Das bleibt für immer! Hierzulande werden selbst ausgemachte Fußball-Feinde die WM 2014 nicht vergessen – Südamerikaner schon gar nicht. Die Deutschen blamieren im Halbfinale erst Brasiliens Ballartisten mit 7:1 und besiegen im Finale dann auch Argentinien. Allerdings schaffen unsere Jungs das 1:0 tatsächlich erst in der Verlängerung. In der 113. Minute passt Schürrle auf Götze, der schießt – Tooor!

Auch als Variant möchte der Golf den Testsieg einfahren

VW Golf Variant 1.5 TSI ACT
Favoritenrolle: Als Fünftürer gewann der facegeliftete Golf den Vergleichst – der Variant will nachziehen.
Anderes Spiel, gleiches Prinzip: Wenn VW seinen Musterknaben Golf überarbeitet und mit einem ganz neuen Motor aufs Spielfeld schickt, dann ist das mit der Favoritenrolle schon ziemlich klar. Der erste Vergleich der Fünftürer brachte dem Wolfsburger dann auch gleich mal den Meistertitel in der Kompaktklasse. Doch wir schicken den Golf trotzdem in die Verlängerung – und zwar wortwörtlich. Mit dem gleichen 1.5 TSI unter der Haube muss sich jetzt der Variant beweisen. Und der Kombi macht sich immerhin 31 Zentimeter länger als sein Fließheck-Kollege. Damit steht das Finale natürlich unter ganz anderen Vorzeichen. Hier und jetzt zählt nämlich vor allem ein starker Rückraum. Konkret: Passt das Mannschaftsgepäck in den Kofferraum? Und holen sich die Spieler beim Beladen keine Verletzungen? Klar, dass wir auch auf die Ablösesumme gucken und klären, ob Kondition (des Antriebs) und technische Finesse (des Fahrwerks) für die Verlängerung reichen.
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Die schwungvolle Line kostet Platz auf der Mégane-Rückbank

Renault Mégane Grandtour TCe 130
Transporter: Dank umklappbarer Beifahrersitzlehne kann der Mégane auch lange Güter mitnehmen.
Kein leichtes Spiel also für den Golf. Zumal sich Opel Astra Sports Tourer und Renault Mégane Grandtour auch mit Verlängerungen auskennen. Mit Kombizuschlägen von 33 (Opel) und 27 Zentimetern (Renault) sind beide insgesamt länger als der Golf. Aber wenn nicht nur Ausrüstung, sondern auch Spieler mitsollen, empfiehlt sich der VW. Gegenüber Astra und Mégane passt bei aufrechter Rückbank eine Sporttasche mehr ins Variant-Heck. Doch das allein macht nicht glücklich. Der Renault bietet hier als Einziger eine umklappbare Beifahrersitzlehne – darüber freut sich der Trainer beim Baumarktbesuch ebenso wie über die mit 59 Zentimetern erfreulich niedrige Ladekante. Beim Renault bejubeln wir vor allem den doppelten Boden, der – anders als beim Golf – auch ohne Bastelstunde die Höhe wechselt. Beim Astra gewinnt die dreigeteilte Lehne Fans, kostet aber 340 Euro extra. Der Golf kontert mit einer serienmäßigen Durchreiche. Beim Renault muss eine zweigeteilte Lehne genügen.
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Auch sonst leistet sich der Mégane ein paar Eigenheiten. Die schwungvolle Linie des Kombis kostet innen leider wertvolle Zentimeter – zu dritt hinten ist enge Manndeckung unvermeidbar. Die Bedienung im Tablet-Stil erweist sich als gefährlich ablenkend – diese Taktik geht nicht auf. Astra und vor allem Golf setzen hier auf großzügige Raumdeckung und einfache Bedienung. Allerdings bleiben fehlende Drehknöpfe und Gestensteuerung beim großen VW-Navi Discover Pro für 2385 Euro ein Rückschritt.

Dei Spritzigkeit des Astra geht mit straffem Fahrwerk einher

Opel Astra Sports Tourer 1.4 Turbo
Sprintsieger: Der Astra geht in 9,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 – schneller ist hier keiner.
In Sachen Fahrleistungen weicht der Rüsselsheimer dem Golf nicht von den Füßen, geht unter zehn Sekunden auf Tempo 100 und schafft fast 220 km/h Spitze. Nur im Zwischenspurt agiert der Wolfsburger druckvoller. Beide mobilisieren 150 PS und hängen den 20 PS schwächeren Renault locker ab. Allerdings übertreibt der straff abgestimmte Astra den Fitness-Wahn etwas. Querfugen stoßen unangenehm auf, die aus der Mittellage sehr direkte Lenkung erfordert Eingewöhnung. Gewohnt ausgewogen setzt sich VW an die Spitze. Das Verstellfahrwerk (1045 Euro) beherrscht gemütliches "Ergebnis halten" ebenso wie die draufgängerische Offensive. Die bleibt dem Mégane weitgehend fremd – Lenkung und Schaltung fehlt die letzte Präzision. Die weiche Federung schluckt zwar viele Platzfehler, stößt bei ambitionierter Spielweise aber an ihre Grenzen.
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Und die Preise? Wo Opel und VW uns mit zwei Jahren vertrösten, läuft der Garantievertrag bei den Franzosen fünf Jahre lang (100.000 km). Zudem ist der Mégane auf dem Transfermarkt mit 24.580 Euro der Günstigste, der Golf kostet mit 32.770 Euro die höchste Ablösesumme, der Astra liegt mit 27.895 Euro dazwischen.

Fazit

Die Verlängerung bereitet dem Golf keine Probleme. Der Wolfsburger sichert sich bei den Kombis ebenfalls die Krone, weil er neben vielen Stärken kaum Schwächen zeigt. Einzig die hohen Preise und die lächerlichen zwei Jahre Garantie trüben das Bild. Der Astra bringt sich wegen seines zu sportlichen Auftretens um die Siegchancen, dem gemütlichen und günstigen Mégane fehlt dagegen ein Schuss Dynamik.

Von

Berend Sanders