Opel, das bedeutet dieser Tage schlechte Wirtschaftsmeldungen statt positiver Testberichte. Arbeitsplatz-Angst in Bochum, Astra-Produktionsverlegung nach England, historisch schlechter Absatz – keine Frage: Die deutsche Traditionsmarke hatte mal bessere Zeiten. Opel kann also gute Nachrichten gebrauchen. Wird der Astra sie mit dem Dauertest bringen? Kann das – neben England – derzeit noch in Rüsselsheim gebaute Modell mit Langzeitqualität überzeugen? Die Eckdaten unseres Testwagens schraubten die Erwartungen in die Höhe: ein Astra 1.7 CDTI Cosmo, Grundpreis Anfang 2010 exakt 24.840 Euro. Etliche Extras trieben die Gesamtsumme aber auf stolze 30.560 Euro. Schnell stellte sich heraus, dass die 930 Euro fürs Flexride-Fahrwerk eine gute Investition sind. Die zwischen Normal, Sport und Tour verstellbare Stoßdämpfercharakteristik fanden viele Testfahrer gut.Noch mehr Komplimente kassierte die im Sport-Modus sehr direkte Lenkung, die für einen Fronttriebler mit nahezu tadelloser Rückmeldung arbeitet. Speziell Langstreckenfahrer schrieben viele positive Kommentare über die Ergonomie-Sitze ins Fahrtenbuch. Die sind serienmäßig an Bord und tragen das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken offenbar zu Recht. Und nach der Zerlegung zeigten sie fast keinerlei Abnutzungserscheinungen. Selbst die sonst bei Dauertestwagen gern abgeriebenen Sitzwangen präsentierten sich quasi im Neuzustand. Prima, Opel, so baut man Sitze! Auch für Fahrten bei schlechtem Wetter und im Dunkeln kassiert der Astra Komplimente. Das im Innovationspaket AFL+ (1100 Euro) enthaltene adaptive Fahrlicht gefällt vielen Astra-Lenkern ausgezeichnet. Die Bi-Xenon-Scheinwerfer leuchten die Straße bestens aus und regulieren ihre Reichweite automatisch. Ebenso wird dem Regensensor perfekte Funktionalität attestiert.Herbe Kritik dagegen prasselt auf den 125-PS-Dieselmotor ein. "Der hat kein Turboloch, der hat einen Turbokrater", beschwert sich Redakteur Boris Pieritz über die spürbare Anfahrschwäche. Außerdem läuft der veraltete Vierzylinder rau und mit deutlichem Nageln. Mit dem mehr als 1,5 Tonnen schweren Astra müht sich der Motor vor allem beim Beschleunigen spürbar ab. Einmal auf der Autobahn, läuft der Astra deutlich angenehmer. Und der Verbrauch sinkt selbst bei schneller Fahrt auf unter sechs Liter – ein Wert, mit dem sich gut leben lässt. Bei der abschließenden Zerlegung zeigt der Selbstzünder, eine Konstruktion aus den 90er-Jahren, keine übermässige Abnutzung, allerdings ungewöhnlich viel Ölkohle und kleine Schleifspuren in den Zylindern eins und vier. Anfangs irritierte uns Vollgasruckeln. Mehrere Werkstatt-Termine waren nötig, bis die Ursache feststand: vertauschte Spritleitungen an der Kraftstoffpumpe. "Ein Einzelfall", sagt Opel.

Lesen Sie auch: Facelift für den Opel Astra

Anschließend spult der Astra Kilometer um Kilometer problemfrei ab. Mechanisch ist sonst alles bestens. Dafür zicken hin und wieder Elektrik und Elektronik. So braucht der Fensterheber in der Fahrertür bei 84.622 Kilometern einen neuen Schalter; später kommen noch neue Sensoren fürs Kurvenlicht sowie die Brems- und Kupplungspedalposition, die Opel rein vorsorglich austauscht. Zuvor hatte sich öfter der Tempomat ohne Zutun des Fahrers deaktiviert. Ein flackernder Navigationsmonitor belegt, dass heute elektronische Kompontenen oft anfälliger sind als mechanische – ärgerlich, aber kein Riesenproblem. Das allerdings ist buchstäblich der von vielen Astra-Fahrern als zu groß empfundene Wendekreis. Er misst über elf Meter und gehört zu den konstruktiven Schwächen des Astra.Gleiches gilt für die miserable Raumausnutzung des 4,42 Meter langen Autos. "Gigantische Außenmaße, Innenraum für Zwerge", beschwert sich Leserservice-Koordinator Stephan Puls. Dafür hat Opel zum Glück die Rostprobleme früherer Astra-Modelle abgestellt. Hohlräume haben sie im Werk buchstäblich mit Wachs geflutet. Ein solides Stück: Mit einer 2+ (nur sechs Fehler-Punkte) liegt er gemeinsam mit der Mercedes E-Klasse auf Rang 17. Astreine Leistung, Astra.Alle Bilder zum Dauertest mit dem Opel Astra finden Sie oben in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel gibt's im Online-Heftarchiv als PDF-Download.

Fazit

von

Manfred Klangwald
Mit diesem guten Abschneiden haben wir nicht gerechnet. Fiel der Astra doch zu Testbeginn hauptsächlich durch unerfreuliches Motorruckeln auf. Wir erwarteten schon das Schlimmste. Doch dieser Fehler beruhte darauf, dass die ehrgeizigen Opelaner es besonders gut machen wollten. Überflüssig! Dieser Astra ist bislang der beste Opel im AUTO BILD-Dauertest.