Auf den Intensiv-Roster 210 und das Elektronik-Sensibelchen 211 folgten die Mercedes E-Klassen 212 und 213. Das Beste oder nichts, wie Daimler-Chef Zetsche damals forderte. Beim TÜV strahlt der Stern nun wieder. Die wichtigsten Infos für Gebrauchtwagenkäufer aus dem AUTO BILD TÜV-Report!

Mercedes E-Klasse (Typ W 213)

Bauzeit: 2016 bis heute
Motoren: 150 PS (E 200 d) bis 612 PS (AMG E 63 S 4Matic)
Preis: ab 23.900 Euro
Insassensicherheit (Euro NCAP-Crashtest 2016): Fünf Sterne
Mercedes E220d T
Der Typ W 213 ist Rund fünf Meter lang und damit nochmals voluminöser als der Vorgänger.
Das ist er:
Der große Bruder der C-Klasse, mit der er sich die Technikarchitektur und viele Komponenten teilt. Rund fünf Meter lang und damit nochmals voluminöser als der Vorgänger erreicht der W 213 nun die Abmessungen der ehemaligen Panzerkreuzer-S-Klasse W 140 (1991-98) und auch deren Innenraummaße. Die Bestellungen bestreiten zu zwei Dritteln Limousinen, der Rest sind Kombis und ab 2017 auch Coupés und Cabrios. Zeitgleich erschien der All Terrain, ein angeSUVtes T-Modell mit mehr Bodenfreiheit und 4Matic-Allrad. Zudem erlaubt der W 213 allerlei Spielereien wie automatisches Einparken mit dem Smartphone und dessen Nutzung als Schlüssel.
Hinweis
Mercedes E-Klasse im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt 
Das kann er: Besser als die Vorgänger das typische Mercedes-Gefühl vermitteln. Die Federung agiert auch ohne Luftunterstützung höchst geschmeidig, mit Airmatic mutiert die E-Klasse vollends zum fliegenden Teppich. Die Passagiere genießen üppige Bewegungsfreiheit und Geräuscharmut sowie je nach Motorisierung reichlich Dynamik. Dazu benötigt es keineswegs die nicht immer ganz geschmackssicheren AMG-Protze, bereits ein 200er-Diesel reißt die 100er-Marke in rund 8,5 Sekunden. Nur bis Anfang 2018 und nur für den 200er-Benziner gab es ein Schaltgetriebe, ansonsten sortiert die serienmäßige 9G-Tronic treffsicher die Gänge. Auch in den am "e" in der Typenbezeichnung erkennbaren Plug-in-Hybriden, dann erweitert um einen im Getriebe integrierten Startergenerator. Für Dieselfreunde interessant: Im September 2018 feierte der vermutlich sauberste Selbstzünder überhaupt seine Premiere im 213er – der OM 656, ein Sechszylinder-Reihenmotor mit doppelter Harnstoffeinspritzung zur Eliminierung auch des letzten Hauchs Stickoxide.
Das macht Ärger: Aus Lesersicht so gut wie gar nichts, außer vielleicht mal bindungsunwilligen Smartphones. Einen 100.000-km-Dauertest von AUTO BILD absolvierte ein E 220 d T-Modell mit der Note 2. Zwei kleine Fehler versemmeltem ihm die Bilanz: Die im linken Außenspiegel steckende Antenne des Navigationssystems war nass geworden und verortete das Auto vermutlich deshalb nun öfter mal mitten in der Elbe statt in der Redaktionsgarage, außerdem kühlte die mit umweltfreundlichem CO2 arbeitende Klimaanlage nicht mehr richtig, was den Austausch deren Verdichters zur Folge hatte. Überflüssig, wie sich später herausstellte, ein Schuss mehr Öl in der Anlage hätte ausgereicht. Bereits mehrere Rückrufe: Ölaustritt am Turbolader kann brandgefährlich werden, die Verriegelung der Rücksitzlehnen nicht sauber einrasten, die Sitzbelegungserkennung und die automatische Airbagabschaltung bei Kindersitzmontage versagen, die Servolenkung ausfallen und – sofern vorhanden – das Taxischild während der Fahrt abfallen.

