Während die ersten beiden A-Klasse-Generationen ultrakurze, variable Hochsitze waren, brachte die dritte ab 2012 einen Stilwechsel hin zum konventionellen Kompakten. Vor allem Letztere scheitert selten beim TÜV-Termin. Die wichtigsten Infos für Gebrauchtwagenkäufer aus dem AUTO BILD TÜV-Report!

Mercedes A-Klasse (W 176)/GLA/CLA

Bauzeit: 2012 bis 2018
Motoren: 90 PS (160 CDI) bis 381 PS (45 AMG)
Preis: ab 11.200 Euro
Insassensicherheit (Euro NCAP-Crashtest 2012): 5 Sterne
Mercedes A-Klasse 220 CDI BlueEfficiency Edition W176
Die dritte Generation der A-Klasse kam 2012 auf den Markt. 2015 gab es eine Modellpflege.
Das ist er: Die dritte Serie der A-Klasse brachte einen heftigen Stilschwenk – Schluss mit rückenschonendem Hochsitzkonzept, bloß weg vom Rentnerauto-Image, lautete offensichtlich die Devise. Der erste konventionelle Quermotor-Kompakte von Mercedes zielte auf Golf und 1er-BMW. Die Mercedes-Designer opferten dafür Übersichtlichkeit (vor allem nach hinten) und Variabilität. Der Verkaufserfolg gab den Machern allerdings Recht. Wer höher sitzen will, kann ja zur höheren Ableitung B-Klasse greifen oder zum SUV-artigen, technisch eng verwandten GLA. Für diese A-Klasse-Derivate musste der Kunde damals zwar mehr Geld hinblättern, aber das konnte dem Hersteller ja nur recht sein.
Hinweis
Mercedes A-Klasse im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt
Das kann er: Den Dynamiker geben. Böse Zungen sprechen vom besten 1er-BMW, den Mercedes je gebaut hat. Nur: Bequem ist dieser Benz leider überhaupt nicht, variabel auch nicht, übersichtlich schon gar nicht. Der W176 opferte in den ersten Baujahren der Jugendlichkeit die alte Mercedes-Tugend des feinen Federungskomforts, der erst zur Modellpflege 2015 besser wurde. Wer hoch sitzen, zu viert fahren oder einen variablen, großzügigen Innenraum haben möchte, greift wirklich besser zur B-Klasse. Qualitativ machte der W176 allerdings einen Sprung nach vorn: Der Türkantenrost, eine offensichtliche Problemzone des Vorgängers, ist Vergangenheit.
Das macht Ärger: Insgesamt ausgesprochen wenig. Wir wissen das aus eigener Erfahrung: Im AUTO BILD-Dauertestfuhrpark findet sich ein A180 der W176-Baureihe von 2013 als Extrem-Dauerläufer, der inzwischen 368.000 Kilometer auf der Uhr hat. Kürzlich gab's einen Federbruch hinten – den genehmigen wir ihm nach dieser Laufleistung, wie auch die allmählich doch nachlassende Polsterung des Fahrersitzes. Ansonsten gab es keinerlei Ärger und keine außerplanmäßigen Werkstattaufenthalte – nichts. Und die Schaltbarkeit des manuellen Getriebes gibt noch immer keinen Anlass zur Kritik. Eine Undichtigkeit am kupplungsseitigen Kurbelwellendichtring entpuppte sich als Folge einer unsachgemäßen Reparatur. Zu den wenigen nennenswerten Ärgerquellen zählen Klappergeräusche am aufpreispflichtigen Panoramadach (schon bei der ersten A-Klasse ein Schwachpunkt), die wackeligen Halterungen der Mercedes-unwürdig billigen Kofferraumabdeckung, und die ebenfalls optionalen Bi-Xenon-Scheinwerfer können beschlagen. Ein paar Rückrufe gab es im Laufe der Zeit: Airbags (2011-2017), Unterdruckleitung, Bremskraftverstärker, Startstrombegrenzer. Bei den Dieseln der Baureihe OM651 betrafen sie die Steuerkettenspanner (Februar bis November 2014). Nur bei den Benzinern der Motorenbaureihe M270 mussten die Nockenwellen getauscht werden.

