In der EU sollen ab 2035 nur noch Neuwagen verkauft werden, die im Betrieb keine Treibhausgase ausstoßen. Darauf haben sich nach verschiedenen anderen Gremien am 27. Oktober 2022 auch Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments geeinigt.
Zwar müssen Ministerrat und Parlament formell noch zustimmen, doch dies gilt als sicher. Auch dass sich Regierungen oder Fraktionen doch noch querstellen, ist äußerst unwahrscheinlich. Damit bedeutet die Einigung faktisch das Aus für neue Verbrennerfahrzeuge in gut zwölf Jahren.

Wie lauten die neuen Regeln für den CO2-Ausstoß?

Ab 2035 sollen die sogenannten Flottengrenzwerte für Autos auf null sinken. Diese Grenzwerte geben Autoherstellern vor, wie viel CO2 ihre produzierten Fahrzeuge im Betrieb ausstoßen dürfen. Schon bis 2030 sollen klimaschädliche Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent sinken. Bis 2050 soll die Union klimaneutral werden.
Konkret bedeutet das, dass CO2-ausstoßende Benzin- und Dieselfahrzeuge immer mehr durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden sollen. Wenn sich Hersteller nicht an die Vorgaben halten, müssen sie Strafe zahlen. Viele Autobauer haben sich ohnehin schon von Verbrennungsmotoren abgewandt und treiben die Entwicklung neuer E-Autos massiv voran. (Das sind die Herstellerpläne zum Verbrenner-Aus!)

Welche Hintertürchen gibt es noch für Verbrenner?

Im Jahr 2026 soll die Entscheidung erneut überprüft werden können. Zudem wurde im Kompromiss eine Bitte an die EU-Kommission festgehalten, zu checken, ob der Einsatz von sogenannten eFuels für Autos künftig infrage kommen könnte. Dies geschah vor allem auf Drängen Deutschlands. Ausnahmen soll es auch für Hersteller geben, die weniger als 10.000 Autos pro Jahr produzieren – also Produzenten von Luxusautos wie Ferrari.

Welche Autos betrifft das Aus?

Es geht um alle neuen Pkw, also vom Kleinstwagen bis zum größten SUV, sowie um leichte Nutzfahrzeuge. Damit sind in der Regel kleine Transporter bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht und bis zu 1,5 Tonnen Nutzlast gemeint. Deren Auslaufen dürfte vor allem Lieferdienste und Handwerker betreffen.

Null Emissionen ab 2035, was bedeutet das?

Die Pläne sehen vor, dass der CO2-Rückgang 2035 gegenüber heute 100 Prozent beträgt. Das bedeutet null Emissionen für alle neu zugelassenen Wagen. Das wäre zwar kein explizites Verbot von Verbrennern. Aber wenn man ein neues Auto nicht mehr zulassen kann, kommt es einem Verbot der Benutzung auf öffentlichen Straßen gleich. Einem Betrieb auf Privatgelände wie auf Rennstrecken sollte das nicht widersprechen.

Gibt es eine Zukunft für Autos mit eFuels?

Das ist Interpretationssache. Der liberale Abgeordnete Jan-Christoph Oetjen schreibt: "Die Europäische Kommission muss den Weiterbetrieb des Verbrennungsmotors auch nach 2035 mit alternativen Kraftstoffen ermöglichen." Der Grünen-Verhandlungsführer Bas Eickhout sprach dagegen davon, dass das Ziel, nur noch emissionsfreie Wagen zuzulassen, beibehalten worden sei, bis der Markt vollständig elektrisch sei. Greenpeace geht davon aus, dass eFuels künftig höchstens in Sonderfahrzeugen wie Feuerwehr- oder Krankenwagen eingesetzt werden dürften. (So teuer ist synthetischer Sprit!)

Wer ist in der Bundesregierung für und wer gegen eFuels?

Vor der Entscheidung hatte es heftigen Streit innerhalb der Bundesregierung gegeben. Vor allem die Liberalen wollen die Option eFuels, die Grünen lehnen sie ab. Erst während der laufenden Verhandlungen hatten die grüne Umweltministerin Steffi Lemke und der FDP-Finanzminister Christian Lindner einen internen Kompromiss gefunden.
Umweltministerin Steffi Lemke
Steffi Lemke (Grüne) hat sich für ein komplettes Verbrenner-Aus eingesetzt. Sie ist Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) begrüßte nun, dass der von seiner Partei geforderte Einsatz von eFuels beim Betanken von Autos nicht vom Tisch ist: "Das ist enorm wichtig, um unsere Klimaziele zu erreichen. Wir müssen dafür auf alle verfügbaren klimafreundlichen Technologien zurückgreifen." eFuels seien "die einzig überzeugende Antwort auf die Frage, wie die Bestandsflotte in Europa klimafreundlich werden kann".

Was sagt der VDA zum Verbrenner-Aus?

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) kritisierte die EU-Entscheidung: "Es ist fahrlässig, Ziele für die Zeit nach 2030 festzulegen, ohne entsprechende Anpassungen aufgrund aktueller Entwicklungen vornehmen zu können", sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Als Beispiele nannte sie den Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Darf ich meinen Diesel oder Benziner weiter fahren?

