Basispreis des Mercedes EQS vermutlich unter 100.000 Euro

Mercedes macht sich mit dem neuen EQS hausinterne Konkurrenz: Die neue Luxuslimousine ist im Prinzip die vollelektrische Version der S-Klasse. Anders als andere EQ-Modelle von Mercedes (EQC, EQA und EQV) steht der EQS aber auf einer speziell für E-Antriebe entwickelten Plattform. Das sieht man ihm auch an, denn neben der technischen Basis geht Mercedes mit dem EQS auch optisch neue Wege. Der 5,22 Meter lange E-Mercedes orientiert sich an der Studie Vision EQS aus dem Jahr 2019. Langer Radstand, kurze Überhänge und eine beinahe schon Van-artige Dachlinie geben dem EQS ein ungewöhnliches Erscheinungsbild.
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Außer dem kleineren Tesla Model S und den etablierten – konventionell angetriebenen – Platzhirschen Audi A8, S-Klasse und BMW 7er hat der EQS kaum direkte Konkurrenz. Ein wichtiger Punkt ist die Reichweite: Die langstreckentauglichste Version soll bis zu 770 Kilometer nach WLTP schaffen. In der Basisversion dürfte diese jedoch schon deutlich geringer ausfallen. Gleiches gilt für den Preis. AUTO BILD tippt zum Marktstart im August 2021 auf einen Einstiegspreis von knapp unter 100.000 Euro. Für noch größere Geldbeutel kündigt Mercedes bereits eine über 760 PS starke AMG- und eine extra luxuriöse Maybach-Version des EQS an. Beide gehen vermutlich 2022 an den Start.

Design und Abmessungen des neuen E-Autos von Mercedes

Der Mercedes EQS bricht mit den Konventionen für Luxuslimousinen. Das klassische Three-box-Design aus Motorhaube, Fahrgastzelle und Kofferraum ersetzt Daimler durch eine neue Form: Den EQS kennzeichnen extrem kurze Überhänge, ein langer Radstand (3,21 Meter) und ein Greenhouse, das sich in einem Bogen zwischen den Achsen aufwölbt. Front- und Heckscheibe stehen sehr flach, die vordere Haube ist so kurz wie bei einem Van. An der Front zeigt sich das mittlerweile bekannte "EQ-Gesicht" mit angedeutetem Grill (auf Wunsch mit Stern-Muster), an den sich die Scheinwerfer nahtlos anschließen. Und natürlich gibt es auch ein durchgehendes Leuchtband. Auch am Heck bekam der EQS die typischen EQ-Zutaten verpasst: durchgehende Rückleuchten mit einer neuen Leuchtgrafik etwa, die an die Wicklung der E-Motoren erinnern soll. In Kombination mit den elektrischen Türgriffen ergibt sich ein sehr fließendes Design, das nicht nur windschlüpfig aussieht: Mit einem cw-Wert von 0,20 ist der EQS in Sachen Aerodynamik Spitzenklasse. Dazu trägt auch der voll verkleidete Unterboden bei. Aber der E-Benz hat auch praktische Seiten. Das Kofferraumvolumen beträgt 610 Liter; ist die Rücksitzbank umgeklappt, stehen 1770 Liter zur Verfügung. Einen Frunk (also einen vorderen Kofferraum) gibt es nicht, stattdessen sitzt unter der Fronthaube ein großer HEPA-Filter für saubere Luft im Innenraum.
Die Abmessungen des Mercedes EQS im Detail:
● Länge: 5216 mm
● Breite: 1926 mm
● Höhe: 1512 mm
● Radstand: 3210 mm
● Kofferraumvolumen: 610 Liter / 1770 Liter
Mercedes EQS
Der Mercedes EQS wirkt coupéhafter als die S-Klasse und hat einen deutlich kürzeren hinteren Überhang.

