Es war die Szene des Rennens: Esteban Ocon schießt den Holländer ab - beim Entrunden! Verstappen hatte bis dahin souverän geführt, wurde nach dem Rempler nur Zweiter hinter Lewis Hamilton.

Frust pur: Verstappen nach dem Rennen in Sao Paulo

Doch das Red-Bull-Wunderkind hat sich auch nach dem Rennen nicht beruhigt. Auf dem Weg in die Box funkt er: „Ich hoffe, ich finde ihn jetzt nicht im Paddock...“ Dann kam, was kommen musste. Beim Wiegen laufen sich die beiden Rivalen über den Weg. Und Verstappen hat seine Emotionen nicht im Zaum, schubst den Franzosen gleich viermal - einmal so, dass Ocon rückwärts vom Wiegepodest stolpert.
FIA-Cheftechniker Jo Bauer muss dazwischen gehen. Erst dann lässt Verstappen von Ocon ab, poltert: „Wir sind durchs Feld gepflügt, hatten ein großartiges Auto und dann kommt so ein Idiot und schiebt dich von der Strecke.“
Seinen Ausraster rechtfertigt er so: „Wir sind alle leidenschaftlich in diesem Sport. Ich bin ein Gewinner. So aus dem Rennen um den Sieg genommen zu werden und dann noch eine dumme Antwort von ihm zu kriegen, da war ich einfach nicht happy darüber.“
Red Bull-Motorsportberater Helmut Marko legt verbal nach. „Er soll bloß froh sein, dass Jos nicht da war.“ Hintergrund: Verstappens Vater gilt ebenfalls als jemand, dem die Hand schon mal ausrutschen kann. Kurios: Jos Verstappen passierte 2001 allerdings ein ähnliches Missgeschick, als er beim Überrundet-werden den Führenden Juan Pablo Montoya im BMW abschoss.
Kann also mal passieren? Nicht für Marko. Er ätzt gegenüber ABMS: „Ein Mercedes-Fahrer hat uns den Sieg gekostet, und zwar einer, dem für 2020 schon das Silberpfeil-Cockpit versprochen wurde. Man attackiert als Überrundeter nicht den Führenden. Das ist ein Ehrenkodex. Aber Ocon ist schon seit der Formel 3 ein Idiot. Auch da hat er Unfälle provoziert.“

Der Crash hat Verstappen den sicheren Sieg gekostet

Esteban Ocon kann die ganze Aufregung nicht verstehen. „Ich kam hinter ihm auf frischen Reifen raus, hatte eine starke Pace. Das Team hat gesagt: Wenn Du dich zurückrunden kannst, dann tu das. Dann war ich neben ihm und kann mich natürlich nicht in Luft auflösen.“ Der Franzose, der schon in den Juniorkategorien immer gegen Verstappen gekämpft hat und für den Crash während des Rennens eine 10-Sekunden-Strafe bekam: „Schlimmer war sein Verhalten danach. Er kam zu mir, hat mich rumgeschubst. Die Stewards mussten ihn zurückhalten. Das ist nicht professionell.“
Allerdings: Die Experten sehen den schwarzen Peter trotz Verstappens Rüpel-Auftritt eher bei Ocon. Timo Glock bei RTL: „Das war eine völlig unnötige Aktion von Ocon. Er hätte längst aufgeben müssen, kann den Führenden so nicht attackieren und macht das Rennen von Verstappen kaputt. Max hat überreagiert, aber das kann man auch verstehen.“
Verständnis äußern zwar auch die Stewards für Verstappens Emotionen, Gnade kennen sie trotzdem keine. Nach einer Anhörung beider Fahrer brummen sie dem Holländer für die physische Auseinandersetzung Sozialstunden auf!
"Der Fahrer muss innerhalb von sechs Monaten nach dem Zwischenfall zwei Tage öffentliche Arbeit auf Weisung der FIA ableisten", heißt es in der Urteilsverkündung der Stewards am Abend. Begründung: Verstappen sei seiner Vorbildrolle nicht gerecht geworden und habe damit gegen den sportlichen Kodex verstoßen.
Die Strafe zeigt auch noch unmitelbar in Sao Paulo ihre Wirkung: Schon beim Verlassen der Anhörung sind die Zeichen zwischen beiden Streithähnen auf Versöhnung gestellt, im Fahrerlager geben sich Verstappen und Ocon die Hand (s. unten). Zuvor hatte der Holländer in der Pressekonferenz bereits erklärt: „Ich hoffe in 15 Jahren können wir darüber lachen.“ Das letzte Duell der beiden wird es wohl trotzdem nicht gewesen sein.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff, Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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