Formel 1: Bilder vom Japan GP

Formel 1: Was Vettel jetzt tun muss

Brawn mahnt Ferrari zur Einheit

Sebastian Vettel und Ferrari müssen die Probleme beseitigen. Dazu muss sich die Scuderia eine Einheit werden.
Sebastian Vettel (31) muss es nach dem Großen Preis von Japan nehmen wie es ist: Der Heppenheimer kann die Planung für 2019 schon angehen. Grund: Nach dem Sieg von Mercedes-Star Lewis Hamilton (33) und dem eigenen sechsten Platz kann er bei noch vier ausstehenden Rennen und 67 Punkten Rückstand die WM realistisch gesehen nicht mehr gewinnen.
Allein: Er muss jetzt schon die Weichen für die Zukunft stellen.
Ex-McLaren-Star David Coulthard spricht aus, was Vettel denkt: „Seb hat das Vertrauen in die Struktur bei Ferrari verloren.“ Der Deutsche selbst hält sich mit öffentlichen Anklagen zurück, gibt den Teamplayer. Was sich bei Ferrari ändern muss, erzählt er nur Vertrauten. Wie zum Beispiel RTL-Experte Timo Glock, wie Vettel ein Hesse. Wenn Glock sagt: "Sebastian hat bei Ferrari noch nicht die Strukturen einführen können, wie sie Michael Schumacher hatte“, dann hat er diese Meinung von Vettel.

Ferrari muss eine Einheit werden

Der muss jetzt das Gespräch mit dem neuen Fiat- und Ferrari-Chef John Elkann suchen und seinen eigenen Nummer-1-Status unterstreichen. Der Enkel des Fiat-Patriarchen Gianni Agnelli hat nach dem Tod von Sergio Marchionne die Macht übernommen und noch keine klaren Verhältnisse im Team geschaffen. Vettel muss sein Vertrauen gewinnen und auf neue Strukturen pochen.
Konkret bedeutet das: Zwei Lager, in die Ferrari gespalten ist, darf es nicht mehr geben. Der clevere Technikchef Mattia Binotto muss wie von Marchionne bis zu seinem plötzlichen Tod ohnehin geplant zum Teamchef befördert werden. AUTO BILD MOTORSPORT weiß: Der Vertrag von Rennleiter Maurizio Arrivabene läuft Ende der Saison aus.

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Der ehemalige Marlboro-Manager ist nicht der Richtige für die Führung der politisch traditionell schwierig zu managenden Scuderia. Statt klare Anweisungen für Vettel im harten WM-Kampf zu geben, hat er nach Marchionnes Tod das Machtvakuum genutzt und durch seinen Kampf gegen Binotto intern Chaos verursacht. Letzter Beweis dafür waren die Regenreifen, die Ferrari im Qualifying von Suzuka aufzog, obwohl es regnete… 
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Danach wütete Arrivabene sogar gegen seine eigenen Leute. „Unser junges Team hat nicht den richtigen Riecher. Vielleicht sollten sie mal von ihren Computern aufschauen und gesunden Menschenverstand einsetzen.“ Gleichzeitig drohte er mit Personalentscheidungen Ende der Saison.
Fakt ist: So schaffte er nur noch mehr Verunsicherung. Formel-1-Sportchef Ross Brawn kann das nicht verstehen: „Aus meiner Zeit bei Ferrari weiß ich, dass es in solchen Situationen wichtig ist zusammenzuhalten und nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen. Fahrer, Ingenieure und Management gewinnen und verlieren zusammen. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz in diesem Sport.“ Brawn glaubt: „Ferrari hat dieses Jahr ein starkes technisches Paket auch die Zuverlässigkeit erhöht. Bis zum Sommer waren sie die Gejagten. Wo also ist das Problem? Es kann nur durch den plötzlichen Tod von Marchionne entstanden sein, der ein starker Referenzpunkt im Team war.“ Ein klarer Fingerzeig auf Arrivabenes fehlende Führungsqualitäten. 
Ein anderer Ferrari-Insider sagt bezogen auf die hohe Fehlerquote des Hessen: „Bei dem Chaos im Team würde jeder Fahrer Fehler machen. Da kann man gar nicht ruhig und konzentriert bleiben.“
Ein weiteres Element im Maranello-Chaos: Während Mercedes Valtteri Bottas schon früh als Helfer für Lewis Hamilton einsetzte, durfte Kimi Räikkönen viel zu lange sein eigenes Ding machen. Bei Vettels Heim-GP in Hockenheim hetzte Arrivabene den Deutschen so in einen Fehler, weil er Räikkönen zuvor frei gegen Vettel fahren ließ. Und auch in Monza trieb ein überhartes Startduell mit Räikkönen Vettel in eine Kollision mit Hamilton. Anders ausgedrückt: Hätte Arrivabene genauso gnadenlos für seinen Nummer-1-Piloten agiert wie Mercedes-Kollege Toto Wolff, hätte Vettel 43 Punkte mehr – und würde sich nicht so allein fühlen im Team. Wichtiger noch: Die WM wäre noch offen.
„Sebastian braucht eine Teamführung, die wie zu Schumacher-Zeiten Jean Todt und Ross Brawn voll hinter ihm steht und wo Politik keine Rolle spielt“, weiß David Coulthard. „Dann kann auch er mit Ferrari endlich Weltmeister werden.“
Was Vettel beruhigen sollte: Auch Schumacher hat für seinen ersten Titel in Rot fünf Anlaufjahre gebraucht.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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