So schnell lädt der EQS – und so weit kommt er

Mercedes bietet den EQS mit zwei Akkugrößen an. Die im Unterboden verbauten Batterien haben eine Kapazität von 90 kWh (zehn Module) bzw. 107,8 kWh (zwölf Module). Anders als die 800-Volt-Konkurrenz von Porsche, Audi und Hyundai setzt Mercedes auf 400-Volt-Technik. Die maximale Ladeleistung von 200 kW soll dem EQS in einer Viertelstunde zu 300 Kilometer Reichweite verhelfen – ideale Bedingungen vorausgesetzt. Die Reichweite gibt Mercedes nach WLTP-Standard mit bis zu 770 Kilometern an. Dazu muss die 107,8 kWh große Batterie in Kombination mit dem Hinterradantrieb (245 kW/333 PS) verbaut sein. Darüber hinaus lässt sich der EQS auch in einer Allradversion mit zwei E-Motoren (je einer vorne und hinten) bestellen – dann mit 385 kW (524 PS). Die Motoren sind hier wie da permanent erregte Synchron-Maschinen, die besonders kompakt sind und effizient arbeiten. Um der Angst vor Kapazitätsverlust vorzubeugen, stellt Mercedes ein Batteriezertifikat aus, das die Leistungsfähigkeit der Akkus über zehn Jahre oder 250.000 Kilometer garantiert.
Mercedes EQS
Die Türen des EQS öffnen auf Knopfdruck automatisch. Wie Softclose, nur andersrum.

Der schwere EQS fährt sich erstaunlich leichtfüßig

Einen Prototyp dieser Topversion durfte AUTO BILD bereits kurz fahren. Erkenntnis: Der EQS fährt sich seidig, spielerisch, die Hinterachse lenkt mit und lässt den 2,5-Tonnen-Brummer leichtfüßig um Kurven eilen, der 855 Nm starke Schub ist beeindruckend und stets souverän. Das Luftfahrwerk entkoppelt die Insassen nicht vollständig von der Straße, filtert grobe wie feine Stöße bis kurz vor die Unkenntlichkeit. Und die eigens für den EQS komponierten Klangwelten säuseln über den als so kalt und nüchtern verpönten E-Antrieb hinweg. Sind sie ausgeschaltet, gleitet der EQS praktisch geräuschlos dahin.

Im Mercedes EQS wird es für Großgewachsene obenrum recht eng

Das Cockpit des EQS wird vom 1,41 Meter breiten Hyperscreen eingerahmt. Mit seinen drei Bildschirmen ist das schwarze Designelement eine wirklich imposante Erscheinung. Knöpfe gibt es im EQS – wie auch in der neuen S-Klasse – kaum noch. Dagegen ist das Lenkrad mitsamt den bekannten Lenkstockhebeln im Vergleich zum volldigitalen Armaturenbrett überraschend konventionell. Übrigens: Serienmäßig hat der EQS das Cockpit-Layout der S-Klasse, bestehend aus einem Display für das Kombiinstrument und einem mittleren Monitor zur Bedienung aller MBUX- und weiterer Fahrzeugfunktionen. Die Sitze sind – der Luxusklasse angemessen – sehr bequem, auch die sportlicher geschnittenen unseres Foto-Autos.
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Ganz anders als erwartet, sitzen Fahrer und Beifahrer jeweils in ihrem eigenen Tunnel – denn die Mittelkonsole ist zwar frei schwebend, ragt aber Sportwagen-like hoch auf. Das legen wir unserem Superstar mal als Charakterstärke aus. Denn Mercedes betont, dass der EQS ein Fahrerauto sein soll. Trotzdem können – je nach Wunsch – alle aus der S-Klasse bekannten Komfort-Features auch im EQS verbaut werden, samt Monitoren für die hinteren Passagiere. Bei allem Luxus: Die Kopffreiheit lässt etwas zu wünschen übrig. Mit 1,95 Meter Körpergröße wird es nach oben schon etwas knapp, sowohl vorne als auch auf der Rücksitzbank. Das liegt an der Batterie im Boden und der damit erhöhten Sitzposition. Der lange Radstand fällt dagegen positiv ins Gewicht: Die Kniefreiheit hinten ist sehr gut.
Mercedes EQS
Der EQS kommt optional mit dem neuen Hyperscreen, der drei Bildschirme einrahmt und sich übers gesamte Armaturenbrett streckt.

