Wir haben's ja nicht so mit Personenkult, aber irgendwann möchten wir schon den Menschen kennenlernen, der im Möbelbau von La Strada die Silikonfugen zieht. Die verlaufen mit einer Eleganz und sturen Ebenmäßigkeit, wie sie selbst erfahrene Tester nur selten sehen, und verraten einiges über den Anspruch der Kleinserien­-Marke. Mit solchen Details erklärt sich auch, warum ein Sechs­-Meter­-Kastenwagen wie der neue Avanti H nicht weniger als 55.000 Euro kostet. Und weil sie bei La Strada ohnehin nicht nach gro­ßen Stückzahlen lechzen, können sie in Echzell (Hessen) auch außergewöhnliche Grundrisse wie diesen anbieten: ein Zimmer, Küche, Riesenbad.

Im Bad wird auch ein Sumoringer glücklich

La Strada Avanti H
Die Dusche für Zwei-Meter-Männer ist eine feine Sache. Selbst manche Hotels haben nicht solche Bäder.
Das ist er: Ein kurzer, hoher Kasten­wagen für zwei, die selbst auf dem Fünf-Sterne­-Platz nicht gern in fremden Duschen stehen. Das große H in der Typbezeichnung steht für das Heckbad, das hier so luxuriös ausfällt wie fast nirgendwo sonst in der Kastenwagenklasse: Es ist mit einer stabilen Flügeltürer vom Wohnbereich getrennt, bietet zwei Meter Stehhöhe und eine Duschkabine, die auch einen Sumoringer glücklich machen würde. Natürlich klebt hier kein Duschvorhang am Körper, weil sich die Nasszelle mit einer festen Abtrennung verschließen lässt. Und das Waschbecken besteht aus Edelstahl, nicht aus Kunststoff. Schon schön, so eine Wellnesshöhle im Heck, aber wo nehmen die La­-Strada­-Planer den vielen Platz her? Oder, anders gefragt: Wo wird's eng?
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Der Ein- und Ausstieg ins Bett ist nicht einfach

La Strada Avanti H
Das Doppelbett verzieht sich ins Superhochdach des Ducato. Der Ein- und Ausstieg fordert aber Gelenkigkeit.
Das hat er: Am Stauraum fehlt es schon mal nicht. Genau genommen hat dieser Avanti ein Heck-­Mittelbad, weil es dahinter noch einen trickreich aufgeteilten Gepäckraum gibt, in dem zwei Klappstühle am Haken hängen und ein faltbarer Campingtisch liegt. Dazu gibt's drei Regalfächer für Kleinkram oder Getränkekisten. Die beiden Gasflaschen stehen von außen zugänglich im Küchenblock, auch das ist eine ziemlich lebensnahe Lösung. Und dann gibt's da noch den doppelten Ladeboden mit sieben Staufächern. Auf Stau­schränke unterm Dach wurde verzichtet, dafür sind zwei große Kleiderschränke eingebaut, einer mit Tür, einer mit Rollo, wie wir sie aus feineren Küchenstudios kennen. Auch Küchenblock und Sitzgruppe fallen nicht kleinlich aus, was nur deshalb geht, weil sich das Doppelbett ins Superhochdach des Ducato verzieht. Und hier fordert der Avanti seine Bewohner tatsächlich: Die Liegefläche ist zwar groß, die Kopffreiheit aber knapp, weshalb die Liebhaber großer Nasszellen im Bett möglichst gelenkig sein sollten. Auch ein gut synchronisierter Tagesrhythmus schadet nicht: Unterm heruntergeklappten Doppelbett ist der Lebensraum für Frühaufsteher oder Nachteulen knapp. Aber duschen geht natürlich immer.So fährt er: Wie einer, der seine 150 PS auf großer Tour zusammen­reißen muss, weil er fast drei Tonnen wiegt und dem Wind eine hohe Stirn bietet. Den 130­-PS­-Diesel würden wir also nicht nehmen. Auf wüsten Strecken geht auch das Gewicht in Ordnung: Der Avanti H ist da leise, wo andere zumindest mit den Schränken knirschen. Es sind also nicht nur die Silikonfugen, die dem Perfektionisten­-Paar richtig gut gefallen könnten.

Fazit

von

Christian Steiger
Kopf einziehen, Vorsicht mit den Ellbogen, und der Duschvorhang klebt am Körper. Argh! Große Leute haben's schwer in Kastenwagen-Bädern. Der Avanti H ist die Ausnahme – für ein Paar mit identischem Tag-Nacht-Rhythmus. Urteil: vier von fünf Punkten.