Die EU-Umweltminister haben das Aus für neue Autos mit Verbrenner ab 2035 eingeläutet. Ab dem Zeitpunkt sollen in der Europäischen Union nur noch klimaneutrale Neuwagen verkauft werden. Darauf einigten sich die 27 für Umwelt zuständigen Ministerinnen und Minister in Luxemburg in der Nacht zu Mittwoch. Rund 20 Prozent der EU-CO2-Emissionen entstehen im Straßenverkehr.

Wie sind die neuen Regeln für den CO2-Ausstoß von Autos?

Ab 2035 sollen die sogenannten Flottengrenzwerte für Autos auf null sinken. Diese Grenzwerte geben Autoherstellern vor, wie viel CO2 ihre produzierten Fahrzeuge im Betrieb ausstoßen dürfen. Schon bis 2030 sollen klimaschädliche Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent sinken. Bis 2050 soll die Union klimaneutral werden. Konkret bedeutet das, dass CO2-ausstoßende Benzin- und Diesel-Fahrzeuge immer mehr durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden sollen. Wenn sich Hersteller nicht an die Vorgaben halten, müssen sie Strafe zahlen. Das dürfte für die Autohersteller ein starker Anreiz sein, die Verbrenner auslaufen zu lassen und Entwicklung sowie Produktion neuer E-Autos noch schneller voranzutreiben.
carsale24

Auto ganz einfach zum Bestpreis online verkaufen

Top-Preise durch geprüfte Käufer – persönliche Beratung – stressfreie Abwicklung durch kostenlose Abholung!

Welche Hintertür gibt es für eFuel-Autos?

Die Vereinbarung lässt auf Drängen Deutschlands die Möglichkeit offen, dass mit sogenannten eFuels betriebene Neuwagen mit Verbrennungsmotoren auch nach 2035 zugelassen werden können. Vor der Entscheidung hatte es heftigen Streit innerhalb der Bundesregierung gegeben. Erst während der laufenden Verhandlungen hatten die grüne Umweltministerin Steffi Lemke und der FDP-Finanzminister Christian Lindner einen internen Kompromiss gefunden. Nach Angaben eines Regierungssprechers hat die EU-Kommission zugesagt, einen Vorschlag zu unterbreiten, der klimafreundliche Kraftstoffe auch für Neuwagen mit Verbrennungsmotor berücksichtigt. Das wäre eine Hintertür für Verbrenner, die mit eFuels betankt werden. Gelten könnte dieser Vorschlag für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge.

Was die FDP gegen ein Verbrenner-Aus hat

Die FDP hatte vor der Abstimmung große Bedenken geäußert, einem De-Facto-Verbrenner-Aus zuzustimmen. Die Partei und ihr Finanzminister Christian Lindner hatten darauf gepocht, dass nach 2035 auch Verbrenner-Autos zugelassen werden können, die mit eFuels fahren. Lindner argumentierte zuletzt, wenn es verboten würde, Neuwagen mit Verbrennungsmotor zuzulassen, dann werde der Motor nicht weiterentwickelt – zumindest nicht in Europa und Deutschland. Mit klimafreundlichen Flüssigkraftstoffen könne der Verbrennungsmotor alle Klimaziele erreichen.

Darf ich meinen Diesel oder Benziner weiter fahren?

Ja. Nur für herkömmlich betriebene neue Autos ist es das Aus. Schon zugelassene Fahrzeuge dürften weiter fahren. Immerhin ist damit zu rechnen, dass zum Zeitpunkt des geplanten Verbrenner-Aus mehr als 30 Millionen Verbrenner allein auf deutschen Straßen unterwegs sein werden, die sich nicht klimaneutral fahren ließen. Zudem soll die EU-Kommission prüfen, ob es Ausnahmen auch für neue Verbrenner geben könnte, die mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden. Das EU-Parlament ist bei den Forderungen deutlicher und will ein De-facto-Verbrenner-Aus. Viele Hersteller haben sich ohnehin schon von Verbrennungsmotoren abgewandt. (Überblick: Das sind die Herstellerpläne zum Verbrenner-Aus!)
Umweltministerin Steffi Lemke
Steffi Lemke (Grüne) hat sich für ein komplettes Verbrenner-Aus eingesetzt. Sie ist Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

Warum eFuels so wichtig sind

Diese synthetischen Kraftstoffe sind einerseits eine Möglichkeit, traditionelle Verbrenner weiter zu betanken, andererseits sind sie teuer zu produzieren und ineffektiv. Und bei einigen Anwendungen, wie bei der Luftfahrt oder bei Sonderfahrzeugen, sind sie unabdingbar, weil es noch keine Alternative zum Verbrenner gibt – ob bei Düsentriebwerken oder bei großvolumigen Verbrennungsmotoren, etwa für Landmaschinen. (Analyse: Welche Zukunft haben eFuels?).

