Wartburg 1.3: Klassiker des Tages

Wartburg 1.3: Motor, Tuning, Tieferlegung

Wartburg 1.3: Klassiker des Tages

Der Wartburg 1.3 sollte den Eisenacher Autobauer retten. Doch er scheiterte, seine Qualitäten gingen unter. Heute verehren ihn seine Fans!
Als es mit der DDR-Autoindustrie zu Ende ging, sollten Viertakter von VW das Ruder rumreißen. Eines der entstandenen Mischwesen ist der Wartburg 1.3. Ihn treibt der für den VW Polo 86C entwickelte 1300er-Motor mit 58 PS an. Zu seiner Zeit ein ungewolltes Stiefkind, hat sich der letzte "Warti" inzwischen zum veritablen Kultfahrzeug entwickelt.

DDR-Feeling mit modernem Touch

Der 1,3-Liter-Vierzylinder stammt von VW und leistet 58 PS. Der Warti musste für ihn umkonstruiert werden.

58 PS aus 1,3 Litern Hubraum mögen erst mal nicht nach großem Sport klingen, doch im Detail wird der Reiz deutlich. Zunächst verzichtet der Viertakter auf die – nennen wir sie mal – Eigenheiten seiner knatternden Brüder. Bei Kälte muss zum Beispiel nicht gefühlte Ewigkeiten mit dem Choke gespielt werden, bis der Motor auf Temperatur ist. Dann zieht der 1.3 beim Beschleunigen leise summend an, anstelle das Drehzahlband raufzukrakehlen. Nicht zuletzt entfällt das Sprit-Öl-Mischen. Schließlich ist das Gemisch an der Tankstelle heute nicht mehr selbstverständlich zu haben. Klar, das macht für Traditionalisten einen Teil des Spaßes am Wartburg-Fahren aus. Doch für den Einstieg ins Hobby "DDR-Technik" oder für den halb-alltäglichen Einsatz eignet sich der 1.3 wegen dieser unkomplizierten Seite besser. Solange er gepflegt wurde. Denn auch diesem Wartburg hätte umfassendere Rostvorsorge ab Werk gut zu Gesicht gestanden.

Konzeptionelles Fiasko wird zum skurrilen Zeitzeugen

Schlichter geht Interieur kaum. Die Sitze schlucken die Unebenheiten, die die Federung nicht schafft.

Im Innenraum des Wartburg 1.3 geht es aufgeräumt zu. Mehr als das zum Fahren Nötige ist einfach nicht da. Wird die Straße schlechter, schlägt die Stunde des Eisenachers: Dann schluckt die bequeme Bestuhlung auch die Unebenheiten noch weg, die die Federung nicht geschafft hat. Historisch betrachtet macht den Wagen allein seine Entstehung zum erhaltenswerten Stück. Von den Wartburg-Ingenieuren selbst entwickelte Viertakter für den Vorgänger 353 wurden aus Berlin gestoppt, man wollte die notwendige Investition nicht eingehen. Ironie des Schicksals: Der Umbau des 1.3-Vorderwagens für den VW-Motor kostete am Ende mehr als ein eigenes Aggregat. Der erhoffte Verkaufsschlager wurde der Viertakter-Wartburg nicht, weder als Limousine noch als Kombi. Nicht mal der zusammen mit Opel-Tuner Irmscher veredelte "New Line" fand Käufer. Heute macht Tuning mit teils heftiger Tieferlegung den Wartburg 1.3 zu sehenswerten Einzelstücken. Schöne Wartburg-Modelle finden Sie hier!

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