Eigener Duft und spezielle MBUX-Funktionen für den EQS

Wie es sich für ein Luxusauto gehört, lässt sich der Preis des EQS in wahrhaft astronomische Höhen schrauben. Dazu gehört auch der oben bereits erwähnte Hyperscreen mit seinen drei Displays (12,3 Zoll, 17,7 Zoll und 12,3 Zoll). Das MBUX-System verfügt über spezielle Elektro-Funktionen, die beispielsweise eine auf Ladezeit- oder Restreichweite optimierte Route errechnen. Zudem lernt das MBUX im EQS ständig dazu und schlägt dem Fahrer per Shortcut häufig genutzte Funktionen vor ("Zero-Layer"). Das soll die Bedienung des komplexen Systems erleichtern, ähnlich wie die bereits bekannte Sprachsteuerung. Vor dem Fahrer ist ein großes Head-up-Display verbaut, ebenfalls bekannt aus der S-Klasse. Massagesitze, Sitzheizung und -lüftung gehören in dieser Fahrzeugklasse zum guten Ton. Bei den Sitzen gibt es für die erste Reihe zwei Wahlmöglichkeiten: einen Lounge-artigen Sitz und einen etwas sportlicheren.
Mercedes EQS
Sehr komfortabel sind die Platzverhältnisse im Fond. Nur die Kopffreiheit lässt für Großgewachsene zu wünschen übrig.

Ein großer HEPA-Filter hält Bakterien, Viren und sonstigen Schmutz von den Insassen fern. Für die Beduftung hat der EQS ein eigenes Innenraum-Parfum an Bord. Außerdem spielt der EQS Klangwelten ein, die der Entspannung der Insassen dienlich sein sollen (Waldlichtung, Meeresrauschen, Sommerregen). Eine Powernap-Funktion soll Fahrer und Beifahrer das Nickerchen im EQS erleichtern. Für stressfreies Einparken kann der EQS per Smartphone oder – soweit gesetzlich zulässig – sogar komplett eigenständig in Parklücken manövrieren. Und natürlich soll der EQS auch autonom fahren können – in stockendem Verkehr auf geeigneten Autobahnen bis 60 km/h. Allerdings wird es noch etwas dauern. Frühestens in der ersten Jahreshälfte 2022 soll diese Funktion freigeschaltet werden. Serienmäßig verbaut sind im EQS das Luftfahrwerk und die Hinterachslenkung, die den Wendekreis auf bis zu 10,9 Meter reduziert und die große Limousine während der Fahrt mal kurvenwilliger und mal spurstabiler machen soll.
Mercedes EQS
Über die kleine Klappe vor der Fahrertür wird Wischwasser nachgefüllt.

Bei 210 km/h ist im Mercedes EQS Schluss

Trotz des hohen Leergewichts von rund 2,5 Tonnen ist der EQS zu schnellen Sprints fähig. In 4,3 Sekunden beschleunigt der allradgetriebene EQS 580 mit 524 PS und 855 Nm aus dem Stand auf 100 km/h, der auf Reichweite optimierte, hinterradgetriebene EQS 450+ mit 333 PS und 568 Nm braucht 6,2 Sekunden. Beide Varianten werden bei 210 km/h abgeregelt.
Technische Daten EQS 450+
● Leistung: 245 kW/333 PS
● Max. Drehmoment: 568 Nm
● Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,2 Sekunden
● Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
● Leergewicht: 2480 kg
● Zuladung: 465-545 kg
● Rekuperationsleistung: bis zu 186 kW
Technische Daten EQS 580
● Leistung: 385 kW/524 PS
● Max. Drehmoment: 855 Nm
● Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 4,3 Sekunden
● Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
● Leergewicht: 2585 kg
● Zuladung: 475-550 kg
● Rekuperationsleistung: bis zu 290 kW