Was hatte das EU-Parlament zuletzt entschieden?

Zuletzt hatte das Europäische Parlament zugunsten des Klimaschutzes entschieden, in der EU ab 2035 keine neuen Autos mit Verbrenner mehr zulassen. Eine Mehrheit der Abgeordneten stimmte Anfang Juni 2022 in Straßburg dafür, dass Hersteller ab Mitte des nächsten Jahrzehnts nur noch Autos und Transporter ohne CO2-Ausstoß auf den Markt bringen dürfen, also Fahrzeuge, die keine klimaschädlichen Treibhausgase ausstoßen (dazu ein Kommentar). Im Umkehrschluss will das EU-Parlament, dass nur noch Fahrzeuge mit batterielektrischem Antrieb oder Wasserstoff als Energiespeicher zugelassen werden.
Ziel des Gesetzentwurfs ist, klimaschädliche Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent zu senken – so sieht es der Plan "Fit für 55" vor. Damit soll Europa bis 2030 den CO2-Ausstoß auf den Stand von 1990 senken und bis 2050 klimaneutral werden. Der Straßenverkehr spielt dabei eine wichtige Rolle, rund 20 Prozent der CO2-Emissionen in der EU entstehen hier.

Wie steht die EU zu eFuels?

Die Abgeordneten des Europaparlaments sprechen sich dafür aus, dass keine klimafreundlichen synthetischen Kraftstoffe, sogenannte eFuels, angerechnet werden können. Mit diesen könnte ein klassischer Verbrenner klimaneutral betrieben werden. Wenn sich auch diese Position durchsetzt, wäre es gleichbedeutend mit dem Auslaufen aller Autos mit Verbrennungsmotoren, da eFuels nicht positiv bei der CO2-Bilanz angerechnet werden.

Das sind die zurzeit besten E-Autos

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
BMW iX
UVP ab 77.300 EUR, Ersparnis: bis zu 13.386  EUR
Kia EV6
UVP ab 44.990 EUR, Ersparnis: bis zu 14.069 EUR / im Leasing schon ab 274  EUR
Mercedes EQS
UVP ab 97.807 EUR, Ersparnis: bis zu 6152  EUR
Hyundai Ioniq 5
UVP ab 41.900 EUR, Ersparnis: bis zu 12.280 EUR / im Leasing schon ab 234  EUR
Audi Q4 e-tron
UVP ab 41.900 EUR, Ersparnis: bis zu 12.420 EUR / Leasing-Bestpreis: 89  EUR
Skoda Enyaq iV
UVP ab 34.600 EUR, Ersparnis: bis zu 11.584 EUR / Leasing-Bestpreis 124  EUR
Mazda MX-30
UVP ab 34.490 EUR, Ersparnis: bis zu 13.035 EUR / im Leasing schon ab 90  EUR
Smart EQ fortwo
UVP ab 21.940 EUR, Ersparnis: bis zu 8240 EUR / im Leasing schon ab 77  EUR
Tesla Model 3
UVP ab 46.560 EUR; Ersparnis: bis zu 7975 EUR / Leasing-Bestpreis 289 ,00 EUR
Opel Corsa-e
UVP ab 30.400 EUR; Ersparnis: bis zu 11.920 ,00 EUR
Volvo XC40 Recharge
UVP ab 48.650 EUR; Ersparnis: bis zu 9570 ,00 EUR
Nun kommt es auf den Vorschlag der EU-Kommission an, der den Bedenken Deutschlands Rechnung trägt. Streng genommen erzeugen auch mit Ökostrom erzeugte eFuels Emissionen aus einem Verbrennungsprozess, auch wenn das CO2 zuvor der Atmosphäre entzogen wurde.
Zwar sind die synthetischen Kraftstoffe, deren Kohlenwasserstoff mittels Energieeinsatz der Luft entzogen werden, per Saldo klimaneutral. Doch beim Verbrennen entstehen wieder Treibhausgase.
Dennoch wird Synthetik-Sprit immer wieder als Alternative zur kompletten Elektrifizierung genannt. Allerdings setzen sie einen Energieüberfluss voraus. Noch dazu sind eFuels sehr teuer. Experten gehen von fünf Euro für die Herstellung eines Liters synthetischen Kraftstoffs aus. 
Kritiker befürchten auch, dass es davon schon zu wenig für Luft- und Schifffahrt gibt, die weniger leicht als Autos oder Transporter elektrisch betrieben werden können. Damit wären also auch eFuels keine Rettung für den Verbrenner – es wäre das Aus.

