"Schatz, fahr doch noch schnell den Kühlschrank zum Recyclinghof, bevor du die Kinder abholst – und auf dem Rückweg bringt ihr vier Säcke Gartenerde mit." Wer so etwas öfter hört, ist vermutlich Caddy-Fahrer und führt ein privates Nebengewerbe: Spedition Papa. Das funktionierte bislang ganz gut, denn der Kleinsttransporter von VW war nicht nur eine treue Seele, sondern auch robust und geräumig. Leider aber auch ein wenig ruppig. Drei Millionen Caddy hat VW seit 1979 verkauft, jetzt mit Generation fünf bildet der modulare Querbaukasten des VW-Konzerns auch die Basis für den Kleintransporter.

Im Caddy Jahrgang 2020 steckt moderne Golf-Technik

VW Caddy
Neue Plattform: Auch der Caddy steht nun endlich auf dem modularen Querbaukasten von Volkswagen.
Damit gibt es praktisch alles, was ein Golf 8 an Technik und Ausstattung bietet, selbst digitale Dinge, nun auch im Caddy. Nur: Die Hinterräder hängen immer noch an einer Starrachse. Die aber verhält sich nun viel besser, denn die Blattfedern flogen raus, große Schraubenfedern kamen rein. Dazu gibt es jetzt einen Panhardstab, der die linke Seite der Achse mit der rechten Seite des Unterbodens verbindet. Diese Erfindung aus den 1890er(!)-Jahren fängt unkontrollierte Seitwärtsbewegungen der Hinterachse ein und verbessert damit die Spurtreue enorm. Die neue Hinterachse ist zudem kompakter und mitverantwortlich dafür, dass Fahrer der Nutzfahrzeugvariante Caddy Cargo eine 1,20 Meter breite Europalette hinten auch quer zuladen können. Beim Testfahren mit dem Caddy in der Ausstattung Move für 32.892 Euro (Ersparnis bei carwow.de bis zu 3584 Euro) fühlt sich die neue Achse so an: Der Caddy liegt souverän und komfortabel auf der Straße wie ein Golf, nur auf Querfugen macht er nicht leise wupp-wupp, sondern immer noch eher ba-damm.

Die neue Hinterachse hebt die Fahrdynamik deutlich

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Aus dem Caddy wird zwar nie ein Sportler, aber jetzt geht er spurtreu und frei von Zickigkeit ums Eck.
Das war’s aber auch schon an Ungemach, denn wenn der Papa aus der Spedition sich im Kurvenräubern üben will, dann folgt Caddys Hinterachse brav. Papas Tatendrang wird eher gebremst von einer deutlichen Untersteuerneigung, daran ändert auch die präzise, leichtgängige Lenkung nichts. Selbst ein gut abgestimmter Caddy wird nie ein Sportwagen sein. Muss er auch nicht, unter der Haube ist schließlich schon bei 122 PS Schluss. Vor Jahren gab es mal einen Caddy mit 184 Diesel- PS, der sei aber kaum verkauft worden, sagen sie bei VW. Stattdessen gehe der Basisdiesel mit 75 PS im gewerblichen Bereich gut – wahrscheinlich weil der Chef ihn nicht selbst fahren muss. Für zivile Nutzung empfiehlt sich der 2,0-Liter-TDI mit 102 oder 122 PS, wobei der schwächere 1183 Euro weniger kostet, aber kaum langsamer ist.
Die Diesel verbrauchen wenig Sprit, zwei SCR-Kats eliminieren die Stickoxide, wie beim Golf heißt die Technik Twindosing. Sie ist wichtig, denn 95 von 100 Caddy werden als Diesel verkauft. Neben zwei 1,5-Liter-Benzinern und einem Erdgasmodell für 2021 ist 2022/23 ein Plug-in-Hybrid geplant. Auch wieder wie im Golf? Nein, der Plug-in-Caddy soll deutlich weiter als 80 Kilometer elektrisch fahren. Spedition Strom sozusagen.
Das Fazit: Es wurde Zeit. Nach 17 Jahren spendiert VW dem Caddy eine neue Plattform, und das Auto nutzt diese Chance, fährt komfortabler, agiler, leiser, edler. Nicht ganz der Golf, dafür viel praktischer. AUTO BILD-Testurteil: 2+
Technische Daten VW Caddy Move 2.0 TDI:Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum: 1968 cm³ • Leistung: 90 kW (122 PS) bei 2750-4400/min • max. Drehmoment: 320 Nm bei 1600-2500/min • Antrieb: Frontantrieb, Sechsgang manuell • Länge/Breite/Höhe: 4601/1855/ 1833 mm • Leergewicht: 1702 kg • Kofferraum: 1213-2556 l • 0–100 km/h: 11,2 s • Vmax: 187 km/h • Verbrauch: 4,7 l/100 km (Diesel) Abgas CO2: 124 g/km • Preis: 32.892 Euro

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VW Caddy 2.0 TDI (2020) im Test

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Stefan Anker