Im Jahr 2017 hat Porsche die dritte Cayenne-Generation, intern E3 genannt, vorgestellt, 2018 kam sie auf den Markt. Seither arbeiten die Experten daran, das jetzt anstehende Facelift vorzubereiten. Richtig gehört: Es geht um eine Modellpflege, nicht um eine neue Generation, die nach der bewährten Siebenjahresregel eigentlich auch schon in den Startlöchern stehen müsste.
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Zwar äußern sich die Stuttgarter noch nicht zu den Zukunftsplänen für ihr großes SUV, doch wer sich Porsches Elektrifizierungs-Strategie genau anschaut, braucht wenig Fantasie, um sich vorstellen zu können, dass Cayenne Nummer vier wahrscheinlich rein elek­trisch vorfährt. Weil es aber auch weiterhin Märkte geben wird, die Wert auf den Verbrenner legen, könnte die aktuelle Generation parallel ein paar Jährchen weiterlaufen. Das erklärt auch, warum Porsche zur Modellpflege von SUV und Coupé einen immensen Aufwand betreibt.
Porsche Cayenne Facelift Prototyp
AUTO BILD-Vize Micha Gebhardt durfte die Porsche-Ingenieure auf ihrer Testrunde begleiten.

Design, Antrieb, Fahrwerk und Cockpit wurden überarbeitet

Das Design, den Antrieb, das Fahrwerk und das Cockpit inklusive Infotainmentsystem haben sich die Entwickler vorgenommen. Letzteres verbirgt sich auf unserer Runde noch unter dickem, schwarzem Filz, doch wenn keiner zuschaut, können wir mal kurz darunter spitzen.
Porsche Cayenne Facelift Prototyp
Noch geheim: Das Cockpit des überarbeiteten Cayenne dürfen wir noch nicht zeigen.
Ohne zu viel zu verraten: Die Mittelkonsole wirkt aufgeräumter, das Kombiinstrument wird digital, ein neues Display hält Einzug, die Software läuft auf den ersten Blick stabil und flüssig. Beim Kapitel Design sind wir ebenfalls noch außen vor, auch für uns lässt der Cayenne noch nicht die Hüllen fallen. Was man trotz Beklebung aber sehen kann: Porsche hat tief ins Portemonnaie gegriffen und zahlreiche Blechteile angefasst, Heckklappe und Motorhaube sind neu, dazu neue Schürzen und frische Schein­werfer – das war nicht billig.
Porsche Cayenne Facelift Prototyp
Fahrwerk, Antrieb und Design: Porsche greift für das Facelift tief in die Tasche.
Das neu abgestimmte Fahrwerk und vor allem die neuen Antriebe dürfen wir genauer inspizieren. Wichtigste Neuerung: Porsche schmeißt beim Cayenne S den Sechszylinder raus und setzt auf einen weitgehend neu entwickelten V8, der mit dem alten Turbo-Aggregat nicht mehr viel gemein hat. Das allein ist in Zeiten von Downsizing und Elektrifizierung schon eine Nachricht wert.
Vor allem aber, weil das neue Triebwerk selbst im Erprobungsstatus schon eine hervorragende Figur macht. Nicht weil das S-Modell damit von 440 auf 475 PS erstarkt, das ist mehr oder weniger Makulatur. Sondern weil der Acht­zylinder jetzt 600 Newtonmeter Drehmoment (bisher 550 Nm) entwickelt und das weit über zwei Tonnen schwere SUV spürbar souveräner die Hollywood Hills hinaufschiebt.

Wie gehabt verwaltet eine Achtstufenautomatik von ZF die Kraft, die der Motor beim Gasgeben willig und spontan abgibt; begleitet von typischem V8-Gebrabbel.

