Das ist nicht mehr mein VW! Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich als Busfahrer (Bulli als California) sitze im neuen ID. Buzz, habe eine Fahrt von Kopenhagen nach Hamburg vor mir und alles funktioniert. Mit der Dame aus dem Navi hat es auf Anhieb gefunkt, sie macht auf Zuruf Popo und Füße warm. Als sie in Sekundenschnelle das Ziel findet, mir auch noch Ladestrategie mit Standzeiten präsentiert, da stutze ich kurz: Das ist nicht mehr mein VW! Meiner versteht nämlich meistens nur Bahnhof.
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Crash-Sicherheit geht vor Schönheit

Wir müssen kurz über den 4,70-Meter-Buzz reden, in dieser Version 27 Zentimeter kürzer als ein aktueller T7, mit 1,94 Metern vier Zentimeter höher, genauso breit. Die Studie sah noch aus wie der Enkel des T1: Sitzplatz nah an der Vorderachse, direkt vor der Scheibe die Straße. Das ist jetzt anders, zwischen Lenkrad und Scheibe ist so viel Platz, da kannst du ein Nickerchen auf dem Armaturenbrett machen, so tief ist das. Hat VW also die Studie verschlimmbessert? Nun ja, sie haben halt einfach die Crash-Sicherheit erheblich verbessert.
VW ID. Buzz Prototyp
Längerer Überhang vorne: Der ID. Buzz ist nicht mehr ganz so knackig wie seine Studie. Dafür hat er eine größere Knautschzone.
Unserem Prototyp haben sie noch das Cockpit mit Stoffhäubchen verdeckt, bloß nichts verraten, was die Weltöffentlichkeit erst am 9. März 2022 um 19 Uhr sehen darf. Wir sind ja hier unter uns, also: psst! Der Gangwahlsteller ist anders als bei ID.3, 4 und 5 nicht rechts am digitalen Tacho angedockt, sondern befindet sich im Lenkstockhebel rechts, so wie bei Mercedes. Der Scheibenwischer lässt sich dafür am Blinkerhebel links über ein Drehrädchen bedienen, und wir werden das Gefühl nicht los, dass sie das demnächst bei allen neuen VW so lösen werden.

VW ID. Buzz Prototyp
Redakteur May am Arbeitsplatz: Die Sprachbedienung des ID. Buzz funktioniert gut. Gänge werden am Lenkstockhebel eingelegt.

Der ID. Buzz gehorcht aufs Wort

Das Handy lädt induktiv in einer Ablage rechts neben der Lenksäule, der 12-Zoll-Touchmonitor mit vier Kurzwahltasten darunter etwa für Navigation oder Klima ist so brillant geraten, dass wir uns spontan fragen mussten: Habt ihr einen von Mercedes abgeworben? So ließe sich ja auch die perfekte Sprachbedienung erklären. 
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VW ID.Buzz (2022): Bulli - Test - Bus - Premiere - Elektro

Im E-Bulli über die Reeperbahn


Jedenfalls ist das neue MIB-System (Modularer Infotainment-Baukasten) in der Ausführung 3.1 so schnell und schlau, da fühlt sich die 1.0er-Version im ID.3 so alt an wie Blaupunkt "Emden" im Golf I. Wie gut, dass VW bei allen ausgelieferten ID nacharbeiten wird.

