Noch Zweifel? Wir nicht. Spätestens beim Anblick des Optima wird klar: Der Einkauf von Peter Schreyer, Ex-Audi-Designer, war die beste Investition in der jüngeren Geschichte der koreanischen Automarke Kia. Frisch kommt sie daher, die neue Mittelklasselimousine, dynamisch und erfreulich unverschnörkelt. Und – selten bei Produkten aus Fernost – sogar wiedererkennbar. Der neue Kia-Grill mit dieser Taille in der Mitte gibt den Modellen der Hyundai-Tochter ein eigenes Gesicht. In einem Punkt bleibt freilich alles beim Alten: Der Preis der neuen Mittelklasse verharrt am unteren Rand des Segments. Den Optima gibt es ab 24.490 Euro, unsere Topversion namens "Spirit" kommt auf 33.090 Euro.

Überblick: Alle News und Tests zum Kia Optima

Kia Optima
Macht nicht nur optisch an: Der Kia Optima gefällt auch mit seinen inneren Werten.
Angesichts der sensationellen Garantie (sieben Jahre und 150.000 km) sowie der vielen Leckerlis wie elektrisch verstellbarer Fahrersitz, Einparkassistent, Xenonlicht und Navigation immer noch ein Schnäppchen. Nicht zu vergessen: das beheizbare Lenkrad (Paket 1290 Euro) – da wird die Konkurrenz winseln. Einige mehr, andere weniger – denn auch die Europäer können ja billig (besser gesagt: preisgünstig), wie unsere Auswahl beweist. Der Ford Mondeo in der Fast-all-inclusive-Version "Titanium" kommt Im Falle des Testwagens auf 31.405 Euro – ein Hammerpreis für einen erwiesenen Könner. Und Peugeot lockt mit dem New-Look-508, der in der ausreichend bestückten "Active"-Ausführung leckere 28.550 Euro* kostet. Unter den Hauben nageln hier durchweg Diesel der Spaß-&-Spar-Klasse: zwei verwandte Zweiliter-Turbos mit jeweils 140 PS in Ford und Peugeot, ein 1,7-Liter mit 136 PS im Kia – sicher die vernünftigste Motorenwahl. Wir geben es offen zu: Selten war unsere Neugier auf ein koreanisches Auto so groß, was viel mit dem guten Aussehen des Optima zu tun hat.

Überblick: Alle News und Tests zum Peugeot 508

Peugeot 508
Von wegen französicher Komfort: Der 508-Fahrer sitzt wie auf einem Kutschbock.
Er zieht an, und er tut es auch noch nach dem Einsteigen. Die dortige Kunststofflandschaft wirkt keineswegs abstoßend, sondern modern und weniger überladen als heute leider üblich. Die gefürchtete Billigheimer-Optik beschränkt sich auf erfreulich wenige Hartplastikteile. Lobenswert sind Bedienbarkeit und Übersichtlichkeit der Schalter und Anzeigen. Weniger schön indes: Die Längsverstellung des Lenkrads reicht nicht aus, ebensowenig die Sitzverstellung nach unten, beides schmälert den Komfort für Großgewachsene spürbar. Hinten attestiert das Maßband ausreichend Platz, aber der starke seitliche Einzug des Oberbaus trübt den Raumeindruck, und die Polster könnten auch bequemer sein. Nicht alles optimal im Optima also, aber immer noch besser als im Peugeot. Der enttäuscht Hoffnungen auf französischen Verwöhnkomfort mit kutschbockartiger Sitzposition für den Fahrer und schmalen Sitzflächen im engen Fond, wo sich große Passagiere vorkommen wie Hühner auf der Stange. Die Qualität des 508 gefällt, aber seine Bedienung bereitet weiteren Verdruss, denn die Unzahl der Schalter, Tasten und Knöpfe erstreckt sich bis in schwer zugängliche Bereiche, etwa auf die Konsole zwischen den Sitzen.
Als Vorbild taugt in dieser Runde hingegen nach wie vor der Ford. Geräumig und bequem gepolstert, mit tadelloser Sitzposition für den Fahrer, ordentlich, wenn auch nicht premiumverdächtig verarbeitet und ohne größere Bedienungsrätsel bietet so ein Mondeo den überlegenen Wohlfühlfaktor. Noch ein Vorteil: Als Einziger wartet er serienmäßig mit großer Heckklappe auf, ist also fast ein Kombi. Das wahre Können eines Autos (und das seiner Väter) zeigt sich beim Fahren. Und vor allem in diesem Punkt ließen Kia-Produkte bisher noch Raum für Verbesserungen erkennen. Umso größer unsere Verblüffung: Der Optima bewegt sich, als hätte er in der deutschen Oberstufe das Laufen gelernt. Sauber abgestimmt, straff, aber nicht zu hart gedämpft, erledigt sein Fahrwerk anspruchsvolle Aufgaben ungewohnt kompetent und mit leicht sportlichem Akzent. Seine 18-Zoll-Räder (Serie) halten ihn auch in engen Kurven fest in der Spur, unterstützt von einer ESP-Regelung, die früh, aber sanft einschreitet. Kurswechsel gelingen dank der exakten Lenkung ebenso mühelos wie präzise, nett wäre aber mehr Rückmeldung.

