Die aktuelle Mercedes C-Klasse demonstriert im TÜV-Report, wie problemlos die HU-Plakette zu bekommen ist. Grundsätzlich solide gibt sich auch der Vorgänger, die Achsen können aber Kummer machen. Die wichtigsten Infos für Gebrauchtwagenkäufer aus dem AUTO BILD TÜV-Report! 

Mercedes C-Klasse (Baureihe 205)

Bauzeit: 2014 bis heute
Motoren: 116 PS (CDI) bis 510 PS (AMG C 63 S)
Preis: ab 14.000 Euro
Insassensicherheit (Euro-NCAP-Crashtest 2014): 5 Sterne
Mercedes C250 d T-Modell
Das ist er:
Der Ur-Ur-Enkel des 190ers. Wer hätte damals gedacht, dass mal Renault-Diesel in die Mercedes-Mittelklasse einziehen würden. Aber die flogen zum Facelift im Sommer 2018 wieder raus, dann übernahm der neue, besonders schadstoffarme Mercedes OM 654. Wie das ganze Auto eine komplette Neuentwicklung, Mercedes führte mit dem W 205 die "Modulare Hinterradantriebs- Architektur" (MRA) ein, die auch von der E-Klasse genutzt wird. Bedeutet: aufwendige Vierlenker-Vorderachse, erstmals Luftfederung in der Mittelklasse. Ebenfalls neu ist die Designsprache - weniger seriös als früher, eher Bling-Bling-Stil. Dazu passt der aufgesetzte Bildschirm des Armaturenträgers. Platzangebot: mehr als im 204er, aber immer noch nicht üppig. Einen Kombi gibt’s natürlich auch, Coupé́ und Cabrio folgten später.
Das kann er: Gleiten wie ein fliegender Teppich, bei der Fahrwerksabstimmung besann sich Mercedes auf alte Kompetenzen. Entsprechend filtert die C-Klasse die meisten Unebenheiten heraus, den Rest absorbieren die ausgezeichneten Sitze. Trotzdem gestattet das Fahrwerk auch den flotten Stepptanz über winklige Landstraßen, speziell die Lenkung arbeitet geschmeidig und präzise wie in keinem Mercedes zuvor. Motorenseitig gibt es eine nahezu unüberschaubare Anzahl aus Vierzylinder-Reihen- und V6-Motoren, als Benziner, Diesel oder Hybrid; gemein ist allen lediglich die Aufladung. Die Kraft portionieren die bekannten Sieben- und Neunstufen-Automatikgetriebe, Handschaltung – ohnehin nur für Vierzylinder verfügbar - spielt in der Praxis keine Rolle.
Das macht Ärger: Ein paar Anlaufprobleme wie winselnde Lenkungen, polternde Vorderachsen und Klappergeräusche. Ein Rückruf betraf Gurtstraffer mit fehlerhafter Treibladung; undichte Diesel- Hochdruckleitungen beseitigte Daimler während einer internen Aktion. Der berührungsempfindliche und teure Drehdrücksteller auf der Mittelkonsole, Sprungschanze genannt, geht teilweise schon nach wenigen Jahren kaputt.

Mercedes C-Klasse in der AUTO BILD-Gebrauchtwagenbörse


Mercedes C-Klasse (Baureihe 204)


