Opel hat einen Mokka mit dem neuen Klimaanlagen-Kältemittel R1234yf gecrasht. Dabei kam es nicht zum Brand. Für den Hersteller bestätigt der Versuch die "Sicherheit von R1234yf in Opel-Fahrzeugen". Fachleute kritisieren den Test. So wurde nicht einmal untersucht, ob das hochgiftige und ätzende Abbauprodukt Fluorwasserstoff entstanden ist.

Kältemittel-Streit: Wird die Autowelt gespalten?

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Video: Opel Kältemitteltest

Brandgefahr?

Der Aufprall eines 50 km/h schnellen Anhängers auf den voll beladenen Mokka soll einen Unfall simulieren, bei dem der heiß gelaufene Mokka auf ein Stauende auffährt. Begleitet haben den Versuch TÜV Rheinland und die Opel-Werksfeuerwehr. Opel-Klimaanlagenentwickler Ioannis Lazaridis stand AUTO BILD für ein Telefon-Interview zur Verfügung, die Versuchsdokumentation bleibt jedoch unter Verschluss. Lazaridis nannte den Crash einen "finalen Validierungstest nach einer Vielzahl weiterer Crashversuche und Simulationen". Man habe den "Worst Case" getestet, das schlimmstmögliche Szenario.

Diese Hersteller setzen auf CO2 als Kältemittel

Diese Hersteller setzen auf CO2 als Kältemittel

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Mercedes
BMW
VW
Audi
Skoda
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Toyota

Diese Hersteller bleiben bei R1234yf

Diese Hersteller bleiben bei R1234yf

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GM (z.B. Opel)
Ford
Fiat
Hyundai
Kia
Mazda
Subaru
Renault
Peugeot
Dem widerspricht Fluorchemiker Prof. Andreas Kornath (Uni München): "Der in großen Mengen ausgetretene Wasserdampf wirkte wie eine Löschanlage. Auch eine Thermolyse, die Zersetzung von R1234yf unter Hitzeeinwirkung, dürfte so kaum stattgefunden haben." Wie sich die Temperatur im Motorraum nach dem Crash entwickelte, konnte Opel nicht mehr feststellen – das Datenkabel war beim Aufprall abgerissen. Worst Case wäre also eher ein Unfall, bei dem der Kühlwasserkreislauf des Autos intakt bleibt, aber trotzdem Kältemittel austritt. Ein Fall, wie er laut Opel auch bei den Vorversuchen auftrat. In der Realität wäre das ein Aufprall mit geringem Tempo oder ein Abriss der Kältemittelleitung durch Materialermüdung.

Kältemittel-Cocktail: Daimler sucht nach Alternative

Wolfgang Plehn Umweltbundesamt
Leichte Entzündlichkeit und Entstehung von Fluorwasserstoff: Auch Wolfgang Plehn vom Umweltbundesamt warnt vor den R1234yf-Gefahren.
Das Umweltbundesamt (UBA), das erst kürzlich offiziell vor R1234yf warnte, betonte gegenüber AUTO BILD, dass die Ergebnisse eines einzelnen Mokka-Crashs nicht verallgemeinert werden dürfen. "Die erheblichen Risiken des Kältemittels selbst bleiben ja – vor allem, was seine leichte Entzündlichkeit und die Bildung des gefährlichen Fluorwasserstoffs angeht", so UBA-Experte Wolfgang Plehn. Auch Andreas Thöne vom Berufsverband Feuerwehr hat Zweifel an der Aussagefähigkeit des Crashtests. Für die Berufsfeuerwehren, die schon früh auf die Gefahren von R1234yf hinwiesen, wären Versuchsreihen nach dem Vorbild von Daimler wünschenswert.

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Video: Killer-Kältemittel

R1234yf setzt B-Klasse in Brand

Daimler hatte im September 2012 mit seinen "Real-Life"-Tests festgestellt, dass R1234yf in der Mehrzahl der untersuchten Fälle zu einem Fahrzeugbrand führte. Daimlers Tests, die auch das Kraftfahrt-Bundesamt für "kein unrealistisches Szenario" hält, kommen für Opel indes nicht infrage. Auf Nachfrage verwies Opel lediglich auf den Standpunkt des Ingenieurverbands SAE. Dieser hatte R1234yf wiederholt die Sicherheit bescheinigt – ohne allerdings praktische Versuche durchzuführen. Zurzeit entwickeln die deutschen Hersteller mit ihrem Verband VDA ein einheitliches Test-verfahren für R1234yf.

Fazit

von

Frank Rosin
Ein Auto, das trotz Killer-Kältemittels beim Crashversuch nicht in Flammen aufgeht. Ein (!) Auto – mehr nicht. Dass es nicht jedes Mal zum Brand kommen muss, haben die Versuche von Daimler doch vor einem halben Jahr längst gezeigt. Dort entzündete sich R1234yf in 14 von 20 betrachteten Fällen, immerhin sechsmal brannte es nicht. Je nach Versuchsanordnung. Warum testet Opel nicht nach Daimlers "Real-Life"-Methode, die auch die deutschen Behörden als realistisch einschätzen? Stattdessen ein einzelner Crash mit lückenhaften Messungen und als "unabhängiger" Partner ausgerechnet der TÜV Rheinland. Der hat sich in Sachen R1234yf schon einmal vor den Karren der Industrie spannen lassen. Angesichts dieser Ungereimtheiten und Opels fataler Abhängigkeit vom US-amerikanischen Mutterkonzern GM – einem erklärten R1234yf-Befürworter – bleibt von dem medienwirksam inszenierten Crashversuch kaum mehr als heiße Luft.

Von

Frank Rosin