VW Corrado: Klassiker, Kaufberatung, G60, VR6, Sechszylinder

VW Corrado: Klassiker, Kaufberatung, G60, VR6, Sechszylinder

VW-Sportler im Premiumsegment

Mit dem Corrado wollte VW in den späten 80ern am Premiumsegment kratzen. Es gab sogar einen 190 PS starken Sechszylinder – aber leider nicht genug Kunden.
Volkswagen hatte es nie so mit Sportwagen. Doch mit dem Corrado wollte VW in der 80er-Jahren einen deutlichen Schritt nach vorne machen. An sich als Nachfolger des Scirocco II geplant, wurde er letztlich wegen seiner aufwendigen Technik und besseren Ertragschancen nach oben positioniert und sogar neben dem Scirocco angeboten. Im VW Corrado arbeiteten Technik und Antrieb des Golf III im selbstbewussten Blechkleid eines kompakten Sportlers – produziert bei Karmann in Osnabrück. Leicht gedrungen, aber dynamisch ging der von Chefdesigner Herbert Schäfer kreierte Kompaktsportler auf Kundenfang – mit mäßigem Erfolg.

Die Wahl zum Goldenen Klassiker 2020

Topmodell war der VR6, der von einem ungewöhnlich konstruierten Sechszylinder mit 2,8 bzw. 2,9 Litern Hubraum und zunächst 174 PS angetrieben wurde. Später gab es einen Leistungsnachschlag auf 190 PS. Im Gegensatz zum VW Golf VR6 war er zwar ebenfalls mit Fünfgang-Handschaltung oder Getriebeautomatik zu bekommen, doch der Allradantrieb des späten Golf VR6 Synchro blieb ihm verwehrt.

Erster elektrischer Heckflügel brachte 235 km/h

Der Corrado trug den ersten elektrisch ausfahrbaren Heckflügel von Volkswagen zur Schau.

Der Corrado war bei seiner Premiere 1988 durchaus ein Blickfang: ein sportliches 2+2-Coupé mit allerhand technischen Innovationen. Erstmals wurden bei einem Volkswagen die Stoßstangen in Wagenfarbe lackiert, die vorderen Kotflügel waren die ersten CAD-Bauteile der Wolfsburger. 1993 gab es sogar die Designstudie eines Cabriolets, die jedoch nicht in Serie ging. Anfangs machte der VW Corrado als G60 mit einem sogenannten Garrett-Spirallader von sich reden, der aus dem nur 1,8 Liter großen Vierzylinder stattliche 160 PS herauspresste. Mit 225 km/h war der VW Corrado G60 der bis dahin schnellste jemals in Serie produzierte Volkswagen. In Kombination mit dem ersten elektrisch ausfahrbaren Heckspoiler von VW, der den Auftrieb an der Hinterachse um mehr als 60 Prozent reduzierte, schob der VR6 den Corrado auf der Autobahn sogar auf rund 235 km/h.  

Strammes, aber eher unsportliches Fahrwerk

Der Corrado VR6 konnte nach einem Leistungsschub immerhin satte 190 PS aufweisen.

Neben Anlehnungen an den Golf gab es ein für Volkswagen vergleichsweise mutiges Außendesign. Innen warteten vorne wie hinten wohlkonturierte Sportsitze und das übersichtliche Cockpit vom Passat der Serie B3. Mit der Modellpflege 1993 gab es eine dezent neue Richtung. Die großen Kippschalter wurden durch Drucktaster ersetzt, auf Wunsch gab es schickes Leder in Türen und auf den beheizten Sitzen. Das Fahrwerk war stramm, aber nicht sportlich. Aufgrund der hohen Motorleistung gab es spürbare Antriebskräfte in der Lenkung, wenn man flotter unterwegs war. Auf der Suche nach einem Klassiker sollte man das im Auge behalten und daher Spurstangen, Antriebswellen und die Bremse genau checken.

Finger weg vom Basismodell mit 115 PS

Bis 1995 wurden vom VW Corrado insgesamt 97.535 Fahrzeuge verkauft. Ein sportlicher Imageträger, der Volkswagen gerade heute gut zu Gesicht stehen würde. Auf dem Klassik- und Youngtimermarkt gibt es aktuell nur ein begrenztes Angebot: Es reicht vom schlecht ausgestatteten Basismodell 2.0 mit 115 PS für 4000 Euro bis zum komplett ausgestatteten VR6 von 1993 mit 190 PS für mehr als 20.000 Euro. Einige Händler bieten Fahrzeuge mit deutlich unter 100.000 Kilometern im Sammlerzustand für 25.000 Euro und mehr an.
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Das ist dann doch etwas zu viel des Guten für den kompakten Golf-Ableger. Doch wer jetzt ein gutes Modell für unter 10.000 Euro ergattert, der dürfte sich über steigende Preise freuen. Die Ersatzteile sind zumeist gut zu bekommen, die Verarbeitung ist ordentlich. Vom Basismodell mit 115 PS sollte man dabei ebenso die Finger lassen wie vom schnellen, aber nicht dauerlastfähigen G60. Am Corrado VR6 führt daher kaum ein Weg vorbei. Doch neben dem Thema Rost und Elektrik (insbesondere Fensterheber, Schiebedach und Klima/Lüftung) sollte man ein wachsames Auge auf die Zylinderkopfdichtung und den Kettenspanner haben.

Autor: Stefan Grundhoff

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