Bauzeit: 2007 bis 2014
Motoren: 120 PS (180 CDI) bis 517 PS (C 63)
Preis: ab 5500 Euro
Insassensicherheit (Euro-NCAP-Crashtest 2007): 5 Sterne
Mercedes C 220 CDI
Das ist er:
Die Wiedergutmachung für den rostenden Vorgänger 203. Viele Grundabmessungen und Fahrwerksteile blieben gleich. Härtere Gummilager verbessern die Haltbarkeit, lassen aber Vibrationen durch. Neu: neben Limo und T-Modell ein Coupé́, das den ungeliebten CLC ablöst. Bitter für Fans: Avantgarde und AMG tragen keinen Stern mehr auf der Motorhaube, nur noch einen großen im Grill - ähnlich wie Roadster und Coupés. Verarbeitung? Gut, aber der Classic sieht bis zum Facelift Anfang 2011 schon arg billig aus.
Das kann er: Flott gleiten. Schon der kleine Motor (C 180 Kompressor mit 1,6 Litern) ist drehwillig, agil und genügt im Alltag. Motorisch ist fast alles möglich, vom Diesel mit 120 PS bis zum 6,2-Liter-Kraftwerk von AMG mit 457 PS (gegen Aufpreis mit 487 PS, als Black Series mit 517 PS). Saugmotoren, per Kompressor oder Turbo aufgeladen, als Saugrohr- oder Direkteinspritzer, mit Sechsgang-Schaltbox oder Automatik mit fünf oder sieben Stufen, der C bietet die große Premiumauswahl, allein der Geldbeutel entscheidet.
Das macht Ärger: Recht wenig, dem Turbolader der V6-Dieselmotoren wird es mitunter zu warm, die Fußfeststellbremse löst manch- mal etwas träge. Bei den Dieseln der Baureihe 651 kam es anfangs zu Problemen mit der Steuerkette und undichten Injektoren. Der AUTO BILD-Dauertestwagen, ein C 180 Kompressor in unschuldigem Weiß, hat mittlerweile fast 500.000 Kilometer abgespult. Probleme? Er nippt gern am Öl, erhielt ein neues Lenkgetriebe, eine neue Steuerkette und einen Kat. Der Rest: Verschleißteile.

Mercedes C-Klasse in der AUTO BILD Gebrauchtwagenbörse


TÜV-Urteil


Fahrwerk
Die aktuelle C-Klasse steht bei der ersten HU überdurchschnittlich gut da, die Mängelquote liegt in den meisten Einzeldisziplinen bei 0,0 Prozent. Die Ausnahme bildet die Achsaufhängung, doch nur bei der zweiten HU liegt die Quote überm Schnitt. Der 204 kassiert in diesem Bereich jedoch seine schlimmste Schlappe, ab dem neunten Jahr schlagen ausgeschlagene Querlenker und Koppelstangen zu, treiben ihn in die roten Zahlen. Zum Glück seine einzige Schwäche, auch Rost ist kein Thema.

Licht
In der jüngsten Generation kommt der hohe LED-Anteil an der Beleuchtung zum Tragen. Sie hält lange, was herausragend niedrige Mängelquoten bei der ersten und zweiten HU nach sich zieht. Aber auch der 204 leuchtet zuverlässig, nur seine Scheinwerfer machen ab dem elften Jahr etwas mehr Probleme als der Klassenschnitt.

Bremsen
Die Generation 205 behält in diesem Kapitel fast eine komplett weiße Weste. Nur an den Bremsscheiben gibt es gelegentlich überhaupt Beanstandungen, doch immer noch viel seltener als im Klassenmittel. Der 204 schneidet zwar bei der Bewertung seiner Fußbremse ebenfalls ausgezeichnet ab, allerdings liegen die Fehlerquoten der Feststellbremse durchweg im roten Bereich. Noch deutlicher schwächeln beim 204 die Bremsleitungen; hier treffen die Prüfer häufig auf rostige Leitungen. Das war’s dann aber auch schon. Bremsscheiben, -schläuche und die Funktion der Bremse geben keinen Anlass zur Sorge.

Umwelt
Beide untersuchten Baureihen der C-Klasse buhlen um den Umweltengel und leisten sich in diesem Kapitel erfreulicherweise keinen einzigen Patzer. Mängel treten meist deutlich seltener als im Durchschnitt auf. Ölverlust an Motor und Antrieb tritt nur in den seltensten Fällen auf. Bei der Abgasuntersuchung, für andere Premiummarken durchaus mit Problemen behaftet, liegen die Beanstandungen ebenfalls unter der Norm. Und die Auspuffanlagen, bei Mercedes seit etlichen Jahren außerordentlich haltbar, verursachen in beiden Generationen nur selten Ärger.

Fazit
Vor allem mit der aktuellen Generation der C-Klasse untermauert Mercedes seinen hohen Qualitätsanspruch. Kehrseite der Medaille sind für Gebrauchtkäufer die hohen Preise. Beim Vorgänger sollte man einen genauen Blick auf die Achsen werfen, dann erhält man mit der Baureihe 204 ein solides Fahrzeug zu mittlerweile vertretbaren Preisen.