Mit dem 77-kWh-Akku sollen 450 km drin sein

Lautlos rollen wir also durch die breiten Straßen von Kopenhagen und an den Fahrradfahrern vorbei. Als wir eine Straße noch mal nehmen wollen und kurz drehen, die nächste Überraschung: Dank elf Metern Wendekreis klappt das in einem Zug. 
Unser Testwagen hat 204 PS auf der Hinterachse und ist somit Hecktriebler, wie früher der Käfer. Im Fahrzeugboden des MEB-Modells (Modularer Elektro-Baukasten) steckt ein Akku mit 77 kWh, das soll zwischen 400 und 450 Kilometer Reichweite ergeben. In der Praxis ziehen wir da mal schön 20 Prozent ab, bei dieser Kälte noch mehr.
VW ID. Buzz Prototyp
Langstreckentauglich: Der ID. Buzz soll mit dem 77-kWh-Akku 400 bis 450 Kilometer weit kommen. In der Praxis dürften es weniger sein.
Und weil wir gleich auf die Autobahn rollen, können wir auch den 24-kWh-Schnitt der skandinavischen Kollegen nicht halten, die ja nur im "One-Pedal-Modus" durch die Stadt gestromert sind und bei jedem Mal Gaswegnehmen Energie zurückgewinnen konnten. Das geht auf der Autobahn nicht, weshalb wir später in Hamburg eine 29 vorm Komma stehen haben. Na ja, sind ja auch öfter 130 Sachen gefahren, und das ist nur 15 km/h weniger als die Höchstgeschwindigkeit, die VW dem ID. Buzz zugesteht.

VW ID. Buzz Prototyp
Nachtanken: Der ID. Buzz lud bei unserem ersten Test mit maximal 170 kW. In 30 Minuten sollen immer 80 Prozent Akkuladung drin sein.

Beim Laden ist der Elektro-Bulli zügig

Unser Auto hat kein Verstellfahrwerk, vermissen wir aber auch nicht, so stimmig haben sie den Elektro-Bulli abgestimmt. Er schwebt sanft über den Asphalt, die Lenkung bietet perfekte Rückmeldung, insgesamt haben wir nie das Gefühl, in einem 4,70-m-Brocken mit deutlich über zwei Tonnen Gewicht zu sitzen, alles fühlt sich eine Nummer kleiner an, viel handlicher, agiler. 
Beim ersten Ladestopp in der Nähe von Kolding haben wir 250 Kilometer auf der Uhr und noch 17 Prozent Strom im Tank. Nach 29 Minuten hat der Bulli auf 80 Prozent geladen, teilweise mit 156 kW, beim zweiten Ladestopp später sogar mit 170 kW. Das ist ganz schön schnell für ein Auto, das keine 800-Volt-Technik an Bord hat! VW verspricht: von 5 auf 80 Prozent immer unter 30 Minuten.
VW ID. Buzz Prototyp
Die ersten Serienfahrzeuge des ID. Buzz sollen erst Ende 2022 auf die Straße rollen. Der Preis dürfte bei 55.000 Euro liegen.

Die Serienversion soll Ende 2022 kommen

Der Peak nach oben ist zwar nicht so groß wie bei Kia und Co, die mit bis zu 230 kW laden können, dafür soll das Plateau mit den hohen Ladegeschwindigkeiten länger andauern. Werden wir nachprüfen, wenn Ende 2022 die ersten Serienautos kommen sollen. Und auch, ob der ID. Buzz mit "Plug & Charge" nach ISO-15118-Norm automatisch Schnelllader von Ionity, E.ON, Aral, BP und Enel erkennt und man keine Karte oder App mehr braucht. 
Oder ob dank bidirektionalem Laden das Auto zuerst die Solarenergie vom Dach aufnimmt und später das Haus fünf Tage lang mit bis zu 50 kWh Strom versorgt. Oder ob da wirklich sieben USB-C-Schnittstellen drin sind, wo wir doch nur eine in der Beifahrertür, eine im Spiegelgehäuse, zwei im Cockpit und zwei hinten entdeckt haben.

Bildergalerie

VW ID. Buzz Prototyp
VW ID. Buzz Prototyp
VW ID. Buzz Prototyp
Kamera
Fahrbericht VW ID. Buzz
Ach ja, da waren noch die drei schwedischen Handwerker im Crafter, die irgendwo bei Kolding neben uns an der Ampel standen, alle die Hälse lang machten, Daumen hoch. Hey, Jungs, diesen Bulli wird es auch ohne Fenster hinten geben, sie nennen ihn Cargo, könnt ihr dem Chef schon mal stecken. Und sorry, dass ihr nicht fahren durftet. Sonst hätte ich noch vor der Grenze gesagt: Das ist nicht mehr mein VW!