Der gerade abgelöste VW Golf 7 fand nach dem krisengebeutelten Vorgängerduo 5/6 in der TÜV-Bilanz zurück zu alter Stärke. Mit breit gefächerter Motorenpalette von 85 bis 360 PS bleibt er der ewige Alleskönner. Die wichtigsten Infos für Gebrauchtwagenkäufer aus dem AUTO BILD TÜV-Report!

VW Golf (Generation 7)

Bauzeit: 2012 bis 2019
Motoren: 85 PS (1.0 TSI) bis 360 PS (R 360 S)
Preis: ab 7000 Euro
Insassensicherheit (Euro NCAP-Crashtest 2012): Fünf Sterne
VW Golf 1.4 TGI
Der Golf 7 wurde zum Auto des Jahres sowie zum World Car oft he Year gewählt und erhielt das goldene Lenkrad.
Das ist er:
Wie gut und ausgereift der Golf 7 ist, zeigt ausgerechnet sein Nachfolger. Während die 2019 vorgestellte Generation 8 zu Beginn mit Kinderkrankheiten zu kämpfen hatte, präsentiert sich der glorreiche Siebener als – weitgehend – sichere Bank. Die Motorenpalette ist breit gefächert, Gas-, Diesel-, Benzin- oder Elektroantrieb – alles möglich. Basis ist seit 2012 der 1,2-Liter-TSI, ein Benziner mit mindestens 85 PS. Diesel gibt es als 1.6 oder 2.0 TDI mit 90 bis 184 PS. Außerdem noch einen Stromer: Der e-Golf leistet 85 kW und kann laut VW bis zu 210 Kilometer rein elektrisch fahren. Den sportlichen Überbau bilden diverse Golf GTI und R. Serienmäßig besitzen alle ein Start-Stopp-System und ein 5,5 Zoll großes Touchdisplay. Auch Allradantrieb ist zu haben. Weniger bekannt: Versionen bis 125 PS besitzen wieder eine hintere Verbundlenkerachse wie zuletzt der Golf 4, nur stärkere Modelle die teurere Mehrlenkerachse.
Hinweis
VW Golf im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt   
Das kann er: Fast alles. Seine Vielseitigkeit war immer eines der Erfolgsgeheimnisse des Golf. Es gibt zahlreiche Modellvarianten – ob sportlich oder öko, alles wird geboten. Als Plug-in-Hybrid, GTE genannt, kann er mit 102 Elektro- und 150 Benzin-PS bis zu 50 Kilometer rein elektrisch fahren und hat damit eine Gesamtreichweite von fast 1000 Kilometern. Erhältlich ist der Golf als Drei-oder Fünftürer und als Kombi. Das Cabrio wurde Anfang 2016 eingestellt. Egal welche Ausführung, der Golf überzeugt mit guten Sitzen und komfortablem Fahrwerk, auch ohne die DCC genannte Dämpfereinstellung. Dazu bietet er genug Platz für vier Erwachsene.
Das macht Ärger: Hier eine gute Nachricht: Defekte Steuerketten sind im Kummerkasten bisher nicht zu beklagen. Dafür ernten die Panoramadächer viel Kritik, sie lassen Wasser rein. Es gibt eine interne Serviceaktion, im Extremfall muss die gesamte Dachkassette herausgesägt und neu eingeklebt werden. Auch beim AUTO BILD-Dauertester stand der Innenraum unter Wasser, hier war eine Kondenswasserleitung der Klimaanlage falsch verlegt – ebenfalls kein Einzelfall. Der Golf 1.4 TSI aus dem Dauertest erlitt nach 286.000 Kilometern einen Motorschaden: Kolben zweier Zylinder gebrochen! Auch das DSG kann nerven: ruckeliges Anfahren und rutschende Kupplungen. Letztere sind meist Bedienerfehler, weil zum Beispiel Fahrer das Auto am Berg durch Gasgeben halten statt mit der Bremse. Eine Wandlerautomatik kann das ab, ein DSG nicht. Auch knackende Mehrlenkerhinterachsen kommen vor, die Linsen der Xenonscheinwerfer beschlagen von innen. Rückrufe: Ein Verschlussstopfen der Spritleitung könnte undicht werden, die vorderen Radlagergehäuse brechen, Ausfälle der Beleuchtung vom Steuergerät übersehen werden und Airbags sowie Gurtstraffer wegen mangelhafter Treibladungen nicht auslösen. Und beim Alltrack können auch die hinteren Radlagergehäuse brechen.