Überblick: Alle News und Tests zum Ford Mondeo

Ford Moneo
Gutes Handling, ausgewogene Federung: Beim Fahrwerk hat der Mondeo die Nase weit vorn.
Ein schönes und schön agiles Auto ist er also geworden, der Optima, aber zum Glück kein harter Bolzen, denn der Federungskomfort kommt keineswegs zu kurz – überraschend angesichts der großen Räder. Und seine Munterkeit unterstreicht der Antrieb. Die sechs Gänge lassen sich auf kurzen Wegen einlegen und sind obendrein recht kurz übersetzt, was dem Diesel auf die Sprünge hilft. Dass er energisch knurrt und vibriert, könnte man ihm da fast verzeihen, zumal er – wie die anderen beiden Testkandidaten – sparsam mit dem Kraftstoff umgeht. Reicht das für den Kia zum Klassenprimus? Die Gegenprobe im Ford zeigt uns: Es bleibt noch Luft nach oben. Wobei sich der Vorsprung des Mondeo über alle Bereiche erstreckt. Seine Chassis verknüpft erfreuliche Handlingqualitäten mit einer höchst ausgewogenen Federung. Sie filtert Grobzeug zuverlässiger heraus und spricht zugleich subtiler an. Seine Lenkung bleibt ein Vorbild an Exaktheit und Gefühl, die Fahrgeräusche sind gedämpfter und der Motor kultivierter – zumindest bis 4000 Touren, wo heftiges Dröhnen einsetzt. Weniger überzeugend: Die lang übersetzten Gänge fünf und sechs erzwingen häufigeres Herunterschalten.
Eng wird es für den 508. Er lässt erkennen, dass bei Peugeot besonders in Sachen Fahrwerk Nachhilfe notwendig ist. Die teigige Lenkung, frühes Untersteuern, dieses ESP, das ständig dazwischenfunkt, andauerndes Stuckern der Federung, das selbst auf guten Straßen für Unruhe sorgt, das alles sollte in dieser Klasse heute überwunden sein. Wie inzwischen ja auch der koreanische Konkurrent beweist. Zumal der 508 in dieser Variante auch im Bereich des Antriebs keine Glanzlichter setzt. Dem betagten Mondeo hingegen gelingt solches noch immer, da dürfte bei Ford vielen ein Stein vom Herzen fallen. Denn klar ist: Kia kommt, und zwar schneller als erwartet.Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.

Fazit

von

Wolfgang König
Was kann Kia, das andere nicht können? Kein großes Geheimnis, eigentlich: Kia konzentriert sich auf das Produkt, studiert den Markt, reagiert zügig und fokussiert auf das Wesentliche. Außerdem verfügt die Firma, wie der Optima vermuten lässt, über gute Leute. Das langt noch nicht ganz zum Sieg, aber für eine rasante Aufholjagd. Ford bleibt vorn – immer noch eine Wohltat, der Mondeo –, während der Peugeot enttäuscht. Anziehend ist er nur von außen. Beim Fahren fehlt dagegen Reiz.

Von

Wolfgang König