Wann kommt nun das Aus für Diesel und Benziner?

Schon bis 2030 müssen die Treibhausgas-Emissionen von Neuwagen in der EU um 55 Prozent im Vergleich zu heute sinken. Wenn sich der Plan des Europaparlaments ungeändert durchsetzt, dürfen ab 2035 überhaupt keine neuen Autos mit Diesel- oder Benzinmotor mehr zugelassen werden. Schon jetzt darf der Flottenverbrauch im Schnitt nur 95 Gramm CO2 pro Kilometer betragen.

Welche Autos betrifft das Aus?

Es geht um alle neuen Pkw, also vom Kleinstwagen bis zum größten SUV, sowie um leichte Nutzfahrzeuge. Damit sind in der Regel kleine Transporter bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht und bis zu 1,5 Tonnen Nutzlast gemeint. Deren Auslaufen dürfte vor allem Lieferdienste und Handwerker betreffen.

Null Emissionen ab 2035, was bedeutet das?

Die Pläne sehen vor, dass der CO2-Rückgang 2035 gegenüber heute 100 Prozent beträgt. Das bedeutet null Emissionen für alle neu zugelassenen Wagen. Das wäre zwar kein explizites Verbot von Verbrennern. Aber wenn man ein neues Auto nicht mehr zulassen kann, kommt es einem Verbot der Benutzung auf öffentlichen Straßen gleich. Einem Betrieb auf Privatgelände wie auf Rennstrecken sollte das nicht widersprechen.

Wie steht es um das Dieselprivileg?

Auch das hat die EU mittlerweile ins Visier genommen. So will Brüssel "schädliche Folgen des Wettbewerbs" unter verschiedenen Energiesteuern mindern. Damit ist beispielsweise der in Deutschland geltende günstige Preis für Dieselkraftstoff gemeint, der um 18,4 Cent pro Liter geringer besteuert wird als Benzin – auch wenn wegen der Folgen des Ukraine-Kriegs davon aktuell wenig zu spüren ist.
Um das seit den 90er-Jahren geltende Dieselprivileg gibt es schon lange Diskussionen hierzulande. Die neue Ampelregierung hat bereits signalisiert, dass sie an das Privileg ranwill, indem sie eine EU-Energiesteuerrichtlinie umsetzt, "die unter anderem die steuerliche Angleichung von Dieselkraftstoff und Benzin vorsieht".

Wie sich der steigende CO2-Preis auf den Spritpreis auswirkt

Jahr
CO2-Preis/Tonne
Preisaufschlag/Liter Benzin
Preisaufschlag/Liter Diesel
Abzweigung
2021
Abzweigung
Abzweigung
2022
Abzweigung
Abzweigung
2023
Abzweigung
Abzweigung
2024
Abzweigung
Abzweigung
2025
Abzweigung
25 Euro
30 Euro
35 Euro
45 Euro
55 Euro
ca. 7 Cent
ca. 8,4 Cent
ca. 9,8 Cent
ca. 12,6 Cent
ca. 15 Cent
ca. 8 Cent
ca. 9,5 Cent
ca. 11 Cent
ca. 15 Cent
ca. 17 Cent

Hat die Brennstoffzelle eine Zukunft?

In Brennstoffzellen kann Wasserstoff gespeichert werden, der emissionsfrei Fahrzeuge antreiben kann, vom U-Boot bis zum Triebwagen bei der Eisenbahn. Sie könnte auch im Autobau eine größere Rolle spielen als bisher, derzeit ist sie ein Nischenantrieb beim Toyota Mirai oder beim Hyundai Nexo.
Brüssel schließt den Ausbau der Wasserstoff-Tankstellen explizit in seine Klimaziele ein, auch Wasserstoff-Autos gelten als emissionsfrei. Die Frage ist also: Hat Wasserstoff als Antrieb für Pkw eine Zukunft? Viele Experten sind eher skeptisch, denn um eine Energie-Einheit Wasserstoff zu produzieren, sind acht Energie-Einheiten Strom nötig. Den kann man bei batterieelektrischen Auto aber ohne Umweg direkt nutzen.

Was gilt für Hybride und Plug-in-Hybride?

Sie werden den Plänen nach ebenfalls zum Auslaufmodell. Die beiden Antriebsarten werden in den Plänen zwar nicht ausdrücklich genannt. Jedoch: "Da Hybride sowie Plug-in-Hybride auch mit CO2 ausstoßenden Verbrennungsmotoren fahren, dürften diese Fahrzeuge 2035 auch nicht zugelassen werden", so die Einschätzung von Verkehrsrechtsanwalt Uwe Lenhart.