Ja. Nur für herkömmlich betriebene neue Autos ist es das Aus. Schon zugelassene Fahrzeuge dürften weiter fahren. Immerhin ist damit zu rechnen, dass zum Zeitpunkt des geplanten Verbrenner-Aus mehr als 30 Millionen Verbrenner allein auf deutschen Straßen unterwegs sein werden, die sich nicht klimaneutral fahren ließen.

Was ist der Plan "Fit für 55"?

Ziel des Gesetzentwurfs ist wie erwähnt, klimaschädliche Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um mindestens 55 Prozent zu senken – daher heißt der Plan "Fit für 55". Damit soll Europa bis 2030 den CO2-Ausstoß auf den Stand von 1990 senken und bis 2050 klimaneutral werden. Der Straßenverkehr spielt dabei eine wichtige Rolle, rund 20 Prozent der CO2-Emissionen in der EU entstehen hier.

Welche Vor- und Nachteile haben eFuels?

Diese synthetischen Kraftstoffe sind einerseits eine Möglichkeit, traditionelle Verbrenner weiter zu betanken, andererseits sind sie teuer zu produzieren und ineffektiv. Und bei einigen Anwendungen, wie bei der Luftfahrt oder bei Sonderfahrzeugen, sind sie unabdingbar, weil es noch keine Alternative zum Verbrenner gibt – ob bei Düsentriebwerken oder bei großvolumigen Verbrennungsmotoren, etwa für Landmaschinen. (Analyse: Welche Zukunft haben eFuels?)
Streng genommen erzeugen auch mit Ökostrom erzeugte eFuels Emissionen aus einem Verbrennungsprozess, auch wenn das CO2 zuvor der Atmosphäre entzogen wurde. Zwar sind die synthetischen Kraftstoffe, deren Kohlenwasserstoff mittels Energieeinsatz der Luft entzogen werden, per Saldo klimaneutral. Doch beim Verbrennen entstehen wieder Treibhausgase.
Dennoch wird Synthetik-Sprit immer wieder als Alternative zur kompletten Elektrifizierung genannt. Allerdings setzen sie einen Energieüberfluss voraus. Noch dazu sind eFuels sehr teuer. Experten gehen von fünf Euro für die Herstellung eines Liters synthetischen Kraftstoffs aus. Kritiker befürchten auch, dass es davon schon zu wenig für Luft- und Schifffahrt gibt, die weniger leicht als Autos oder Transporter elektrisch betrieben werden können. Damit wären also auch eFuels keine Rettung für den Verbrenner – es wäre das Aus.

Wie steht es um das Dieselprivileg?

Auch das hat die EU mittlerweile ins Visier genommen. So will Brüssel "schädliche Folgen des Wettbewerbs" unter verschiedenen Energiesteuern mindern. Damit ist beispielsweise der in Deutschland geltende günstige Preis für Dieselkraftstoff gemeint, der um 18,4 Cent pro Liter geringer besteuert wird als Benzin – auch wenn wegen der Folgen des Ukraine-Kriegs davon aktuell wenig zu spüren ist.
Um das seit den 90er-Jahren geltende Dieselprivileg gibt es schon lange Diskussionen hierzulande. Die neue Ampelregierung hat bereits signalisiert, dass sie an das Privileg ranwill, indem sie eine EU-Energiesteuerrichtlinie umsetzt, "die unter anderem die steuerliche Angleichung von Dieselkraftstoff und Benzin vorsieht".

Wie sich der steigende CO2-Preis auf den Spritpreis auswirkt

Jahr
CO2-Preis/Tonne
Preisaufschlag/Liter Benzin
Preisaufschlag/Liter Diesel
Abzweigung
2021
Abzweigung
Abzweigung
2022
Abzweigung
Abzweigung
2023
Abzweigung
Abzweigung
2024
Abzweigung
Abzweigung
2025
Abzweigung
Abzweigung
2026
Abzweigung
25 Euro
30 Euro
bleibt bei 30 Euro
35 Euro
45 Euro
55 Euro
ca. 7 Cent
ca. 8,4 Cent
-
ca. 9,8 Cent
ca. 12,6 Cent
ca. 15 Cent
ca. 8 Cent
ca. 9,5 Cent
-
ca. 11 Cent
ca. 15 Cent
ca. 17 Cent

Hat die Brennstoffzelle eine Zukunft?

In Brennstoffzellen kann Wasserstoff gespeichert werden, der emissionsfrei Fahrzeuge antreiben kann, vom U-Boot bis zum Triebwagen bei der Eisenbahn. Sie könnte auch im Autobau eine größere Rolle spielen als bisher, derzeit ist sie ein Nischenantrieb beim Toyota Mirai oder beim Hyundai Nexo.
Brüssel schließt den Ausbau der Wasserstoff-Tankstellen explizit in seine Klimaziele ein, auch Wasserstoff-Autos gelten als emissionsfrei. Die Frage ist also: Hat Wasserstoff als Antrieb für Pkw eine Zukunft? Viele Experten sind eher skeptisch, denn um eine Energie-Einheit Wasserstoff zu produzieren, sind acht Energie-Einheiten Strom nötig. Den kann man bei batterieelektrischen Auto aber ohne Umweg direkt nutzen.