Mercedes A-Klasse (Typ W 169)

Bauzeit: 2004 bis 2012
Motoren: 82 PS (160 CDI) bis 193 PS (200 Turbo)
Preis: ab 950 Euro
Insassensicherheit (Euro NCAP-Crashtest 2005): 5 Sterne
Mercedes A 180 CDI  (2008) Typ W169
Die zweite Generation: wie der Vorgänger mit Sandwich-Bauweise und hoher Sitzposition.
Das ist er: Größer und um 31 cm verlängert, aber genauso genial wie die Erstausgabe von 1997, die ja eigentlich die Mercedes-Kundschaft verjüngen sollte – und dann doch nicht zuletzt von Senioren gekauft wurde. Das gilt auch für die zweite Serie W169. Und das aus gutem Grund: Raumangebot, Federungskomfort und Fahrstabilität überzeugen. Auch in puncto Materialwahl und Verarbeitung stellte die zweite A-Klasse-Generation einen Fortschritt dar gegenüber der ersten Serie. Geblieben ist die Sandwich-Bauweise mit doppeltem Boden, hoher Sitzposition und völlig ebenem Fahrzeugboden. Bis 2010 gab's neben dem Fünf- auch einen Dreitürer.
Das kann er: Seinen Insassen bei komfortabler Fahrt gute Rundumsicht bieten und dazu einen bequemen Einstieg – nicht zuletzt deshalb wurde dieses Modell gekauft. Herausragend ist auch die Variabilität: Dank des ebenen Bodens und der herausnehmbaren Sitze (im Falle des Beifahrersitzes ein Aufpreis-Extra) wird aus dem Fünfsitzer bei Bedarf ein Kleintransporter. Ein brauchbarer Kompromiss aus Leistung und Verbrauch ist der Diesel A180 CDI mit 109 PS.
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Das macht Ärger: Rost findet sich zwar höchst selten an tragenden Teilen, aber gern an Türunterkanten und Heckklappe mangels anständiger Nahtabdichtung – nicht TÜV-relevant, aber teuer. Keine Empfehlung ist auch das stufenlose, zu Ausfällen neigende Automatikgetriebe. Auch bei den CDI-Dieseln kann der Ärger lauern: Undichte Injektoren und Wasserpumpen sorgen für Ausfälle. Benziner sind tendenziell verlässlicher.

TÜV-Urteil

Fahrwerk
Kein echter Schwachpunkt der A-Klasse, weder der zweiten noch der dritten Generation. Die Achsaufhängungen zeigen sich bei beiden Generationen solide, die Lenkung und ihre Gelenke ebenfalls. Nur Achsfedern und Dämpfung des W169 zeigen steigende Werte, bleiben aber unter dem Durchschnitt. Bei elfjährigen Exemplaren schwächeln gelegentlich die Antriebswellen; sie werden öfter beanstandet als im Durchschnitt. Sicherheitsrelevanten Rostbefall kennen beide Baureihen praktisch nicht.
Licht
Der W176 offenbart Lichtmängel nur in unterdurchschnittlichem Maße, beim Vorgänger W169 muss man altersbedingt etwas genauer hinschauen. Bei Neunjährigen bemängelt der TÜV das Abblendlicht etwas öfter als im Durchschnitt, bei Elfjährigen die Beleuchtung vorn generell. Blinker und Warnblinker werden ab einem Alter von neun Jahren überdurchschnittlich oft moniert.
Bremsen
Für A-Klasse Nummer drei ein eher durchschnittliches Ergebnis ohne echte Mängelschwerpunkte. Beiden Modellen gemeinsam sind haltbare Bremsschreiben. Wenn es jedoch Ärger gibt, dann beim W169: Die Bremsleitungen werden nach 11 Jahren 2,5 mal so häufig wie im Durchschnitt beanstandet. Auch seine Feststellbremsen schwächeln ab einem Fahrzeugalter von neun Jahren überdurchschnittlich oft.
Umwelt
Kein signifikanter Schwachpunkt, bei beiden Generationen. Ölverlust macht ihnen ebenso wenig zu schaffen wie die Abgasanlage. Auch bei der AU schneiden beide A-Klasse-Serien besser ab als der Durchschnitt.

Fazit

Glückwunsch nach Stuttgart, A-Klasse Nummer 3 ist Sieger der Kompaktklasse bei der ersten Hauptuntersuchung mit einer Quote erheblicher Mängel von nur 2,5%. Die beiden dargestellten A-KlasseGenerationen bieten Rostresistenz und haltbare Fahrwerke. Beim älteren W169 stößt der TÜV gelegentlich auf Mängel an Feststellbremse und Bremsleitungen. Insgesamt ist die A-Klasse verdienter Klassensieger bei den Kompakten.