Alte Weisheit: Nimmst du viel, zahlst du viel. Nur beim Auto ist es anders. Weniger wird teurer. Beispiel CO2: Soll es sparsamer aus dem Endrohr puffen, braucht's komplexe und kostenintensive Technik. Kia belegt das mit dem neuen Sportage. Das SUV hat als 185 PS starker CRDi bislang fast acht Liter Diesel auf 100 Kilometer geschlürft. Nun soll sein Nachfolger dank Akku, einer 48-Volt-Elektromaschine und schlauer Fahrregelung auf besonders niedrige Werte kommen. Macht rund 3000 Euro zusätzlich für versprochene 0,3 Liter weniger Durst.

Der Antriebskombi aus Diesel und E-Motor fehlt Harmonie

Kia Sportage
Läuft nicht rund: Speziell beim anfahren nervt der neue Antrieb mit ziemlich schlechten Manieren.
Ob das stimmt? Haben wir natürlich geprüft. Und gleichzeitig festgestellt: So richtig gut hat dem Sportage 2.0 CRDi 185 Eco Dynamics+ die Elektro-Kur mit zusätzlichem Akku im Gepäck nicht getan. Aber zunächst die Theorie: Statt Lichtmaschine und Anlasser hängt eine E-Maschine mit 48 Volt (über einen Rippenriemen verbunden) an dem Vierzylinder-Verbrenner. So hilft der starke Startergenerator dem Motor entweder mit zusätzlicher Kraft auf die Sprünge, oder er presst im Schiebebetrieb Ladestrom in den Akku der Lithium-Ionen-Batterie im Kofferraum. Auch kann er den Verbrennungsmotor besonders schnell und sanft anschubsen. Speziell diese Übung schafft der Sportage jedoch häufig nur humpelnd. Es ruckelt im Antrieb, knarzt in den lösenden Bremsen, zupft unflätig am Auto – echt nervig. Das trifft auch auf den Motor zu. Der Diesel arbeitet zwar blitzsauber nach schärfster Euro-6d-Temp-Norm, läuft dafür derbe. Der 2.0er vibriert im Stand, er schüttelt sich unter Last, und er zittert im Schiebebetrieb.

Beim Fahrwerk verzichtet Kia fast gänzlich auf Komfort

Kia Sportage
Federt nicht weich: Kaputten Asphalt reicht der Sportage nahezu ungefiltert an den Fahrer durch.
Dazu dröhnt es bei niedrigen Touren (und hierhin befördert die Achtstufenautomatik die Drehzahlen leider sehr oft), es brummt oberhalb von 3500 Umdrehungen, dazwischen ackert der Selbstzünder hörbar mühevoll. Im Leerlauf tuckert der Kia-Diesel zudem hart und deutlich hörbar. Ob die Spartechnik so auch die Federung kränkt? Die meldet sich auf schlechten Straßen oder beim Langsamfahren einfach ab. Eintauchen, Wellen ausbügeln, Stöße eliminieren? Leider nicht so, wie wir uns das gemessen am Preis wünschen. Lieber den kaputten Asphalt an den Fahrer weiterreichen. Bei so viel Härte sollte der Kia doch mit anständigen sportlichen Attributen gegenhalten. Tut er aber nicht. Dafür fehlt der Lenkung Rückmeldung, zu kopflastig schiebt das immerhin fast 1,8 Tonnen schwere Kompakt-SUV in Kurven über die Vorderräder nach außen. Zu ausgeprägt neigt sich der Wagen in Kurven zur Seite.
Zum Trost sehen wir im Rest vom Kia solides SUV-Können. Heißt: ordentlich Raum auch im Fond, gute Sitzposition auf allen Plätzen, großer Kofferraum mit faltbarer Rückbank, einfache Bedienung und beste Ablesbarkeit der Instrumente. Der starke Sportage Eco Dynamics+ ist immer an den Allradantrieb gekoppelt, zudem erst ab der Ausstattungslinie Spirit zu haben. Das hebt den Preis für einen Sportage mit Automatik auf mindestens 40.490 Euro. Dagegen stehen 6,8 Liter Dieselverbrauch. Kurz: Tankst du wenig, zahlst du erst mal viel.

Fazit

Als geräumiges und praktisches SUV in Ordnung, aber als Sparmodell zu teuer und zu wenig effizient. Schade auch: Dem Diesel fehlt Laufkultur und der Federung Feinschliff. Typisch Kia: sieben Jahre Garantie – eine Seltenheit bei den milden Hybriden.