Formel-1-Champions 1950-2017

Formel 1: US-Rennfahrer Phil Hill

Vor jedem Start musste er sich übergeben

Phil Hill ist der einzige in den USA geborene Formel-1-Weltmeister. Er erlebte die schlimmsten Tragödien des Rennsports mit und war von Angst gebeutelt.
40 Jahre ist es her, dass mit Mario Andretti der letzte US-Amerikaner Formel-1-Weltmeister geworden ist. Anders als sein Vorgänger Phil Hill kam Andretti aber aus Europa, wanderte erst nach Amerika ein. Phil Hill dagegen ist in Miami (Florida) geboren.
Hierzulande genießt Hill nicht den besten Ruf. Nur drei von 48 Grands Prix hat er gewonnen, aber dafür die Weltmeisterschaft 1961 gegen Wolfgang Graf Berghe von Trips – dem Michael Schumacher der Formel-1-Anfangszeit. Es ist ein Duell um Leben oder Tod. Beide fahren für Ferrari, von Trips ist schneller, Hill engagierter. „Er weiß vielleicht, was Zündkerzen sind, aber das war es dann auch schon“, lästert Hill damals.
Dann kam der Italien-GP 1961. Von Trips crasht, fliegt mit seinem Ferrari in die Zuschauer und nimmt mehrere davon mit in den Tod. Hill gewinnt und wird Weltmeister – der Tag des größten Erfolgs ist gleichzeitig einer der traurigsten seines Lebens.

Phil Hill war sein ganzes Leben über voll mit Ängsten

Aber es ist nicht die einzige Motorsport-Katastrophe, die Hill miterlebt. Sein Debüt auf internationaler Ebene gibt er 1955 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans – dem Horror-Rennen mit über 80 Toten.
Es war die gefährlichste Zeit des Motorsports. Rennfahrer waren Selbstmörder. Viele überlebten nicht, noch viel mehr verletzten sich schwer. Hill hat vor jedem Rennen dramatische Angst, ist richtig nervös. Immer wieder muss er sich übergeben, spricht unmittelbar vor dem Start mit keinem Menschen. Hill liebt den Rennsport nicht, in Wirklichkeit hat er Angst davor.

Als Kind beim Psychologen

Überhaupt: Zeit seines Lebens ist Hill innerlich voller Angst. Schon als Kind ist er ein Einzelgänger, wird von seinen steinreichen Eltern immer wieder zum Kinderpsychologen gezerrt. Denn er hat keine Freunde, zieht sich zurück. Erst mit 13 Jahren taut er auf, als ihm seine Tante ein Ford-T-Modell schenkt und er sich am Steuer ausprobiert.
Sein erstes Rennen 1949 gewinnt er – es geht aber auch nur über drei Runden. Seine Eltern sterben 1951 kurz nacheinander. Da ist Hill gerade erst 24 Jahre alt. Mit dem Erbe kauft er sich einen 2,6-Liter-Ferrari und gewinnt diverse Sportwagenrennen in Amerika. Seine Angst führt zu Magengeschwüren, die ihn zehn Monate sogar von den Rennstrecken fernhalten. Danach fährt er mit Beruhigungsmitteln, die die Reaktionsfähigkeit eigentlich einschränken – für den Motorsport extrem wichtig. Aber Hill gewinnt weiter.
Doch richtig glücklich ist er nie. Trotz seiner freundlichen Art ist er mit sich selbst nie im Reinen. „Ich glaube, das ist das falsche Business für mich. Ich mag niemanden besiegen, ich mag nicht der große Held sein, ich bin ein friedliebender Mensch“, philosophiert er. Und: „Ich weiß nicht, was ich ohne Motorsport für ein Mensch geworden wäre. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob mir der Mensch gefällt, der jetzt aus mir geworden ist. Der Motorsport macht mich egoistisch, verschlossen und unausstehlich. Er kramt die schlimmsten Charaktereigenschaften aus mir hervor.“
Er fährt Rennen, um seine Ängste zu überwinden. Dabei springen diverse Erfolge heraus. Er gewinnt nicht nur einen WM-Titel und drei Grands Prix, sondern auch drei Mal die 24 Stunden von Le Mans. Insgesamt fährt er 48 WM-Rennen mit Maserati, Ferrari, Lotus, ATS und McLaren, oft für Privatteams. 1967 hängt er den Helm an den Nagel.
Dem Motorsport bleibt er aber immer verbunden. Von 2001 bis 2003 fährt sein Sohn Derek Hill in der Formel 3000, dem Vorzimmer der Formel 1. Mehr als ein fünfter Platz kommt aber nicht dabei raus. 2002 plant Phil Hill gemeinsam mit Dan Gurney und Red Bull die Übernahme des Arrows-Teams, aber daraus wird nichts. Kurz darauf erkrankt Hill an Parkinson, stirbt 2008 im Alter von 81 Jahren.

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Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-Alliance

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