Kein Turbo GT mehr für Europa

Dass das neue Triebwerk später auch im GTS, im Turbo und im Plug-in Turbo SE Hybrid zum Einsatz kommt, ist klar, auch wenn sich Porsche dazu noch nicht geäußert hat. Seinen Weg in den nur als Coupé erhältlichen Turbo GT wird der Achtender dagegen nicht finden; ihm ist schlichtweg nicht die geforderte Leistung zu entlocken.
Und weil der bisherige Motor den zukünftigen Abgasnormen nicht mehr gerecht werden wird, verschwindet der Turbo GT, zumindest in Europa, nach einem gut zweijährigen Gastspiel wieder aus der Preisliste. Sehr zum Leidwesen der Vertriebsleute, hat er doch die geplanten Verkaufsziele schon frühzeitig übertroffen. Hoffnung dürfte ihnen allerdings die Ankündigung eines weiteren Power-Plug-ins machen, der in die GT-Fußstapfen treten könnte.
Porsche Cayenne Facelift Prototyp
Beliebt – aber nicht mehr für Europa vorgesehen: Mit dem Facelift verschwindet der Cayenne Turbo GT bei uns aus dem Programm.
Nachgelegt hat Porsche auch beim Basismodell – hier bleibt es beim Dreiliter-V6 mit jetzt geringfügig mehr Leistung (354 PS) – und beim Einstiegs-Plug-in. Der kombiniert den Sechszylinder mit einer jetzt auf 177 PS erstarkten E-Maschine (bisher 136 PS) und bekommt eine größere Batterie. So fährt er zum einen weiter rein elektrisch, zum anderen fühlt sich der kraftvollere Elektromotor auch standesgemäßer an. Um den größeren Stromspeicher auch schneller vollzukriegen, wurde die maximale Ladeleistung auf 11 kW angehoben.

Neue Fahrwerksabstimmung sorgt für mehr Komfort

Abgerundet wird das Facelift von einer neuen Fahrwerksabstimmung. Die serienmäßigen adaptiven Dämpfer arbeiten jetzt mit zwei Ventilen, lassen sich in Zug- und Druckstufe getrennt einstellen. Das sorgt für mehr Komfort, der Cayenne schwebt im Normalmodus etwas geschmeidiger über die Straße und federt auf den langen Bodenwellen des Pacific Coast Highway sanft nach.
Porsche Cayenne Facelift Prototyp
Erprobungs-Stau: Auch Stop-and-go-Verkehr steht auf dem Programm der Ingenieure.
Gleichzeitig erlaubt das System eine weitere Spreizung und damit ergo auch (noch) mehr Sportlichkeit. Die stellt der Cayenne, im Sport- oder Sport-Plus-Modus, auf den kurvigen Bergstraßen im Norden von Los Angeles zwischen Mulholland Drive und Sunset Boulevard eindrucksvoll unter Beweis und unterstreicht damit einmal mehr seinen Anspruch, der Spitzenathlet unter den SUV sein zu wollen. Egal ob mit Luft- oder Stahlfederfahrwerk, der Cayenne tänzelt um die Kurve, als hätte er ein paar Zentner weniger auf den Rippen.

Bestellstart im April 2023

Dass die flotte Gangart hin und wieder die Reifen zum Quietschen bringt, ist zwar nicht gewollt, aber erklärbar. Wir fahren mit den für den US-Markt vorgesehenen Nexen-Pneus, die etwas weicher sind als die Europa-Reifen von Michelin. Und sie wurden in den vergangenen Tagen von den Testfahrern schon ordentlich rangenommen.
Abgenommen dagegen wird die Tarnung von den neuen Cayenne erst im April 2023. Dann feiert das SUV Weltpremiere und kann bestellt werden. Zu welchen Preisen? Das ist noch nicht bekannt. Aktuell kostet der Basis-Cayenne gut 82.000 Euro, mit dem Facelift dürften einige Tausender dazukommen.
Die Reise zum Fahrbericht wurde unterstützt von Porsche. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit.

Von

Michael Gebhardt