Mercedes E-Klasse (Typ W 212)

Bauzeit: 2009 bis 2016
Motoren: 136 PS (200 CDI) bis 585 PS (E 63 AMG)
Preis: ab 8500 Euro
Insassensicherheit (Euro NCAP-Crashtest 2010): Fünf Sterne
Mercedes E 220 CDI T
Der Zweiliter-Benziner ist eher selten. Die Mehrheit der Mercedes E-Klassen sind Diesel.
Das ist er:
Ein Neuanfang nach den qualitativ bedenklichen Vorgängern. Komplett neu konstruiert, unter eifriger Mitwirkung des Rotstifts: nur noch MacPherson-Vorderachse statt Doppelquerlenkern. Wie gehabt Limousine und T-Modell, auch Cabriolet (ab 2010) und Coupé́, die aber in Wahrheit auf der C-Klasse basieren. Die Motorenpalette ist breit, die passive Sicherheit hoch. Mit der Modellpflege Anfang 2013 bekam die E-Klasse eine komplett neue Front, verlor das Vieraugen-Gesicht und den altbackenen, an den Ponton-Mercedes der späten 50er-Jahre erinnernden Hüftschwung.
Das kann er: Alles von Taxi bis AMG-Achtzylinder-Bollerwagen. Automatik ist obligatorisch, in wenigen Modellen noch mit fünf, meist mit sieben, ab 2014 auch neun Stufen. Handschaltung hatte nur der 200er. Das Platzangebot ist ordentlich, vorn wie hinten sitzen auch große Passagiere bequem, wie es sich für einen Daimler gehört.
Hinweis
Mercedes E-Klasse im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt 
Das macht Ärger: Die Delphi-Injektoren im 200 CDI verursachten anfangs viel Stress. Außerdem gab's in den ersten Baujahren Probleme mit den Steuerketten der OM 651-Diesel, also allen Vierzylindern. Weil dieser Motor die Kette an der Rückseite hat, also an der Getriebeseite, kostet die Reparatur nach Ablauf der Garantie ein Vermögen. Mehrere Rückrufe: Modelle von 6/2009 bis 2/2010 wegen einer nicht fest angezogenen Ölleitung der Servolenkung; bei zahlreichen 4Matic-Modellen von 11/10 bis 4/11 wurden die Lenkgetriebe getauscht; von 11/11 bis 8/17 kann der Airbag unerwartet auslösen, von 3/09 bis 1/13 die Servolenkung ausfallen.

TÜV-Urteil

Fahrwerk

Die neue Doppelquerlenker-Vorderachse des 213 scheint nicht der große Wurf zu sein; wie bereits seit Längerem in der 205er-C-Klasse sorgt sie auch hier für rote Zahlen. Der Vorgänger zeigt sich in puncto Radaufhängungen insgesamt solider. Seine Problemzone sind gebrochene Federn bereits ab dem vierten Jahr. Die Lenkgetriebe sind sehr stabil, und Mängel an den Antriebswellen beider E-Klassen lassen sich statistisch nicht nachweisen.

Licht

Hier gehen die beiden Generationen der E-Klasse nun mit wahrhaft leuchtendem Beispiel voran, speziell die Scheinwerfer schneiden hinsichtlich Funktion und Einstellung erheblich besser ab als der Durchschnitt aller geprüften Fahrzeuge. Lediglich die Rückleuchten der vier- bis fünfjährigen 212er liegen einen Hauch darüber, werden öfter beanstandet als ältere Exemplare. (Mehr zur Mercedes E-Klasse: alle Generationen, News und Videos)

Bremsen

Das ist ja nun etwas peinlich: Ausgerechnet bei Mercedes, die sich die Sicherheit ganz groß auf die Fahnen geschrieben haben, gibt es viel Rot im Bremsenkapitel. Das liegt nicht etwa an der Fußbremse, deren Mängelzahlen weit unter dem Durchschnitt liegen, sondern an der Feststellbremse, die bei einem Automatikanteil nahe 100 Prozent an Unterbeschäftigung leidet – die meisten Fahrer nutzen lediglich die P-Stellung. Die Bremsleitungen des W 212 zeigen keine große Haltbarkeit, im Gegensatz zu den Bremsscheiben beider Modelle.

Umwelt

Das aktuelle Modell ist hier weitgehend über die meisten Zweifel erhaben, verliert deutlich seltener Öl als der Durchschnitt und fällt auch nicht so oft durch die AU. Die Traumquote 0,0 bekommt aber nur der Auspuff. Der 212er verfehlt sie als bis zu fünfjähriger knapp, hat sonst aber auch wenig Probleme mit dem Rohrsystem. Eher schon mit Inkontinenz seiner ölführenden Aggregate und vereinzelten Aussetzern bei der Abgasuntersuchung, die je nach Baujahr auch mal leicht über dem Durchschnitt auftreten können.

Fazit

Bei der Mercedes E-Klasse glänzt der Stern nicht uneingeschränkt, aber die Zahl mängelfreier Fahrzeuge liegt in allen Jahrgängen deutlich über dem Durchschnitt und die derjenigen mit erheblichen Mängeln signifikant darunter. Und das bei weit überdurchschnittlichen Fahrleistungen, die zum Beispiel nach fünf Jahren um 76 Prozent über denen anderer Modelle liegen.