Glückwunsch! Die Baureihe 205 der Mercedes C-Klasse triumphiert im TÜV-Report 2022 in der Kategorie Mittelklasse. Der Vorgänger präsentiert sich grundsätzlich solide, zeigt aber zunehmend Schwächen an den Achsen und den Bremsleitungen. Die wichtigsten Infos für Gebrauchtwagenkäufer!

Mercedes C-Klasse (Baureihe 205)

Bauzeit: 2014 bis 2021
Motoren: 116 PS (180 CDI) bis 510 PS (AMG C 63 S)
Preis: ab 13.500 Euro
Insassensicherheit (Euro-NCAP-Crashtest 2014): 5 Sterne
Mercedes C250 d T-Modell
Sehr variabel: Das T-Modell ist nur 1,6 cm länger als die Limousine, wirkt aber größer. Der Kofferraum fasst bis zu 1510 Liter.
Das ist er: Ein Siegertyp: bester Mittelklassewagen im AUTO BILD TÜV-Report 2022, 2020 und 2019! Die Renault-Diesel flogen zum Facelift im Sommer 2018 raus. Dann kam der besonders schadstoffarme Mercedes OM 654 – wie das ganze Auto eine komplette Neuentwicklung. Mercedes führte mit dem W 205 die "Modulare Hinterradantriebs-Architektur" (MRA) ein, die auch von der E-Klasse genutzt wird. Bedeutet: aufwendige Vierlenker-Vorderachse, erstmals Luftfederung in der Mittelklasse. Ebenfalls neu: das Design – weniger seriös als früher, eher Bling-Bling-Stil. Dazu passt der aufgesetzte Bildschirm des Armaturenträgers. Platzangebot: mehr als im 204er, aber immer noch nicht üppig. Einen Kombi gibt's natürlich auch, Coupé und Cabrio folgten etwas später. Mit dem 206er wird seit Juni 2021 das Nachfolgemodell ausgeliefert.
Hinweis
Mercedes C-Klasse im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt
Das kann er: Komfortabel und entspannt, bei der Fahrwerksabstimmung besann sich Mercedes auf alte Kompetenzen. Entsprechend filtert die C-Klasse die meisten Unebenheiten heraus, den Rest absorbieren die hervorragenden Sitze. Dennoch gestattet das Fahrwerk auch den flotten Stepptanz über winklige Landstraßen, die Lenkung arbeitet geschmeidig und präzise wie in keinem Mercedes zuvor. Motorenseitig gibt es eine nahezu unüberschaubare Palette aus Vierzylinder-Reihen- sowie V6- und V8-Motoren, als Benziner, Diesel oder Hybrid; gemein haben alle lediglich die Aufladung. Die Kraft portionieren die bekannten Sieben- und Neunstufen-Automatikgetriebe; 205er mit Sechsganghandschaltung – sie wurde nur für die Vierzylinder angeboten – haben Seltenheitswert.
Das macht Ärger: Anlaufprobleme wie winselnde Lenkungen, polternde Vorderachsen und Klappergeräusche. Rückrufe betrafen unter anderem Gurtstraffer mit fehlerhafter Treibladung oder Generatorprobleme bei Vierzylinder-Ottos; undichte Diesel-Hochdruckleitungen beseitigte Daimler im Rahmen einer internen Aktion. Der berührungsempfindliche und teure Drehdrücksteller auf der Mittelkonsole geht teilweise schon nach wenigen Jahren kaputt.

Mercedes C-Klasse (Baureihe 204)