Was gilt für Hybride und Plug-in-Hybride?

Sie werden den Plänen nach ebenfalls zum Auslaufmodell. Die beiden Antriebsarten werden zwar nicht ausdrücklich genannt. Jedoch: "Da Hybride sowie Plug-in-Hybride auch mit CO2 ausstoßenden Verbrennungsmotoren fahren, dürften diese Fahrzeuge 2035 auch nicht zugelassen werden", so die Einschätzung von Verkehrsrechtsanwalt Uwe Lenhart.

Gibt es nach 2035 Bestandsschutz für meinen Verbrenner?

Die CO2-Regeln gelten nur für Neuwagen, zugelassene Autos haben Bestandsschutz. Denn sie werden weder in den Klimaplänen genannt, noch gab es bislang Pläne dazu. Aktuell sind die Autos in Deutschland 2022 im Schnitt 10,1 Jahre alt. Ein guter Teil des Bestandes, rund 20 Millionen Pkw, wurde 2010 oder früher zugelassen. Auch 2030 und danach wird es also noch viele Verbrenner geben.

Was ist mit Oldtimern und Youngtimern?

Auch Young- und Oldtimer sollten unter den Bestandsschutz fallen. Derzeit sind vor allem Verbrenner auf deutschen Straßen unterwegs. Stand 1. April 2022 waren rund 31 Millionen Benzin-Pkw und 15 Millionen Diesel-Pkw zugelassen, dazu eine Million gasbetriebene Autos und klassische Hybride ohne Lademöglichkeit. Reine E-Autos (BEV) und Plug-in-Hybride zusammen zählen gut eine Million.

Wie geht es mit E-Autos weiter?

Auf ihnen ruht die Hoffnung der EU und auch vieler Autohersteller. So sieht VW den "größten Übergang seit dem Wandel vom Pferd zum Auto" gekommen. Die Hersteller bringen ein neues E-Auto nach dem anderen heraus. Aus der EU-Kommission hieß es, selbst wenn man derzeit einen schlechten Energiemix zugrunde lege, sei ein Elektroauto emissionsärmer als ein klassischer Verbrenner. (Hier ein Kommentar dazu!)

Die zurzeit besten E-Autos

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
Audi Q4 e-tron
BMW iX
Hyundai Ioniq 5
Kia Niro EV
Kia EV6
Mazda MX-30
Opel Corsa-e
Skoda Enyaq iV
Tesla Model 3
Toyota bZ4X

Wie soll die E-Mobilität gefördert werden?

Die EU-Staaten sollen verpflichtet werden, das Netz der Ladesäulen und Wasserstoff-Tankstellen an den Fernstraßen, also Autobahnen, Bundesstraßen, Land- und Kreisstraßen, auszubauen. So sollen E-Autos mindestens alle 60 Kilometer laden können. Brennstoffzellen-Fahrzeuge sollen alle 150 Kilometer Wasserstoff auffüllen können. Die Investitionskosten für die Ladeinfrastruktur schätzt die Kommission auf insgesamt 15 Milliarden Euro.
Schnellladestation von Fastned
An Fernstraßen soll künftig alle 60 Kilometer eine Ladestation auf E-Autos warten.

Worauf müssen sich Pendler einstellen?

Vor allem auf weiter steigende Spritpreise, allein schon durch die steigende CO2-Abgabe. Schon zum Jahresbeginn 2022 machte sie Diesel um 8 Cent, Benzin um 7 Cent teurer. Die Kosten für das Abgeben von CO2 in die Luft, also das Fahren mit einem Verbrenner, dürften nun von Jahr zu Jahr weiter steigen. Das dürfte vor allem Menschen auf dem Land und mit geringem Einkommen treffen. Allerdings wurde eine Erhöhung aufgrund der anhaltend steigenden Energiepreise von der Bundesregierung für 2023 ausgesetzt.
Überhaupt hinkt Deutschland mit der aktuellen CO2-Abgabe auf Treibstoffe den Vorgaben hinterher. Nun soll der Mineralölhandel CO2-Rechte kaufen, jedes Jahr weniger. E-Auto-Fahrer wiederum profitieren davon, sie können über die THG-Prämie Geld im Quotenhandel verdienen. Wie stark die Spritpreise weiter steigen, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass die deutsche CO2-Abgabe in einem neuen EU-System aufgehen soll.

Kann sich jeder das Autofahren noch leisten?

Um Bedenken von Staaten und Bürgern zu besänftigen, plant die EU einen Sozialfonds. In den soll ein Teil der Einnahmen aus dem Verkauf der CO2-Rechte fließen. Er soll vor allem den weniger finanzstarken Pendlern helfen, die zusätzlichen Lasten zu schultern. Auch hier gilt: Die Details sind noch offen.
Mit Material von dpa und Reuters