VW Golf (Generation 6)

Bauzeit: 2008 bis 2012
Motoren: 80 PS (1.4) bis 270 PS (Golf R)
Preis: ab 3500 Euro
Insassensicherheit (Euro NCAP-Crashtest 2009): Fünf Sterne
VW Golf VI
Der Golf 6 ist eigentlich eine überarbeitete Version des Vorgängers.
Das ist er:
Der Name sollte nicht darüber hinwegtäuschen: Der 6er ist nur ein gut geschminkter Golf 5 mit all dessen Stärken und Schwächen. Abmessungen und Fahrwerk sind gleich, Klima serienmäßig, die Sicherheitsausstattung wird durch einen Knieairbag ergänzt. Bei den Motoren wurden alle (Schummel-)Diesel auf das laufruhigere Common-Rail-Einspritzverfahren umgestellt, das Benzinerangebot um sparsame TSI-Versionen erweitert.
Hinweis
VW Golf im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt  
Das kann er: Komfortabel und dabei nicht unsportlich sein. Sein Fahrwerk gilt als das gelungenste der Kompaktklasse, auch ohne aufpreispflichtige einstellbare Stoßdämpfer. Meistverkaufter Motor ist der milde 1.4 mit 80 PS, ganz anders geht der 270 PS starke Golf R zur Sache. Verlangt dabei jedoch Nehmerqualitäten, sein Fahrwerk ist extrem straff. Dazwischen gibt es etliche Benziner, Diesel und auch einen Autogasantrieb. Als Golf für alle Fälle empfiehlt sich der 1.4 TSI mit 122 PS, gern mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Die Diesel gibt's nun billig gebraucht, abseits von Fahrverboten sind sie immer noch ein Tipp.
Das macht Ärger: Motorschäden durch gerissene Steuerketten beim 1.2- und 1.4-TSI, verschlissene Sitzbezüge, gelockerte Fensterschacht-Dichtleisten, defekte Zündschlösser und orientierungslose Navis. Ein Rückruf betraf 2012 den Ladedrucksteller des 1.2 TSI, Ende 2011 ging es um Risse in den Hochdruckleitungen des 2.0 TDI und 2009 um Fehlmeldungen der Bremse und zerbröselnde Fensterheber. Die 1.6 TDI erhielten reihenweise neue Motorsteuergeräte, weil sie bei Frost nicht ansprangen.

TÜV-Urteil

Fahrwerk
Erfreulich solide fallen die Werte der Achsaufhängung aus. Während sich Nummer 7 so gut wie keine Blöße gibt, kränkelt der alte 6er etwas mehr, bleibt aber immer klar unterm Durchschnitt. Im Kapitel Federn/Dämpfer patzt der 7er nach fünf Jahren mit erhöhtem Verschleißbild, der 6er nach neun Jahren. Voll im grünen Bereich sind dagegen die Noten der Lenkung. Rost kommt beim Golf 7 gar nicht und beim Vorgänger unterdurchschnittlich häufig vor.
Licht
Wenig Schatten registrieren die Prüfer beim Licht. Abblendlicht, Scheinwerfer, Heckleuchten – das Brüderduo leistet sich kaum Schwächen, schneidet nahezu überall deutlich besser ab als die meisten anderen geprüften Fahrzeuge. Mal knapp, mal mit Abstand, erkennbar an den verschiedenen Grüntönen des Diagramms. (Mehr zum VW Golf: alle Generationen, News und Videos)
Bremsen
Schon in den letzten Jahren bekam der 7er für seine schwachen Bremsbauteile auf den Deckel, die Show geht weiter. Riefige und rostige Scheiben werden von den Prüfern bei den ersten beiden HU-Terminen überdurchschnittlich oft moniert. Schade, immerhin leisten sich beide Modelle in puncto Funktion von Feststell- und Fußbremse keine Blöße und liefern mit blitzsauberen Werten für Bremsleitungen und -schläuche sogar absolute Topergebnisse ab.
Umwelt
Im Umweltkapitel schlägt sich der Golf 7 im Rahmen der Hauptuntersuchung wacker. Beim Ölverlust schneidet er durchschnittlich ab, anders als sein Vorgänger, der nach neun Jahren deutlich öfter kleckert als der Durchschnitt der geprüften Fahrzeuge. Einigkeit herrscht dagegen beim Motormanagement, wo die Werte beider Baureihen deutlich besser als der Durchschnitt liegen. Ebenfalls überaus solide fallen die Auspuffanlagen aus. Selbst nach elf Jahren ist auf sie noch Verlass.

Fazit

Deutschlands ewiger Bestseller liefert beim TÜV eine durchwachsene Vorstellung ab. Am Golf 7 fallen die maroden Federn und Dämpfer sowie die unterdimensionierten Bremsscheiben auf, am Vorgänger der Hang zum Ölverlust im Alter. Alle dargestellten Jahrgänge fahren mit weniger erheblichen Mängeln von der Prüfbahn als der Durchschnitt.