Bauzeit: 2007 bis 2014
Motoren: 120 PS (180 CDI) bis 517 PS (C 63)
Preis: ab 5000 Euro
Insassensicherheit (Euro-NCAP-Crashtest 2007): 5 Sterne
Mercedes C 220 CDI
Die Baureihe 204 wurde von 2007 bis 2014 produziert. Eine Modellpflege gab es 2011.
Das ist er: Ein gewaltiger Fortschritt gegenüber dem rostenden Vorgänger. Viele Grundabmessungen und Fahrwerksteile blieben gleich. Härtere Gummilager verbessern die Haltbarkeit, lassen jedoch Vibrationen durch. Neu: neben Limo und T-Modell ein Coupé, das den unbeliebten CLC ablöst. Bitter für Fans: Avantgarde und AMG tragen keinen Stern mehr auf der Motorhaube, nur noch einen großen im Grill – ähnlich wie Roadster und Coupés. Verarbeitung? Gut, aber der Classic sieht bis zur Modellpflege Anfang 2011 schon arg billig aus.
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Das kann er: Zügig gleiten. Bereits der kleine Motor (C 180 Kompressor mit 1,6 Litern) ist drehfreudig, agil und genügt im Alltag. Antriebstechnisch geht fast alles: vom 120-PS-Diesel bis zum 457 PS starken 6,2-Liter-Kraftwerk von AMG (gegen Aufpreis mit 487 PS, als Black Series sogar mit 517 PS). Saugmotoren, per Kompressor oder Turbo aufgeladen, als Saugrohr- oder Direkteinspritzer, mit Sechsgang-Schaltbox oder Automatik mit fünf oder sieben Stufen – die C-Klasse bietet die große Premiumauswahl.
Das macht Ärger: Nicht viel, dem Turbo der V6-Diesel wird es mitunter zu warm, die Fußfeststellbremse löst manchmal etwas träge. Bei Selbstzündern der Baureihe 651 kam es anfangs zu Problemen mit der Steuerkette und undichten Injektoren. Der AUTO BILD-Dauertester, ein weißer C 180 Kompressor, hat mittlerweile über eine halbe Million Kilometer abgespult. Probleme? Er nippt gern am Öl, erhielt ein neues Lenkgetriebe, eine neue Steuerkette und einen Kat. Zuletzt spendierte Mercedes wegen Rost einen Hinterachskörper (Garantie). Der Rest: Verschleißteile.

TÜV-Urteil

Fahrwerk
Der 205 steht bei der ersten HU ausgezeichnet da. Schließlich spielt er in den meisten Einzeldisziplinen in der Null-Fehler-Liga. Die Ausnahme bildet die Achsaufhängung: Ab dem zweiten TÜV-Termin liegen die Mängel über dem Schnitt. Auch der 204 kassiert hier eine böse Schlappe. Sonst gibt es keinen Grund zur Sorge: Defekte an den Antriebswellen sind nicht messbar; ähnlich gut sind Lenkung und zugehörige Gelenke. Kaputte Federn und Dämpfer werden nur selten beanstandet, Rost ebenso.
Licht
Der hohe LED-Anteil an der Beleuchtung des 205 wirkt sich positiv aus. Die Folge sind lange Haltbarkeit und herausragend niedrige Mängelquoten. Auch der Vorgänger leuchtet meistens zuverlässig. Beanstandungen am Abblendlicht, der vorderen und hinteren Beleuchtung sowie an den Blinkern liegen stets unter dem Schnitt.
Bremsen
In dieser Disziplin behält die Generation 205 eine fast komplett weiße Weste. Nur die Bremsscheiben werden von den Prüfern gelegentlich beanstandet, jedoch immer noch seltener als im Mängelschnitt. Bei der Beurteilung seiner Fußbremse schneidet der 204 ebenfalls hervorragend ab. Dafür liegen die Fehlerquoten der Feststellbremse in beiden Jahrgängen im roten Bereich. Noch deutlicher schwächeln die Bremsleitungen des 204. Hier finden die Prüfer häufig rostige Stellen. Das war's mit der Kritik. Die Bremsschläuche sind sehr haltbar; auch die Bremsscheiben fallen nur unterdurchschnittlich oft auf.
Umwelt
Saubere Sache! Nur der 205 leistet sich in diesem Kapitel einen kleinen Patzer. Bei der dritten Abgasuntersuchung liegen die Beanstandungen leicht über dem Durchschnitt. Diese Disziplin ist für andere Premiummarken gern mal mit noch größeren Schwierigkeiten behaftet. Sonst liegen die Mängel der C-Klasse klar unter dem Schnitt. Beide Baureihen verlieren vergleichsweise wenig Öl an Motor und Antrieb. Lob auch für die Auspuffanlagen: Sie sind bei den Schwaben schon seit vielen Jahren außerordentlich solide, verursachen in beiden Generationen nur selten Ärger.

Fazit

Bestechend niedrige Mängelquoten: Die Baureihe W 205 glänzt in fast allen Disziplinen. Daraus resultieren allerdings auch hohe Preise für Gebrauchtwagenkäufer. Beim Vorgänger sollten Interessenten Achsen und Bremsen genau unter die Lupe nehmen. Dann erhalten sie mit dem W 204 ein solides Auto zu inzwischen akzeptablen Preisen.