Gibt es nach 2035 Bestandsschutz für meinen Verbrenner?

Die CO2-Regeln gelten nur für Neuwagen, zugelassene Autos haben Bestandsschutz. Denn sie werden weder in den Klimaplänen genannt, noch gab es bislang Pläne dazu. Aktuell sind die Autos in Deutschland 2022 im Schnitt 10,1 Jahre alt. Ein guter Teil des Bestandes, rund 20 Millionen Pkw, wurde 2010 oder früher zugelassen. Auch 2030 und danach wird es also noch viele Verbrenner geben.

Was ist mit Oldtimern und Youngtimern?

Auch Young- und Oldtimer sollten unter den Bestandsschutz fallen. Derzeit sind vor allem Verbrenner auf deutschen Straßen unterwegs. Stand 1. April 2022 waren rund 31 Millionen Benzin-Pkw und 15 Millionen Diesel-Pkw zugelassen, dazu eine Million gasbetriebene Autos und klassische Hybride ohne Lademöglichkeit. Reine E-Autos (BEV) und Plug-in-Hybride zusammen zählen gut eine Million.

Wie geht es mit E-Autos weiter?

Auf ihnen ruht die Hoffnung der EU und auch vieler Autohersteller. So sieht VW den "größten Übergang seit dem Wandel vom Pferd zum Auto" gekommen. Die Hersteller bringen ein neues E-Auto nach dem anderen heraus. Aus der EU-Kommission hieß es, selbst wenn man derzeit einen schlechten Energiemix zugrunde lege, sei ein Elektroauto emissionsärmer als ein klassischer Verbrenner. (Hier ein Kommentar dazu!)

Wie soll die E-Mobilität gefördert werden?

Die EU-Staaten sollen verpflichtet werden, das Netz der Ladesäulen und Wasserstoff-Tankstellen an den Fernstraßen, also Autobahnen, Bundesstraßen, Land- und Kreisstraßen, auszubauen. So sollen E-Autos mindestens alle 60 Kilometer laden können. Brennstoffzellen-Fahrzeuge sollen alle 150 Kilometer Wasserstoff auffüllen können. Die Investitionskosten für die Ladeinfrastruktur schätzt die Kommission auf insgesamt 15 Milliarden Euro.
Schnellladestation von Fastned
An Fernstraßen soll künftig alle 60 Kilometer eine Ladestation auf E-Autos warten.

Worauf müssen sich Pendler einstellen?

Vor allem auf weiter steigende Spritpreise, allein schon durch die steigende CO2-Abgabe. Schon zum Jahresbeginn 2022 machte sie Diesel um 8 Cent, Benzin um 7 Cent teurer. Die Kosten für das Abgeben von CO2 in die Luft, also das Fahren mit einem Verbrenner, dürften nun von Jahr zu Jahr weiter steigen. Das dürfte vor allem Menschen auf dem Land und mit geringem Einkommen treffen.
Überhaupt hinkt Deutschland mit der aktuellen CO2-Abgabe auf Treibstoffe den Vorgaben hinterher. Nun soll der Mineralölhandel CO2-Rechte kaufen, jedes Jahr weniger. E-Auto-Fahrer wiederum profitieren davon, sie können über die THG-Prämie Geld im Quotenhandel verdienen. Wie stark die Spritpreise weiter steigen, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass die deutsche CO2-Abgabe in einem neuen EU-System aufgehen soll.

Kann sich jeder das Autofahren noch leisten?

Um Bedenken von Staaten und Bürgern zu besänftigen, plant die EU einen Sozialfonds. In den soll ein Teil der Einnahmen aus dem Verkauf der CO2-Rechte fließen. Er soll vor allem den weniger finanzstarken Pendlern helfen, die zusätzlichen Lasten zu schultern. Auch hier gilt: Die Details sind noch offen.

Sind die Pläne zum Verbrenner-Aus schon final?

Noch nicht. Damit die entsprechenden Gesetze in Kraft treten können, müssen die EU-Staaten und das Europaparlament nun gemeinsam einen Kompromiss verhandeln. Sie müssen sich auf eine gemeinsame Position einigen, wobei sich das Parlament bereits für ein Verbot ausgesprochen hatte. Es könnte also noch zu Änderungen kommen. Die EU-Kommission hatte schon im vergangenen Jahr einen Vorschlag gemacht, der ein Verbrenner-Aus ab 2035 beinhaltete. Mit Material von dpa und Reuters