Herr Nolte, Herr Schlösser, Sie sind als Pressesprecher und Trainer Rosbergs engste Betreuer. Wie arbeitet es sich mit ihm?
Georg Nolte: Sehr konstruktiv, diszipliniert, professionell und trotzdem als Kumpel. Wir feiern auch mal ordentlich, wenn es einen Grund gibt. Denn wir haben eine tolle Atmosphäre im Team. Das ist wichtig, wir verbringen ja um die 200 Tage on the road zusammen. Nico sagt Daniel und mir auch mal Danke nach einem Wochenende. ,Ohne euch hätte ich dieses Rennen nicht gewonnen.‘ Das motiviert natürlich. In der Arbeit möchte er sich immer steigern, sei es bei PR oder Marketing. Ein Beispiel: Er wollte der Erste sein, der Facebook live mit einer Drohne streamt.
Ex-Mercedes-Teamchef Ross Brawn über Nico Rosberg: HIER
Daniel Schlösser: In den letzten acht Jahren habe ich mit niemandem mehr Zeit verbracht, da ist es hilfreich, dass er nicht nur Chef, sondern gleichzeitig auch ein richtiger Freund ist. Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt, fangen die kleinen Macken des anderen an, einem auch mal auf die Nerven zu gehen. Umso erstaunlicher, dass wir uns in all dieser Zeit noch nie richtig gestritten haben. Nico ist ein Mensch, der vieles hinterfragt und alles verstehen möchte. Es ist selten so, dass ich etwas vorgebe und er es dann macht. Nico hat sich so sehr mit dem Thema Triathlon und Trainingswissenschaft beschäftigt, dass er fast mehr Ahnung davon hat als ich. Was das Training im Ausdauerbereich angeht, ist Nico viel talentierter als ich. Da wir uns im Training immer gegenseitig pushen und Nico auch den Wettkampf liebt, leide ich beim Radfahren am Berg sehr oft.
Wie läuft die Zusammenarbeit konkret?
Rosberg
Schlösser, Nolte und Rosberg (v.l.n.r.)
Nolte: Wir sind ein Management-Team. Wir haben verschiedene Aufgaben auf verschiedene Schultern verteilt. Keke (Rosberg; d. Red.) ist als weiser Ratgeber dabei, aber nicht mehr operativ. Ich bereite den Rest vor, bin überall dort, wo Nico in der Öffentlichkeit auftaucht, und löse Probleme. Nico trifft alle großen Entscheidungen final dann alleine. Er ist einer der mündigeren Fahrer.
Schlösser: Wir arbeiten zusammen Trainingspläne aus, überlegen uns Innovationen. Nico kann ja nicht viel im Auto testen. Früher, zu Schumis Zeiten, wurde direkt am Dienstag nach dem GP wieder getestet. Daher bauen wir Triathlon-Elemente ein, Hand-Auge-Koordinations-Übungen. Nico ist ein Sporttalent, er kann viele Sportarten sehr gut. Radfahren zum Beispiel. Oder Tischtennis. Am Rennwochenende achte ich darauf, dass Nico regelmäßig und gut verträglich isst. Ich muss auch meist die Reisen oder Transfers regeln. Nach den Trainingseinheiten gibt es physiologische Behandlung und Massagen. Auch am Rennwochenende.
Wie arbeitet es sich in der Formel 1?
Mercedes
Mit einem Sieg in Brasilien ist Rosberg Weltmeister
Nolte: Die Formel 1 ist ein globaler Sport. Die Anforderung an die Situation mit den neuen Medien wird immer größer. Mittlerweile habe ich eine PR- und Social Media Marketing-Agentur um Nico aufgebaut, wir arbeiten zu dritt am Thema Nico Rosberg. Wir senden live via Facebook oder YouTube und erreichen Millionen Fans. Allein in diesem Jahr erreichen wir 20 Millionen pro Monat auf Facebook.
Schlösser: Bei der Trainingssteuerung muss ich zum Beispiel darauf achten, Nicos Energie-Haushalt bis ganz zum Ende der Saison hoch zu halten. Das ist eine echte Herausforderung.
Ist Rosberg in diesem Jahr anders – fokussierter – besser?
Nolte: Nico hat sich bisher jedes Jahr gesteigert. Als Fahrer auf und neben der Strecke, als Person und im Charakter. Die Familie gibt ihm sehr viel Stabilität, die er braucht. Aber das war schon immer so.

Von

Ralf Bach